Nr. 262
Donnerstag d-n 10. November
1887.
i
öurcau r Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Vf. mit Bringerin.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher HHcil.
Die diesjährigen Herbst-Control-Versarnrnlungen werden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden:
I. Im Bezirke -er I» Compagnie (Gießen).
I) Zu Gießen am 14. November 1887, Vormittags, im Oswald'schen Garten
$roar 8 *IJ>r für sammlliche Reservisten der Infanterie, um 9 Uhr für sämmtliche zur Dispofition der Truvventbelle und der Eriak. Behörden eMlafsenen Mannschaften aller Waffen, sowie sämmtliche Reservisten der übrigen Waffen und die am Schluffe näher bezeichneten Wehrleute 6 $
Sterfjer gehören die Orte: Annerod, Burkhardsfelden, Gießen (mit Schiffenberg und Herrnwald), Heuchelheim, Klein-Linden und Oppenrod.
2) 3» Lollar am 15. November 1887, Vormittags 9 Uhr, neben dem neuen Bahnhoksaebäude.
Hierher gehören dw Orte: Mendorf a d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen (mit Heibertshausen), Großen-Buseck Lollar,
Dtamzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d.^Lda., Trohe und Wieseck. B
„ ®) 3« Grünberg am 15. November 1887, Nachmittags 12*/2 Uhr, an dem Bahnhofe.
Hierher gehören die Orte: Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg (mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle Steinmühle ^attenrobjoarba^ (mit der Kolbenmühle und Sommermühle), Keffelbach (mit der Rabenau-schm K Änn,. 8 6 d'u^uhle, Georgenhammer Strellesmühle und Walkmühle), Lindenstruch, Londorf (mit der
Rbltzenmuhle und Ziegelhutte), Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen (mll Appenbörnerhof),
U. Im Bezirke der II. Comvagnie (Lich).
,. , ... .. 1) 3» Hungen am 12. November 1887, Vormittags 9'/, Uhr, am Friedhose.
Hierher ^haren die Orte: Bellersheim, Bettenhausm, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen (mit Ringelshausen), Rodheim (mit Hof Graß), Röthges, Steinheirn, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
_. . 2) 3» Lich am 12. November 1887, Nachmittags 3*/4 Uhr, am Bahnhofe.
Hierher gchorendie Orte: Albach, Allendorf a. d. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt (mit Arnsburg), Ettingshausen, Garbenteich, Großen-Linden Grumngen, Hausen Hof-Gill, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Lich (mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen), Münster Nieder- Bessingen, Ober-Besstngen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg. j/«njier, jtieoer.
Slanbes aller Äffen ,beftimnxtra ®tanbe sammlliche im betreffenden Bezirke wohnenden Offiziere und Mannschaften des Beurlaubten-
m r Wtooff nn Ä welche zur Reserve gehören, zur Dispofition der Truppentheile beurlaubt oder
BUt/a R •*! re entlassen find, sowie diejenigen der Landwehr angehörigen Mannschaften, welchen eine besondere Ordre
gur GestÄung bei der Herbst-Control-Versammlung vom Bezirksfeldwebel zugegangen ist. Die Ersatz-Reservisten haben nicht zu erscheinen.
। m ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche, welche von den betreffenden ‘ \er * re a u b'At sein muffen, spätestens 8 Tage vor den betreffenden Control-Versammlungen auf dem Dienstwege einaereickt
werden. Die ohne Entschuldigung fehlenden Mannschaften haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen 9 T bninvege eingereicht
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Frhr. v. Röder, ____Oberst z. D. und Bezirks-Commandeur.
Lehrer-Conferenr
W1 3KOnta3 bCn U' 9?Oöem6er' 58°rmitta88 10 tz^ünb^-Lieder: 143. 123.
«a ^ovber. Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog haben
Mergnädlgst geruht:
Am 8. Novbr. dem Rechtsanwalt Jastizrath Karl Diery zu Gießen das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst'Oroens Philipps des Großmüthigen m Anleihen.
