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Nr. 89.

Freitag den 11. Mörz

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Anrts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Vurcanr Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS MoNLagK.

Nachstehende Polizeiverordnung wird wiederholt zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 8. März 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmanu.

PrelS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlolm.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Polizeiverorbnuug, den Gebrauch des Doppeljochs bei Zugthieren im Kreise Gießen betreffend.

Auf Grund des Art. 78 der Kreisordnung wird unter Bezugnahme auf § 360, pos. 13 des Reichsstrafgefebbuchs mit Zustimmung des Kreisausfchuffes und mit Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 7. October 1885 zu Nr. M. I. 15132 für den Umfang des Kreises Gießen nachstehende Polizeiverordnung erlassen:

§ 1. Der Gebrauch des Doppeljgchs bei Zugthieren ist im Kreise Gießen verboten.

§ 2. Zuwiderhandlungen werden nach § 360, pos. 13 des ReiH-strafgesetzbuchs mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft- $ 3. Gegenwärtige Polizeiverordnung tritt am 1. April 1887 in Kraft.

Gießen, am 27. October 1885. Großherzogliche» Krei-arat Gießen.

_________________________________________________ Dr. Boekmann.___________________________________

Lehrer-Corrferenz

des Conferenz-Bezirks Gießen: Mittwoch den 16. März, Vormittags 10% Uhr, in Gießen. Lieder 6. 216.

Gießen, den 9. März 1887. Büchner, Schulrath.

Politische Ueberfkcht.

Gießen, 10. März.

Unter den für die bevorstehende Geburtstagsfeier des Kaisers in Berlin angemeldeten fürstlichen Gästen befinden sich auch der König und die Königin von Rumänien.

Die letzte der Stichwahlen, diejenige in Forchheim-Culmbach, ist endlich auch bekannt geworden. Sie fiel zu Gunsten des Centrums-Candi- baten Pezold aus, welcher mit etwa 840 Stimmen Mehrheit über seinen nationalliberalen Gegner Schauß siegte und ist hiermit die Mitgliederzahl der Centrums-Fraktion auf 100 gestiegen.

In der Montags-Sitzung der zweiten niederländischen Kammer ist eine für Holland hochwichtige Verfassung-fr age zur Entscheidung gelangt. Da bisher keine directen Nachkommen des Königs Wilhelm vorhanden sind, so macht sich eine Abänderung der bezüglichen Verfassungs-Bestimmungen über die Thron­folge nöthig und der betr. Gesetzentwurf beschäftigte die zweite Kammer schon längere Zeit. In der erwähnten Sitzung ist er endlich definitiv mit 43 gegen 28 Stimmen angenommen worden und soll hiernach in erster Linie die Groß­herzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach nebst deren Nachkommen zur Thronfolge in Holland berechtigt fein. An zweiter Stelle erscheinen die Nach­kommen drr verstorbenen Prinzessin Marianne, dann diejenigen der verstorbenen Prinzessin Louise von Schweden und endlich die Nachkommen der Fürstin Marte zu Wied als zur Thronfolge berechtigt.

Die außerordentliche Session der österreichisch-ungarischen Dele­gationen ist am Montag formell geschloffen worden, nachdem schon vorher der Ausrüstungs-Credit von beiden Delegationen einhellig bewilligt worden war. In den politischen Kreisen Wiens und Pesths verspricht man sich von dieser patriotischen Kundgebung eine bedeutende moralische Wirkung und bei der lebig* 114 defensiven Natur der geplanten militärischen Maßregeln zugleich einen förder­lichen Einfluß auf die Kräftigung der Friedensbestrebungen.

Die so lang andauernde Minifterkrisis in Italien hat mit dem definitiven Verbleid des Mmisteriums Depretis-Robilant auf feinem Posten den natürlichsten Abschluß gefunden. Man wird sich jenseits her Alpen selber mit dieser Lösung der Krisis um so eher zufrieden geben, als anscheinend die Lage am Rothen Meer sich für die Italiener wieder günstiger gestaltet hat und die Vorgänge von Saati bildeten ja die birecte Ursache für ben Rücktritt des Cabt- nets Depretis. Jetzt hat dasselbe nun Gelegenheit, bie Fehler, welche es unleug­bar in feiner Colonialpolitik begangen, roieber gut zu machen unb hauptsächlich eine zweite Ueberrumpelung der italienischen Stellungen durch die Abyssinier unmöglich zu machen.

