Nr. 291 Mittwoch den 14. December 1887.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigcblatt für dm Kreis Gießen.
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Deutschland.
Darmstadt, 10. December. (Aus dem Staatsbudget.) Der eoange- lischen Kirche war es bisher möglich gewesen, mit den ihr seiner Zeit zu Gebote stehenden Mitteln ihre Bedürfnisse zu bestreiten, insbesondere auch eine dringend gebotene mäßig gegriffene Erhöhung der Besoldungen der evangelischen Geist- lichen des Landes durchzuführen. Es war dies jedoch, ohne eine Erhöhung de» seitherigen Staatszuschuffes von 174.252 </& 42 H in Anspruch zu nehmen, nur dadurch möglich, daß einmal die evangelische Kirchs mit Zustimmung der Großh. Regierung seit einer Reihe von Jahren eine 1,6 H auf die Mark Communalsteuer-Kapital betragende Steuer von den Angehörigen dec eoangeli- scheu Kirche erhob und daß ferner in Folge des vorhanden gewesenen Mangel» an evangelischen Psarramis-Candidaten eine größere Anzahl Pfarreien nicht besetzt werden konnten und deshalb die dem evangelischen Centralkirchenfond zufUeßenden Erträgniffe erledigter Pfarrstellen eine sehr namhafte Summe au», machten. In Folge de» erfreulichen Umstandes, daß die Zahl der Lrmdirenden der evangelischen Theologie seit einigen Jahren erheblich zugenommen hat, wird die evangelische Landeskirche, — was zur Wahrung und Förderung des kirchlichen Lebens und des religiös sittlichen Zustandes der evangelischen Gemeinden des Landes in hohem Grad wünschenswerth ist, — in Bälde in der Lage sem, sämmtliche erledigte Pfarrstellen wieder zu besetzen. Geschieht diese», drnn wer- den sich die dem evangelischen Centralkirchenfond zufließenden Erträgniffe erle- diäter Pfarrstellen erheblich verringern und dadurch die diesem Fond zu Gebote stehenden Mittel sich nicht unwesentlich mindern. Lei dieser Sachlage erscheint es - um der evangelischen Landeskirche die Erfüllung ihrer hochwichtigen Ausgaben in vollem Maße zu ermöglichen — dringend angezeigt, den Staatszuschutz zu dem evangelischen Centralkirchenfond um 25 bi» 26,000 JL, beziehungsweise auf die Summe von 200,000 JC. zu erhöhen. Von Seiten der obersten eoan- aelischen Kirchenbehörde, dem Oberkonsistorium, ist denn auch unter näherer Dar- legung der Sachlage um eine Erhöhung des Staatszuschuffes auf die bemerkte Summe von 200,000 JL nachgesucht und zugleich — um eine ^ste gesetzliche Basis für die Einrichtungen und das weitere Fortschreiten der evangelischen Kirche zu haben — darum gebeten worden, den Staatsbeitrag zu den Ausgaben der evangelischen Landeskirche gesetzlich zu fixiren. Rach Bemerkten ist die Summe von 200,000 JL als Staalsbeitrag zu dem evangelischen Kftcherfond in das Staatsbudget eingestellt worden und behält sich die Großherzogliche Regierung wegen gesetzlicher Fixirung dieses Beitrags die Einbringung einer Gesees- Vorlage vor. In dem vorigen Budget waren 1500 um. Ersatz für den Wegfall des der evangelischen Pfarrei Osthofen unter ausdrücklichem Vorbehalt der fiskalischen Elgenihumsrechte zur Nutznießung überlassenen sAeren Psarr- aute» vorgesehen oeffen Rückgabe al» Cameraldomäne (Familien-Eigenthum des Großherzoglichen Hauses) feit 1876 -erlangt ®irb. 2Iuf ben bringenoen 2Bunf<| der Kirchengemeinde Osthosen, im Besitze des betreffenden Gutes zu bleiben, ist jedoch von Einziehung diese» PsarrguleS vorerst abgesehen worden und find daher die bemerkten 1500 JL nicht zur Auszahlung gekommen- Dieselben find im aeaewärtigen Budget nicht wieder vorgesehen und stellt fich die Erhöhung in Wirklichkeit auf 25,742 <£ 58 Wegen anderweiter AuSaleichung der fraglichen Angelegenheit sind Verhandlungen im Gange und bleibt vorbehalten, den Ständen in dieser Beziehung demnächst eine besondere Propofition zugehen zu lassen. .
