Militär-Derdienst-Kreuz und der russische St. Georgen Orden 4. Klasse. Am 28. November, dem Geburtstage Sr. Grohh. Hoheit, wurde von Hochstdemselben eine Deputation von Officieren, Sanitätsofficieren und Beamten des Großh. Hess. Kontingente empfangen, welche Sr. Großh. Hoheit unter Darbringung der Glückwünsche zum Geburtstage das Geschenk überreichte. Hierbei wurde zum Ausdruck gebracht, wie Höchstderselbe stets seinem Berufe und in schwerer Stunde der selbst gewählten Standarte getreu, in Krieg und Frieden sich als ein Vorbild gewissenhaftester Pflichterfüllung erwiesen, und daß die Angehörigen des Kontingentes ihrem bisherigen, schneidigen, ritterlichen und wohlwollenden Kommandeur allezeit unwandelbare Dankbarkeit bewahren würden. Seine Großh. Hoheit dankte in warmen, herzlichen Worten für das „schöne und sinnige Geschenk", wie auch für den Ausdruck der unveränderten Anhänglichkeit der Division, welcher seinem Herzen sehr wohlgethan habe.
A Mainz, 7. December. Die seil längerer Zeit hier bestehende Theaterkrisis har nun endlich ihr Ende erreicht. Unter Hinterlegung der stipulirten Kaution wurde gestern zwischen der Stadl und Herrn Albert Schirmer der Vertrag unterzeichnet, wodurch dem Letzteren auf drei Jahre die Direction des hiesigen Stadttheaters übertragen ist.
A Mainz, 7. December. Hier sind schon verschiedentliche Projecte gemacht worben, eine Gesellschaft zu gründen, die den Zweck haben sollte, auf einem geeigneten Terrain der Neustadt billige Arbeiterwohnungen zu erbauen. Diese Projecte scheiterten aber alle, weil keine Kapitalisten die benötigten Mittel dazu hergeben wollten. Kben haben nun wieder einige Personen die Ausarbeitung eines solchen Projectes übernommen, denen es auch an den nötigen Kapitalien nicht fehlt und erscheint darum die Ausführung dieses Planes ziemlich gesichert. Man hat vorerst den Dau von vier geräumigen Häusern in Aussicht genommen und hierfür das der Stadt gehörige Gelände oberhalb dem neuen Zollhafen auf dem angeschütteten Rheinufer in's Auge gefaßt. Das Baukapital soll in Aktien repartirt und zu 4 pKt. verzinst werden. Die Mielhen sollen derart angesetzt werden, um diesen Zinsfuß zu erzielen und noch einen entsprechenden Betrag als Reservefonds zurücklegen zu können. Da die Gesellschaft keinerlei Geschäft machen, sondern ausschließlich der Allgemeinheit dienen will, hofft dieselbe bet der Terrainerwerbung bet der städtischen Verwaltung Entgegenkommen zu finden.
A Mainz, 7. December. Die vor einiger Zeit wegen Unterschlagung und verschieoener Betrügereien flüchtig gegangenen aber alsbald verhafteten zwei Angestellten der Lederfabrik von Dorr u. Reinhardt in Worms, der Buchhalter Hamm und der Kommis Balz, hatten sich heute vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Hamm ist geständig, Beträge von 200, 240, 408 und 500 X sich angeeignet und 1477 X unterschlagen zu haben. Der Mitangeklagte Balz gibt zu, Lederabfälle verkauft und den Erlös für seine Zwecke verwendet zu haben. Tas Urtheil gegen Beide wird in nächster Strafkammersitzung gesprochen.
A Mainz, 7. December. Da der hier vor der Stadt angelegte Längekanal bei dem letzten Hochwasser sich vollständig bewährt und die Stadt wasserfrei gehalten bat, hat die gegenüber liegende Gemeinde Kastel den Bau eines ebensolchen Kanals auch in's Auge gefaßt. Die Anlage des neuen dortigen Festungsabschlusses und der in Angriff genommene Umbau des Bahnhofs geben zu der Kanalanlage die beste Gelegenheit, weßhalb der Kasteler Gemeinderath gestern beschlossen hat, die Vorarbeiten und Kostenooranschläge für einen Längekanal anfertigen zu lassen.
