1887
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Eine Mittheilung des Marineministeriums bestättgt, daß
Marokko abzugehen.
Wittwe Brignon votiren, ein Vorgehen, welches ganz unzweifelhaft zu einem Conflict zwilchen der Regierung und dem Gemeinderathe führen würde.
Die marokkanische Frage ist wieder aus der politischen Tagesfläche erschienen und nimmt besonders die Aufmerksamkeit der maßgebenden Madrider Kreise in Anspruch. Der gegenwärtige Beherrscher Marokkos, Sultan Muley Hassan, ist so schwer erkrankt, daß man an seinem Auskommen zweifelt — ein Gerücht wollte sogar wissen, der Sultan Muley Hassan sei bereits gestorben — und das Ableben des Herrschers würde in Marokko jedenfalls schwere innere Umwälzungen zur Folge haben. In Spanien scheint man nur auf die erste Nachricht vom Tode des marokkanischen Sultans zu warten, um sich in tue Verhältnisse Marokkos einzumischen, die „Wahrung der spanischen Interessen in Nordasrika würde jedenfalls einen billigen Vorwand bilden. Es wird bestimmt versichert, daß im Süden Spaniens mehrere Truppencolonnen bereit stünden, um auf die erwartete Nachricht hin sofort nach Cuba, dem größten und stärksten spanischen Platze an der marokkanischen Küste, geworfen werden zu können. Augenscheinlich befürchtet man in Madrid, daß sich die Franzosen gegebenen Falles ebenso in Marokko festsetzen könnten, wie sie dies in Tunis gethan haben, daher die militärischen Vorbereitungen der Spanier.
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Deutschland.
Darmstadt, 8. October. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: „ „ , _
am 5. October 1887 den Oberförster der Oberförsterei Langen, Forst- inspector Dr. Rudolf Prätorius, aus sein Nachsuchen mit Rücksicht aus seine geschwächte Gesundheit und unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste in den Ruhestand — und den Oberförster der Obersörsteret Romrod, Ernst Klump, in gleicher Diensteigenschast in die Obersörsterei Langen — beide mit Wirkung vom 1. November d. I. an — zu versetzen.
Darmstadt, 8. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: „ „,r
am 5. October 1887 den Revisor 2. Klasse bei der Main-Neckar-Ersen- bahn Karl Baumgard aus Darmstadt zum Revisor 1. Klaffe,
den Revidenten bet genannter Bahn August Rullmann von Darmstadt zum Revisor 2. Klaffe und den Finanzaspirauten Heinrich Weber aus Mainz zum Revidenten — sämmtlich bet der Main-Neckar-Eisenbahn — zu ernennen.
Bonn, 8. October. Die Strafkammer des Landgerichts verurtheilte den Freiherrn v. Schorlemer - Metternich wegen Beleidigung des Herrenhauses zu 500 JL Geldbuße und Tragung der Kosten. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Gefangnttz beantraget, October. Die „Trier'sche Zeitung" meldet, daß Domkapitular Heinrich Fetten zum Weihbifchof der Diöcese Trier ernannt worden ist.
Sagan, 8. October. In der Landtagsersatzwahl erhielt bis ieht Forckenbeck 5037, Amtsrath Reinecke (Obermednitz) 2676 Stimmen.
Hamburg, 8. October. Von Seiten einer Faktorei in Kamerun sind dem „hamburgischen Eorrespondenten" Nachrichten über eine militärische Expedition zugegangen, die gegen zwei dortige Häuptlinge gerichtet war. Dieselben hatten sich mehrere Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen. Der Expedition, bie au§ 60 5Dla*n von den Kreuzern „Habicht" und „Cyklop" bestand, gelang es nicht, die Strasiumme, zu der die Häuptlinge verurtheilt waren, einzuziehen. Detzhalb wurden zwei Dörfer zerstört. Nachträglich sollen sich die Häuptlinge zur Abzahlung der Strafsumme erboten und bereits eine Anzahlung geleistet haben.
Arankreich.
Pari«, 8. Octobcr. General Caffarel ist gestern Abend verhaftet und in das Militärgesängntß abgesührt worden. Derselbe soll vor das Untersuchungsgericht gesleur werden, da die Verdachtsgriinde, daß er mit Zusagen von Ordensverleihungen van°" getrieben habe, sich erheblich gemehrt haben. Als Mitschuldige und Vermittler werden von den Blättern General d'Andlau und der Senator Dame aus
Betreffend: Die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr. Gießen, den 8. Octobcr 1887.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an di- Grotzherzoglichen Bürg-rm-ist-r-t-n des Kr-is-S.
Wir fordern Sie unter Bezugnahme auf Art. 11 des Gesetzes vom 6. Juni 1853 (Reg.-Bl. S. 453) hierdurch auf, das Brandkataster Ihrer
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Belgien.
Brüssel, 8. October. Das Schwurgericht Brabant verurtheilte den Socialistm Moreau zu zweijährigem Gefängniß.
genannt. — - -
Paris, 8. October. Eme waageuung ocs lütuiuuunnH*^ v. - • .
das Panzerschiff „Courbet" und der Kreuzer „Desirees" Befehl erhalten haben, nach
Politische Uebergcht.
