Bayer. Finanzmtnister Ri edel: Die Frage habe auch für Bayern das größte Interesse, obgleich es der Branntwetnsteuergemeinschaft nicht angehöre. Bayern wolle keinen materiellen Vortheil mit der Aufgabe seines Reseroatrechts erzielen, aber die bayerische Brennerei müsse erhalten bleiben. Dieser wirthschaftliche Gesichtspunkt müsse maßgebend bleiben. Ohne besondere Schutzmaßregeln würde die süddeutsche Brennerei durch die norddeutsche erdrückt «erden. Es sei ganz falsch, zu behaupten, daß die Vorlage nur speciell der Kartoffelbrennerei zu Gute komme. Er bitte, die vorgeschlagenen Steuersätze von 50, bezw. 70 H anzunehmen, insbesondere auch das Verhältniß der Differenz von 50 zu 70 H festzuhalten. Die Brennerei sei mit dem Interesse der Landwtrthschaft innig verbunden. Der Entwurf sei von großer finanzieller, wirth- schaftlicher und nattonalpolitischer Bedeutung; möge das Votum des Hauses dem Vaterlande zum Heile gereichen. (Beifall.)
Württcmb. Bevollmächtigter v. Schmid verwendet sich gleichfalls aus Rücksicht auf die süddeutschen Verhältnisfe und den wünschenswerthen Eintritt Süddeutschlands in die Branntweinstcuergemeinschaft für die Vorlage.
Abg. v. Mycielskt (Pole) äußert sich sympathisch zu der Vorlage und befürwortet deren Verweisung an eine Commission.
Abg. Hasenclever (Soc.) bekämpft die Branntweinsteuervorlage wie überhaupt alle indirecten Steuern, die in der Hauptsache nur die Arbeiter träfen.
Abg. Grad (Els.) verwendet sich insbesondere für einen wirksamen Schutz der kleinen Brennereien.
Abg. Witte (freis.): Durch die Vorlage solle den Kartoffelbrennern aus der Reichskasse eine erhebliche Subvention gewährt werden. Daran lasse sich nichts ändern. Seine Freunde seien nicht in der Lage, für diese Vorlage zu stimmen.
Hierauf wird die Weiterberathung auf morgen vertagt. Außerdem steht die erste Berathung der Jnnungsnooelle auf der Tagesordnung.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck wohnte der Verhandlung einige Zeit bei.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Corresponde«) - Bureau.
Berlin. 10. Mai. Der Kaiser ließ sich Vormittag« mehrere Vorträge erstatten, begab sich um 10% Uhr nach dem Tempelhoser Felde zur Besschli- gung der dritten Garde • Regiment« und der Kaiser < Franz - Garde - Grenadier- Regiment» und nahm daselbst eine Reihe militärischer Meldungen entgegen. Rach der Rückkehr In’« Palais conserirle der Kaiser mit dem Ches des Militär- Cabinetr, General v. Albedyll, und empfing Nachmittags den Staalrminister v. Bötticher.
— Das Abgeordnetenhaus genehmigte den Gesetzentwurf über das Berg, werkreigenthum in den ehemals Großherzozlich unn Landgräflich Hessischen Ge- bietStheilen der Provinz Hessen-Nassau in dritter Lesung unverändert, ferner in zweiter Lesung den Gesetzentwurf über den Verkehr auf Kunststraßen mit uner» heblichen Aenderungen und nahm die Landgüterordnung für Kassel in zweiter Lesung nach den Anträgen der Commission an. Ferner erledigte dar Haus eine Reihe Petitionen ohne allgemeines Interesse. Auf der Tagesordnung für morgen stehen mehrere dritte Lesungen und Petitionen.
— Die Strafkammer des Landgerichts vcrurtheilte den Redacteur der „Freisinnigen Zeitung", Emil Barth, wegen Bismarck-Beleidigung, begangen in einem „Kriegslärm und Reptilienpresse" betitelten Artikel der „Freisinnigen Zeitung», zu 4 Wochen Gesängniß. a
Frankfurt a. M., 10. Mai. Heule Mittag wurde der von Gustav Manskovf der Stadt gestiftete renovirte Justitia-Brunnen aus dem Römerberq den Stadtbehiirden vom Stifter feierlich übergeben. Se. Maj. der Kaiser richtete ein Glückwunsch-Telegramm an Manskovf, welches der Freut«, über vas die allen Merkwürdigkeiten der Stadt vermehrende hochherzige Geschenk Ausdruck giebt.
Karlsruhe, 10, Mai. Die Großherzogin reist am Donnerstag nach Berlin, um während der Abwesenheit der Kaiserin, welche am Samstag nach Baden-Baden abreist, dort zu bleiben.
