Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz - Brrrea«.
EmS, 7. Juli. Der Kaiser nahm gestern Nachmittag mehrere Vorträge entgegen, machte später mit Prinz Wilhelm im offenen Wagen eine Spazierfahrt lahnaufwärts. Nach einer guten Nacht setzte der Kaiser heute die Trink- und Jnhalations-Kur fort, hörte mehrere Vorträge, machte um 10 Uhr mit dem Prinzen Wilhelm im offenen Wagen eine Spazierfahrt lahnabwärts. Am Diner bei dem Kaiser nehmen Theil Prinz Wilhelm und Prinz Nikolaus von Nassau.
Berlin, 7. Juli. In der heutigen Bundesrathssitzung gelangt der Präsidial-Antrag, betreffend die Aushebung des Pferveausfuhr-Verbots, zur Berathung.
— Der Bundesrath stimmte dem Anträge aus Aushebung des Pferde- ausfuhr-Verbots und ferner dem Kunstbutter-Gesetzentwurf mit den vom Reichstage beschlossenen Abänderungen zu.
Paris, 7. Juli. Die Morgenblätter besprechen die Ablehnung des Artikels 49 des Militärgesetzes, wonach es gestattet sein sollte, nach zweijährigem Dienste junge Leute zu entlassen, wenn deren militärische Ausbildung für hinreichend erachtet werde, und sie meinen, nach der Ablehnung dieses Artikels sei der Militär-Gesetzentwurf unanwendbar; die Arbeit der Militär-Commission sei vollkommen vergeblich.
— Nach dem Beschlüsse des Ministerraths werden Rouvier und Ferron heute in der Budget-Commission erklären, daß die Regierung die Vorlage wegen versuchsweiser Mobilisirung eines Armee-Corps aufrechthalte. Der Mtnisterralh beschloß ferner, alle Maires, welche sich an der royalistischen Kundgebung in Jersey beteiligten, abzusetzen.
London, 7. Juli. Der König von Sachsen begab sich heute nach Dundee, wo er die neue Tay-Brücke besichtigte.
— Im Unterhause erklärte Fergusson, die Instructionen Drummond Wolff'S, nicht über diese Woche hinaus in Konstantinopel zu bleiben, seien unverändert und die Situation sei genau die von ihm am Dienstag beschriebene. Hieraus begann die Discussion der dritten Lesung der irischen Zwangsbill. Gladstone beantragte Verwertung der Bill.
Petersburg, 7. Juli. Der „Nowoje Wremja" zufolge hat sich der Zustand des Herrn Katkow, welcher seit einiger Zeit leidend ist, plötzlich so verschlimmert, daß dessen Sohn und Schwiegersohn telegraphisch nach Moskau berufen worden sind.
Pola, 7. Juli. Der Kaiser von Oesterreich reiste gestern Abend nach Ischl ab. Den Behörden drückte er seinen Dank für den herzlichen Empfang und die patriotischen Kundgebungen aus.
Tirnowa, 7. Juli. In der Sobranje schlug der Präsident Tultschew die Wahl des Prinzen Ferdinand von Koburg vor und machte Mittheilungen über dessen Familien-Beziehungen. Er forderte die Sobranje auf, dm Prinzen durch Acclamation zu wählen, woraus sich alle Mitglieder erhoben und den Prinzen unter Hochrufen zum Fürsten ausriefen. Der Beschluß wurde dem Prinzen sofort telegraphisch gemeldet.
— Ja der geheimen Sitzung der Sobranje von gestern Abend gab der Regent Stambulow Aufschlüsse über die während der letzten 8 Monate befolgte Politik. Stoilow theilte mit, die Bemühungen, den Prinzen Alexander von Battenberg zur Rückkehr zu bewegen, seien erfolglos geblieben, und sprach schließlich den Wunsch au«, die Regentschaft und die Minister möchten im Interesse des Landes wieder Hand in Hand gehen.
Nom, 7. Juli. Depretis begiebt sich demnächst nach Stradella.
Wien, 8. Juli. (Privat-Depefche.^ Prinz Ferdinand von Koburg nahm die Wahl zum Fürsten von Bulgarien an.
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Das Unglück in Zug.
