1VL7.
<^r 6() Samstag den 12. März
ießencr Anzeige
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureau r
jr DarMstadt, 10. März. Wie verlautet, wird sich Se. Königl. Hoheit Der Grobherzog mit Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Irene zur Theilnahme an den Festlichkeiten, welche aus Anlab des 90. Geburtstages Sr. Majestät ke» Kaisers stattfinden, nach Berlin begeben.
Gestern und heute fand an dem Ludwig'Georgs'Gymnastum die Maturitätsprüfung statt. Dem Examen unterzogen fich 31 Abiturienten, welche fämmtlich bestanden. Als Regierung»Commiffär fungirte der Geheime Oberschnlrath Dr. Becker.
Gelegentlich der Aufführung des Sopholleifchen Philokteter, welche durch Primaner des hiesigen Gymnasiums zu Ende vorigen Monats im Grobherzoglichen Hos-theater stattsand, war eine Brutto-Einnahme von 1360 JL zu verzeichnen gewesen. Wie noch erinnerlich fein wird, war die Vorstellung zum Besten der deutschen Schillerstiftung veranstaltet worden. Der Vorstand der hiesioen Zweigstiftung hat, wie wir hären, von dem Nettobetrag 500 an die deutsche Hauptsttftung einzuliefern beschloffen; 300 werden von der hiesigen Zweigstistung zu eigenen Gunsten capitaltstrt, der Rest zweckentsprechend verwendet.
Fütst Alexander macht in der Reconoalesce..; recht ersreuliche Fortschritte, namentlich seitdem er das Bett zeitweilig verlaffen kann.
Darmstadt, 8. März. Der dritte (Petitions- und Beschwerde)'Ausschuß der Zweiten Kammer wird am Dienstag, den 15. d. Mts., zusammentreten. Auf der ersten Tagesordnung stehen neben der Prüfung der Nachwahlen der Abgg. Haas und Hechler namentlich das Gesuch einer Anzahl von Handwerkern um Beseitigung, bezw. Verringerung des Gewerbebetriebes m den Strafanstalten und das Gesuch der Kreisbauausseher und Straßenmeister um Aufbesserung in ihren Gehaltsverhältnissen. (8r- 3ourn.)
Politische Ueberficht.
Gießen, 11. März.
Noch immer erweitert sich der Kreis der anläßlich der bevorstehenden OO Geburtstagsfeier des Kaisers am Berliner Hase bere.tS angemel- httcn fürstlichen Gäste. Außer dem rumänischen KömgSpaare sind tn oen letzten Tagen der Graf von Flandern - Bruder des Königs von Belg.en - nebst feinem ältesten Sohne, dem Prinzen Baldmn. der Kronprinz von Däne- mark, sowie der Großfürst und die Großfürstin W-adimrr von Rußland noch am Berliner Hose angemeldet worden, so daß am 22. März, soweit ot« letzt bekannt, 40 fürstliche Gäste in der Kaiserstadt an der Spree versammelt sein> werden Was das sich hartnäckig behauptende Gerücht anbelangt, der Czar selber wolle zum diesmaligen Geburtstage unsere» Kaisers »°ch Bersin kommen, so istün Berliner auswärtigen Amte von einer solchen Absicht nich.s bekannt und Hingt dieselbe auch durchaus unwahrscheinlich. , . „
Der Empfang des Reichstags-Präsidium» durch den Kaiser gestaltete sich diesmal insofern bedeutsamer gegen das vorige Mal, als der Monarch sich über verschiedene politische Tages-Themata ausließ, speeull über die Wahlen und die Septennalssrage. Aus den kaiserl. Worten erhellt, wie schwer cs dem greisen Herrscher geworden ist, die Auflösung de» Reichstages zu ver- lügen unD daß ihn der die Annahme de« Septennats-Gefetze» garanttrende Aussall der Reichrtagswahlen nunmehr mit doppelter Genugiyuung erfüllt. Der Hohe Herr vermied es, sich irgendwie über die auswärtige Lage auszusprechen, doch siebt ja der bezügliche Passus der Thronrede in dieser B-z ehung genügen- den Ausschluß. Nach Cent politischen Theile der Empfanges unterhielt sich d.r Kaiser noch kurze Zeit in ungezwungenster Weise mit leben, einzelnen der drei H-rreu, um sie daun auf da« Gnädigste zu entlassen. Der Kaiser bekundete während der ganzen Audienz, wie die Herren berichten, em erfreuliches Wohl- fern und überhaupt große Frische und Lebendigkeit.