Der jüngsten bulgarischen Militär-Revolte ist die blutige Sübne aus dem Fuße nachgefolgt, indem die zum Tode verurtheilten aufständischen Osficiere bereits am Sonntag Früh in Rustschuk erschossen worden sind. Die bulgarische Regentschaft hat durch die rasche Ausführung des kriegsgerichtlichen Urtheils zu erkennen gegeben, daß sie entschlossen ist, ndltch einmal bie volle Strenge M Gesetzes gegenüber den Teilnehmern an bufen fortwährenden mili­tärischen Putschen, die das Land ewig in Unruhe erhalten, anzuwenden, aber es erscheint fast mehr als zwetfelhast, ob die Hinrichtung der Hauptschuldigen aus die weit ittzweigte Partei der bulgarischen Verschwörer Eindruck gemacht hat. In Rustschuk und dem benachbarten Turtukai sind zahlreiche Verhaftungen vor­genommen worden, da hier ein neuer Aufstand befürchtet wird und in Burgas unb PlMppopel haben sich ebenfalls Verhaftungen, namentlich von Officieren, nothwendig gemacht unb in der Hauptstadt Sofia mußten die Milizen wegen ihrer verdächtigen Haltung entwaffnet werden.

Von Petersburg liegt noch keine Aeußerung zu ben in Rustschuk statt- gefunbenen Hinrichtungen vor, es wird aber gewiß nicht an Protesten gegen dieselben fehlen. Hat doch der deutsche Generalconsul in Rustschuk bie Mehr- zahl der zum Tobe verurteilten Osficiere als russische Unterthanen reclamirt, was sie freilich nicht rettete; nur ein einziger, Capitän Belmann, wurde bem deutschen Generalconsul überliefert, da bie bulgarische Regierung bie russische Staatsangehörigkeit Belmann's anerkannte. Vielleicht wird man nun russischer- feit» nachbekanntem Muster" in Sofia Genugthuung für dieseVergewalti­gung russischer Untertanen" fordern unb dann wäre ja für Rußland die ge- wünschte Gelegenheit da, sich ungenirter al» bisher in die bulgarischen Ange­legenheiten milchen zu können.

Darmstadt, 9. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute den Generalmajor Frhrn. Röder v. Diersburg, Commandant der Residenz, den Premierlieutenant v. Kornatzky vom Infanterie-Regiment Nr. 30, die Bür­germeister Bramm von Gießen und Fischer von Raibach, den Professor Lepsius von der technischen Hochschule, den Herrn Friedrich Schön von Worms; zum Vortrag ben Staatsminister Finger, den Ministerialpräsidenten Weber, den Gc- heimerath Dr. Becker.

Darmstadt, 7. März. Schluß des Inhalts Großh. Regierungs­blattes (Beilage Nr. 4) :

10. Dienstnachrichten:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 12. Novbr. 1886 den evang. Pfarramtscandldaten Oscar Holzmaun zu Groß- Gerau zum Dirigenten und ersten Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Groß- Gerau; am 16. Januar den von Sr. Durchl. dem Herrn Fürsten von Isenburg- Büdingen auf die zweite evang. Pfarrstelle zu Büdingen präsenlirttn dritten evang. Pfarrer Ernst Widmann zu Büdingen für diese Stelle zu bestätigen; am 21. Decbr. 1886 wurden dem Schullehrer Heinrich Wrtzel zu Lampenheim, sowie dem Schulamtsaspiranten Heinrich Gruber aus Gau-Bickelheim und Hein­rich Emil Geil aus Queck Lehrerstellen an der Volksschule zu Worms, am 29. Decbr. wurde dem Schullehrer Peter Ant. Pfuhl zu Neuhausen eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Kostheim übertragen; am 15. Januar wurde her Schulverwalter Heinrich Roth zu Bessungen zum zweiten Lehrer an der Anstalt für BlödsinnigeAlicestift" bei Darmstadt und der Schulverwalter Wil­helm May zu Bessungen zum dritten Lehrer an der genannten Anstalt, beide mit ben Rechten der Volksschullehrer; am 20. Januar wurden die Hilssbremser Heinrich Roth aus Brauerschwend und Johs. Sänger aus Angersbach zu Brem­sern bei den Oberhessischen Bahnen ernannt; am 21. Januar wurde der von dem Herrn Fürsten zu Isenburg-Birsteln auf die erledigte zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Urberach präsentirte Schulamtsaspirant Heinr. ©enger aus Frei - Laubersheim für diese Stelle bestätigt; am 29. Januar wurde dem Schulamtsaspiranten Gottfried Leidig aus Grüningen die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langsdorf, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspi- ranten Leonhard Falter aus Ober'Schönmattenwag die Lchrerstelle an der @e- meindeschule zu Lauerbach übertragen; am 1. Februar wurden bie Bahnwärter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Adam Draudt, Karl Kramm, Philipp Katzen' mager, Ludwig Weidner, Adam Schuster, Johs. Kaufmann, Georg Ewalo, Georg Rüster, Philipp Klein, Georg Ludwig Schönberger, Georg Wirth, Johs. Stroh, Peter Küchler, Heinrich Rockel, Johann Heinrich Schneider, Joh. Jacob Herbert, Georg Friedrich Löser und der Ersatzbahnwärter bei der Main-Neckar- Eisenbahn Wilhelm Seibert zu Weichenwärtern und der Ersatzbahnwärter bei der Main-Neckar-Etsenbahn Wilhelm Stork zum Bahnwärter bei dieser Bahn ernannt; am 2. Februar wurde dem Schullehrer Karl Stumpf zu Harperts-