264. Samstag den IT November 1887.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.
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Schulftraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme deL Montags
Preis vierNljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlobn.
Durch dre Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amlticher Theil.
Betreffend: Maßregeln gegen das Vagantenihum.
Betreffend: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes.
Gießen, den 7. November 1887.
Betreffend: Das Verschwinden des geisteskranken Heinrich Bender I. von Villingen.^ Gießen, am 10. November 1887.
Das Großherzoglichc KreisMt Gießen
an die Großherzoglicheu Bürgermeistereien und die Großherzogliche Gendarmerie des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 17. v. Mts. benachrichtigen M Sie, daß die Leiche des Rubrikaten aufgefunden worden ist
vr. Boekmann.
nA „ Nachdem der Kreistag die Errichtung von Naturalverpflegungsstationen in Gießen, Hungen und Grünbera aenebmiat bat mirb hi»f»
20. November l.J. in's Leben treten- In diesen Verpflegungsstationen erhält jeder unbemittteDurchreiender^
Durch d.ese Einrichtung ist für die Unterstützung von arm^n Reisenden hinlänglich Sorge getragen %
Arbeitsleistung der Nochsuchenden gewährt. Durch die Errichtung dieser Stationen soll dem Haus- und Straßenbettel Durchreisender entgeaenaewirkt^w^den £rtTtthn« h « Dot aaem erforderlich, daß die durchreisenden Bettler keine Unterstützung von Privatpersonen mehr
erhalten- D,e »ewohner des Kreises werden daher dringend ersucht, keinerlei Almosen an Durchreisende Z ao b Ä an mehr zu gewähren sondern dieselben an die Naturalverpfleguug-stationen zu verweisen. * * *
Dre Naturalverpflegungsstationen befinden sich: 9 1
1) in der Herberge zu'r Heimath zu Gießen,
2) bei Herrn Konrad Groß in Grünberg,
3) „ Herrn Wilhelm Heßler in Hungen.
GroßherMlich^n^Bürgermeistereien^^b^^^^^^^^^^""^" finb in ®ie6en bai Großherzogliche Polizeiamt und in Grünberg und Hungen die betreffenden , , O dr^t der Verpflegungsstation soll nun auch eine Arbeitsnachweisestelle verbunden werden. Wir richten daher an alle Industrielle Gewerbtreibende , und Landwlrthe, welche Gehulfen und Arbeiter bedürfen, das Ersuchen, die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen hiervon in Kenntniß m setzen damit lhnen vorkommenden Falles die die Stationshülfe in Anspruch nehmenden Arbeitsuchenden zugewiesen werden können B M
Greßen, am 5. November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
____________________________ Dr. Boekmann.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a« die Grotzherzoglichen Bürgermeifter-ien des «reise».
Wir benachrichtigen Sie, daß die MMerei-Berufs-Genoffenschaft
den Heinr. Zimmer ll. auf der Neumühle bei Grünberg zum Vertrauensmann und den Daniel Christ von Lollar zum Stellvertreter deffelben
ernannt hat.
, , „ ,^uf Gmnd der § 54 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 beauftragen wir Sie, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Unter. Sttllvertrettr zu richten' ber Müllerer-Berufs-Genoffenschaft eingetretenen Unfälle an den vorbenannten Vertrauensmann, beziehungsweise an d-ffen ________________ vr. Boekmann.
Bekanntmachung.
Robert Sparr in Gießen hat die Concession als Dienstmanu mit der Dienstnummer 5 erhalten.
Gr eße«, am 10. November 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
Darmstadt, 8. November. Ediet, die Einberufung des 26. Land- ttags betreffend.
Ludwig 2C.
Nachdem Wir beschlossen haben, Unsere getreuen Stände krast dieses aus Donnerstag, den 24. November 1887 einzuberusen, so verkünden Wir solches hierdurch öffentlich und gestnnen an Unsere getreuen Stände, daß Sie sich an tvem genannten Tage in Unserer Haupt- und Residenzstadt Darmstadt zur Ausübung Ihrer verfassungsmäßigen Rechte vereinigen und die Vorlagen entgegen» nehmen, welche Wir an Sie werden gelangen lassen.
Urkundlich rc.
(L. S.) (unterz.) Ludwig.
(contras.) Finger.
Darmstadt, 9. November. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben uittelst Allerhöchster Entschließung vom 8. November 1887 in Gemäßheit der Ärt. 3 und 6 des Gesetzes vom 17. Juni 1874, die landständische Geschästs- lvrdnung betreffend, den Geheimerath v. Werner zum Landesherrlichen Com- Diflär für die erste Kammer, sowie den Geheimerath Dr. Jaup und den Mimsterialrath Lot heißen zu Mitgliedern der Landesherrlichen Einweisungs- Commission für Die zweite Kammer zu ernennen geruht.
England.
London, 9. November. Bei dem Lordmayors-Bankett beantwortete Tord Salisbury den Toast auf die Minister. Er sagte, seine im vorigen Jahre ausgesprochene Erwartung, der Lordmayor werde seine Amtszeit in tiefem Frte- / w vollenden, habe sich erfüllt, da die Schwierigkeit wegen der afghanischen J
Grenzsrage beseitigt sei. Die Regierung habe heute Nachmittag erfahren, daß Ejub Khan, welcher den Frieden in Afghanistan bedroht haben könnte, sich der indischen Regierung ergeben hat. Bezüglich der allgemeinen europäischen Lage erklärte Lord Salisbury, er wisse nichts, das Anlaß zur Beunruhigung geben könnte. Solange die Nationen starke Armeen halten und solange der Wetteifer in den Rüstungen andauere, sei es unnütz, vollkommene Ruhe zu erhoffen, aber die ungeheure Krast, welche man den modernen Waffen gebe, sichere den Frieden vielleicht mehr als in den Tagen, wo der Krieg eine leichte Sache war. Indessen hegten jetzt die Herrscher und Minister großer Staaten den ernsten Wunsch, den Frieden aufrecht zu erhalten. Eine zukünftige Gefahr könnte nur entstehen aus einem Ausbruche leidenschaftlichen Gefühls großer Massen der Bevölkerung. Die Regierung strebe die Aufrechterhaltung des Friedens, der Verträge und der gegenwärtigen Gestaltung Europas an. Als wichtig bezeichnete der Redner die Regelung der Frage wegen des Suezkanals und der Neuen Hebriden, wodurch ein Stachel zwischen England und Frankreich beseitigt sei. Die Reden Crispi's und Kalnoky's, mit denen England sympathisire, hätten der Welt die Hoffnung aus Erhaltung des Friedens gegeben und der Inhalt dieser Reden habe bärge* than, daß Ziele erstrebt werden sollen, welche England als die (einigen ansehe.
Amerika.
Chicago, 10. November. Der Anarchist Lingg, welcher morgen hinge- rrchtet werden sollte, tödtete sich im Gefängniß durch einen Revoloerschuß in den Kops. Es ist unbekannt, woher Lingg sich die Waffe verschaffte.
— Nach späteren Mittheilungen tödtete sich der Anarchist Lingg nicht mit einem Revolver, sondern mittest einer Explosionskapsel, welche er in den Mund gesteckt und mit einem in der Zelle brennenden Licht entzündet hatte-


