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Nr. 266.

Dienstag den 15. November

1887.

Gießener

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulftraße 7.

^scheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljäbrlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher eil.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 6 des Gesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat October veröffentlicht:

Hafer Jk 14., Heu 7.17, Stroh «X 5.78 pro 100 Kilogramm.

Gießen, am 11. November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________________________________________Dr, Boekmann._________________________________________________

Betreffend: Sterblichkeits-Statistik. Gießen, am 14. November 1887.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises Gießen.

Wir ersuchen um unverzügliche Einsendung der aus den Gemeinden Alten-Buseck, Bellersheim, Bersrod, Göbelnrod, Lauter, Leihgestern, Oppenrod, Ruttershausen und Trohe noch rückständigen Sterblichkeits-Nachweise für die Monate September und October, beziehungs­weise nur für letzteren Monat. Gleichzeitig machen wir nochmals auf die von verschiedenen Seiten nicht beobachtete Bestimmung aufmerksam, daß bei fehlender ärztlicher Bescheinigung der Todesursache der Standesbeamte sich darüber zu verlässigen hat, daß ein Arzt nicht zugezogen war und dieß aus dem Todesschein unter Beifiigung seiner Namensunterschrift zu bescheinigen hat.

Auch erinnern wir, daß bei den Fällen gewaltsamen Todes stets die specielle Art, in welcher derselbe eingetreten ist, angegeben werden muß.

Dr. Köhler.

Deutschland.

Darmstadt, 12. Nov. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Profeffor Dr. Hofmeier von Gießen, den Lehrer Gerhardt aus Framersheim; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Ministerial- präsidenten Weber, den Geheimerath Dr. Becker, den Oberstallmeister Frhrn. v. Nordeck zur Rabenau, den Hofceremonienmeister Geheimerath v. Werner, den Hofjägermeister v. Werner.

][ Darmstadt, 13. Nov. Seine Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen trafen heute Nachmittag, mit dem St. Gotthardtzug 2 Uhr 33 Miy. von San Remo kommend, in Begleitung Seines persönlichen Adjutanten, Hauptmann von Pfuel, hier ein. Der Prinz wurde von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog empfangen und in das Schloß geleitet, woselbst das Diner der Großherzoglichen Famllie stattfand; an demselben nahmen auch Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen Theil. Abends 7 Uhr fährt der Prinz Wilhelm von Preußen mit einem Extrazug nach Frankfurt, von wo er über Hanau-Bebra nach Berlin zurückreist.

Darmstadt, 12. Novbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 29. October den provis. Lehrer am Realgymnastum und an der Realschule zu Mainz, Dr. Hermann Willig, zum Lehrer an diesen Anstalten, an dems. Tage den provis. Lehrer an der Realschule zu Michelstadt, Ernst Kleinen, zum Lehrer an dieser Anstalt zu ernennen.

Darmstadt, 12. November. Ernannt wurden:

Am 8. November der ümtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Nieder- Olm, Gustav Zotz, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Vllbel, mit Wirkung vom Tage des Diensteintrittes seines Nachsolgers,

an demf. Tage dem Fuß-Gensd'arm Johann Jacob Burk zu Butzbach zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Oppenheim, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts.

Berlin, 10. November. DieNat.-Ztg." veröffentlicht eine schon kurz erwähnte Zuschrift über die Krankheit des Kronprinzen, die ihr von ärztlicher Seite zugeht:

Der prinzipielle Standpunkt, welchen Profeffor Störk einnimmt, ist von den Berliner Capacitäten, welche zur Behandlung des Kronprinzen im Frühjahr hinzugezogen wurden, von Anfang an sestgehalten worden. Das erste und Haupterforderniß ist immer, den Charakter der Krankheit frühzeitig zu erkennen, die Diagnose so früh als möglich sicher zu stellen. Hiersür giebt es für dar vorliegende Leiden zwei Wege: der erste ist das Ausschneiden kleiner Stücke der Geschwulst und die mikroskopische Untersuchung derselben, um aus ihrer anato­mischen Struktur und Beschaffenheit die Art der Erkrankung zu erkennen. Diese Methode, welche bekanntlich beim Kronprinzen angewendet werde, ist auch nach Virchows Ausspruch die unsicherste, und beispielsweise in dem neuesten, soeben erschienenenLehrbuch der allgemeinen Chirurgie", von Prof. Fischer in Breslau heißt es darüber:Die mikoskopische Untersuchung kleiner Geschwulst­stückchen hat einen sehr relativen diagnostischen Werth, denn nur die Durch­musterung einer großen Reihe von Schnitten aus allen Theilen der Geschwulst giebt die anatomische ^Diagnose." Die zweite, weit erfolgreichere Methode ist die genaue klinische Untersuchung, und das Bestreben der Kliniker geht daraus hinaus, bei Zetten die ersten Symptome der Erkrankung, ja sogar diejenigen Erscheinungen, welche der Geschwulstbildung vorausgehen, zu erkennen und richtig zu deuten. Gerade über diese ersten Anfänge des Krebses und die denselben . voraufgebenden Erkrankungen haben die Chirurgen in den letzten Jahren viele ' wich ige Funde gemacht und Anhaltspunkte gewonnen. Die Regel wird immer die frühzeitige Entfernung der erkrankten Thetle durch Eröffnung und Spaltung >

