Ausgabe 
15.5.1887 Zweites Blatt
 
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Umhänge, J aquetts, Promenade-, Hegen- und Mädchen-

Mäntel in grosser Auswahl neu ein­getroffen bei

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Siegels Hühneraugentod frisch eingetroffen bei 3758 C« Fr. Conrad, Mäusburg.

befinden, welche verdächtig sind, an dem Elesernhos - Attentat und der Ermordung Rumpff's bethetligt gewesen zu sein. Der meist Graoirte soll nach verbürgten Mil­theilungen ein Schneider Piorkowski sein. Gegen diesen sollen schwere Anschuldigungen vorliegen. Es sind bereits eine ganze Anzahl Zeugen vernommen worden.

Frankfurt, 8. Mai. Ein mörderischer Ueberfall ist heute Vormittag um 11 Uhr von einem Stromer auf den stellvertretenden Wirth derHerberge zur Heimath" begangen worden. Dort befanden sich um die genannte Zeit eine Anzahl Gäste in dem Schanklokal, als einer derselben, ein achtzehnjähriger Bursche, absichtlich, wie der Berichterstatter desFr. I." meldet, ein Bierglas zerbrach. Von dem Stellvertreter des Wtrthes aufgefordert, das zerbrochene Seidel zu bezahlen, wurde der Excedent aus­fallend, weigerte sich, als er aus dem Lokal entfernt »erden sollte, das Haus zu »er­lassen und insulttrte den stellvertretenden Wirth mit den gröbsten Schimpfreden. Der Letztere wollte nun Gewalt anwenden. In diesem Augenblicke zog der Bursche einen scharf geschliffenenSchusterknetp" aus der Tasche und bohrte ihn dem Wirth zweimal in die Brust. Der schwer Verwundete taumelte blutüberströmt zurück, worauf der Mörder ihm das Messer noch einmal in den Rücken stieß.

[SBarnung.] Bet der jetzigen Brutzeit der Vögel wollen wir nicht verfehlen, auf den S 368 Ziffer 11 des R.-St.-G.-B. hinzuweisen, welcher lautet: Mit Geldstrafe bis zu 60 JL oder mit Haft bis zu 14 Tagen wird bestraft, wer unbefugt Eier oder Junge von jagdbarem Federwild oder von Singvögeln ausnimmt. Dieser Hinweis dürfte sich insbesondere den Eltern und Lehrern in allen Schulen für ihre Kinder resp. Schüler empfehlen.

sEin dankbarer Hlrsch.j Aus Goslar wird berichtet: Ter hiesige Wild­aufseher Fl. gewahrte Ende December v. I., als die Noth des Wildes sehr groß war, in der Stadtforst einen total lahmen Hirsch, ein einjähriges Mutterthicr. Das Thier hatte vom Durchtreten der harten Schneckruste allmälig wunde Läufe erhalten, so daß dasselbe, zum Nahrungssuchen nicht mehr fähig, bald vor Hunger und Entbehrungein­gehen" mußte. Herr Fl., ein sehr sorgsamer Hüter seiner Pflegebefohlenen, ließ den kranken Hirsch nach Hause fahren und pflegte seiner drei Monate im warmen Stalle. Der Frühling aber kehrte mittlerweile auf die Berge zurück, die Bergwiesen fingen an zu sprossen, Vie Knospen der Laubhölzer zu schwellen, da öffnete Herr Fl. dem ge­wesenen Gaste die Thür der Freiheit, und bald war dieser über Berg und Thal. Kürzlich waltete der Aufseher wieder seines Amtes in den waldigen Harzbergen und bekam bald ein Rudel Hirsche, etwa 25 Stück, in mäßiger Entfernung zu Gesicht. Unter diesen frischen Gesellen mußte auch seineLiese" sein.Lieschen, komm!" rief Herr Fl. seinem ehemaligen Pfleglinge zu, worauf das Thier augenblicklich in großen Sätzen, die Genossen verlassend, zu seinem Wohlthäter sprang, um dessen Liebkosungen und Streicheln mit sichtbarem Wohlbehagen entgegenzunehmen.Lieschen" machte alle Anstalt, seinem gütigen Pfleger zu folgen; erst dessen Hund brachte auf Geheiß das dankbare Thier zu den fernen Seinen zurück.

