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Donnerstag den 14. April

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Bureau r Schnlstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Wegen Herstellung der Wasserleitung ist von morgen der Verkehr mit Fuhrwerken durch die Marktstraße von dem Marktplatz bis zur Bahnhofstraße gesperrt. @ Qm 12- April 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius

Politische Uebersicht.

Gießen, 14. April

Die Osterseier ist anscheinend durch keinen Mißklang aus dem Gebiete der hohen Politik gestört worden und auch in den Regionen der inneren Politik giebt es nichts zu verzeichnen, was die österliche Feiertagsruhe hätte beeinträch­tigen können. Die Pause, welche durch die Festtage in das innenpolitische Ge­triebe gebracht worden ist, dürste indessen zur Stunde in verschiedenen Verwal­tungs-Ressorts wieder neuer Thätigkeit Platz gemacht haben, namentlich was das preußische Finanzministerium, sowie das Reichsschatzamt und das Reichsamt des Innern anbelangt, da diese Ressorts durch die in Vorbereitung befindliche Steuerreform für das Reich vollständig in Anspruch genommen werden. So­wohl der neue Branntweinsteuer- als auch der neue Zuckersteuer-Entwurf soll dem Reichstage möglichst bald nach Wiederaufnahme feiner Verhandlungen vor- gelegt werden und da dieselbe am 19. April statifindet, so ist für die Vorbe­reitungs-Arbeiten zur Steuerreform m der Thal keine Zeit zu verlieren. Auch das preußische Abgeordnetenhaus tritt an dem genannten Tage wieder zusammen und wird seine Thätigkeit in diesem letzten Theile der Session im Wesentlichen nur noch durch die Kirchenvorlage und den Gesetzentwurf, betr. die Feststellung der Leistungen für Volksschulen, in Anspruch genommen werden. Die Kirchenvorlage wird voraussichtlich am 20. April zur ersten Lesung kom­men und stehen von verschiedenen Seiten Abänderungs-Anträge zu den Beschlüssen des Herrenhauses zu erwarten, so daß eine commiffarische Berathung nicht zu vermeiden ist und da vielleicht auch das Herrenhaus sich mit der Angelegenheit wiro befassen müssen, so steht die definilioe Entscheidung erst in einigen Wochen in Aussicht. Was das Gesetz bezüglich der Leistungen für Volksschulen anbe­langt, so ist dasselbe vom Herrenhause mit einigen Abänderungen bereits ge­nehmigt worden und auch die Commission hat den Entwurf einer Form, welche von dec Fassung des Herrenhauses nur wenig abweicht, angenommen und wird derselbe das Plenum daher nicht allzulange aufhalten. Jedenfalls erfolgt der Schluß der preußischen Landtagssessiou noch vor Pfingsten, während es fraglich erscheint, ob der Reichstag trotz seiner Arbeitsfreuoigkeit bis zu diesem Termine ebenfalls mit feinen Geschäften aufgeräumt haben wird. Denn außer den beiden Steuer-Entwürsen hat er sich noch mit verschiedenen anderen ganz neuen Vorlagen zu befassen, wie mit den Entwürfen über die Errichtung des orientalischen Sprachen-Seminars in Berlin und über die Aenderung der Ge­bührenordnung für Rechtsanwälte, sowie mit der Innungs-Vorlage und der Vorlage, betr. den Reichsbeitrag zu den strategischen Bahnbauten in Süddeutsch- land, während ja außerdem noch eine nicht geringe Reihe von in der Commission befindlichen Entwürfen der definitiven Erledigung harrt. Wie da der Reichstag all' diesen reichen Arbeitsstoff bis Pfingsten bewältigen soll, wenn er nicht ge­radezu mit größter Flüchtigkeit arbeiten will, ist unerfindlich.

In Regierungskrisen erwägt man. officiösen Mittheilungen zufolge, die Abänoerung des Gesetzes vom 17. April 1886 über die Rechtsver­hältnisse in den deutschen Schutzgebieten. Den Anstoß zu diesen Erwägungen haben bezügliche Anträge der verschiedenen deutschen Colonial- Gefellschasten gegeben, in welchen betont wird, daß die noch unentwickelten Ver­hältnisse in den Schutzgebieten die Anwendung ganz anderer rechtlicher Maßnahmen bedingen, als dies in den deutschen Consular-Gerichtsbezirken der Fall ist, deren Rechtszustände in den Hauptpunkten auf die Schutzgebiete übertragen wurden. Dem Vernehmen nach roeroen die Erwägungen über die Abänderung des erwähnten Gesetzes den in den Anträgen der Colonial-Gesellschaften nieder­gelegten Anschauungen entsprechen.

Deutschland.

Darmstadt, 9. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 5. April dem Dr. med. Küchler in Darmstadt und dem Dr. med. Weil in Zwingenberg das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienst-Ordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.

Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 6. April den ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität Dr. Hubert Ludwig auf Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April d. Js. an seines Dienstes zu entlassen.

Darmstadt, 10. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 6. April den Director der städtischen Sammlungen für Natur­geschichte und Ethnographie in Bremen Dr. Johann Wilhelm Spenge! zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität,

insbesondere für das Fach der Zoologie und vergleichenden Anatomie, mit Wir­kung vom 1. April d. Jr. an zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen.