GieHen, 10. October.
Das Einsuhrverbot, welches die spanische Regierung gegen den Hamburger, aus russischem RohspicituS hergestellten Sprit erlassen hat, Krreat in den gewerblichen Hamburger Kreisen begreifliche Unruhe. Die dortrge Handelskammer ersuchte nun daher die Deputation des Hamburger Senats Ar Handel und Schifffahrt, bei der Reichsregierung schleunigst dahin vorstellig M werden, daß Deutschland die ihm Spanien gegenüber zustehenden Meist- 'begünstigungsrechte geltend mache. Entweder sollen dem aus Deutschland kommenden, in Hamburg hergestellten, resp. rectistcirten Sprit keine werteren Beschränkungen auferlegt werden, wie dem fremdländischen Sprit, oder es sollen die dem Hamburger Sprit auferlegten Beschränkungen gleichmäßig gegen die ausländischen Einfuhren, namentlich die schwedischen, angewendet werden. Inwieweit der Bundesrath einem bezüglichen Antrag Hamburgs stattgeben würde, muß noch dahingestellt bleiben.
Der sächsische Landtag ist laut kömglichem Decret aus den 9. November einberufen worden; die Ergänzungswahlen werden am 18. Octdber stattfinden. p , „ .
Die „Nordd. Allg. Ztg." widmet dem Besuche CrtSpi s in Friedrichsruhe einen warmen Epilog. Sie erblickt hierin einen neuen Beweis der alterprobten Freundschaft der beiderseitigen Herrscher und Völker, sowie deren sriedlichen Bestrebungen. Das osstciöse Blatt bemerkt: Der Besuch Crispl's ergab die volle Uebereinstimmung der beiden Staatsmänner in der Entschlossenheit, vereint mit Oesterreich den Frieden zu erhalten, einen europäischen Krieg nach Möglichkeit zu verhindern, im Falle der Roth wendigkeit aber denselben gemeinsam abzuwehren. Diese Ausgabe sei keiner Detailsrage untergeordnet, auch nicht der Ausfluß irgendwelcher persönlicher Stimmungen, sondern das Ergebntß der Gesammtinteressen Deutschlands und Italiens, denn verde Völker seien gewillt, nach Herstellung ihrer nationalen Einheit sich der Pflege der damit errungenen Güter zu widmen. Der friedliebende Bürger, der jedes neue Pfand zur Bekräftigung des Friedens begrüße, werde auf den Befllch Kalnoky's und Crispi's mit Genugthuung Hinblicken. Diejenigen ausländi.chm Stimmen, welche ihr Mißfallen über den Besuch ausdrückten, zeigten hierdurch, daß sie nicht der großen Mehrheit der europäischen Bevölkerung angehörten, welche den Frieden wolle, sondern Der kleineren Anzahl Derer, welche die Cala- tnität großer Kriege über Europa herbeisühren wollten. — Die ganze Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg." ist so deutlich gehalten, daß ein weiterer Kommentar überflüssig erscheint.
Die Zeiten des berüchtigten Räuberhauptmanns Roßza Sandor scheinen im Magyarenlande wiederzukehren und speciell lebt die Räuberromantik des Bakonvwaldes von Neuem auf. Derselbe dient verschiedenen Räuberbanden zum Schlupfwinkel und dieselben fühlen sich so stark, daß sie sogar förmliche Feuergefechte mit der Gensdarmerie führen- Allerdings ist es den erheblich verstärkten Gensdarmerie-Mannschasten gelungen, einzelne Banden zu zersprengen, wobei deren Mitglieder theils getödtet, theils gefangen genommen wurden, aber hiermit ist dem magyarischen Lrigantenunwesen noch lange kein vernichtender Schlag beigebracht worden. Die Betyaren („Arme Kerle") finden ihren Hauptrückhalt bei Lanoleuten, Hirten u. s. w., welche theils aus Furcht, theils vielleicht aus alter Anhänglichkeit an das Betyarenthum, welches freilich Men Schimmer von Romantik längst verloren hat, den Aufenthaltsort der Banditen nicht verrathen, so daß die Sicherheitsorgane bei Verfolgung der „otmen Kerle" eine schwere Ausgabe haben. Es heißt, daß in einigen Comi- tatm das Standrecht proclamirt werden solle. ,
Die von Rochefort in seinem „Intransigent" eingeleitete Sammlung, um der Wittwe des erschossenen Brignon ein Capital aus den Händen der Nation entgegenzubringen und dadurch eine Gegendemonstration gegen die deutscherseits angebotene Entschädigung zu insceniren, scheint in s Wasser »u fallen. Fast sämmtlichs Pariser Blätter haben die Betheiiigung an der Subscription abgelehnt und ob Herr Rochefort mit seiner radicalen Kundschaft die Summe von 20,000 bis 35,000 Frcr. allein zusammenbringen wird, er. scheint mehr als fraglich. Nun will sich der in seiner Mehrheit hochrothe Pariser Gemeinderath der Sache annehmen und 5000 Frcr, zu Gunsten der
236 Dienstag vm 11. Oktober
Gießener
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen


