Ausgabe 
11.12.1887 Viertes Blatt
 
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gemäß, daß die Heranziehung der Gemeinden zu den Kosten für die Unterbringung Epileptischer in Anstalten in der Regel erfolge, beschließt die Versammlung von der früher ausgesprochenen Verweigerung des ihr angesonnenen Beitrages von 120 pro Jahr und Aufbringung der Kosten für Kleidung und Transport nach der Anstalt ab­zustehen und unter den gegebenen Bedingungen der Verbringung des Emil Schmitt in eine Anstalt zuzusttmmen. Zu dem Gesuche des Herrn Max Hochstätter um Erlaubniß zur theilweisen Ausführung eines hinter seinem Neubau an der Bahnhof­straße projectirten Hinterhauses in Fachwerk, mit welchem Gesuche Petent früher ab- gewtesen und deshalb bei Großh. Ministerium um Eriheilung eines Dispenses vor­stellig geworden ist, beschließt die Versammlung, den nachgesuchten Dispens nicht zu befürworten, da das Localbaure^lement vorschreibt, daß alle Bauten, welche Feuerungs­anlagen erhalten sollen, massiv auszuführen sind. Herr Georgi wünscht, falls es sich nur um eine Stimme handle, Aufhebung des Beschlusses, da er in der Meinung gegen das Hochstätter'sche Gesuch gestimmt habe, daß es sich bei gen. Anbau um gänz­liche Ausführung in Holz bandle, jetzt, nachdem er Kenntniß davon habe, daß nur der obere Theil der einen Längswand in Holz ausgeführt werden solle, werde er für das Gesuch stimmen. Herr Bürgermeister Bra mm spricht sich gegen Wiederaufnahme der Beraihung aus, woraus Herr Beigeordneter Gna utb bemerkt, daß jede Beschlußfassung hierüber eigentlich überflüisig sei, da der Gesuchsteller inzwischen, wahrscheinlich weil ihm die Zeit bis zur Entscheidung zu lange gedauert habe, den fragl. Bau allen An­forderungen entsprechend habe ausführen lassen. Das in gleichem Sinne wie das vorhergehende gehaltene Gesuch des Herrn Louis Schwalb um Erlaubniß zur Aus­führung des Stockwerkes eines Hinterhauses in Holz wird befürwortet. Hierbei nimmt Herr Kauf Gelegenheit, auf die Nothwendigkeit der Revision der die Bau- materialfruge behandelnden Bestimmungen der Bauordnung btnzuweisen. Die Be­stimmung, daß Baulichkeiten mit Feuerungsanlagen nur massiv ausgeführt werden dürften, enthalte eigentlich den Städten gegenüber eine Härte. Während auf dem Lande fast ausschließlich in Holz gebaut würde, untersage man dies in der Stadt bei Neben- und Hintergebäuden; die Beiträge der Landbewohner zur Brandkasfe seien aber nicht höher, wie die der Städter. Gegenüber dem Bauerlaubnißgesuche des Herrn Heinr. Debus, welches früher nicht befürwortet worden, weil eine richtige Wasserabführung nicht vorgesehen, beharrt die Versammlung auf ihrem früher gefaßten Beschluß auf Herstellung der Wasserableitung nach der unteren Liebigstiaße, sie verneint auch die Frage, ob der jetzt projecttite Neubau als Hinterbau gelten könne, wenn mit der Bauerlaubniß die Verpflichtung verbunden würde, innerhalb einer bestimmten Frist ein Vorderhaus zu errichlen, da die zu weite Entfernung zwischen Hinter- und Vorder­haus dagegen spreche, anderntheils der Ausbau der Straße, an welche das Vorderhaus gebaut werden würde, vor der Hand noch nicht vorgenommen werden könne. Dem Gesuche des Herrn Louis Keller (Wiesenstraße) um käufliche Ueberlassung städttschen Geländes wird auf Antrag der Baudeputation stattgegeben, wogegen vor Entscheidung über das Gesuch des Herrn Bezirksbauaufsehers Senßfelder um tauschweise Ueberlassung städtischen Geländes erst Situationsplan angefertigt werden soll; desgl. beschließt die Versammlung, vor Genehmigung des Gesuches des Herrn Eommerzienrath Noll um pachtweise Ueberlassung von Gelände an der Wteseck die betr. Grenzen feststellen zu lassen. Der Voranschlag über Auffüllung der Ostanlage wird genehmigt. Die Unterhaltung der städtischen Brunnen soll auch für die Folge den Herren Geb. Lang gegen die entsprechende Vergütung übertragen werden. Ueber dieErrichtung einer Desinsectionsanstalt" hat die Baudeputation berathen und beantragt, unter Anerkennung des Bedürfnisses vorerst Rücksprache mit der Dtrection des Academischen Hospitals zu nehmen darüber, ob und auf welche Weise eine Desinfectionsanstalt sich mit dem Academischen Hospital verbinden lassen würde. Die folgenden Punkte der Tagesordnung fielen aus.

