fuhrvergütung von 48 JL Aus der anderen Seite ist in Betracht zu ziehen, daß die Preissteigerung um den Betrag der Verbrauchssteuer um so ungewisser wird, je größer die am 1. October noch vorhandenen Vorräthe stnd.
Hinsichtlich des Geheimmittel-Unwesens muß die Aussehen erregende Thatsache berichtet werden, daß nach einem bei dem preußischen Kammergerichte stattgefundenen Proccsse neuerdings nicht nur die Geheimmittel- Fabrikanten, sondern auch die Zeitungsverleger, welche Geheimmittel-Lnzeigen bringen, für die Verbreitung von unerlaubten Geheimmitteln, die eine ärztliche Wirkung haben sollen, verantwortlich gemacht werden. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Angelegenheit bald eine klare gesetzliche Regelung erführe, da ess tatsächlich bisher ziemlich schwierig gewesen ist, erlaubte und unerlaubte Ge- heimmittel ohne Weiteres zu unterscheiden und jedenfalls Zeitungs-Verleger, welche Inserate über „Trunksuchtsmittel", „Magenkräuter-Ltqueure", „Zohri- waffer" und dergleichen GeheimmiUel ausnehmen, in dem guten Glauben handeln, damit nichts Unrechtes zu thun.
Die wegen französischer Spionage vom Reichsgerichte verurlhetlten Elsässer Klein und Grebert verbüßen ihre Strafe im Zuchthause zu Halle a. d. S. ab.
Die Haltung der Großmächte gegenüber der Wahl des Prinzen Ferdinand von Koburq zum Fürsten von Bulgarien ist eine äußerst zurückhaltende. Oesterreich, Italien und England haben erklärt, daß sie die Wahl anerkennen würden, wenn auch die anderen Mächte dieselbe billigten. Deutschland dürfte eine ähnliche Erklärung abgeben, Rußland hat aber bereits da. auf hingewiesen, daß die Wahl des neuen bulgarischen Fürsten durch eine Versav m- lung geschehen fei, deren Gesetzmäßigkeit von Rußland niemals anerkannt worben, und Frankreich wird wohl eher in das russische Horn blasen, als sich den übrigen Mächten anschließen. Da nun der zum Fürsten von Bulgarien erwählte Prinz von Koburg sich erst dann für definitiv gewählt betrachtet, wann er von den Großmächten anerkannt ist, so kann ferne Wahl leicht im Sande verlausen. Die Entscheidung sollte eigentlich lediglich in den Händen des Sultans liegen, da dieser noch als Oberherr Bulgariens gilt, der Sultan thut aber nichts Selbstständiges mehr, sondern nur das, wozu er von den Großmächten gedrängt wird und die Türkei spielt in den ganzen bulgarischen Angelegenheiten factisch nur die Rolle eines Strohmannes.____________________________
Eingesandt.
Gießen, 13. Juli.
— (Steins ©arten.] Vom 16. d. Mts. ab wird hier selbst die Specialitäten- Truppe des „Etablissements zum Stein" aus Frankfurt a. M. auftreten. Unter den „Specialitäten" dieses Etablissements verdien! das Gastspiel des Herrn Emil Naucke, welcher in allen Hauptstädten des deutschen Reiches, England und Frankreich das größte Aussehen erregt hat, hervorgehoben zu werden. Die Körperfülle dieses Herrn übersteigt fast alles bisher Gesehene. Bei einem Alter von 31 Jahren wiegt dieses Körperchen 412 Pfund. Nun denke man sich diesen Coloß als zierliche Balleteuse. Der ärgste Hypochonder ist nicht im Stande, diesem urkomischen Bilde mit Ruhe zuzuschauen. Auch die Körperkraft hat diesen so ungewöhnlich ausgestatteten Herrn nicht verlassen: als Herkules nimmt er es mit den stärksten Männern auf und feine Exer- citien mit dem 114 Pfund schweren Riefengewehr zeigen dies zur Genüge. Der übrigen Mitglieder der Specialitäten-Truppe fei hier ebenfalls gedacht. Nach vorliegenden Berichten ist Herr Alexander Bogel, ein afrikanischer Concertsänger, ein schwarzer Sanger, welcher im englischen wie deutschen Gesang die Herzen zu fesseln versteht. Alexandro, ein Kopfequilibrist, leistet das Großartigste, was je gesehen, und verdient mit Recht den Titel „Specialität ersten Ranges". Der beftrenommirte Salon- und Grotesque-Komiker, Herr Ewald (ehemals Mitglied der alten Neumann'schen Leipziger Coupletsänger) sorgt für den humoristischen Theil des Programms, und wenn der Kasseler „Krakehler" schreibt, den Beifall, den Herr Ewald allabendlich im Stadtparke zu Kassel entfesselt, dürfte in den entferntesten Welttheilen zu hören sein, so können wir uns wohl mit Recht freuen, diesen tüchtigen Komiker kennen zu lernen. Die Damen Fräulein Renn und Fräulein Bergmann vervollständigen das so reichhaltige Programm. Den instrumentalen Theil füllt die Kapelle des 2. Großb Hess. Infanterie Regiments Nr. 116 aus.