Worms, 6. December. Auf dem Hofgute Nonnenhof unweit hiesiger Stadt brachen heute Stacht mehrere Hunde in einen Schafpferch ein, zerrissen eine Anzahl Schafe, während andere in Folge Durcheinanderjagens erdrückt wurden. Im Ganzen wurden heute Morgen 28 Stück tobt aufgefunden.
Literarisches.
— Paul Heyie's Novelle: „Villa Falconieri", die im dritten Hefte (Nr. 5 und 6) des neuen Jahrganges van „lieber Land «nd Meer" (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart), ihren Abschluß erreicht, gebärt ohne Zweifel zu den interesfantesten Schöpfungen, die feine mit Vorliebe in Eharakterzeichnungen aus der römischen Kam- pagna sich versenkende erzählende Muse hervorgebracht hat. Die Tiefe der Seelenmalerei und die Brillanz der Darstellung hat mit diesem Heyfe'scheu Werk auch der gleichzeitig in genannter Zeitschrift zum Abdruck gelangende Roman „Zwei Seelen" von Rudolvh Lindau gemein, der — in bretteren Zügen angelegt — von Abschnitt zu Abschnitt höhere Steigerung zeigt. Außerdem behandelt dieses 3. Heft in Bild und Wort eine Reihe ebenso zeitgemäßer als gewichtiger Stoffe in einer Weise, die des allgemeinsten Interesses sicher ist. Da finden wir treffliche, zum großenZTheil reich illustrirte Artikel über die Samoainseln und über die großartige Ruinenwelt von Spalato und Salona, über einzelne große Männer der Gegenwart und Vergangenheit, die durch das augenblickliche Interesse ober durch die Feier von Erinnerungstagen uns zur Zeit besonders nahe gerückt erscheinen, über Jagdzüge und Humanitätsbestrebungen, neue Bauten und neue, weltbewegende Erfindungen, über deutsche und fremdländische Literatur rc. Die künstlerische Ausstattung ist vom malerisch wirkungsreichen Voll- feitenbild bis zur zierlichen Textillustration von höchster Vollendung.
_ „„ Geschenkliteratur. Fünf reizende Zierden für den Weihnachtstisch hat Helene Stoll geliefert. Wir erwähnen davon zuerst die geistreiche und fesselnde Plauderei „Äug' i« Ange" (Leipzig, K. A. Koch's Verlag, Prachtband, Preis 2.40 X), welche auf dem Tische keiner Dame fehlen sollte. Daran reiht sich würdig Helene Stökl's allerliebstes Büchlein „Gr, Sie und GS" (K. A. Koch's Verlag, Leipzig, Preis in Prachtband 2.40 X). Dieses Merkchen behandelt für den Braut- und Ehestand ein Thema in der glücklichsten Weise und bietet eine ebenso interessante als lehrreiche Lecture. Dazu bietet Helene Stökl ein prächtiges Seitenstück „Unsere «leine«". Eine Plauderei für die Großen (K. A. Koch's Verlag, Leipzig, Prachtband, Preis 3 X). Diese Plauderei zeugt von einer herzgewinnenden Beobachtungsgabe und fand überall Beifall. In einem Büchlein „Unterm WeihnachtSbaum" (Leipzig, C. A. Koch's Verlag, Preis eleg. geb. 2.40 X), schildert Helene Stökl in ebenso würdiger als anmuthiger Weise das Weihnachtsfest in seiner sittlichen xnb poetischen Bedeutung. Dieses Büchlein dürfte dazu angethan sein, bei jedem Leser die Weihnacht?- fteude zu crhöhen. Mit einem fünften Büchlein, dem „Herzens-Kalender" (ebenfalls K. A. Koch's Verlag, Leipzig, Prachtband, Preis 3 X), btetet endlich Helene Stökl allen Damen eine der sinnigsten Gaben. Der mit Den gewähltesten Aussprüchen deutscher, englischer und französischer Dichter geschmückte „Herzens-Kalender" zeichnet sich zumal durch ein sehr feinfühliges Perständniß für die Frauenliteratur aus und weiß auf stimmungsvolle Art die Dichterstellen aus dem Leben und Lieben der Frauen, wie zu den einzelnen Jahreszeiten in Beziehung zu setzen.
