Ausgabe 
13.11.1887 Erstes Blatt
 
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Hörte, war wirklich alles prächtig und gut. Ein edler Wetteifer herrschte bei allen Vereinen, nur Gutes und Gediegenes vorzutragen. Ein wahrer Gesangs-Wettstreit entstand dadurch und wurde den Festtheilnehmern ein Hochgenuß bereitet. ES sangen außer dem Liederkranz, welcher zu Beginn des AbendsSchäfers Sonntagslied" von Kreutzer vortrug und später noch in einem Doppel-QuartettWenn sich zwei Herzen scheiden" von Dr. Maschn ek, sowie das ChorliedMei Schatz und ich" von Pache und zum Schluß diemusikalischen Schnurrpfeifereien" von Peuschel folgen ließ, 1) Das Kronbauer'sch e QuartettMädchen mit dem rothen Mündchen" vvnJ. Gall undMorgenlied" von I. Pietz, 2) der Sängerkranz dasNachtlied" von Kreutzer, 3) die HarmonieAbschied vom Gebirge" von Tschirsch undAbschied von der Alm" von L>chmözer, 4) die Gesangs-Abtheilung der BürgergesellschaftRitters Abschied" von Kinkel und 5) der Bauer'sche Gesangvereindas Kirchlein" von Becker.

Alle Gesangvereine haben brav gesungen und verdienen das beste Lob, welches sich auch durch die jedesmaligen Beifallskundgebungen zur Geltung brachte, Insbesondere brachte das Kronbauer'sche Quartett sowohl seine Lieder, welche auf dem Programm standen, als auch die auf vielseitigen Wunsch vor Beendigung des Programms noch eingeschobenen ganz ausgezeichnet zum Vortrag. Tie Festtheilnehmer waren mittler­weile durch die Gesangs- und musikalischen Vorträge in eine so gehobene Stimmung versetzt worden, daß, als derLtederkranz" die zwei letzten Gesangs-NummernMei Schatz und ich" (ein von dem Liederkranz-Dirigenten Herrn Kaufmann arrangtrter recht netter Walzer) und diemusikalischen Schnurrpfeifereien" zum Vortrag gebracht hatte, noch Niemand an den Heimweg dachte.

In den Pausen des Festprogramms hatte zunächst der Dirigent des Kron- bauer'schen Quartetts, Herr Zahlmeister Kronbauer, des festgebenoen Vereins in ehrenvollen Worten gedacht, indem er namentlich sagte, daß die Leistungen dieses Vereins am Concert-Abend und am heutigen Banket-Abend alle Achtung verdienten. Herr Musikdirektor Felchner zollte dem Herrn Registrator Kaufmann, als Dirigent des Ltederkranzes, die vollste Anerkennung. Herr Wagner, Präsident des Lieder­kranzes, dankte u. A. den Gästen und insbesondere den Gesang-Vereinen für ihr Er­scheinen und die bereitwillige Mitwirkung der Letzteren, wodurch die Jubiläumsfeier des Liederkranz verherrlicht werde und wünschte, daß die beiden Jubiläums-Tage dazu beitragen möchten, die Gesang-Vereine Gießens immer mehr zu kräftigen und zu­sammenzuführen. Herr Cvrl Wenzel toastete in einer durch Humor gewürzten Rede auf den Liederkranz. Sodann dankten noch alle Vertreter der eingeladenen Gesang- Vereine dem festgebenden Verein für die freundliche Einladung und toasteten auf das fernere Blühen und Gedeihen dieses Vereins. Herr Hetnr. Bruchhäuser gedachte in warmen Worten der Verdienste des Herrn H. Wagner als Präsident des Gesang- Verein Liederkranz und Herr Louis Haubach, Schriftführer des Vereins Lieder­kranz, hob in beredten Worten hervor, daß Herr Octroi-Jnspector Jost der eigent­liche Gründer des Liederkranzes sei, welcher durch seine musikalische und gesangliche Befähigung und durch seine große Liebe zum Gesang zuerst eine Anzahl Freunde an sich gezogen und so den Verein nach und nach gebildet habe; des Herrn Jost und der alteren noch lebenden Mitglieder des Vereins Liederkranz, 21 an der Zahl, wurde wegen ihrer Verdienste um den Ltederkranz gedacht und stimmte die Festvelsammlung in ein dreifaches kräftiges Hoch auf dieselben ein, worauf Herr Jost dankte und er­klärte, daß er stolz darauf sei, der Gründer dieses heute so kräftig dastehenden Vereins Liederkranz zu sein.