Literarisches.
«. u»n,Ä"s““ - ••
insbesondere für die deutsche Turn-Bauschule bestimmt ist die Turner^^E einer scharfen Kritik, indem er ihre Mißstände und Fehlgriffe an den &eu-
Schöpfer des Turnwesens, Guts Muths', prüft. Der Verfaffer verwirk unVxine§ bac Circus- und Gipfelturnerei, die arg ein gerissene Sportsmanier und bie aÄ Besorgniß erregende Fest-Pest und verlangt Reformen im Guts Mutbs'i^"^ M vor Allem Rückkehr von der individnalisirendcn Tendenz zu den Mnn Behandlung des Turnens als eines „echten passenden zum UebnnA?11110^ b er Webrm änner hinüberleitenden Vorb ereitungsmittels".
fasser weiß, daß er einen scharfen Streich fuhrt, aber auch, daß dieser Str^ knorrigen Stamme gilt, an welchem er wahrscheinlich ohne große ffitrfunn «S e,nea wird. Wie man sich auch zur Anschauung des Verfassers stellen möge lebV^® der sich die Zeit nehmen wird, die Broschüre gründlich zu lesen, wird fit ni^Urn^ Nutzen aus der Hand legen. w
Anleitung M Gfistvcrwerthung.
Das Conserviren.
Für den Fall, daß sich das Obst nicht frisch zu einem angemessenen werthen lagt, ist die einfachste und billigste Methode allerdings das Dörren rJfn welches ja auch schon heute vielfach üblich ist, freilich in einer Art und Weil/?, em, den Absatz aus großen Märkten nicht geeignet ist. In manchen Gegend» Jn Dörrobst bei den Hausfrauen sehr beliebt, aber vielfach ziehen diese die fom sr ■ ÖQg bereiteten amerikanischen und österreichischen Obstsorten vor. Auch in B»"»» - Dörren des Obstes ist der deutschen Landwirthschaft also noch ein grobem (iS Ausnützung offen stehend. Jndetz wird der Landwirth und Gärtner in Soff fein Augenmerk auf die Conservirung feiner Früchte zu richten haben. Das u um deswillen empfehlmswerth, weil conservirtes Obst weit besser beiahlt gedorrtes und die Aufgabe jedes Menschen, der richtig wirthschaften will tft lichst Hochwerthige Produkte zu erzeugen. Dazu kommt auch noch, daß der für Conserven ein größerer ist als der für Dörrobst, da Dörrobst von Ä re fumenten als Obst geringerer Qualität angesehen wird. Wenn es nunaSS besonderen Verhältnissen rentabler sein kann, Obst zu dörren, so wird das die Allgemeinheit selten der Fall sein und uns intereffirt demnach in erster 2 ? Obstconservirung als die einträglichste Art, dasjenige Obst zu verwerthen, welches Ha nicht abgesetzt werden kann. 'r,w
In Deutschland ist nun noch vielfach der Glaube vorhanden, daß Hit ieroirt weniger Werth habe als frisch, in vielen Gegenden scheuen sich die LaM^ noch vor der Verwendung von Conserven. Diese Anschauung hat denn auch SK Landwirthe und Obstzuchler zurückgewirkt und ihr ist eine große Schuld an dem flanbe zuzuschreiben, daß die Conservirung in Deutschland so wenig zur Anwen^ gebrachl wird. In anderen Ländern ist dieses Vorurtheil, wie die ungeb^S breitung der englischen Conserven zeigt, nicht vorhanden, es sind im Gegentbeil jenlgen Volker besondere Liebhaber der Conserven, denen man einen feinen Mm/# nachfagt. Auch in Deutschland wird das Vorurtheil bald verschwinden, sowie nur , » richl g comeroirte Früchte in größerer Menge auf den Markt kommen, denn burrf/E ConseroiruP verlieren die so behandelten Früchte nichts an ihrem Werthe sie wnd» nicht verändert, da die Conferoirung, wie schon das Wort sagt, nur den W St sie genießbar zu erhalten. Nicht die eigentliche Substanz der Früchte, sondern nurT Keime, die