Aus Oberfranken. Eine schauderhafte That hat ein Bewohner des Dorfes Prebitz bet Creussen, ein schon älterer wohlhabender Oekonom, an sich selbst verübt. Derselbe hat sich buchstäblich selbst gekreuzigt. Auf seftgezimmertem Kreuze nagelte er sich zunächst beide Füße übereinander mit einem langen verrosteten Nagel fest an, dann noch mit einer besonders dazu hergerichteten Klammer die. linke Hand. So fanden ihn die Seinen. Religiöse Wahnideen waren es, die den schon früher einmal im Jrrenhause Gewesenen zu seinem Entschlüsse gebracht. Wie sehr er von demselben eingenommen war, geht daraus hervor, daß er so wenig wie vorher, auch bei der schmerzhaften Erweiterung und Reinigung seiner Wunden durch den be­handelnden Arzt, den geringsten Schmerzlaut von sich gab. Die fast unausbleibliche Blutvergiftung trat denn auch ein und endete am 5. dss. Mts. das Leben des Unglücklichen.

_ Interessant ist es, den Werth der einzelnen Gliedmaßen in Hinsicht auf die Erwerbsunfähigkeit kennen zu lernen. Eine Berufsgenossenschaft hat nämlich bei I

(5rrocrb3unfabtgfeit in Folge Betriebsunfalles für die Rentenbemessung folgende Scala aufgestellt. Bei Verlust beider Augen, Arme oder Hände, Beine ober Füße 100 n(?t erroerb^un abi0feit, Verlust der rechten Hand 60 pCt., eines Fußes 50 pCt., ber linfen Hand 40 pEt., des rechten Daumens 33V3 pCt., eines Auges 22 pCt., des Unten Daumens oder rechten Zeigefingers 14 pCt., des linken Zeigefingers 8 pCt., eines anderen Fingers ber linken Hanb 4 pCt. ber Erwerbsunfähigkeit.

1, - 77 Melinit bringt dieNordd. Allg. Ztg." folgende Mittheilung

Hebet die chemische Zusammensetzung des Melinits hatte der hiesige Professor der Cbemie, Dr. Scheibler, dem Kriegsministerium bereits zu einer Zeit Mitteilung gemacht wo diese Zusammensetzung noch nicht in weiteren Kreisen bekannt war, und gleichzeitia batte berfelbe eine Anzahl von Melinitproben wechselnder Mischung an die Königlich? ^"?erie-Prufungscommission abgeliefert. Bet diesen Proben hat sich nun die intS- essante Thatsache ergeben, daß sich dieser Sprengstoff mit der Zeit von selbst entmischt roobet Stickoxydgas ober salpetrige Säure frei wird. Das Melinit eignet sich hiernach nicht zu kriegerischen Zwecken, was man auch in Frankreich schon eingesehen zu haben tmemt, Da man von seiner weiteren Verwendung absieht und das bereits vorhandene ^Qtar;aL vernichtet. Das Experiment soll Frankreich über 50 Millionen Franken gekostet haben, wovon nur die deutschen Pikrinsäure- und Schwefelätherfabrikanten einen Nutzen gehabt haben würden. Vielleicht hat dasselbe noch ein wissenschaftlich interessantes Resultat, da nach der Meinung des Herrn Scheibler die in dem Melinit enthaltene Schießbaumwolle (Hexanitrocellulose) bei der Selbstentmischung in dürfet

Hfrr Scheibler gedenkt den chemischen Proceß der Selbstentmischung wissen­schaftlich weiter zu verfolgen.