Das waren zwei herrliche Tage, die Jubiläums - Tage des Liederkranz, die die Festtheilnehmer sobald nicht vergessen werden. Der Verein hat ein Muster abgegeben, wie man ein derartiges Fest am Schönsten und Würdigsten feiert und sich die Achtung und Liebe der übrigen Gießener Gesang-Vereine und seiner Freunde erwerbe.

Er hat ferner gezeigt, was Einigkeit und Vertrauen der Mitglieder zu einander zu leisten vermag und gerade dieses schätzen wir bei dem Liederkranz hoch. Möchten sich andere Vereine daran ein Vorbild nehmen.

Verwischte-.

.Die Abfahrten aus den Sand-, Kies-, Lehmgruben und den Steinbrüchen in der Umgebung Gießens. Vortrag des Vorsitzenden des hiesigen Thterschutzoereins, Lehrer Cur sch mann, in der letzten Sitzung des Vereins:

3» Begleitung der Herren Flurlchützen Hardt, Wenzel, Klingelmeier, Weber und Müller habe ich sämmtlichen Abfahrten der Art, welche in hiesiger Gemarkung Vorkommen, und auch denen des nahen Bergwerks einen Besuch zur Besich­tigung abgestattet, um mich von dem Zustande derselben zu überzeugen, denn die aus benannten Gruben führenden, mitunter schlechten Wege verursachen oftmals die gröbsten Thierquälereien. Da nun alle Thierschutzoereine es als eine Hauptaufgabe betrachten, möglichst viele Verhinderungen von Thierquälereien herbetzuführen, so glaube ich, daß das Bestreben unseres Vereins auch dahin gerichtet sein muß, alle Mängel, die für unsere Schützlinge Qualen nach sich ziehen, aufzudecken und auf deren Beseitigung hin- zuwtrken. Ich erlaube mir nun hiermit, Ihnen das Resultat meiner Beobachtung in kurzen Worten mitzuthetlen.

Vorerst will ich jedoch nicht unterlassen, zu bemerken, daß obengenannte Herren, die ich als Sachverständige zuzog, mir bereitwilligst alle mögliche Auskunft ertheilten und daß dieselben großes Interesse für den Thierschutz an den Tag gelegt haben.

Zuerst lenkten wir unsere Schritte nach dem Revier des Flurschützen Weber, hauptsächlich in der Absicht, dem Bergwerk in der Lindener Mark den ersten Besuch zu machen, um dorten die Abfahrten in Augenschein zu nehmen, und ich freue mich, daß ich Ihnen darüber nur Gutes berichten kann. Die Abfahrten auf benanntem Berg­werke sind sehr gut, sie werden mit großer Sorgfalt überwacht, eine jede schlechte ©teile wird sogleich ausgebessert und, wenn es nöthig erscheint, werden sofort eiserne Schienen gelegt. Es ist daher eine Lust, mit anzusehen, wie die Pferde die beladenen Karren mit Leichtigkeit nach den mitunter steilen Lagerplätzen befördern, was aber auch darin seinen Grund hat, daß die größte einem Pferde aufgebürdete Last nur acht ©B zehn Centner betragen darf. Da auch die Behandlung der Pferde auf diesem Berg- werke geradezu musterhaft genannt werden muß, so fühle ich mich gedrungen, Ihnen etwas Näheres darüber mitzutheilen. Keinem Knecht steht das Recht zu, ein Pferd zu strafen, denn, wenn er es wagen sollte, seinem anvertrauten Thiere aber auch nur emen Schlag -u versetzen, so wird er mit 1 JL Strafe belegt und in Wiederholungs- [a^n?elgertficbbie (Strafe so weit, daß sie sogar seine Entlassung aus dem Dienste herbeifuhrt. Sollte ein Knecht der Meinung sein, daß ein Pferd durch Störrigkeit oder sonstige Ungezogenheiten Strafe verdient, so muß er davon einem Beamten die Anzeige machen, und wenn dieser eine Züchtigung für nöthig erachtet, bann erst darf eine Strafe vollzogen werden. Bessert sich das Pferd daraufhin nicht, so wird durchaus keine wettere Prügelei, die die Direction verabscheut, fortgesetzt, sondern das Pferd wird dem Lieferanten, der gehalten ist, es wieder zurückzunehmen, als unbrauchbar zur Ver­fügung gestellt. Alle Pferde sind so vortrefflich genährt, daß ich es für ganz über- habe, nach den täglichen Rationen derselben zu fragen. Daß in den k «V- e cf ,??rde die größte Ordnung und Reinlichkeit herrscht, daß da Striegel gehandhabt werden müssen, sieht man den Pferden schon beim ersten fli» an. ^ne Ausnahme erscheinen dieselben stets wie in sauberen, netten, spiegel- ßlatten Sonntagskleidern auf denen Staub und Schmutz durchaus nicht geduldet werden Eine solch edle Behandlung der Pferde verdient gewiß von gar manchem Pferdebesitzer nach geahmt xu werden, und eine oerehrliche Direction, die so humane Doa^^nedennun^ frcubiße Überzeugung hegen, daß ihr alle Edeldenkende