— Jetzt bei dem Austauchen der marokkanischen Frage bietet Alfred Stelzner im neuesten Heft der „Jllustrirteu Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) einen hochinteressanten Arirkel, der uns auf's eingehendste von der farbenbunten, seltsam unheimlichen Welt dieses Stücks des Orients unterrichtet. — Ueberhaupt bietet die „Illustrirte Welt" in diesem Jahrgang Außerordentliches. Der Roman „Die Tochter des Kapitäns" von Rosenthal-Bonin ist so voll Leben, so spannend, enthält so viel ganz eigenartige, humoristische wie tiefernste ©eenen und ist dabei so belehrend, daß wir ein Erzählungswerk ersten Ranges darin erblicken müssen; ebenso fesselt und interessirt die Leser der seit Kurzem begonnene Roman von Gregor Samarow: „Die Ritter des deutschen Hauses", welcher dem Leser ein großartiges Bild deutscher Vergangenheit aufzurollen scheint. An kleineren Artikeln gefallen uns noch besonders ,5Die Schilderungen der Rew-Aorker Polizei (mit Bildern), des „Frauenstudiums in Rußland", die „Erinnerungen aus den Feldzügen von 1866, 1870 und 71" mit Illustrationen von H. Lüders und die Beschreibung der originellen Riefenschildkröten mit prächtiger Abbildung aus der Feder des bekannten L. Martin. Die Bilder sind der Reichhaltigkeit und Gediegenheit des Textes angemessen, so daß die „Illustrirte Welt" zu unseren besten und in Anbetracht des Preises von nur 30 Pfg. pro Heft auch zu den billigsten Familienjournalen unbedingt gerechnet werden darf.
handel und Verkehr.
Limburg, 7. December. Rother Wetzen pro Malter X 14 60, weißer Weizen X —, Korn X 1015, Gerste X 9 30, Hafer X 5.75, Erbsen X 00.00 Kartoffeln X 0.00. ,
Frankfurt, 7. December. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Malter X 340-3.80, das Gescheit» 12-00 H, Eier das Hundert X 0.00-0.00, das St- 6—8 Butter im Großen X 00.00—00 00, im Detail bas Pfund X 1.00 bis 1.20, Weißkraut per Stück 15-25 H, Rothkraut per Stück 20—30 K Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 45—55 H, Schweinefleisch 65-75 H, Hammelfleisch 40-65 H, 1 Hahn X 0.70-1.50, 1 Huhn X 1.00—1.80, 1 Ente X 2.00-3.00, Gans Pfund 50—65 H, 1 Taube 35-60 H, Welsche X 10 00—1200.
gtyrtti AI Hauptorgan dernat.-liberalenPartei Süddrutsch-
lands. Es ist dem neuen Verleger gelungen, eine Anzahl hervorragender Parteimitglieder zur Bildung eines politischen Beiraths zu gewinnen, welcher sich die Aufgabe stellt, die engere Fühlung des Blattes mit der Partei zu pflegen. 8873
Mehr und mehr finden bei Aerzten und in Anstalten die Sodener Mineral-Pastillen gegen Katarrhe der Athrnungs- und Berdauungsorgane Eingang und die Zeugnisse über gute Wirkung häufen sich, deßhalb sollten in feiner Familie die so schnell berühmt gewordenen Pastillen (erhältlich in allen Apotheken ä 85 die Schachtel) fehlen. Man beachte folgende Zuschrift aus Kassel: Sehr geehrter Herr! Seit drei Jahren leide ich an einem chronischen Lungen- und Magenkatarrh. Alle bis jetzt angewandten Mittel führten keine Besserung herbei, da ich fortwährend den hartnäckigsten Rückfällen ausgesetzt bin. Vor Kurzem brauchte ich einige Schachteln der unter ärztlicher Kontrole bereiteten Sodener Mineral-Pastillen. Seit dieser Zeit ist eine wesentliche Erleichterung meines liebel? eingetreten, io daß ich hoffe, bei fortwährender Anwendung eine dauernde Wirkung zu erzielen. Mit größter Hochachtung gez. Wilh. Walbrach. 6950
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