— Die Kronprinzessin von Schweden ist von Amsterdam zur Kur nach Franzensbad abgereist. Der Großherzog und die Großherzogin stnd heute mit ihr in Frankfurt a. M. zufarnrnengetrossen.
Paris, 10. Mai. Die Blätter glauben, das letzte Votum der Budget- Commission zeige den Charakter der Annäherung; immerhin bleibe die Lage derartig gespannt, daß eine Verlängerung derselben den Rücktritt de» Cabinetr oder die Demission der Commission veranlassen könnte. Gablet conserirt morgen mit der Commission.
— Der Gesetzentwurf, betr. die versuchsweise Mobilisation einer Armee. Corps im October verlangt eine Aufwendung von 49/10 Mill. Frc,., jedoch stellt sich nach Abzug von Supplementar-Beträzen, die bereits in dem Ordina- rium de» Budget» für Vertheidigung»,wecke eingestellt waren, der effeclio neu zu deckende Bedarf nur auf 36/t0 Mill. Frc«.
— Nach den Motiven zu dem Gesetzentwurf über den MobilifirungSversuch werden al« Maximum der Einberusungrdauer 12 Tage für die Reservisten und 10 Tage für die Territorial-Armee festgesetzt. Dar Exposä bestätigt, daß die Mobilisirung im October bei einem Arrnee-Corpr im Westen oder im Süden nattstnden soll, um dadurch zu zeigen, daß er sich lediglich um einen Versuch handelt.
Urriverfitiits - Ehronik.
Würzburg, 5. Mai. sEin junger alter Doctor.j Ein aewißyseltener Fall hat gestern an unserer Hochschule sich ereignet und viel von sich reden gemacht. Der 55 Jahre alte Postdlrector a. D. Louis Hassel, der als preußischer activer Hauvt- mann an den Feldzügen von 1866 und 1870—71 mit Auszeichnung theilgenommen &at „in höheren Semestern" den Dienst des Mars mit jenem der Minerva^er' sÄ kl11? nad)bcm E zuerst juristischen Studien obgelegen, sodann in Erlangen sich der Medicin zugewandt und dort bte ärztliche Vorprüfung absolvirt, nunmehr gestern
n0Cr Universität nach nur fünfsemestrischem medicinischem Studium die Würd^ eines Dr. med. et ohir. erlangt.
Lokale-.
Gernsheim unb”® ß© ' aus
GernShetm Uno E. David, atud. phil. aus ßrofbnrf '-Yn hpr n, 2
zurnSchriftführ^l-wähtt! ÄrC‘fd,mar -um Vorsitzenden und Herr Kissinger
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®fsfe^teignet^nberau^^e"cbwaIgf”eett§e^äe^ ^nutztwÜL' werd^ W Theilnehmer theils zu Fuß, theits zu Wagen und iheils per Bahn aus den zum Gau gehörigen Orten zusammensinden. Wie wir hören, dürfte das Programm S ?enb^lein: Vormittags 10 Uhr: Sitzung des Preisgerichts Mittags I Ubr- b£r Bahnhof; sodann Abmarfch rnif Musisch dem Hardtberg, woselbst
volksthümliches Weitturnen, Eoneert re. stattfindet. Stach Schluß des Turnens: Breis, vertheilung. Unser Nachbarverein Lich hat das Arrangement übernommen und dürfte diese Turnfahrt, nach den Vorbereitungen zu urtheilen, ein wahres Volksfest werden, wofür auck schon letzt bte voraussichtlich zahlreiche Betheiligung spricht. Von Seiten des Vorstandes des hiesigen Turnvereins ist nun, vielen Wünschen entgegenkommend, und in Anbetracht dessen, daß es vielen Mitgliedern unbekannt geblieben sein dürfte, daß in verschiedenen hiesigen Lokalen Listen behufs Einzeichnung für den Extrazug offen gelegen, die Frist lnje t”1!??10 bis rum nächsten Sonntage verlängert worden. Um rechtzeitig die Zahl der nothrgen Waggons feststellen zu können und um einer etwaigen Ueberstürmna der der Abfahrt vorzubeugen, ist dieser Beschluß dankend anerzukennen. Gleichzeitia wollen wir noch erwähnen, daß bei dieser Festlichkeit die Damen nicht fehlen werden sowie daßi >urnfreunde sich sowohl am Extrazug als auch an den Festlichkeiten be- theiligen können. Der Extrazug wird Abends 10 Uhr wieder zurückfahren. Durch diese Ernrtchtung ist es den Theilnehmern ermöglicht, die Zeit des Festes gehörig aus- uutzen zu können. Der Abmarsch für die zu Fuß die Tour machenden Turner, sowie Sm bcr Abfahrt des Extrazuges wird noch später bekannt gegeben werden. Vor Allem tst es aber nöthig, daß der Himmel an diesem Tage ein freundlich Gesicht zeigt
Vermischtes.