Im Reichslande geht die kaiserliche Regierung mit verschärften Maßregeln gegen die Vereine, weiche antideutschen Tendenzen, sei es durch ihre Statuten, sei es durch ihre sonstige Haltung, huldigen, vor — offenbar ist es die Antwort der Regierung auf den protestlersichen Ausfall der Wahlen. Die Centralverbände der elsässischen Gesang- und Turnvereine, welche mit Ne Hauptsätze der deutschfeindlichen Agitation sind, wurden ausgelöst und die gleiche Maßregel trifft überhaupt alle Vereine, in denen antideutsche Bestrebungen vor- malten, weiche die Ausnahme den in öffentlichen Diensten stehenden Alldeutschen oder geweienen altdeutschen Militärpersonen versagen, Die ferner s°l4- Mitglie- der nicht au,schließen, welche sich politischer Vergehen schuld g gemacht haben oder welche sich endlich Anordnungen der Behörden widersetzt haben ober em proooeirende» Benehmen gegen Deutsche zur Schau tragen. Die Erlaubmß zum Weiterbestand für die anderen Vereine wird an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft. Außerdem wurden verschiedene Magistratspersonen, welche sich an der Wahlagitation zu Gunsten protestlerifcher Candidaten in h^^^ender Weye betüeiUgten, vom Amte suSpendirt, wie der Bürgermeister Gillort in Rheinau. Das energische Vorgehen der Regierung gegen die elsässischen Vereine, die unter dem Deckmantel der Geselligkeit nicht» als die Träger entschieden deutsch feind- Heber Bestrebungen waren, kann nur mit Genugthuung begrüßt werden, ebenso wie eü an erseits angenehm berührt, daß die Regierung das protestlerische Ver- dict vom 21. Februar nicht der gesammten reichsländischen Bevölkerung, wie dies durch allgemeine außergewöhnliche Maßregeln geschehen würde, entgelten läßt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's t-lcgr. Correspondcnz-Bureau.
Wien. 10. Mär,. Die Annahme des Septennals durch den deutschen Reichs- taa besmeäm.d sagt das „Fremdenblatt", der Friede bähe Damit eine we -nittwe prfafiren 8 Auch die „N. Fr. Pr." sieht in der Abstimmung cm Gluck fui ®e fficlt® wei^die herrschende Beunruhigung nunmehr aufhören dürste. Das »Evra- blatt" sagt, dem Frieden fei eine Frist gegeben, worin er sich wieder zu vollem leben erholen könne Bezüglich des im, nördlichen Theile der Ch-sapeakeboy
XSESäsäää S&Xr Session ein Branntwetnsteu-rgef-tz vorgelegt werden, wofür renh-s Ma .al vorliegt, worüber vorher mit den maßgebenden Parteien eine Verständigung her zuführen wäre. Söelfort zufolge fand im dortigen
e enss. wss
elngettoffen'imd beal-siLe, heute nach dem Kongo weiterzugehen, wo Stanley bereits am ^ B-»grad7w-Mär^Der österreichische Gesandte Heugelmüller überreichte dem
ÄtaeK Vollmacht besitzt, das Urtheil abzuandern^
Berlin, 10. März. Der Kaiser nahm Vormitttags militärische Meldungen entgegen, conserirte alsdann mit v. Albedyll und dem Kriegsminister und machte Nachmittags eine Spazierfahrt.
