Nr» 1 Freitag den 12. August ^87.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
Vvreau r S ch u l st r a ß e 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Amtlicher HHeik.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Betreffend: Die Herbstübungen der Großherzoglichen (25.) Division. Gießen, am 10. August 1887.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir benachrichtigen diejenigen von Ihnen, welche Einquartirung erhalten, daß der während den Herbstübungen erforderliche Vorspann aus de« Reqmsitwnswege zu stellen ist, da der seitens der Intendantur der 25. Division anberaumte öffentliche Termin zur Verdinauna des Vorsoannbeönrk« nF™»
M°ben ist Sie wollen daher dafür sorgen, daß den Anforderungen der Truppen entsprochenwerden kann wobei «VchK
an jedem Tage und für jeden Truppenthnl ein Wagen erforderlich werden wird. — Die Vergütung beträgt für einen zweispänniaen Waaen vro Taa « Sünden) £12.50 und für einen einspännigen Wagen 8 Für einen halben Tag - l Stunden und damnter - Ld die HAst- dies°r BaLL gewährt. — Nach Beendigung der Manöver sind die Liquidationen, mit den Quittungen der Truppen belegt, alsbald in duplo an uns einzusenden 9 9
__Dr. Boekmann.
Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 11. Juli 1887 bezüglich der Unfallversicherung der bei Sauten ,6el^^äft?8tenU^Uerflm6n7,
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a» die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
a*ei6en ÜOm 11 b- (3tniei9eMatt Kr- 177) noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an
__Dr. Boekmann.
Politische Uebersicht.
Gießen, 11. August.
Kaiser Wilhelm hat am Dienstag seine Gastetner Badekur beendigt Md am solgenden Tage die Heimreise nach Neu-Babelsberg angetreten, woselbst die Munst am Freitag in der zehnten Vormittags-Stunde erfolgen dürste. Auch diesmal kehrt der greise Monarch wunderbar gestärkt durch die Quellen Gastems wie dessen kräftigende Alpenlust nach der Heimath zurück und so hat ach denn Gastein wiederum als ein Jungbrunnen für den kaiserlichen Herrn bewShrt. In die letzten Tage des Gasteiner Aufenthaltes Kaiser Wilhelms fiel dis Begegnung mit Kaiser Franz Josef, welche nach allen Versicherungen der Augenzeugen Heuer einen besonders herzlichen Charakter trug und die Erinnerung an diele Stunden trauten Zusammenseins mir seinem erlauchten Freunde wird 'm tzmen unseres Kaisers gewiß noch lange nachwirken. In Neu-Babelsberg vtro Kaiser Wilhelm bis zum Beginne der großen Herbstmanöoer residiren und !?'. er zur Beiwohnung an denselben am 4. September nach Danzig ab. Elmze Tage nach der Ankunft des Kaisers gedenkt auch die Kaiserin, welche zur üell noch in Homburg weilt, in Babelsberg einzutreffen.
m6M drinz Wilhelm von Preußen ist von seinen in Tyrol unternom- enen l emrjagden am Dienstag Früh nach Berlin zurückgekchrt; der Gasteiner ! lona^en-Begegnung hat der Prinz nicht beigewohnt.
> . f ^^48tan8l6r weilt noch immer in seinem Hinterpommer'schen scmum und Diejenigen werden wohl Recht behalten, welche behaupten, Fürst « .Qrct ^rde erst nach der Rückkehr des Kaisers von seinen Badereisen ... blassen und sich zunächst nach Berlin begeben, um dem Kaiser Vortrag Drei,c rln; Sonntag Nachmittag traf der zur Zeit auf Urlaub befindliche
k-» e*anbte Vatikan, Herr v. Schlözer, in Varzin ein und weilte rckaNnn Dienstag. Es wird sich hierbei in erster Reihe um dieBericht- ist eroer Gesandten über die Stimmung im Vatikan gehandelt haben, dann Wien wahrscheinlich, daß Herr v. Schlözer über seinen Ausenthalt in weifte imh ^t, woselbst er auf der Heimreise nach Rom mehrere Tage verweise verkehre ^sonders mit dem Grasen Kalnoky in bemerkenswerther
Besgtzung der britischen Botschafter.Posten werden nicht iiiaff hL = nbetun9en angekündizt, von denen auch die Berliner Bot- Aht , rot?b', Der bitherige Inhaber dieser Posten«, Sir C. Malet, iSlctfönb? l “"b aI* Iein Nachfolger in Berlin gilt Lord Lytton, der frühere Binfliaen3 en ’ ^oöle ^otb 89tton ablehnen, so bezeichnet man al« den m 8rü}ei 2fbaf5D®^lanb8 tn S8etlin ben bisherigen englischen Gesandten r4irieb2nhflLanme1r3lf[Q!re,b6r Gebrüder Weirbach in Embermönil ist in »ißwi w.in be »elegt worden, indem nach einer In Straßburg einge-
«Ä0 bie französischen Behörden die Wiedereröffnung der Wei«. : Wn SäFs c gestattet haben. E« ist noch unbekannt, ob die französi- !
