Ausgabe 
13.8.1887
 
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Universität- - Chronik.

Der bei Gelegenheit der Einweihung der neuen Universitätsgebäude in Straßburg von der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät zum Ehrendoctor ernannte damalige Curator der Straßburger Universität, Herr Unterstaatssecretär Ledderhose, ist letzt gelegentlich seines Rücktritts auch von der philosophischen Fakultät derselben Universität zum Ehrendoctor kreirt worden.

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Derwifchtr-.

A Mainz, 11. August. Die über die Entstehung des am Montag hier aus- gebrochenen großen Feuers eingeleitete Untersuchung hat zu dem Resultat geführt, daß der Brand wahrscheinlich durch Kinder, die mit Feuerzeug gespielt haben, entstanden ist. Der Umstand, daß der Brand, obwohl am Hellen Tag ausgebrochen, so bedeutende Dimensionen annahm, gibt den Anlaß, daß hier vielfach die Feuerwehreinrichtungen (int sehr abfällige Kritik erfahren. Am meisten und zwar mit Recht wird getadelt, nicht besser für Herbeischaffung von Wasser gesorgt wird, was um so unbegreif­licher erscheint, als der Rhein nur wenige hundert Schritte von der Brandstätte entfernt ist. Einstimmig ist das Lob über die militärische Feuerwehr, ohne deren Eingreifen der Brand unzweifelhaft noch ganz andere Dimensionen angenommen hätte.

Die Luftschifferabtheilung der Pioniere hat gestern Mainz wieder verlassen, sowohl durch den Unfall, den Lieutenant v. Rettelbeck durch den Sturz aus dem Ballon erlitten, als durch das Resultat der Hebungen von der hiesigen Anwesenheit wenig befriedigt.

A Mainz, 11. August. -Das SalonbootNiederwald" erhielt gestern Nach­mittag auf seiner Fahrt hierher unfern von dem Loreleyfelsen unter dem Radkasten durch Streifen einer Krippe eine ziemliche Leckage, in Folge dessen rasch Wasser in den Maschinenraum drang und eine Weiterfahrt unmöglich machte. Das Schiff steuerte St. Goar zu, wo die Passagiere ohne jeden Unfall ausgeschifft und von dem alsbald folgenden zweiten Salondampfer weiter befördert wurden. Die Leckage ist derart, daß man hofft, heute denNiederwald" schon wieder in Dienst stellen zu können.

A Vom Rhein, 11. August. In dem Bopparder Stadtwald wüthet feit gestern ein heftiger Brand. Zur Bewältigung des Feuers sind aus den umliegenden Ortschaften die Feuerwehren nach der Brandstätte geeilt.

A Worms, 11. August. In der Nähe des Salzsteius hier wurde gestern Morgen ein Herren- und ein Damenhut, sowie ein unleserliches Schreiben aufgefunden. Unfern der Stelle wurde alsbald eine weibliche Leiche, die mit einem schwarzen seidenen Kleid bekleidet war, geländet! Es scheint, daß man es hier mit einem Doppelselbstmord zu thun hat.

Weißenburg i.E., 8. August. Ein Akt der Rohheit wurde, wie dieStraßb. Post" mittheilt, gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr auf dem Wege nach Rott verübt. Ein IZjähriges Mädchen ging seinem Vater, der sich noch in der Stadt aufgehalten, voraus, als es plötzlich von vier Soldaten angegriffen wurde. Da gleich darauf der Vater kam, versetzte euier der Unmenschen dem Kinde einen Stich in den Rücken, der auf dem Schulterblatte abprallte. Nach schwerem Blutverlust wurde, nachdem ein Arzt herbeigeholt war, das Mädchen nach Rott verbracht. Da gestern das ganze Regi­ment consignirt war, so wird es hoffentlich leicht werden, die Thäter ausfindig zu machen und der verdienten Strafe zuzufuhren.

Aus Schlesien, 6. August. DemWanderer a. d. Eulengeb." berichtet man von einer unsinnigen Wette, der neulich beinahe zwei Menschenleben zum Opfer ge­fallen wären. Ein Herr aus Berlin prahlte in der Schneegrubenbaude, er würde mit Leichtigkeit die etwa 1000 Fuß hohen Wände in einer der Schneegruben hinabsteigen. Mehrere Herren gingen sofort die Wette ein, die bald zum Austrage kommen sollte. In Begleitung seines zwölfjährigen Sohnes machte fick der Tollkühne auf den Weg. Doch noch nicht lange war er gestiegen, so konnte er nicht mehr weiter. Sofort wollte er umkehren; aber auch das war ihm nicht mehr möglich. Die Zuschauer sahen seine Gefahr, aber Keiner konnte helfen. Einem beherzten Führer gelang es, nach andert­halb Stunden angestrengter Arbeit die beiden Wagehälse wieder heil nach oben zu bringen, wo sie sprachlos und kreidebleich anlangten.

