Ausgabe 
16.1.1887 Zweites Blatt
 
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Naturwissenschaft besitzt, so sollen einstweilen, bis die nöthigen Mittel zur Gründung einer Anstalt, wie die erwähnte, mag man sie nun Gymnasium, Parthenaaoaium oder wie sonst nennen, vorhanden sind, zur Ausbildung deutscher Mädchen für Maturität und daran sich knüpfende Studien verwendet werden. Bisher ist es den deutschen Mädchen nur möglich, jene Vorbildung auf dem Wege der Privatstunden sich an- zueignen der bekanntlich sehr kostspielig ist, wobei es auch noch fraglich, ob man sie zum Abiturlum wie Studium irgendwo anders zuläßt als im Auslande. Lor der Hand stehen ihnen nur die Universitäten der Schweiz offen. Wer sich näher Aber die Stipendienangelegenheiten des Allgemeinen deutschen Frauenveretns unterrichten will wende sich an d«i Bors and desselben in Leipzig oder ebenda an die Redaction seines OrgansNeue Bahnen". (Moritz Schafer's Verlag.)

..®ov geladenen Sachverständigen wurden kürzlich im Stuttgarter Musik-Conseroatorium und im Lipp'schen Coucerisaal Prüfungen des von Ingenieur Schanzenbach sinnreich erfundenen Pianino - Schalldämpfers vorqenommen welche cm durchaus befriedigendes Ergebniß lieferten. Der sehr einfache Mechanismus ,,t in icdcm aufrecht stehenden Saitenkasten leicht und ohne erhebliche Unkosten an­zubringen. Er ermöglicht dem Spieler, den Ton in verschiedenen Graden abzudämpsen Auf einem zwischen Saittn und Hammern auf- und abwärts beweglichen Metallrabmen

8 ^'f6ret nr ßefpannt, der sich nach oben durch aufgelegt-

schmalere Streifen allmalich 6sach verdickt. Ein Druck des Fußes aus den am linken Pedal angebrachtcn^Hebel bewegt und regelt den Apparat je nach Wunsch. Wird der stiahmen d,e erste Stuse tiefer gestellt, so tritt di- unterste einfache Flanclllage zwischen Saiten und Hammer^und fchwächt den Anschlag sowohl wie die Schwingungen und ,-de noch niedriger- Stellung erhöht diese Wirkung weiter. Aus der untersten Stufe mit voller Dampfung bleibt der Ton dem Spieler immer noch deutlich hörbar im Nebenzimmer ist er ledoch nahezu unvernehmbar. Als Nebenvorthcile werden noch angegeben, daß bei fleißigem Gebrauch des Apparats di-Ptaninos sehr geschont werden nicht so rasch verstimmen, daß die Befilzuna der Hämmer viel länger unversehrt bleibt und nicht erneuert zu werden braucht. Der schwächste Grad der Dämpfung dürste sich auch bei Begleitung kleinerer Singstimmen anwenden lassen. Sowohl bei offenem Fenster konnte nun gespielt werden, wie auch in die Nacht hinein, in letzterem Falle mit stärkerer Dampfung; denn i- stiller die Umgebung ist, um so schwächer kann ja der (Sattenton fern. ' 1

Bewährt sich die Sache nach allen Seiten hin, wie es den Anschein hat, so ver­dient in der That der Name des Erfinders einen Platz in der Geschichte der Lnaieine und der H-llkunst. Nicht blos dürsten ihm die in unserer Zeit immer zahtteicher werdenden an U-bcrr-lzung (Hyperästhesie) der Gehörnerven Leidenden zujauchzen, auch die Pianisten selbst, Künstler und Dilel tauten, werden es als eine Wohlthat empfinden wenn ste bei Fingerübungen ihre Ohren schonen können. Denn die bisher hier und da angewandte fogen. blinde Klaviatur leistete dafür doch nicht den rechten Dienst Endlich wird -3 die nächste Umgebung und Hausgcnossenschaft der Spieler, darunt r so viele geistig Angestrengte, als eine Erlösung empfinden, wenn sie des Nerven- geschinders (um mit Richard Wagner zu sprechen) und dergcdankenmörd'erischen" Storungen (um Schopenhauer's Ausdruck zu gebrauchen) wenigstens theilweise übcr- bobcn find. Zu wünschen bl,ebe, freilich noch, daß auch für di-Tafelklavi re und Flügel em Bändiger erstund^ Hieran knüpfte sich dann die weitere Hoffnung, daß die Polizei der Stahle ermächtigt wurde, ungebührlichen Belästigungen der Nachbar­schaft durch Klavierunfug eistg-gcnzutreten Daß vor 40 Jahren das englische Parla­ment auf Anlrqg des Obrist Slbthvry em Verbot gegen die public nuisances der Pferde­orgeln erließ, wird alten Zeitungslesern noch in Erinnerung sein.