Nieder-Florstadt, 9. Mai. Gestern Abend gegen 11 Uhr entleibte sich dahier ein hiesiger verhetratheter Lehrer mittelst eines Schusses in den Kopf. Das Motiv der Thal wird wohl in der gegen den Verlebten etngeleitet gewesenen Untersuchung wegen Verbrechens nach $ 176, 3 d. R. St. G. zu suchen sein.
_ „ Im Jahre 1885—86 belief sich im Großherzogthum
Hessen die Zahl der Gastwirthschaften auf 1848 (gegen 1639 in 1878), die Zahl der Schankwtrthschaften zum Ausschank von Branntwein und von sonstigen Branntwein oder Spiritus haltenden Getränken auf 5676 (gegen 5948 im Jahre 1878) und die Zahl der zum Kleinhandel (Kleinverkauf) mit Branntwein Concessionirten, abgesehen von den Gast- und Schankwirthschaften, auf 2524 (gegen 2117 im Jahre 1878) bei einer Bevölkerung von 956,611 Seelen (gegen 936,340 im Jahre 1878).
r, Marburg, 7. Mat. Heute früh kurz vor dem Ausmarsch des Bataillons erschoß sich in der Kaserne der Jäger S. von der 3. Compagnie. An den vorhergehenden Tagen soll derselbe merkliche Spuren von Trübsinn gezeigt haben.
, , Kassel, 8. Mai. Gestern Abend gegen 71/2 Uhr wurde auf der Sekundär- bahn bei dem Uebergauge nach der „Neuen Mühle" eine Person überfahren, dieselbe ist furchtbar verstümmelt. 1
er — Aus Bayern, 4. Mai. Das vorgestrige Unwetter hat, den „N. N." zu- folge, ganz besonders in Unterfranken gewüthet. In Aschaffenburg brach das Unwetter .. r los und hat in der ganzen Gegend unberechenbaren Schaden ange- richtet. Tagsüber herrschte eine erdrückende Hitze, Abends entluden sich einige Ge- w/tter und um Mitternacht folgte dann ein entsetzliches Hagelwetter, begleitet von t Blitzen und Donnerschlägen. An den Obstbäumen wurden Blätter und B uthen abgeschlagen und innerhalb weniger Minuten lag der Hagel fußhoch, bann folgte em wolkenbruchartiger Regen, ber an hochgelegenen Orten ben Baugrunb ab- IS^emmtcv Main zeigte gestern eine schmutziggelbe Farbe, ein Beweis, baß bas Wetter auch im Mainthale hauste. — Am schwersten getroffen ist die Würzburger Gegend: Ein Gewitter mit Hagelschlag und Wolkenbruch hat Wiesen und Felder ver- wustet und an den Obstbaumen großen Schaden angerichtet; zahlreiche Vögel wurden Cr'7l<^n v:ct ^ieh ist im Wasser umgekommen. In der Stadt Würzburg haben auch Oberlichter und Dächer sehr gelitten, die Pleichach und der Quellenbach traten aus und der Aumulbach setzte sowohl die Aumühle, die Aumühlwiesen und die Aumühl- uraße, als auch die Schweinfurterstraße unter Wasser. Der hinter der Thaler'schen ^->^.,b.^ Ebende Back war über zwei Meter gestiegen, die Schweinfurterstraße war gänzlich uberfluthet. In die Aumühle drang das Wasser ein und stieg mit solch rapider Schnelligkeit, daß sich die Wirthsleulc und ihr Personal in die oberen Räume nucht-t-n. Zm Garten der Aumühle stand das Wasser 70 bis 80 Zentimeter hoch, bie BftrthSlocole stauben ungefähr 30 Gentimeter tief unter Wasser. Die Schlossen fielen in der Große eines Hühnereies. Sowohl Polizei als Feuerwehr waren sofort
« und Stelle zur Hilfeleistung abgegangen. Besonders stark heimgesucht find die k ni Oberdürrbach, Versbach, Kürnach, Höchberg und Rimpar. Der
Schaden in den Weinbergen ist enorm. Einzelne Gegenden sind ganz unter Wasser Usetzt, tn Unterdurrbach stieg das Wasser halbhaushoch, in der Kirche bis zum Altar. Aehnliche Meldungen kommen aus Neustadt a.A., Forchheim und Altdorf, doch ist der Schaden dort nicht sehr groß und die Schlossen hatten nur ein Gewicht bis zu 12 Gr. 77" In Bayreuth schädigte das Wetter besonders die Dekoration für den Empfang des Prinz-Regenten; Tausende von Menschen waren gestern früh beschäftigt, den Schaden auszubessern.