Sieben, 10. Decemder. sThierschutzverein.j In seiner letzten Sitzung beschloß oer Vorstand des hiesigen Thierschutzoereins, solchen Dienstboten, welche sich durch liebevolle Behandlung des ihrer Pflege anoertraulen Viehes auszeichneten, sowie Polizeibeamten, welche durch erfolgreiche Anzeigen von Thterquälereien dem Thierschutz gedient haben, zu Weihnachten eine Geldprämie zu gewähren. Man hofft, daß dies den Betreffenden ein Sporn sein.möge, auch in Zukunft der edlen Sache des Thier­schutzes zu dienen.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung:Die Abfahrten aus den Sand-, Kies-, Lehm­gruben und den Sleinbrüchen der Umgebung Gießens" wurde in Bezug auf das Eingesandt" in Nr. 273 desGießener Anzeiger" folgender Beschluß gefaßt:

In Anbetracht, daß der Vorsitzende des hiesigen Thierschutzverems, Herr Curschmann, in seinem in Nr. 265 desGießener Anzeiger" abgedruckten Referat eine Kritik über die Wege in der städtischen Gemarkung weder beadsichtigt noch geübt, sondern nur von den Abfahrten der betreffenden Gruben, Steinbrüche und auch der Backsteinbrennereien gesprochen Hal und in weiterem Anbetracht, daß derselbe im Interesse einer guten Sache und gewiß mit offenen Augen, und wenn auch keine Autorität für Beurtheilung guter und schlechter Wege", so doch mit etwas Ver- ständnih und in gutem Glauben, ohne Rücksicht auf allenfallsige Beschlüsse des Stadt- oorstandes gehandelt hat, und in Erwägung, daß dasEingesandt" in Nr. 273 nur deshalb geschrieben zu sein scheint, um Veranlassung zu nehmen, in Form einer unmotioirten Entgegnung frühere Eingaben an den Sladloorstaud in Bezug auf Weg­bauten wieder in Erinnerung zu bringen, hält es der Ausschuß des Thierschuhveretns nicht für wichtig genug, um weiter darauf etnzugehen und geht zur Tagesordnung über. In Bezug auf Punkt 3 der Tagesordnung wurde beschlossen: Jedes Mitglied des ThlerjchutzoeretnS erhält zum Jahreswechsel ein Exemplar des Thierschutzkalenbers gratis; die noch übrig bleibenden werden in den oberen Klassen der städtischen Schulen, sowie einigen Klassen der Realschule verlheill.

In den letzten Wochen sind dem hiesigen Thierschutzverein 47 neue Mtlglteder beigetreten, ein erfreuliches Zeichen, daß das Interesse für den Thierschutz zunimmt.

Handel and Verkehr.

Gießen, 9. December. Auf dem am 6. und 7. d. Mts. abgehaltenen Vieh­markte waren aufgetrieben: 841 Stück Rindvieh und 298 Schweine. Bei einem regen Handel waren die Preise etwas höher wie am letzten Markte, Nächster Markt Dienstag den 17. und Mittwoch den 18. Januar 1888.

Eingesandt.

Sieben, 10. December.

Vielen Bewohnern Gießens glauben wir durch die Mutheilung eine Freude zu bereiten, daß am 13. d. Mts. Herr Voigt, Prediger der freireligiösen Gemeinde zu Offenbach, hier einen Vortrag überreligiöse Kindereiziehung" halten wird. Diejenigen, welche den überaus interessanten und lichtvollen Vortrag, den Herr Voigt unlängst überGlaube und Wissenschaft" hielt, zu hören Gelegenheit hatten, werden gewiß nicht versäumen, wieder zu erscheinen, zumal das gewählte Thema ein so vielversprechendes, namentlich auch für Frauen und Mütter ist, denen vor Allen wir empfehlen, den an- gekündigten Dortrag nicht zu versäumen. Die Besucher dürfen sich eines hohen geistigen Genusses versichert halten.

Als bewährtes Mittel gegen die in der rauhen Jahreszeit mehr wie sonst auftretenden Husten, Heiserkeit, Verschleimung haben sich nach wie vor die Emser Pastillen erwiesen. Die sonstigen Präparate auS den Emser Salzen, nm Caiarrh- Pasten, Emser Quellsalz in flüssiger Form, sowie die Wasser der Emser Victoriaquelle haben sich bei Magenschwäche und Verdauungsstörung bestens bewährt; dieselben sind in Gießen zu haben bei Herrn Heinrich Wallach. 7927

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