Darmstadt, 10. Decbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt Rr. 39 "*“1 Bekanntmachung Großh. Staatsministeriums de« Innern den Erlaß einer Poli.eiordnung für die Schifffahrt und Flößerei auf dem Rhein b°treffend 2 Bekanntmachung Großh. Ministerium» des Innern und der Justiz, die Concurrenzeröffnungen für die Besetzung erledigter evangelifcher Pfarrstellen betreffend^ ber Großherzog Allergnädigst ,u genehmigen
aerubt baden daß °°m Jahre 1888 an die Concurrenzeröffnungen für die Be- Atzung erledigter evangelischer Pfarrstellen nicht mehr in dem Großh. Regierung«, blath sondern in dem von dem Großh. Oderconststorium herauigegebenen Ber ordnungsdlatt für die evangelische Kirche de« ° $
werden, so wird die« hiermit zur Kenntniß der Bethelligten »-bracht
“““ÄS: bjä—w ». ■*** 6m Hofe seiern. ^on heute der gestern im Bundesrath be-
... a (tpfßfaßÄ betr. Aenderung der Wehrkraft, im Reichstage
ISiftVorsatz, den Entwurf über die Erhöhung der vertheilt worden ist. inderMoom 13. bis zum 17. ds. zu erledigen, läßt'"e?SacSkb/ ob die Vorlage noch vor den Weihnachtsferien zur läßt es fraglich e uy Regierungkreifen nimmt man an, daß der
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entgegensetzen, sondern denselben ohne umfassende Erörterungen nahezu unverändert annehmen werde. Einer commiffarischen Vorberathung wird, wie wir hören, die Regierung um so weniger widersprechen, al» jedenfalls doch Erläuterungen gefordert und gegeben werden müssen, für welche in der Commisston der Boden mehr als im Plenum geeignet ist.
Berlin, 11. December. Der Kaiser war durch eine leichte Unpäßlichkeit verhindert, dem heutigen Diner beizuwohnen, speiste allein und empfing erst nach dem Diner den Kronprinzen von Griechenland, alsdann den StaatSfecretär Grafen Bismarck zum Vortrag. Die Kaiserin empfing das Reichstags-Prästdtum und alsdann den Kronprinzen von Griechenland.
Berlin, 12 December. Die Commssston für die Vorlagen, betreffend „Unterstützung der Familien in Dienst eingetretener Mannschaften" hat dieselbe mir nur unerheblichen Aenderungen in erster Lesung genehmigt. Die Weihnacht«- ferien de» Reichstags sollen nach dem Beschluß des Senioren- Convent« bi« zum 17. Januar 1888 dauern. Vor den Wechnachts - Ferien soll die dritte Lesung der Zolloorlage, sowie die erste Lesung der Wehrvorlage zur Erledigung lommen^ z^ebr. Der heute hier eröffnete hohenzollernsche
Landtag beschloß, dem Kronprinzen seine Theilnahme und seine Wünsche für baldige Genesung telegraphisch auszusprechen. Die Depesche wurde durch den Vorsttzenden Präfident Evelt alsbald nach San Remo abgesandt.
Aranöreich.
Dari», 11. December. Der „TempS" sagt über eine Theilnahme Frankreichs an einer marokkanischen Conferenz, e» handle fich dabei nicht u die innere Lage Marokkos, sondern lediglich um die RegAungder 8^ ^» Schutzes von Ausländern oder Eingeborenen, welche den Schutz der aurländi schen Consuln anriefen. Die französische Regierung habe stet» erklärt, sie sei bereit, an einer Konferenz theflznnehmen, die sich auf "-i-n PnE b-fchrönke , fte habe auch Spanien aufgesordert, seine Anträge genau zu formuliren, e» fei die» aber seitens Spaniens bi» jetzt nicht geschehen. .. . t^or
Dari», 12. December. Da» Befinden Ferry» wird tortdauerndbesser, doch dars derselbe auf Anrathen der Aerzte da» Zimmer noch nicht verlassen. 21$ den Vernehmungen Aubertin'« geht hervor, daß derselbe nicht ganz zurech. nunaefäbia ist Er scheint keinen Mitschuldigen zu haben.
— Als Mitglieder des von Tirard zu bildenden Eabinet» werden genant. Tirard Präfident und Finanzen, Flourens Auswärtiges, Falliöre» Justiz, Sar- rien Inneres, Wolff Krieg, de Mahy Marine, Loubet Arbeiten, Dautresme Handel"" Wette Ackerbau. B liebet da» Unterrichts - Ministerium schweben die Verhandlung^ ^ue Ministerium setzt'fich wie folgt zusammen: Tirard Präsidium und Finanzen, Flourens Auswärtiges, Fälliges Justiz, Sarrien Innere», ^ave Unterricht Mahy Marine, Loubet Arbeiten, Dautresme Handel und Vielte Ackerbau Das Portefeuille des Krieges, da» dem General Logerot angeboten ist, ist noch nicht erledigt.
3tafien.
aw*4^i*->** Dr. Mack-nzte wird nicht hierher zurückkehren; die für ihn ftet« refttotrten Zimmer find bereit» anderweitig vergeben. isr. ö yj
Seröien.
Belarad, 11 December. Die von der Skupschtina beschlossene Adresse rourbe” ule® mittag dem König von der. gefammten Skupschtina unter Führung des Präsidiums überreicht. _ -
Deutscher Reichstag.
9. Sitzung vom 12. December 1887.
ituf der Tagesordnung sieht Ä«*’ >-«
iS-f-effel-o-izei. Commiffarlfche »orberathun, °"^'°L,"ta^r'«streiiet Gra^geg^be. daß die r.chs^
Arbeitgeber eine besondere Fürsorge für h die Einführung
reichsländischen Abgeordneten gegen Vorbehalte.
°--°n bf« Abgeordneten «u« den Reichstanden al« unbegründei^zuruck.^ (@( ) went|et fid) gleichfalls gegen die Sabor'fchen Angriffe aui “SSÄ'Äl beantragt, die «weit, -efmrg der Vorlage findet d"«' des Gesetzentwurfs bett, die unter Ausschluß den
Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen.


