1887
Mittwoch dm 16. März
Nr. 63
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS
binnen 3 Tagen erinnert.
Dr. Boekmann.
behalten.
PreiS vieneljährlicb 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn- uvrti die Poü betonen orerieliadi!ich 2 Mark 50 M.
Politische Ueberficht.
Gieße«, 15. März.
Der Kaiser empfing am Donnerstag Mittag Herrn v. Lessep» und batte der berühmte Franzose auch die Ehre, zu der bet den kaiserl. Majestäten am Donnerstag stattgesundenen Soiröe eingeladen zu werden. Der Kronprinz, welcher mit anwesend war, unterhielt fich längere Zett sehr lebhaft mit Herrn v Lessepr und erinnerte er denselben daran, daß er bereit» bei der Einweihung des Suezkanals seine persönliche Bekanntschast gemacht habe. Al» «rund seiner Berliner Reise hat Herr v- Lessepr die Ueberretchung der Insignien al» Groß. O'ficier der Ehrenlegion an den französischen Botschafter. Herrn Herbette, bezeichnet und soll er hierbei erklärt haben, daß die große Mehrzahl seiner Land», [eute ganz entschieden frievlich gefinnt sei und daß man in Frankreich die Thätigkeit des Herrn Herbette zur Erhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Cabineten von Part» und Berlin sehr wohl zu schätzen wisse. Die auszeichnende Ausnahme, welche Herrn v. Lessep» in der Reichrhauptstadt und spectell am kaiserlichen Hose zu Thetl geworden ist, hat in den maßgebenden Pariser Kreisen sehr angenehm berührt.
Die Geburtstagsfeier der Kaiser» von Rußland (11. März- Hat den äußerlichen Anlaß zu einer mehrfachen Betonung der zwischen Berlin und Petersburg bestehenden osficiellen Beziehungen gegeben. Vom Ezaren wurde dem Staatssecretär Grasen Bismarck der Weiße Adlerorven verliehen und außerdem hatte Fürst Bismarck eine längere Unterredung mit dem russischen
Unter den Mitgliedern der kirchenpolitischen Commission des Herrenhauses ist eine Verständigung bezüglich einer Modification der Kopp - scheu Anträge unter Zustimmung der Regierung erzielt worden und güt nunmehr die Annahme des neuen Kirchengesetzes als gesichert.
Im Potsdamer Stadtschlosse hat am Samstag tue seiemche Taufe des jüngstgeborenen Sohnes des Prinzen Wilhelm von Preußen im Beisein zahlreicher fürstlicher Persönlichkeiten stattgesunden.
Dec Rücktritt des Staatssecretärs für Elsaß-Lothring.en, v. Hofmann, toiro als das Zeichen eines bevorstehenden gründlichen Systemwechsels im Reichende anläßlich oes schlechten Wahlaussalles und zwar im Sinne eines strengeren Regiments betrachtet. r , t ,
Dre Melinit-Explosion im Belsorter Arsenal hat mehr Opfer gefordert, als die ersten osficiellen Berichte Qttgc^n. Von den mit der Manipulation — dem Füllen von Granaten mit Melinit — beschäftigten 16 Militörpersonen wurden drei sofort getödtet, vier tödlich verwundet und die übrigen neun erhielten schwere Verletzungen. Die Explofion ist dadurch herber- geführt worden, daß das zur Füllung bestimmte Melinit überhitzt war. Ostens bar ist cs eins seltsame Fügung, daß französische Soldaten zuerst die Wirkungen dieses furchtbaren Sprengmaterials erfahren mußten.
In der Provinz Porto Maurizio fand am Freitag abermals em Erdbeben statt, doch scheint dasselbe keinen weiteren Schaden angerichtet zu haben.
Auch der zweite Act des Strafgerichtes von Rustfchuk ist nun beendigt. Am Freitag verurtheilte das dort eingesetzte Kriegsgericht den Marine-Capitän Kissimow und zwei Civilisten, welche der Theilnahme an dem Ausstande beschuldigt waren, und zwar ersteren zu einjähriger Festungshaft und die letzteren zum Tode. 300 jüngere Soldaten wurden begnadigt, 125 ältere zu eüv bis dreijährigem Gefängniß verurthellt. Wie es heißt, überreichten drs Letzteren ein Gnadengesuch. — Zur diplomatischen Situation, resp. über die Verhandlungen der Mächte über die Rustschuker Hinrichtungen liegt Nichts Neues vor. ______ —
Vurearr r Schul strahe 7.
ießenck Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Deutschland.