Basel, 7. Juli.
P.$t«,?UsDQ bemr U,ngIÜ<£ in der Stadt Zug beherrscht alle Gemüthcr. Dienstag Abend 8 Uhr versanken 22 Häuser und einige Nebengebäude in den See, wahrend ctrca 10 b.s 12 Hauser noch tu gesähcdeter Lage sind. Die verunglückten M-nschei-, unter denen Mttglteber des Rettungscvrps sind, werden aus 100 bis 120 gemt. Das vielbesuchte Wirthshaus um Löwen", mit Gartenlvcalltät aus den Damm gebaut, Ist ebenfalls versunken, lieber die zugegen gewesenen Gäste und Fremden verlautet noch nichts. Zug Ist schon im Jahre 1435 von einem ähnlichen Unglück bUm»-,sucht worden, doch damals kamen die meisten Leute erst um, als sie sich um ihre Habseligkeiten zu retten, nochmals in die bedrohten Häuser begaben stur Erklärung der Katastrophe kann vielleicht die Kenrttniß beitragen, daß bie Umgebung l>e«JRtgi und d» benachbarten Höhen großentheils aus Nagelflüh besteht. Es ist nun wohl möglich, daß die Hau,erbauten ein hohlltegendes Nagelflühriff zu sehr belasteten so daß dieses dem Drucke nachgab und in die Tiefe rutschte. Derartige Felsgebilde' oft Mr geringer ®We fmd .n der ganzen nördlichen Schwei, zu beobachten m Jahre 14o3 behaupteten sogar die Anwohner, die Fische hätten den Fels unterwühlt, der dann mit den Hausern niederfturzte. ' '
.. Den uns vorliegenden Schweizer Zeitungen entnehmen wir folgende Miltheilunaen über Die Katastrophe:
.. "Unweit ben neuen Quaianlagen, die selbst bis jetzt über Wasser geblieben sind verschwand gesiern Nachmittag kurz vor 4 Uhr unerwartet und plötzlichein -räßeres Stuck Land mit mehreren Gebäuden. Es zeigten sich in ber Umgebung bebeutenbe (£b- rijfe 'Die Hauser würben in weitem Umkreis sofort geleert. Man befürchteteWeitere S-nkungenz es Hatte jedoch Niemand eine Ahnung, welche enorm" DimenN°n°n die selben annehmen sollten. Um halb 7 Uhr verschwand spurlos ein große^Comvler aus etnrnul unb tur, n?4 10 Uhr, gerabe bei Ankunst bes Gotthardtzuges von A Z er n°nn fnft unn d,un(,* * * * * * * 8‘ ? ? zur Stunde sind 21 Häuser in den See versunken' die von fast 300 Personen bewohnt waren, der Nackt ist nickt« 4 e
«efabr ist vorhanden, aber unberechenbar. Wie viele Menschensiben^/u (SrunDe aV gangen sind, davon hat man durchaus keine Ahnung Es ist der <rÄ „„„ a m”6/ 9 10 Wem. Eines der ersten Opfer war ber bekannte und beliebte^Wirch" Spfllmann" D.e Landungsbrücke der Dump,schiffe liegt im Wasser. Die Katastrophe dehnt sich b^s zu dein sehr bekannten Haus zum Freien Wort aus. 39 von 400 >."^.°is
Häuser sind weiter geräumt Di/Bewohner sind in de? StM uZ rmbrE^Es wurde unter Leitung des Stabtraths sosort ein Hllfscomitö aebilbet- h . «3 ' 66 fmb musterhaft und haben viele Menschenleben gerettet. Es ist Militär nnh” M?"«”9*” wehr aus ber Umgebung zur Hilfeleistung aufgeboten. unb bie Seuer:
Ueber bie Ursache des Unglücks ist man noch im Ungewissen. Es scheint die Ab- rutschung einer unterspülten ungeheuren Kalksteinmasse vorzuliegen Die daß dos Gewicht der Ouaianlagen das Unglück verursacht habe ist durchaus L,?' bar. Professor Heim von Zürich wurde sofort berufen. 9 Nalürttcherweisi r Schaden noch unberechenbar. Die verfchwundenen Häuser waren für 260ono , »«sichert. Trotz ber Schwere des Unglücks bewahrt die Bevölkerung eine berounbenig8 wnthe Ruhe." vu,ia'
Soweit die „N. Z. Ztg.".