. «r und dritter Gang galt den Sandgruben, deren wir etwa 16 bis 18

einer gründlichen Betrachtung unterzogen. Leider kann ich Ihnen von den meisten der- felben keine günstige Mittheilung machen, denn die Abfahrten derselben sind so mangel­haft und be chwerlich daß selbst bei halber Last die armen Thiere furchtbar angestrengt werden müssen,^ um die Wagen, die im Sande bis an die Achse einsinken berans- zubringen. Den stärksten und zugfestesten Pferden ist es bei dem besten Willen nicht möglich, auf so schlechten Wegen auch nur eine mäßige Ladung von der Stelle zu bringen, und wenn ihnen nun gar zugemuthet wird, was häufig geschieht, eine volle Ladung, die mit dem Wagen oftmals 6070 Centner betragen soll, herauszuschaffen so übersteigt dies ihre Kräfte, und sie sind gezwungen, ihren Dienst zu versagen Jetzt sangt leider die Peitsche an, eine Hauptrolle zu spielen, eine abscheuliche Prügelei bricht los, denn, weil es mit Gewalt vorwärts gehen soll, so läßt cs der unbarmherzige -Lenker an unzählig wuchtigen, schmerzhaften Hieben auf Rücken, Bauch und Kopf der

- armen Thiere nicht fehlen. An eine Erleichterung der Last durch Abladen wird bann gedacht, wenn die Thiere recht gründlich abgemattet und schaudererregend worden sind, und es ist geradezu unbegreiflich, wie cs möglich ist, daß viele Sfr??, befifeer einen so groben Unfug, von dem sie doch unter allen Umftänbtn unterri*?!» | sein müssen, dulden können, da doch auch nur den Gletchgilttgen entgehen kann ihre für schweres Geld gekauften Pferde durch diese tägliche Uebei bürbung früh^« ; abgenutzt und vollständig xu Grunde gerichtet werden. An einigen Gruben finh h» i Abfahrten ziemlich gut und von zweien kann ich berichten, was ich mit Veranün thue, daß die Herren Besitzer wesentliche Verbesserungen haben eintreten lassen (Sa iS ! dies an den Gruben der Herren Steinbach und Jünger dadurch geschehen dak k erstere die Abfahrt mit dicht und fest aneinander gefügten Eisenbahnschwellen von unt,tV bis oben belegt hat, und daß die des zweiten theilweise mit Pflaster versehen in an diesen Gruben nicht unvernünftig aufgeladen wird, so können die Pseröe ein!" ziemlich schweren Wagen, der hier gar nicht einsinken kann, ohne besondere Wnfirenmrn herausbefördern. Freilich, einer Sandgxuben-Absahrt muß ich entschieden den Vor.!!? geben, ich muß sie unbedingt für die beste erklären, weil da die Ausbeute nur n?f Rollwagen bewerkstelligt wurde, und daß eine solche Beförderung als die leichteste hi j die Thiere angesehen werden muß, wird wobl Niemand in Zweifel ziehen, j die Abfahrt, die Herr Atzbach aus einer städtischen Sandgrube nach dem Bannst der neuen Kaserne hergestellt hat. Obschon ich sehr genau weiß, daß es nicht wl? möglich sein kann, alle Abfahrten auf diese Art einzurichten, so wäre es doch nemif, 25 Interesse der armen Zugthiere mit Freuden zu begrüßen, wenn Schienengcletse un? Rollwagen das gewöhnliche Fuhrwerk an obengenannten Abfahrten, namentlich Qn Sandgruben verdrängten, denn dann könnte selbst eine Kuh ohne besondere einen Bahnzug von zwei beladenen Wagen einem zur weiteren Abfahrt bequemen Pnn,r platze zuführen.