Berlin, 14. März. Der Kaiser nahm Vormittag» einen längeren Vortrag Wilmowski'» entgegen und machte Nachmittag» eine Spazierfahrt.
England.
London, 14. März. Da» Oberhaus nahm in zweiter Lesung die Regierung»-Vorlage, betr. den Eisenbahn- und Kanal-Verkehr, abstimmungs. 106 ^London, 14. März. Der „Standard" veröffentlicht ein Telegramm nach welchem ein erfolgloser Mordversuch auf den Kaiser von Rußland ge- macht worden sein soll. Der „Standard" giebt an, daß ihm da» Telegramm in Chiffern zugegangen sei. Ob demselben ein wirklicher Vorgang zu Grunde liegt, läßt sich zunächst nicht feststellen. An anderen Stellen liegen keine Mit» theilungen vor. (In unserem gestrigen dierbezüglichenTelegrammistemLamsus unterlaufen, welchen wir zu berichtigen bitten. Durch mangelhafte NiederschE de« Telegramm» ist au« dem Worte apogryph ein Apothekergehil e entfiand n welcher sein Dasein der Flüchtigkeit des Handwerk» verdankt Wir bitt,i d.o den Apothekergehilsen zu streichen und apogryphe Meldung de» „Standard
Ufe- Die hiesige russische Botschaft erklärt die Nachricht des „Standard- von einem angeblichen Attentat aus den Kaiser Alexander von Rußland für völlig unbegründet. __
Gießen, am 12. März 1887.
Betreffend - Maßregeln gegen Landstreicher und Bettler, hier die Errichtung von Naturalverpflegungrstationen-
Das Großhrrzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherjoglichen Dür-ermetstereie« des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände find, werben an Erledigung unserer Verfügung vom 24. Februar 1887 - Anzeiger Nr. 47 -
Reichstag.
E. K. Berlin, 14. Marz 1887. imptfp Beratbuna des Etats wird beim Marine-Etat fortgesetzt.
Abg. Rickert (5fr.) bittet, die Arbeiterentlassungen aus den Danziger Wersten auf i,a§S^ibnfSrft2lÄlhä?^6"priüi beklagt dies, kann aber bei dem Mangel an Arbeit keine Aendenmg schaffen; in Frankreich und England seren d,e Entlapungr, zehnmal größer. .
Beim Etat der Justiz-Verwaltung fragt cva6rcn von ihm angeregte
Abg. Frhr. v. Mirbach (cons.), rote weit das vor Jahren von
Genossenschaftsgesetz mit Theilhaft gediehen sei. Vorarbeiten noch nicht ab-
Staatssecretär v. Schelling erwidert, daß die Borarv-uen |m gagc, gefchlosfen seien; die verbündeten Regierungen wurden die Angerege y
” Gießen, am 8. März 1887.
Betreffend- Die Wahl der Einschätzungs-Commisfionen für die Veranlagung der Einkommensteuer und der Kapitalrentensteuer.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
arr die Großherzoaliche» Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme von Gießen-
m v- w l5in^mmt»nstt>neraesetzes und Art 17 des Kapitalrentensteuergesetzes, beide vom 8. Juli 1884, ist zur Einschätzung in die Stelle.'-
„ . Smkom^M'üu g f 6 b be^ Kapitalrentensteuer für jede Gemeinde eine örtliche Commission von dem betreffenden
Ortsvorstand ^auf"dre^Jahre zu wählen^ Da die Dienstzeit der ^im Jahr 1884 gewählten Commissionsmitglieder demnächst abläuft, so beauftragen w.r Sie, entsprechende Neuwahl vorzunehmenund d-s^rwachse^b^Prot°koll bis^um ^^MbJ^anunnnzuenden. Ersatzmänner zu wählen
Hierzu bemeren mr, bafe für fammb«n Gemeindevorstand selbst angehören, wenigstens ein Mitglied muß aber d7mselb?n"MgehörenE^bleibt der Bürgermeister, welcher als solcher ständiges Mitglied der Einschätzungs-Commission und Stellveitrtt^r^bes^Vorsitzenden^lst^au^^Eo^^TOOflen Sie angeben, welche der Gewählten dem Ortsvorstand angehoren.
'XJ 0 Dr. Boekmann.
------ Nr. 8 des Reichs-Gesetzblatt», ausgegeben den 12. b. M., enthält:
sNr 1703.] Gesetz, betreffenb bie Friedenspräsenzstärke de» Deutschen Heeres. Vom 11. März 183,.
' Gießen, den 14. März 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen-
Dr. Boekmann.