[@in Meisterstück der modernen Technik.^ Man berichtet aus Phila­delphia: Am 26. Juni ruckten 30 Mann die 1600 Tonnen schwere Etsenbahnbrucke der Pennsylvania-Bahn, welche bet Holmesburg-Junction über den Pennyhack-Fluß fuhrt, in TI1/» Minuten fünfzig Fuß weit zur Seite. Man bewegte die Brücke auf ßtöUcn'öd)ienennunb hatte sie auf einen starken Unterbau von Pfahlwerk gesetzt. Eine halbe Stunde später fuhr schon ein schwerer Bauzug darüber und gleich darauf der (rxpreßzug nach Philadelphia.

Die Bauernregeln haben doch eine recht angenehme Eigenschaft. Gleichviel, fft P ""treffen oder nicht, die Menschen freuen sich an denselben. Treffen sie ein, so m oie Freude erklärlich, denn jeder ist ein wenig eitel und stolz, etwas vorher, also früher als Andere, gewußt zu haben; schlägt die Prophezeihung aber fehl, so sind noch viel mehr Leute vergnügt, alle diejenigen nämlich, welche stets erklärt haben,an das Dumme 3eug nicht zu glauben" und das isthinterher" immer die Majorität. Nach fo vorsichtiger Einleitung darf es wohl verrathen werden, daß der August, wie er sich y®. anla&t, auf Grund sämmtlicher Bauernregeln die kühnsten Erwartungen rechtfertigt. Hier einige Belege:

Sind Lorenz und Barthel schön,

o Ist guter Herbst vorauszusehn.

,, Lorenz haben wir hinter uns, den 10. August nämlich, aber Barthel soll noch orafeit* " tx trifft auf den 24. Vom 15. d. Mts. wird laut Bauernregel

Hat unsre lieb' Frau gut Wetter, Wenn sie gen Himmel fahrt, Dann wird uns von ihr zum Danke Ein guter Wein bescheert.

Der werthe Leser weiß, Logik ist die stärkste Seite dieser Poesie nicht, sonst hl 7nL wundern müssen, welchen Einfluß wir auf das Wetter an Mariä a^rt ^ben und womit also wir uns den Dank an edelstem Trünke verdient Wftrirt°-Cnn 3UDt 15' August nicht Bindfaden regnet. Endlich sei der Spruch

Maienstaub und Augustkoth

Die machen uns ein theures Brod.

malten "^te da nicht in seliger Rückerinnerung an seine nassen Füße des dies- feuckt<.,>-^ouuemondes das Herz im Leibe! Matenstaub haben wir in dem heurigen nässe Lu ufF Maien wahrhaftig nicht gehabt und der Augustkoth, also die August- erfreu i*, m? ,0 erst gar, ergo haben wir ein billiges Brod zu erwarten. Dies die derer dt/ ^phette der Bauernregeln, mögen sie in Erfüllung gehen zu Schanden ftanbin ftnkia,ar °as dumme Zeug nie glauben", aber diesmal doch wohl sehr einoer- I^kn sind, wenn es zutrtfft.

Telegraphischer Schiff»bericht

m derRed Star Line" Antwerpen.

Ane" ^Ä'^ork, 9. August. .Der PostdampferRhynland" derRed-Star Wommen üm 30* 3ult DOn Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hier

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Montag den 15. August. Mariä Himmelfahrt. Uhr an Beichte.

li , Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Mädchen-Waisen-Anstalt zu Neu- tadt t. O.

11. Sonntag nach Pfingsten.

6 Uhr an Beichte.

7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. VilO Uhr: Hochamt und Predigt-

~ Uhr: Andacht; nach derselben Beichte.

Landwirthfchaftliche Nachrichten.

Kartoffeln wird von manchen Landwirthen zu spät vor- ^onnnen, wer! die meisten die Wirkungsweise der Behäufelung nicht kennen Die 1 uamlrch nicht an und für sich Wurzeln, sondern Seiten^usläuiei- eigen licher Wurzeln so eine Art von

ber ^-ffanzen theilweise mit Erde, so bilden sich in dieser angehäufelten Erde schnell neue Wurzeln und Seitenausläufer und bei den Knollengewächsen wie den Kartoffeln auch neue Knollen. Bei den Kartoffeln wird also durchsWufctaeine eck FäX bZ9nbHt^a9e^Cr3iC^- uW bie Ulanzen^nun recht L solche Aus- laufer bilden, ist es nothwendlg, daß fie zu einer Zeit gehäufelt werden in der fie Heber1 aa^niAt^fihnf1^1111^ ic)cr ?id)ti0e Zeitpunkt verpaßt, so soll man

lieber gar nicht häufeln, weil dadurch nur erreicht wird, daß die Kartoffeln alle klein und zum großen Theil unbrauchbar bleiben. B «anoffem alle nein

wrhim« £lrbSr®e,l,äfearten b?0e0en hat das Häuseln nur den Zweck, die Wurzel- S"? b,er ganzen zu vermehren, um so eine bessere Ernährung derselben und damit höheren Ertrag zu ermöglichen. Deshalb empfiehlt es sich, das Anhäufeln