Berlin, 8. November. In allen Kreisen des Publikums haben die Wen Nachrichten über den Gesundheitszustand des Kronprinzen vom Standpunkte menschlicher Teilnahme, wie von dem der Erwägung der politischen Zukost aus eine tiefe Erregung hervorgerufen. Daß in solcher Zeit auch falsche Gerüchte entstehen, ist begreiflich. Dahin gehört die Behauptung, daß Professor Bergmann sich zur Abreise nach San Remo bereit halte oder auch schon abge- rsist sei, ferner daß Prinz Heinrich und die Erbprinzesfin Charlotte sich an das Krankenlager ihres Vaters begeben werden. Neue tatsächliche Meldungen über dtLS Befinden des Kronprinzen liegen im „Bert. Tagbl." vor, dessen in San Remo stationirter Correspondent offenbar von Dr. Mackenzie selbst informirt wird. Derselbe berichtet vom gestrigen Tage:
Die erste weitere Extrahirung, welche Dr. Mackenzie heute Abe^d vor- Nirhmen wollte, wurde bis nach der Ankunft Prof. Schrötter's und Dr. Krause's Mfgeschoben, damit dieselben im Stande wären, selbst aus'» Genaueste den Za- fanb M Halses des Kronprinzen ungestört durch einen operativen Eingriff, mlcher Art auch immer, zu sehen, da durch den Aufschub eines oder zweier Tage keine weitere Gefahr entsteht. Freitag vor 8 Tagen war die Stimme des Kronprinzen fast unverschleiert, besser als jemals seit dem Beginn der Krankheit, beinahe völlig klar, abgesehen von einer schwächeren Heiserkeit. Der Kehlkopf Ich damals ganz befriedigend aus und zeigte nur eine ganz unbedeutende Con- gchion. Wenige Tage daraus wurde die Stimme verschleiert, die Schwellung vergrößerte fich etwas, der Kronprinz fühlte Unbehagen im Halse; alle diese Symptome deuteten zweifellos den Beginn einer neuen Wucherung oder eine neue
Entzündung und Verdickung der Schleimhaut an. Wäre letzteres der Fall, dann würde noch immer Vtrchow's Analyse, daß die Wucherung gutartiger Natur sei, vielleicht zutreffend sein. Die den Kronprinzen begleitenden Aerzte riesen darum herbei, welcher auch gestern ankam und dessen erste Untersuchung das Resultat ergab, _ daß sofort augenscheinliche Besorgnisse gehegt wurden, so daß Mackenzie die sofortige Zuziehung anderer Specialtsten empfahl. Während nämlich die frühere Wucherung keine gefährlichen, charakteristischen Merkmale besaß, nach dem Augenscheine und der Analyse Virchow's gutartag war,- besitzt das jetzige Sprießen schon dem Augenscheine nach einen anderen Charakter, dessen genaue Natur nur durch mikroskopische Untersuchung festgestellt werden kann. Allein durch diese Beobachtung tritt nun die weitere Schwierigkeit ein, M es sehr ungewiß bleibt, ob Dr. Mackenzie wieder einen Theil behus» mikroskopischer Untersuchung extrahiren kann, weck eben die neue Sprießung so tief liegt. Mackenzie glaubt jedoch, er könne dies wahrscheinlich abermals thun. Zn diesem Falle wird aber wieder ein Aufschub von einigen Tagen nothwendig, bis Virchow's Gutachten über die extrahirten Partikel ankommt. Kann jedoch Dr. Mackenzie jetzt ein neues Stückchen nicht extrahiren, dann werden die Aerzte blos nach Besichtigung mittelst des Kehlkopfspiegels sich über die weitere Behandlung entscheiden müssen. Inzwischen erhält der Kronprinz lindernde Mittel und Eispillen. Dr. Mackenzie ist auf das Entschiedenste gegen jede Operation von Außen. Ich freue mich, melden zu können, daß der Zustand des Kronprinzen heute Abend viel besser ist als gestern; auch seine Stimme. Der Kronprinz ist heiter und unverändert guter Stimmung. Dr. Mackenzie theilte demselben genau den Stand der Krankheit mit.
Virchow hat Ihrem Correspondenten gegenüber geäußert, daß noch kein Grund fei, die hoffnungsvolle Prognose aufzugeben. Die gegenwärtige lokale Geschwulst am Halse könne unmöglich in so kurzer Zeit die Folge eines neuen Gewächses sein an dem ergriffenen Theile, sondern werde wohl durch eins