Der vierte Gang führte uns zu den Steinbrüchen am Hardtberge, wo mir längere Zeit in den sieben dort befindlichen Brüchen verweilten, und wir sanden h« ein recht bewegtes Thun und Treiben, was mir Gelegenhett gab, nicht allein die AK? fahrten einer genauen Prüfung zu unterziehen, sondern ich konnte auch die flhhihr einiger Wagen genau beobachten.

Es ist mir sehr angenehm, Ihnen berichten zu können, daß alle Abfahrten da«. Prädikatim ganzen gut" verdienen, denn dieselben haben keine bedeutende Steigungen" sind von unbeträchtlicher Länge, ruhen auf fester Grundlage und befinden sich in einem guten Zustande. Ich habe gesehen aus drei verschiedenen Brüchen schwerbelal ne Wagen absahren und ich muß zugeben, daß die Pferde dabei durchaus nicht übermäuia angestrengt wurden.

Jedoch ein Stück des Weges, der an den nach der Textor'schcn Besitzung in liegenden Steinbrüchen vorbeisührt, bedarf einer Reparatur, denn es befinden sich suß- tiefe Löcher in demselben, die mit geringen Kosten und wenig Arbeit ausgesüllt werden könnten, da brauchbares Geröll dazu massenhaft kaum zwei Schritte von diesen schlechten Stellen entfernt liegt, und es ist daher sehr auffällig, daß eine fo leicht auszuführende Verbesserung nicht schon längst geschehen ist. Was nun die Abfahrten der Kies- und Lehmgruben, sowie auch die der Felddackstein-Brennereien betrifft, kann ich mich ganz kurz fassen, denn sie befinden sich fast alle in einem so guten Zustande, daß nur bei ganz ungewöhnlichen Ladungen Quälereien vorkommen können. Eine Abfahrt jedoch muß ich ganz besonders hervorheben, es ist dies die Kiesabfahrt, die Herr Rübsamen von der Lahn aus nach einem Lagerplätze an der Bahn Herrichten liefe. Die Beförderung frnbet auch da nur vermittelst Schienengeleise und Rollwagen statt und ich muß diese Abfahrt für ebenso muftergiltig erklären, wie ich dies bei einer oben erwähnten Sand­grube gethan habe.

Grotze Mißstände, von denen Sie sich ja selbst überzeugen können, sind nach meiner und auch der Sachverständigen Meinung an ziemlich Dielen Abfahrten vor­handen, deren Beseitigung vielleicht dadurch angestrebt werden könnte, wenn die betreffenden Besitzer von den Flurschützen recht eindringlich auf die Mängel aufmerksam gemacht würden. Sollte dadurch ihr Barmherzigkeitsgefühl für die armen Thiere nicht erwachen, sollten sie sich nicht dazu verstehen, in irgend einer Weise Verbesserungen eintreten zu lassen, bann freilich würbe es als geboten erscheinen, ein hochverehrliches Grobherzogliches Polizeiamt burch eine Bittschrift zu veranlassen, das Feldpolizei- Personal anzuweisen, eine recht strenge Aufsicht an diesen Abfahrten zu führen.

Gießen. Curschmann.