eine Zerstörung, eine Fäulniß herbeiführen können, werden durch die vn- fchiedenen Verfahren der Conservirung zerftöit oder ausgetrieben. Beim Dörren wirb das durch die Erhitzung und durch die Austreibung des in den Früchten enthalten»! Wesirs erreicht, freilich geht dabei auch etwas von dem eigenartigen Geschmack k Obstsorten verloren. Anders ist es bei der eigentlichen Conservirung, bei dem Ein- machen, wie es die Hausfrauen nennen. Die Erhitzung wird auch hier üoratnommtn, aber die Safte bleiben den Fruchten erhalten. Statt der Entziehung des Mtti
dem Obste größere Mengen Zucker hinzu, da Zucker die Eigenschast hat, di« Faulniß zu verhindern und die Keime zu tobten, die eine Zersetzung berbetfuhrm fonnten. Auch aus diesem Grunde verdient daher die Conservirung in Büchsen V bem Dorren den Vorzug. Wir haben nun gesehen und werden weiter erfahren, M darauf zu richten ist, den Früchten ihre eigen thumlichen Eigemchaften zu erhalten. Dann haben conlervirte Fruchte nicht nur ./andern wenn sie richtig behandelt sind, auch den feinen Geschmack ischer. Wird diese richtige Behandlung angewendet, so ist der Absatz sicher.
5256
Bühner, Gerichtsvollzieher.
Donnerstag den 14. Juli,
Nachmittags 2 Uhr, werden in meinem Bureau gegen Baarzahlung versteigert:
2 Taschenuhren (Cylinder) mit drei Uhrketten,
1 Tisch, verschiedene Frauenkleider, Taillen, (Strümpfe,
2 wollene Bettdecken.
Die Versteigerung findet bestimmt statt.
Gießen, den 11. Juli 1887.
Aeikgeöotenes.
4428 Eine Parthie Sommerhosen in guter Qualität, k 2,50,
bei
1111
Emil Fischbach
Königs-Reisstärke
Unübertroffenes Fabrikat zum Stärken der Wasche
Sommer-Knaben-Anzüge, Zerren-«nzüg«. Läckchrn, Westen- Buerskinhosen, Hemden in weiß und farbig, Metzgerblousen u. s. w- empfehle bestens.
Rothenberger, 4428 Neuenweg 22.
5129] Sehr gut erhaltene Herren- kleider, eine Parthie Röcke, ein noch neuer Frack und eine sehr gute Geige sind billig zu verkaufen. H. Werner.
Allgemeiner Anzeiger.
5230
20. d. MtS., Vormittags 11 Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfcist 14 Tage.
Friedberg in Hessen, den 9. Juli 1887.
Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg.
Kranz.
Wegen Todesfall sollen fämmt- liche Waarenvorräthe des Aug. Mendelsohn’schen $ Geschäftes ausverkauft werden. verEhe?L7 N Mrt
Der Vormund:
August Schlesstuger
Tischlerarbeiten.
Für das neue Kreisamtsgebäude zu Friedberg in Hessen werden hier- mit die erforderlichen Tischlerarbeiten, nämlich:
Loos I tannene Fußböden, veranschlagt zu .41. 2145,59
„ ll Thüren, Lambries, Sockel rc., „ , „ 3430,90
„„ m .. zusammen mit M. 5576,49
zum öffentlichen Verdmg gestellt.
Die Verdingsunterlagen können bei unterfertigter Stelle einqesehen werden, wohin auch die schriftlichen Angebote bis zum
Frische Butte« per Pfund 70 H, empfiehlt M \ H. F. Nassauer.
Frischer
i Zwiebelkuchm
Montags, Mittwochs m Freitags bei 526
Emil Noll, Löwengasse 23.
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eingem. Essig-Gurkm neue holl. Doll-HäriW empfiehlt 52#
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__________ Delicateffenhandlung. __
Conferve-Gekee-Auffa- Hafen - Ginmacbüläser, Dio milchfchalen, Fifcbalocken u Fliegenfänger empfiehlt 52-- f C. D. Fillmann, Kirchenpl. ll»
Irischer
Zwiebelkuche»
Montags, Mittwochs Freitags, Vormittags 9 Uhr,
August WoII
5159 im Stern.
Näheres im Kischerhofs