des Kehlkopfes von Außen Laryngotomie, Laryngofiffur und theilweife, meist halbseitige Exstirpation des Kehlkopfes zugleich mit dem erkrankten Stimm­bande sein. Mit dieser Operation ist trotz der Bösartigkeit des Kehlkopfkrebses in neuerer Zeit eine Reihe von Heilerfolgen erzielt worden, und darum ist es nicht nothwendig, selbst wenn die Diagnose beim Kronprinzen schließlich bestimmt aus Krebs lauten sollte, nunmehr gleich alle Aussicht aus Genesung auszugeben. In der Staatsdruckerei in der Orauienstraße ist ein Buchdrucker beschäftigt, welcher ein lebendiger Beweis dafür ist, daß die Kunst der Aerzte auch in einem solchen Falle noch vollständige Genesung erzielen kann. Derselbe kam im Jahre 1885 zu Prof. B. Fränkel in die Behandlung, welcher eine auf dem linken Stimmbande, zum größeren Theil an der unteren Fläche des Stimmbänder sitzende Krebsgeschwulst erkannte bekanntlich handelte es sich beim Kron­prinzen um ein ganz analoges Verhältniß. Profeffor Fränkel übergab den Patienten dem Geheimrath v. Bergmann, dieser resecirte den größeren Theil der Kehlkopfhälste und entfernte die Geschwulst mit dem erkrankten Stimmbande und den benachbarten gleichfalls erkrankten Drüsen. Schon in der dritten Woche nach der Operation konnte der Patient die Bergmännische Klinik mit geheilter Wunde verlassen und ist seitdem, also mehr als zwei Jahre, ohne jeden Rückfall geblieben. Derselbe ist bis auf den heutigen Tag völlig gesund, spricht mit deutlich vernehmbarer Stimme und geht nach wie vor ungehindert seiner Beschäftigung nach. Noch bekannter ist wohl der schon kurz erwähnte Fall eines hiesigen Arztes; dersebe war auch an einem Krebs des Sttmmbandes erkrankt und mehr als ein Dutzend Mal vom Munde aus operirt worden, und zwar von den bedeutendsten Laryngologen des In- und Auslandes (u. A. auch von den Professoren Schrötter und Störk in Wien). Allein immer und immer kehrten diebösartigen Sprießungen" wieder, und er entschloß sich endlich zu einer radikalen Operation. Professor Küster vom hiesigen Augusta-Hospital führte den äußeren Kehlkopsschnitt (Laryngotomie) aus, die ganze linke Hälfte des Kehlkopfs wurde fortgenommen und die Heilung trat sehr rasch ein. Der betr. Herr spricht zwar mit heiserer, klangloser, aber doch deutlich vernehmlicher Stimme und steht gegenwärtig noch einer ausgebreiteten Praxis vor. Die meisten hier in Betracht kommenden Kehlkops - Operationen hat Sanitätsrath Dr. Eugen Hahn vom Friedrichshain-Krankenhause ausgesührt, ist auch noch im vorigen Jahre von hier nach England zur Ausführung einer lebensrettenden Operation berufen worden. Im letzten Jahre hat die meisten halbseitigen Kehlkopf-Exstirpationen Profeffor v. Bergmann ausgesührt, und zwar sind alle fünf Fälle mit vollem Erfolge und schneller Genesung operirt worden. Ein sechster Patient soll sich augenblicklich noch in der Bergmännischen Klinik aus dem Wege der Genesung befinden.

All^ diese Thatsachen geben der Hoffnung Raum, daß, wenn die Kehlkopf- resection beim Kronprinzen als nothwendig erachtet werden sollte, die erprobte Meisterschaft unserer Berliner Chirurgen auch bei unserem Thronfolger sich be­währen und ein glückliches Resultat herbeiführen wird.

Beunruhigend ist augenblicklich in dem Befinden der Kronprinzen der eine Umstand, daß sich jetzt nach einem Telegramm aus Mackenziesscher Quelle (Berl. Tagebl.")plötzlich" ödematöse Schwellung im Kehlkopfe eingestellt hat, welche die Möglichkeit von Athembeschwerden befürchten läßt. Es ist aber zu hoffen, daß dieser Anfall ebenso vorübergehen wird, wie die anderen gleichartigen Anfälle, die im Verlaufe der Erkrankung schon früher ausgetreten und wieder verschwunden sind. Es ist nämlich aufmerksamen Beobachtern ein eigenthümlicher Umstand ausgefallen, daß die Krankheit des Kronprinzen in ganz bestimm­tem Zeiträumen, etwa alle 6 Wochen, sich steigerte, dann abnahm und ms zu relativ vollständigem Wohlbefinden sich gestaltete, um nach Ablauf der gvm wieder sich zu verschlimmern. Diese schubweise Exacerbation ist in Ems, m Brämar, in Toblach, Baveno und nun auch in San Remo eingetreten. Leider