(Langsam tödtend.) Aus London schreibt man:Im Jahre 1798 verlnbie ftcft die dazumal 17jährige Miß Mathilde Johnson, eine Nichte des berühmten Leriko graphen, mit dem Gard-lieutenant Hoog Kurz vor der Hochzeit starb der Lieutenant; die Braut zog sich auf rhr Gut Baltmglas zuruck, lebte in größter Einsamkeit und setzte noch tm gleichen Jahre ein Testament auf, in dem sie ihr 15 000 Pfd Sterl betragendes Vermögen dem Militärspitale vermachte und den Wunsch'aussprach man möge auf ih^ Grab einen Marmorstein setzen, der ihren Namen und ihr Alter zeiae nebstbei di- Inschrift:An Llebesgram dahingcgangen." Miß Mathilde Johnson ist am 18. v. M. im - 106 Jahre ihres Lebens gestorben." Joflnion tst

[liebel angebrachte Tugend.) In London besteht unter dem Schutze der I Herzogin von Cambridge em Verein, welcher alljährlich im Weihnachtsinonatt tausend !

gefallene Mädchen, welche einen besteren Lebenswandel beginnen wollen statt Äh./ ?e" Ausstattungen verfiehi. Die Vertheilung fand am 8. Decbr t 6 barauf niad)le man die unangenehme Entdeckung, daß hundertzweiuud- i*9 tugendhafte und brave Mädchen in widerrechtlicher Weise sich als Sünderinnen Unfugs gLchllich "belangst ^^Em°n. Die Tugendhaften werden wegen dieses TnTntto"? LT r* Tänzerinnen in Flammen.j Ein schreckliches Unglück wird aus öen^lbe.t dorttgen Teatro Kasino war eben der Vorhang zur -ber P?nwmimeDie Brücke des Teufels" in die Höhe gegangen d Tänzermnen standen eng aneinander geschmiegt auf einer tragbaren Brücke

berr.^ÜbneVaI§ mit einem Male"die Flamme des dicht unter ilmcn abgebrannten bengalischen Feuers das Tüllkleid der Ballerina Serale ergriff Mit GÄhrr* Entsetzens stoben di- Tänzerinnen ausernande^aber eheer niu6t/'n,aS war, sah man drei lebende Feuer-

brännten nock ®U^ne umherirren - außer der obengenannten Ballerina ver-

Oie beiden Eorpstanzerrnnen Maria Averino und Christina Mathis

lm Publikum war unbeschreiblich, und obwohl bald von allen Selten Hulse herbeteilte, konnte man dte unglücklichen Mädchen dock nur in naOe^it hoffnungslosem Zustande in das Krankenhaus schaffen. Außer den Verunglückten davongetragen?'" Tänzerinnen Brandwunden im GchZt^und a^Armen rmdMen q. c E d n e y, 7. Januar. Don den sechs jungen Leuten, die unlängst rum Gewatt anattban^bott^ weil sie in einer Vorstadt Sidneys einem Mädchen

rüc^eftcllt 9 b ' rourben ^ut- vier gehängt, die beiden anderen aber zu- auf de^rirff'tEo^?d^,,W"rst.f Krr:Eigentlich sollten alle Damen einen Zettel EuMi, aus dem geschrieben steht, wie viel Mitgift sie erhalten/' richtig! Und die Herren müßten auf dem Rücken einen Zettel tiaaen aus dem zu ersehen ist, wie viel Schulden sie haben." b '

vf-nnlamar^!,77 Ä Johann: Befehlen di- Frau Baronin, daß ich Erei-- rinane mnl ~ Bronin:Johann, merke es Dir

IO Pfennig!" L ® 3 ®cfd)ted>t derer von Schnädelburg frankirt nie unter ick -ste"'®anhptrft-Srä^Icin: Dauben gar nicht, Herr Oberst, wie wenig

gefüttert." C "Ganz wie bei uns von der Kavallerie! Gut geputzt ist halb

Literarisches.

»weite 'marml^« Fnnf Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) eröffnet das steitroman"vnn ffl laufinden Jahrgangs mit dem mehrfach voraus angckündigien

Mm?11«?°n s c £°J Samarow, der unter dem Titel ^Gipfelund Abgrund"

Nack^den bis s nb be§ Bayernkönigs Ludwig II. entfallen soll,

interessantes ^"1?ugcn verspricht der Roman in der That ein hock-

k 3 ^oer Parteien Gunst und Haß" erhabenes Leitbild tu entrollen

ienfn^tkf r b 2l^tr'J.en des königlichen Helden, den wir auf Hohenschwangau bei Jahres 1870 belauschen, welche die preußische Kriegserklärung des

Prfennen mi, 7a L 9 9-Ni. außerordentliches Interesse und läßt uns

ernennen, rote ernft es der Verfasser mit seiner Aufgabe nimmt und wie sehr er tu n euer i uaNals^ ab ar ?, h J19 berULCn Daneben bietet die Eröffnungsnummer des

7? ««»vollen Ossip Schubin'schcn RomanErlachhos", iksielnder, trefflich geschriebener Artikel, unter denen wir nur die Minare- von L. bi7?mof/.°77Sut'n-r, ,,Zmei N-ujahrstag- der, La Valliöre"

von Ebr Renkaeb b. köstliche Eplfode aus dem Secmannsleben:Brandung voraus" als möalick7 rwÄ r?aei\ Die künstlerische Ausstattung ist so glänzend unb micr^'Qu» L* hM,7>p!*Jte'87-ntle-n Anstrengungen würdig, dielieber Land ben Zaa [rat dm IN so augenfälliger und erfolgreicher W-tsc an

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