Worms, 6. November. [Verberge zur Heimalh.^ Ein segenverheißendes Werk ist heute der Oeffentlichkeit übergeben worden, die neueHerberge zur Heimath", die in den Räumlichkeiten des früheren Töchterschulgebäudes auf dem Andreasplatze unter­gebracht ist. Als durch die Bemühungen des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim im Sommer dieses Jahres ein Zweigverein desevangelischen Bundes" hier in'S Leben gerufen war, hatte der Letztere sich als eine der ersten Aufgaben die Errichtung einer solchen Herberge der Heimath zum Ziel gesetzt und heute, kaum drei Monate, nachdem teuer Entschluß gediehen, laden die schmucken Räume der Herberge den Wanderer ein, sich's darin wohl sein zu lassen. Ermöglicht ward das durch den gemeinsamen Eifer der gefammten Bürgerschaft, ihnen allen voran allerdings wieder derselbe hochherzige Mann, dem unsere Stadt eine Fülle der trefflichsten Einrichtungen bereits, die Impulse ihres mächtigen Aufschwungs verdankt. Freiherr v. Heyl war es, der unentgeltlich das ihm gehörige große schöne Haus zu dem menschenfreundlichen Zwecke zur Verfügung gestellt. Auf heute um 3 Uhr waren die Freunde und Wohlthäter des Unternehmens zu den Eröffnungsfeierlichkeiten geladen: Kreisrath v. (Sagern, Bürgermeister Küchler, Freiherr v. Heyl mit Familie, einige Stadtverordnete 2c. fanden sich dazu in dem mit den Bildern des Kaisers und unseres Großherzogs, den Emblemen des Handwerks und sinnigen Sprüchen, bald fromm, bald scherzhaft geschmückten Räumen ein. Herr Pfarrer Kellner sprach ein Gebet zu Beginn der ernsten Handlung, dann gab Herr Gymnasiallehrer Dr. Dieckmann die kurze Vorgeschichte der Herberge mit Worlcn deS Dankes an Alle, welche dem edlen Werke ihre Unterstützung geliehen und erörterte Zweck und Bedeutung des Instituts. Ein Rundgang durch die der Gäste hairenden Schlaf- 2C. Zimmer überzeugte zum Schluß sämmtliche Anwesenden von der Sorgfalt, mit welcher der Vorstand feiner Aufgabe gerecht geworden war. Vortreffliche Betten, überall die nöthigen Waschutensilien, eine Küche, die jeder HauSftau Vergnügen machen würde, behagliche Gasträume; auf der schwarzen Tafel im Fremdenzimmer parabnien schon die Namen hiesiger und auswärtiger Handwerksmeister, welche Gesellen suchten, gewiß eine gute Vorbedeutung für alle Arbeitbegehrenden, die dort oorsprechen. Dre hiesigeHerberge zur Heimath" öffnet den Suchenden aller Confessionen ihre Thore, es haben auch Mitglieder aller Religionsgesellschaften ihr Scherflein dazu gegeben, wenn auch zum weitüberwiegenden Theile die evangelische Gemeinde dahier die Ein­richtung ermöglicht hat, die Leitung der Anstalt hat daher mit Fug und Recht in deren Händen zu liegen. § 1 ber Hausordnung sagt: Die Herberge steht jedem Reisenden ohne Unterschied des Glaubens und Gewerbes offen, welcher sich beim Herbergsvater hinreichend legitimiren kann. Also auch ohne Unterschied des Gewerbes; das ist nicht zu unterschätzen. 9Ucht bloß der Arbeiter, der Handwerker ist es, der auf der Wander­schaft dort ausruhen kann. Die sociale Noth hat heute in Lebenscategorien um sich gegriffen, die weit übler daran sind, als jetzt der fogenantearme Reisende" und nach Brauch und Erziehung nicht zu den Mitteln der Letzteren greifen können, sich weiter durch die Welt zu schlagen und endlich den gesuchten Verdienst zu finden. Auchi sie ist es eine Wohlthat, wenn sie den niedrigen Kneipen entgehen, in welchen sie ßeifttg und körperlich den Untergang finden und hier für wenige Pfennige einen warmen Ofen im Winter, ein freundliches Zimmer und ein gutes reines Bett erhalten. Das wird hier je nachdem für 25, 35 und 50 Psg. gegeben. Der Morgenkaffee 6 W Mittagstisch von 40 H an. Einheimische können für 8 bis 9 Mark die Woche dort Wohnung und volle Verpflegung erhalten. Gerade die letztere Einrichtung ist von großer Bedeutung. Hunderte von kleinen Commis arbeiten in den modernen Geschäften um ein Butterbrod als Gehalt. Der Wohnungswucher der Städte zieht gerade von diesen Aermsten seine höchsten Zinsen; wie viele von ihnen werden fystemat.sch dem Proletariat, dem Elend zugeführt, hier winkt Rettung für sie, hier haben sie ihre an­ständige Wohnung, ihre solide Bedienung und können aufathmen in dem Bewutzlsetn, für billiges Geld an dieser Stätte wenigstens ihr gutes Unterkommen g-.funden za haben. Die Hausordnung ist selbstverständlich darauf zugeschnitten, die Gaste oer Solidität zu erhalten ober sie wieder daran zu gewöhnen, Kartenspiel und GaMnen sind darum verpönt und Winters um 10, Sommers um IOV2 Uhr ruft bte wac männiglich in's Bett. Aber ein gut Glas Bier, ein reiner Schoppen Wein fW beftoroentger für Jeben für geringes Gelb bereit. Als Hausvater ist ein Dtakon oer Duisburger Anstalt engagirt, der in Hagen i. W. in ähnlichen Verhältnissen schon.