Ausgabe 
14.8.1887 Erstes Blatt
 
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Ar. 1 §7. -Erstes Blatt. Sonntag den 14. August 1L87

Eichener Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vicrNljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.'

Durch ote Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Wir bringen nachstehendes Localreglement zur öffentlichen Kenntnißnahme:

, u v°n einem Verbote des Betretens des Exercierplatze» durch Fußgänger während der Truppenübungen abgesehen worden ist ver.

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. 3r B-rmeidung jeglicher Unannehmlichkeit empfiehlt es sich für Fußgänger in dem Falle, daß der von der Staatsstraße nach dem Phllosophenwalde führende Weg durch Truppenübungen m Anspruch genommen w.rd, zum Uebergange die längs der Ostseite an der Germania angelegte Baumallee u bemb n Gießen, am 12. August 1887. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. a U ä oenu6en"

Fresenius.

Loeal Reglement

B«tr : Die Benutzung des GxereierplatzeS durch Civilpersonen.

der Art. 56 der Städteordnung wird nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung und mit Genehmigung Großherroalicken Ministeriums der Innern und der Justiz vom 8. August 1887 zu Nr. M. b. I. 18968 verordnet wie folgt: a 9

§ 1.

Das Fahren und Reiten von Civilpersonen sowie dar Viehtreiben auf dem Regiments.Exercierplatz ist verboten.

§ 2.

polten roetbenRab,'a^enUf ®rercierIa6 ifi Zivilpersonen nur in der Zeit gestattet, in welcher keinerlei militärische Uebungen auf demselben ab-

§ 3.

- Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden, insoweit nicht § 366 p. 10 der Reichsstrafgesetzes zur Anwendung kommt, mit einer im Umnnogensfalle tn Haft zu verwandelnden Geldstrafe bis zu Dreißig Mark bestraft. J ' 1 emer im

® t e 6 e n, am 12. August 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

___Fresenius. __

Medaillon, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Stiefelknöpfer, 1 Rodhacke, 2 kleine Bücher, 1 Th eil eines silbernen Leuchters, 1 Kinder- vmiand, 1 Peitsche, 1 Heugabel, 2 Spazierstöcke, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken. ' er

G'eßen, am 13. August 1887. Großherzogliches Polizeiamk Gießen.

----- Fresenius.

Deutschland.

t ^abel-berg, 12. August. Se. Maj. der Kaiser ist heute Vormittag &ier etngetroffen. Zum Empfange hatten sich auf dem freien W*.vor dem Schlöffe eingefunden: Ihre Königl. Hoheit die Frau Prinzessin Mdnch Karl, Se. Königl. Hoheit Prinz Alexander, General v. Versen, Ober- v. Achenbach, Regierungspräsident v. Reefe, Ober-Bürger- KaLi o e/ Bürgermeister Zehrmann und Polizeipräsident Wolffgramm. Se.

unterhielt sich längere Zeit huldvollst mit den Anwesenden. Da« zahl- re cRrömte Publikum begrüßte den Kaiser mit dem Absingen der Nationalhymne und mit Blumenspendeu.

...12. August. Fürst Bismarck begab sich heute Nachmittag 0 uyr nach Babelsberg zum Kaiser.

Ztußlaud.

mit , 12. August. DasJournal de St. Pckersb." begrüßt

büG friedlichen Versicherungen Salisbury'« und hofft gern,

die Ereignisse dieselben rechtsertigen werden.

?aitcr ^pfing gestern den Botschafter Nelidow. Da« ginan^ Wannt, daß in Folge einer sanctionirten Entschließung de« aut u der Centralbank des russischen Bodenkredits 34/I0 Mill. Rubel lüfte m buc<6 die Bank seit 1878 bi» 1. Juli 1887 erlittenen Ver- toorben l^^lonen zur Ergänzung des Grundkapitals der Bank überwiesen $u erwarten b ernßrc Hülseleistung habe die Bank von der Regierung nicht

die göttliche Vorsehung über das kostbare Leben Euerer Hoheit wachen, möge sie Ihnen beistehen, um die tapfere Nation Bulgariens zum Wohlergehen, zu Größe und Ruhm zu fuhren. Es lebe Ferdinand I." Darauf erwiderte der Prinz einige Worte Vor der Ankunft in Wtddin versammelte sich der Ministerrath, welchem der Prinz den Tert des Circulars an die Mächte und der Proklamation an das bulgarische Volk mit- heilte. DaS Schiff mit dem Prinzen traf um 6 Uhr in Widdin ein und wurde mit 100 Kanonenschüssen empfangen. Auf dem Quai war die Garnison der Festuna auf­gestellt und eine dichtgedrängte Menschenmenge erwartete die Ankunst des Primen Dieser war in Uniform und wurde pon dem Präfekten und dem Caminandanten em­pfangen und pon der Menge mit großer Herzlichkeit begrüßt. Der Prinz nahm hie R-°ue des ausgestellten Bataillons ab und begab sich sodann in das Stadthaus wo- feitrt er bie®eputatbn empfing. Später kehrte der Prinz aus das Schiff zurück ' Aut eine Ansprache des Erzbischoss antwortete Ferdinand I. mit folgenber Rede welche unter das bulgarische Volk -ertheilt werden soll:Einstimmig E ben Verkenn der bulgarischen Nation als Souverän gewählt, habe ich es als eine heilige Pflicht an- gesehen. sobald als möglich den Boden des neuen Vaterlandes zu betreten und mein Leben hem Glücke der Größe und der Wohlfahrt meines vielgeliebten Volkes u weihen. Indem ich aus der Ticse meines Herzens dem tapferen bulgarischen Volke für ba§ Vertrauen danke, welches baffelbe in mich gesetzt hat, unD für bie Gefühle der Ergebenheit unb Treue welche es mir gegenüber beseelen, bin ich vollkommen Über­zeugt, baß es mir helfen wirb in meinen Bemühungen für bie Hebung unb Ent­wickelung unseres Lanbes und zur Erreichung einer glänzenden unb glücklichen Zukunft °«e. d" allmächtige Gott Bulgarien beschützen, möge er uns in Erfüllung unser r Pflichten seinen Beistand leihen. 0