Berlin, 12. April. Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vorträge Albedyll's und Caprivi's, sowie mehrere militärische Meldungen entgegen, machte Nachmiltags eine Spazierfahrt und empfing später den Finanzministcr Scholz zum Vortrag.

DieNorddeutsche" bestätigt, daß die Branntweinsteuervorlage dem Reichs­tage bald nach den Osterferien zugehen werde und daß die am Samstag unter dem Vorsitze des Reichskanzlers stattgehabte Sitzung des Staalsministeriums mit dieser Steuer beschäftigt gewesen sei.

Berlin, 12. April. Fürst Bismarck ist Nachmittags oVt Uhr nach Friedrichs­ruhe abgereist.

England.

London, 11. April. Die Volksmenge, welche an der Kundgebung im Hyde- park theilnahin, etwa 100,000 Personen, zerstreute sich gegen 5 Uhr in aller Ruhe. Die größere Zahl derselben bestand aus Neugierigen. Die Haltung der Menge, in welcher viele Socialdemokraten mit rothen Fahnen bemerkt wurden, war eher indifferent und wenig enthusiastisch. Als der Zug auf dem Wege nach Hydepark Piccadilly passirte, zeigte sich Gladstone am Fenster eines Dort gelegenen Hauses und wurde von der Menge stürmisch begrüßt.

Wie dasJournal Cork Herald" meldet, ist die Regierung davon ver­ständigt worden, daß ein mit Dynamit beladenes Schiff, welches aus einem ameri­kanischen Hafen vor etwa 14 Tagen ausgelaufen war, am letzten Donnerstag bei Aoughal gesehen worden sei. Es ist angeordnet worden, alle verdächtigen Personen, welche landen sollten, zu verhaften.

Rußland.

' Petersburg, 9. April. TasJournal de St. Petersbourg" conftatirt, daß der in einem Pariser Blatte enthaltene Bericht über eine angebliche Unterredung eines Correspondenten mit einem hohen Beamten des russischen Ministeriums des Aus­wärtigen auf Erfindung beruht. DasJournal de St. Petersbourg" fügt hinzu, seine Leser wüßten, daß kein Staatsmann für Worte verantwortlich gemacht werden könnte, welche ihm irgend ein Correspondent in den Mund zu legen beliebe.

DieNeue Zeit" erfährt, das Finanzministerium beabsichtige, auch die in Rußland ansässigen oder in russischen industriellen und commerciellen Etablissements angestellten Ausländer zur Steuer für Relsepässe in's Ausland heranzuziehen. Befreit sollen Diejenigen bleiben, welche zu nur dreimonatlichem Aufenthalte auf ihre im Aus­lande belegenen Besitzungen verreisen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenr-Bureau.

Amsterdam, 13. April. Die Feier anläßlich des 70. Geburtstags des Königs begann heute. Die Stadt ist sehr reich geschmückt, der Zufluß der Fremden zahlreich. Um 23/< Uhr fand der feierliche Einzug des Königspaares und der Prinzessin Charlotte unter dem Jubel der Bevölkerung statt. Nach der Ankunft im Palais zeigte sich die königliche Familie auf dem Balkon des Schlosses und wurde von einer zahlreichen Volksmenge auf das Wärmste begrüßt. s ______________________________

Lokales.

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6. Die Quellwasserleitung.

7. Die Erbauung eines neuen Stadtmädchenschulhauses.

8. Die sogen. Wodestraße. , e y

9. Gesuch des Fellhändlers I. Klebe um Erlaubnis zur Ueberbruckung des Schoorgrabens. r ,tc r y

10. Gesuch des Fabrikanten W. Gail um Abgabe von Wasser aus der städtischen

Gießen, 13. April. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sihung am»

Donnerstag den 14. April 1887, Nachmittags 4 Uhr.

' Voranschlag der Armenkasse für das Jahr 1887/88.

Desgleichen der Plockischen Stiftung.

Prüfung des städtischen Voranschlags für das Jahr 1887/88.

Vermiethung der früher Schmied Walther'schcn Hofraithe.

Die Herbstübungen der 21. Division im Jahre 1886.

Wasserleitung. .

11. Gesuch des Bauunternehmers Ludwig Kauf um Erlaubniß zur Ableitung von Abfallwasser in ein städtisches Canalrohr.

Gesuch des Karl Loth um Bauerlaubniß.

Desgleichen des Ludwig Pfeil.

14. Desgleichen des Gastwirths Christian Jungblut.

Die Grundzinsen.

Gießen, 13. April. sNachträgliches zum Realschuljubiläum.j Das Fest des 50jährigen Bestehens der hiesigen Realschule ist, obgleich die Dorbereltungen dazu sehr übereilt werden mußten, so allgemein befriedigend und ohne leflitcpen -y B' klang verlaufen, daß es gewiß allen Theilnehmern noch lange Zeit tn freu Erinnerung bleiben wird. Für diese selbst, besonders aber für D^emgen, einzelnen Festacten nicht beiwohnen konnten, dürfte es wohl von hohem dieser sich nachträglich noch einmal in einem Gesammtbilde vorführen tu 1 n gCKrern und Ehrentag der Anstalt sowohl von in der Ferne wellenden djem 0 D0It

Schülern derselben, die am persönlichen Erscheinen verhilidert auf welche

verwandten Anstalten in Nähe und Ferne ausgezeichnet wor warmes

Weise Behörden, wie Freunde und Gönner am 25. und 26. Marz 0. M warmes