L 2Cl btwas später vorzunehmen, wenn die Pflanze im Wachsthum

Cn lw' haß die alten Wurzeln nicht mehr die genügende Nahrung be- F»nhm a h°{nnetn* Außer den angeführten Vortheilen für die Knollen- und Wurzel- an.fLi* br n0VlUIib^ Behäufeln auch noch den Vorzug mit sich, daß dadurch eine Juflorferung t^s Bodens erzielt wird, die den Pflanzen sehr zuträglich ist Ganz abgesehen davon daß die Bewässerung der Pflanzen in aufgelockertem Boden mehr auch die Einwirkung nicht zu unterschätzen, die die im lockeren Boden reichlich vorhandene Luft auf die Pflanzen ausübt.

Stachelbeeren.) Diese in conferöirtem Zustande sehr schmackhaften Fruchte erfordern beim Einlegen und Kochen Vorsicht. Um ein Platzen einern^sv tzen C? ftt£' jebc cin/idüe der Früchte an verschiedenen Stellen mit ^lzchen einzustechen. Sodann find sie in Büchsen zu legen und mit blFiu/S^^ (Kr^. Uund Zucker auf 1 Liter Wasfer, eingekocht

L f ö.u begießen und die Dosen zu verlöthen. Ferner ist anzurathen,

Dofen dann nicht tn heißes Wasser zu legen, sondern in kaltes und dieses dann Li?erdö?kn^höchst«?s^7^Minutcn^^^" foDen bann ganze Ltt-rbos-n 10, halbe

Samstag den 13. August.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.

10. Sonntag nach Trinitatis, 14. August.

Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Feier des heiligen Abendmahls.

Nachmittags 21/» Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die innere Mission.

Ktnderkirche, Vormittags 11V« Uhr, Pfarrer Schlosser.

Die Pfarrgeschäfte am Sonntag, den 14. August, besorgt Pfarrer Schlosser Montag den 15. bis Samstag den 20. August Pfarrer Or. Naumann.

Katholische Gemeinde.

Frankfurter Stadttheater.

Frankfurter Opernhaus. Nachdem Sonntag den 7. August die Frankfurter ^. per wieder eröffnet worden ist, wird nunmehr währeild der ganzen Zeit des Fremden- durchzugs, also von letzt bis November, allabendlich gespielt werden. Die Beurlaubung der hnvorragenden Frankfurter Opernmitglieder ist so angeordnet worden, daß dieselben D°?^ beginn tber Herbstsalson an zur Verfügung stehen und dadurch den Fremden, welche Frankfurt berühren, das vollständige Ensemble der Frankfurter Oper vorgeführt werden kann. Bemerkenswerth ist es, daß das Repertoir des Frankfurter Opernhauses momentan neunundsiebzig vcrlchiebene musikaltlche Werke enthält, welche in fortwährender Abwechslung innerhalb der Zeit des Fremdenverkehrs im Spätsommer und derbst gegeben werden können In diesem Repertoir sind nahezu alle bedeutenden Werke der classischen Meister, fast alle Wagner-Opern und alle irgendwie nennenswerthen Schöpfungen moderner Tondichter enthalten. Als interessant dürfte ferner die That- fache Erwähnung finden, daß im Frankfurter Opernhause in letzter Zeit verschiedene neuere Werke zur Aufführung gelangten, welche an anderen deutschen Bühnen noch nicht gegeben worden sind. So z. B. Delibes'Lakme", Bizet'sDie Perlenfischer".

.Heinrich VIII.", Jon?idres'Johann von Lothringen", Massenet's Herodias u. f. w. Im Augenblick wird Massenet's große Oper derEid" zur baldigen Auffahrung vorbereitet. Außerdem wird an der Neueinstudirung eines voll­ständigen Mozart-Cyclus, welcher noch im Herbste stattfinden soll, eifrig gearbeitet. Auch soll Goethe'sFaust-Tetralogie" (I. und II. Theil), in Emil Elaar's Ein- gehngen M ^orfcicr *u goethe's Geburtstag (28. August) zur nochmaligen Darstellung Das Frankfurter Schauspielhaus, welches seine Vorstellungen schon Ende Juli wieder ausgenommen hat, gibt von jetzt an gleichfalls fast allabendlich Vorstellungen und gelangen schon zu Beginn der Saison mehrere Novitäten und Neueinstudirungen zur Darstellung.

Kirchliche Anzeigen der Gtadt Wietze».

Svangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Uhr: Frühmeffe und Austheilung der hl. Communion.

VilO Uhr: Hochamt und Festpredigt.

2 Uhr: Festandacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 7 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 8« Uhr..

Wärmegrade der Lahn und der Luft

nach ReaumurL gemessen am 12. August, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 13>/r Grad, Luft im Schatten 12 Grad.

L. Ehr. Rübsarnen.

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