Newqork,l3. August. Nach weiter eingegangenen Nachrichten trug sich bas gemelbete große Eisenbahnunglück, bas größte, besten man sich hier zu erinnern weiß, auf ber Tolebo-Peoria unb Western Eisenbahn bei her Station SIoomingtM (Illinois) zu. Der Zug bestand aus zwei Locomotiven und 15 Wagen, welche 960 Ver- gnugungsreisende nach dem Niagara führen sollten. Die meisten der Passagiere waren aus Peoria. Die Brücke, auf welcher sich das Unglück ereignete, führte über einen Graben von 10 Fuß Tiefe und 15 Fuß Breite. Man nimmt an, daß die Brücke in Folge von Trockenheit durch Funken von einem vorausgegangenen Zuge Feuer gefangen hatte. Der Locomotivfübrer des Vergnügungszuges bemerkte, daß die Brücke brenne konnte aber den Zug nicht mehr zum Stehen bringen, die Brücke brach mit dem Huae zusammen. Die meisten Wagen wurden zertrümmert. Mehr als 100 Personen sind aetödtet, 400 sollen verwundet sein. Die Tobten und Verwundeten sind in den benadp barten Dörfern untergebracht.

, «S-erlln' t13, August. (Privatdepesche.) Fürst Bismarck ist heute früh 8 Uhr nach Ktssingen abgereist. v v

Telegraphische Depeschen.

Wolff'« telegr. «orresponden,' Bureau.

StMhi 12i? 0?ufta ®<frWeaer Albert Dump ist heute gestorben.

«I», 6at i,hi* Das Feuer im Hertogenwald ist zwar noch nicht ge-

6fn aigennLm.n "^^weiter ausgebreitet, vielmehr an der Seite nach Spaa '"gehen, da jefet blf Tnilmnn rt8!$en cC3k®tS dürften noch mehrere Tage

Torsmoore den Hauptfeuerherb bilden.

begab sich Der Prinz von Coburg verließ Crforoa um 5'/, Uhr

1 Uhr trat d?r «ßL0, xntbÄr D°nau-Dampfschffffahrts-GeseNschaft. Um "sicher sich die Rea.ni.^ m»'n. ° »'ichwückten bulgarischen Yacht zusammen, aus " unauägef Men8*,*,"' /Dii(nlfter u2b zahlreiche Qsficiere besanden, welche den Prinzen :?°titza" anftlmmi? muf,en °wpfingen, wahrend die Musik die HvmneSchunra

Aegentm"d'begab sich mit seinem Hofstaat aus die Brücke, während " MM«,?Sprä/e'fnÄ'Sn^ b-'r°'-n. Stambulmv verlas

«ttung habe iA 'O^sende Willkommensadres eiNamens der bulgarischen Re- Z°N unb JhLn °dikGef'üF7ü Habest a" d" bulgarischen Grenze willkommen zu

ber Armee e e,ler Ergebenheit und unbegrenzter Liebe des Volke«

£'tat wünschen Ungeduld den Erwählten in ihrer Mitte zu

dkm Sie Vertrauenin ü wird niemals vergessen, daß Euere Hoheit, i"bne, Eh unb Unabbänal-k^rn ?cic,u?lcna 1", 1° schwierigen Augenblicken die naoyangtgkeit Bulgariens in die Hände zu nehmen geruhten. Möge

Lokales.

X X Dietzen, 13. August. Heute haben die höheren Schulen ihrm Unterricht geschlossen und acht Tage später werden ihnen die Volksschulen folgen. Schöne Tage sind es, die unserer Schuljugend winken! Möaen sie noch so verschieden sein in ihren Anlagen und Fähigkeiten, in der jauchzenden Begrüßung der Ferien sind alle Schüler eines Sinnes, der Unterschied zwischen Fleißigen und Trägen hat tn diesem Falle zu extstiren aufgehort.Losgebunden, frei" ist ein Jeder, und das Gefühl, mit welchem am letzten Schultage die Bücher bei Seite gclcat werden, ist ein Gefühl tiefster, her - stärkender Erleichterung. Wie viele Pläne werden vor den großen Ferien geschmiedet, welch' eine Menge von Bitten und Schmeicheleien wird aufgewendet, den Eltern irgend eine Liebltngsidee plausibel und genehm zu machen. Die einen haben das Gliick, zu den Ferien auf's Land binousgeschtckt zu werden, um nach anstrengender Schularbeit in Land- und Waldluft dem Körper neue Spannkraft zuzuführen. Andere machen die