— In Nr. 90 des Crefelder General-Anzeigers findet sich folgendes Inserat: „Warnung. Hiermit warne ich ein jedes Mädchen, sich vor dem Schneider Arnold Cupzers, Ostwall 144, zu hüten, da er keine ehrliche Absichten hat. Adely Lemmen, Drießenborfcr Straße 18." Muß ein angenehmer Don Juan fein, ber Schneider Arnold Cupzers.
IkI “ Unteroffizier: Einjähriger Müller, es beliebt Ihnen wohl, heute den Meineidigen zu spielen. Gestern erft haben Sie Ihrem Kaiser Treue bis in den Tod gesckworen und heute schon drucken Sie nicht einmal die Kniee durch! — Der Rekrut Meyer ist vom Pferde gefallen. Als er wieder im Sattel sitzt, ruft ihm der Wacht- zu-u^yer, nun machen Sie aber nicht wieder solch ein dummes Gesicht, sonst denkt der Gaul, er kann Ihnen alles bieten und wirft Sie nochmal ab. ■
Eingesandt.
ben Himmelfahrttag (Donnerstag kommender Woch?)^seite0ns^r Ruder- gesellschaft ein Ausflug zu Wasser und zu Lande nack Braunfels geplant, d. h. die lungeren Mitglieder werden die Fahrt in Booten, die älteren und die hoffentlich recht zahlreich sich altschließenden Vertreterinnen des sckönen Geschlechts mit der Bahn zurück- legen. Dabei ist die Anordnung des Ausfluges so gedacht, daß die Boote, die Morgens früh hier abfahren, gleichzeitig mit dem 11" hier abgehenden und 1237 Mittags in Braunfels ankommenden Zuge anlangen und dann von der Station aus der gerade in der jetzigen Jahreszeit so reizende Weg nach der Stadt Braunfels gemeinsam gemacht werden kann.
ber ftaljrt na$ J8raunfel§ werden sich voraussichtlich die Wetzlarer Ruderer einerseits und deren Gesellschaft andererseits anschließen.
Das Ziel des Ausfluges mit seiner prächtigen waldreichen Umgebung ist ja genugsam Defunnt, es wäre deshalb nur noch anzuführen, daß das seit Kurzem dort eröffnete „Schloßhotel die Ansprüche auch des verwöhntesten Magens zu befriedigen im Stande und daß das Schloß nach vollendetem Umbau besonders sehenswerth geworden ist. Für die sonstige Kurzweil wird die große Gesellschaft schon selbst sorgen.
i^^ ^0"^r^^^^b/?^^^^oßigung — Hin- und Rückfahrt auf ein- 1 -10 nothige Anzahl Personen (30) so zeitig zusammen zu bekommen, • om 0enug die nothigen Bestellungen wegen Waggons rc. erfolgen können, wird eine Ufte circuliren, in welche Theilnehmer und Theilnehmerinnen an der Fahrt sich einzuzeichnen gebeten werden.
Da Himmelfahrt einer der beliebtesten Ausflugstage, wird die Betheiligung wohl eine große werden, umsomehr als mit dem Ministerium für Wetterangelegenheiten eine Verabredung getroffen ist, zu Gunsten der Ruderschwestern für diesmal von dem sonst zu Himmelfahrt üblichen „Segen von oben" abzusehen.
_____________________ „Drum auf gen Braunfels!"
Literarisches.
, “. Photographische Rundschau. Organ des Clubs der Amateur-Photographen in Wien. Soeben ist das erste und zweite Heft dieser neuen Zeitschrift des gegründet« Vereins von Amateur-Photographen im Commtssions-Verlage von R. Lechners k. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung erschienen. Dieselbe wird von Herrn Carl Erna herausgegeben und von Herrn C. Schien dl unter besonderer Mitwirkung der Herren Dr. Mallmann und Ch. Scolik redigirt und soll monatlich ausgegebkn werden. Der Inhalt der beiden ersten Hefte befiehl aus bem ^00^001111 ber Zeitschrift, einer Abhanblung von Carl Srna über bas Positiv- Copir-Verfahren mit besonderer Berücksichtigung des Dr. Stolze'schen Emulsionspapiers.