unSbie!fem®nt’4(u6 gelangt sind oder ob sich erst eine ; E-Hrscheinlicher" Reichrkanzler-Amte« nöthig machte. Da« Letztere ist da« feilten no(fiCim^rkei5 ®irb bai Interesse an den innerpolitischen Angelegen- 4“! fcÄ b‘£, ^übejer Czechenpresse gegen den Unterrichts- ^i-lricht«'.Mtni^ «^dlnspruch genommen. Selbst der Umstand, daß der Wen dtrett vom Einwilligung zu seiner Verfügung über die Mittel- Weit einen * un? bem Monarchen in Ischl über die Ange-
griffe VÄ*1, hindert die Czechenblätter nicht, ihre
' $ettn knutsch fortzusetzen. Viel werden sie hiermit freilich I
Deutschland.
][ Darmstadt, 10. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Höchstwelcher heute Vormittag von einem nach Schloß Romrod unternommenen Jagdausflug hierher zurücktehrte, hat auf heute Nachmittag 2 Uhr im Großh. Schlosse ein Diner besohlen, zu welchem an den Jnspicirens halber auf dem Artillerie-Schießplatz bei Griesheim weilenden kommandirenden General des Königlich Württemb. XIII. Armee-Corps, General der Kavallerie v. Alvensleben, Einladung ergangen ist. Ebenso sind der stellvertretende Hessische Divisions- Kommandeur, Generalmajor v. Wissmann, und die Kommandeure der Königlich
nicht erreichen und die derbe Abfertigung, welche das hochofficiöse „Fremdenblatt" den Czechen wegen ihrer Bemühungen, den Minister-Präfidenten gegkn den Unterrichts-Minister auszusptelen, zu Theil werden läßt, dürste den Czechen agen, daß sie diesmal auch vom Grasen Taaffe nichts zu hoffen haben Uebngens nimmt sich die Wuth der czechischen Preßorgane über bie Aufbebuna einiger czechischen Mittelschulen um so grotesker aus, als der betr. Mn.Wrial- Erlaß auch die Aushebung einer größeren Anzahl deutscher Mittelschulen verfugt; aber freilich, von dem Grundsätze, daß das, was dem Einen recht ist dem Andern billig sein soll, haben die Czechen in politicis nie eine blasse Ahnung gehabt! "
Die Frage, wer die in Folge de« Ableben« Depreti«' erledtate oberste Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Italiens übernehmen werbe hat durch die provisorische Ernennung Crirpi'«, de« italienischen Ministers de«' Innern, zum Minister de« Aeußern ihre vorläufige Beantwortung erfahren Crispi galt lange Zeit al« erklärter Gegner Deutschlands und Oesterreich« aber dieser Annahme widersprach schon der Eintritt Crispi'« und seiner sortschrttt- lichen Freunde in das deutschfreundliche Ministerium Depreti«' und seit diesem Zeitpunkte ist nicht« geschehen, da« Den Verdacht, al« ob sich Italien von dem deutsch-österreichischen Bündniffe wieder entfernen wolle, auch nur im Entferntesten bestätigen könnte. Im Gegentheil versichern die italienischen Negterunq«. Organe, daß die auswärtige Politik Italien« sich auch ferner in den bisherigen Bahnen bewegen werde und e« liegt kein Grund vor, diese Versicherung irgend- wie zu bezweifeln. Uebrigen« würde Crispi nach der „Riforma" die Leitung des auswärtigen Amte« im Herbste wieder abgeben, bis zu welchem Zeitpunkte man hofft, eine neue Persönlichkeit zur definitiven Uebernahme diese« Posten» auszufinden.
Aus der großen englischen Mi bland-Eisenbahn ist ein Locomotiv- sührer- und Heizer-Strike ausgebrochen, der seinen Ausgangspunkt in einer mißliebigen Maßregel der Direclion bezüglich der Auszahlung der Löhne hat. Die Midland-Gesellschast vermag jedoch durch Anstellung neuer Leute und die Unterstützung der Nachbarbahnen den Betrieb vollständig aufrecht zu erhalte» und dürste daher der Strike resultatlos verlaufen.
Nur spärlich lauten die Moskauer Berichte über die Leichenfeier für Katkow und es läßt sich darum nicht beurtheilen, inwieweit dieselbe den Charakter einer großen nationalen Demonstration des Ruffenthums angenommen hat. Auch über die Reden, welche ein halb Dutzend der panslavistischen Freunde Katkow's an dessen Grabe gehalten haben, schweigt sich der Telegraph vollständig aus und von den Vertretern der französischen Nation, welche den Moskauer Begräbniß - Feierlichkeiten beiwohnten, scheint gar Niemand das Wort ergriffen zu haben, selbst Paul Döroulöde nicht. Ueber die Ursachen dieser auffälligen Zurückhaltung, welcher sich die Herren befleißigten, verlautet noch nichts Näheres, jedenfalls war es aber das Gescheuteste, was sie thun konnten, daß sie schwiegen. Wie es heißt, wäre Döroulöde verspätet in Moskau eingetroffen.