— Zu dem Galadiner, welches zu Ehren des Geburtstages des Kaisers von Rußland morgen im kaiserlichen Palais stattstndet, stnd gegen 60 Einladungen ergangen. L z n,_
Friedberg-Büdingen, 10. März. Brand (natronalliberal) mrt 1950 Stimmen Majorität gewählt.
Straßburg, 10. März. Staatssecretär v. Hosmann soll seine Ent- laffunq eingerercdt haben.__
Reichstag.
E. R. Berlin, 10. März 1887.
Die Etats des Reichstags, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei werden ohne Debatte bewilligt, desgleichen das Ordinarium des Etats für das Auswärtige Amt. Bei dem Extraordinarium dieses Etats fragt r ,
Aba. Virchow (dfr.), ob die Reichsregierung noch irgendwelche praktische Hulse, leistung von der deutsch-afrikanifchen Gefeüschaft erwarte ober ob sie wunfche, dag dieselbe^mtt^h ^rancI erklärt, daß die afrikanische Gesellschaft aus diesem Etat niemals Geld erhalten, sondern nur Unterstützungen. zu Erforschungsrelsen, die sie veranstaltete. Im letzten Jahre hatte sie derartige Expeditionen nicht veranstaltet, weshalb ihr auch keine Unterstützung werden konnte. .,.
y Aba vr. Virchow: Die Gelder sollen für wisienschaftliche, nicht für commercielle Bestrebungen verwendet werden. Die Erforschung Eerttralafrikas werde nicht werter verfolgt, die Mittel würden vielmehr zur Erforschung Kameruns verwendet. Wolle der Reichstag sich dies gefallen lassen, so wolle er (Redner) sich dann nicht widersetzen. erroftertCf daß der Erforschung derjenigen Länder der Vorzug
gegeben werden müsse, wo Deutschland Küsten blitze; er glaube^ daß man: vom nationalen Standpunkte dagegen nichts werde ^«nen. JDie
wende keine Summe in einem anderen Sinne, als sie bewilligt sei er dme ven. Reichstaa der Regierung auch fernerhin bei der Verwendung freie Hand zu lassen, danüt die' Regierung in der Lage sei, auch die Wissenschaft sür Deutschlands Wohlfahrt nutzbar^zUg nachom erörtert nochmals, daß die Hauptzwecke, für welche d:e ^^Ei^autz» Acht Wünsche des Vorredners.
denke er wird darunter nicht gerade den Mittelpunkt Afrikas veistehen, sondern das Gebiet, das man richtiger Terra incognita nennt das Land Kamerun uu Togo In diesen Länderstrecken, in denen wir keine Concurrenz ru surchten haben, ist M Alles noch unbekannt. Wir sind zum Aufgebeu der rem abstracten Forschung durch dm Reisenden Dr. Flegel veranlaßt, dessen Untergang der Vorredner uns^w't Unreckt iur Last legt. Beeinträchtigen Sie die Negierung nicht^in ststem Bestreben, die wissenschaftliche Forschung zu Gunsten der deutschen Verhältnisse unv der Eoloma- p01itiE Dic^fernermr Verhandlung stehenden Etats des R-ichsamts des Innern und der Verwaltung^ des Reichsheeres, foweit die einzelnen Positionen nicht zur Vor- berathung an die Budgetcommifsion verwiesen sind, gaben zu größeren Debatten keinen ^"'^Hervorzuheben ist di- Ankündigung des Staatssecretars v. Bötticher daß schln in der nächsten Session eine Vorlage über die Altersversorgung -mg-bracht werden soll. ..
^Nächste Sitzung Freitag. (Etat.)
Gießen, 11. März. INealschul - ^ubtläum.^ unserem
gehabten Sitzung des erweiterten ComstL s zur ^eter oes x