8. Mai. In seinem Stammlocal bestellt sich ein Gast ein Brödchen mit Sardellen. Dieses erscheint ihm mit Rücksicht auf den Preis von 20 Pfa gar zu winzig und er fragt den Wirth kaltlachelnd:Und was kostet der Quadrat-' meter davon iFünf Mark", lautete die prompte Antwort des Wirthes.Gut ich bitte um einen Quadratmeter davon." Der Gast bestand auf seiner Forderung und wohl oder übel mußte sich der Wirth ans Werk machen. Wie ber aber den Schaden besah, brauchte er nicht weniger als 120 Brödchen für den Quadratmeter, was nach Adam Riese 24 JL und nicht 5 JC ergibt, das Brödchen zu 20 Pfg. gerechnet (Pin schlechtes Geschäft für den Wirth; aber die Brödchen schmeckten den zahlreich vorhandenen Gasten um so besser.

. l S^urke.) Di-Voss. Zig." berichtet: In einer Familie

Der hohen Brüsseler Gesellschaft war eine deutsche Erzieherin angestellt. Der Herr des $a.uJe\ an den, jungen Mädchen Gefallen und verfolgte es mit Zudringlichkeiten welche die Erzieherin zuruckwies; nicht minder schroff lehnte sie glänzende Anträge des £>errn ab, aber sie erkannte, daß ihr Verbleiben in Ehren in diesem Hause unmöglich. Sre verließ dasselbe, fand in einem französischen Adelshause eine Stellung, verlor die­selbe aber, weil der Chef ber Brüsseler Familie, in der die Erzieherin thätig gewesen fie dem französischen Edelmanne als unsittlich benuncirte. Dieses niedrige Verfahren fam der jungen Dame zu Ohren und sie verklagte den Brüsseler Herrn wegen Ver- leumbung. Die Gerichtsverhandlung ergab die vollständige Sittenreinheit der Er- Seherin; das Gerichtstribunal verurtheilte denselben nicht nur zu einer Geldstrafe von Erjieh?rin"^' 'onbcrn aud) *ur Zahlung einer Entschädigung von 25,000 Frcs. an die , -r §"re recht unliebsame Überraschung ist dem Besitzer einer Privatklinik in Halle zu Theil geworden. Als derselbe von einer Reise nach seiner Wohnung zurück- rebrte, fand er dieselbe vollständig ausgeräumt. Die liebenswürdige Ehehälfte des hatte seine Abwesenheit benutzt, um zu fliehen und hatte nicht nur die sämmt- lr.chen Mobttien, sondern auch einen Geldbetrag von 800 mit sich genommen. Für Dte tn Der Wohnung untergebrachten Kranken mußten die nothwcndigen Betten schnell von anderer Seite beschafft werden, so daß der Betrieb vor der Hand keine Unter- drcchung erlitt. Von Dem Aufenthalte der Frau fehlt bis jetzt jede Spur

Nebenbahn Stockheim-Gedern.

Die zur Herstellung der Hochbauten in der Station Gedern und den Halte­stellen Ortenberg, Lißberg, Hirzenhain und Merkenfritz nothwendig werdenden Arbeiten und Lieferungen sollen zu­sammen in öffentlicher Submission vergeben werden.

Die einzelnen Arbeiten sind veran­schlagt wie folgt:

1. Maurerarbeiten zu 19849 JL

2. Steinhauerarbeiten 680

3. Zimmerarbeiten 13721 4. Dachdeckerarbeiten 3696

5. Spenglerarbeiten 503

6. Schreinerarbeilen 5118 7. Glaserarbeiten 1241 8. Tüncherarbeiten 3712 9. Schlosserarbeiten 1584 zusammen 50104

Offerten sind portofrei, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift ver­sehen bis

Montag den 23 L MtS.,

Vormittags 10 Uhr, auf unserem Bureau einzureichen, wo­selbst auch die Voranschläge, Zeich­nungen und Bedingungen zur Einsicht der Interessenten offen liegen.

Nidda, am 12. Mai 1887. Großherzogliche Baubehörde für Neben­bahnen.

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