Eine spätere Meldung, die demselben Blatte zugegangen ist, lautet • m sind 38 Gebäude, wovon 25 bewohnt waren, im See verschwunden Es nim noch wettere Nachstürze befürchtet. Beständig stürzen neue ©ebäubetbeile Zahl der Menschenopfer ist noch nicht festgestellt. Man spricht von 15 offenbar ist aber die Zahl der Opfer viel größer. Bon Denjenigen, welche retten fr* wollten, sind auch Manche umgekommen. Es war 3 Uhr 35 Min als dem Vc!cn des zuerst eingeftürzten Hauses der Knecht zurtef, der in den See' führende - canal drohe einzustürzen. Der herbeieilende Besitzer sieht im nächsten Moment Haus spurlos versinken, der Knecht wird weggespült und ertrinkt. Das ,
senkrecht in die Tiefe. Sieben Menschen verloren beim ersten Sturz ihr Leb?« Hauptkatastrophe erfolgte 6 Uhr 55 Min. ganz unerwartet. Es waren keine warnend Anzeichen vorausgegangen. Ein Augenzeuge erzählt, er habe ein Knistern in den Hütten gehört und sei weggesprungen. Kaum war er bei einem Hause öorbeiaernnnt als er, rückwärts schauend, nur noch das Dach ans dem Seegrunde emporraaen S Schon wankten die Mauern anderer Häuser. Kaum war der Fliehende bei diesen nnrh • an einen sicheren Ort gesprungen, als hinter ihm alle Häuser verschwunden Als Die Hauptkatastrophe passirte, waren die Bewohner der am meisten aefabrS Häuser eben mit Flöchnen beschäftigt und zufällig wenig Menschen in den Mobmina» sonst wären wohl 100 bis 150 Personen sicher des Todes gewesen. Eine reibe ist spurlos verschwunden; die Fluthen des Sees spülen darüber Balken und Hausrathsgegenftände treiben auf dem Wasser." ▼ ä uno
Die „Basellandsch. Ztg." erhält folgende nähere Mittheilungen: Die ßataftmh» begann gegen 5 Uhr Abends. Zuerst versank das Restaurant Spillmann mit Garten- Wirtschaft. Herr Spillmann spazierte mit seinem Kind an der Hand im Garten- seine Frau befand sich in einiger Entfernung von ihm; da sah sie plötzlich das Haus'Land Mann und Kind in den Fluthen des See's verschwinden! Unmittelbar vorher befanden sich in der Restauration noch etwa 50—60 Mann Militär. Im Augenblick des Unglücks kam das Dampfschiff, sowie der Bahnzug an und deren Insassen waren somit Zeuge des gräßlichen Vorganges. Von da begann der Einsturz der Häuseneiüe vom Dampfschifflandungsplatze weg bis zum Hotel „Züricher Hof", welch letzterer ebenfalls versank. jn
Lokales.
Metzen, 8. Juli. Herr Earl Wigandt von hier hat sich gestern auf dem Schützenfest zu Frankfurt einen Becher auf Der Feldscheibe erworben, desgleichen die Herren Karl Müller und H. Ke hm auf der Standscheibe.
Büdingen, 6. Juli. Gestern Nachmittag zog ein Gewitter über unsere Gegend und schlug der Blitz in eine Scheuer des in dem nahen Rohrbach gelegenen Hofguts welcher sofort zündete und Scheuer nebst anliegendem Gebäude in Brand setzte. Dur- rasches Eingreifen sind die übrigen Gebäude vor dem Feuer geschützt worden.
Mainz, 7. Juli. Anläßlich der am kommenden Sonntag hier stattfindendm Regatta hat die Provinzialdirection eben eine Verordnung erlassen, durch welche am Xage der Regatta von Mittags 12 bis Abkstds 6 Uhr der Fußgängerverkehr auf der Eisenbahnbrücke über den Rhein gesperrt ist. Gleichzeitig wird publicirt, daß während Der gedachten Zeit die Benutzung des Leinpfades längst der Stadt bis zur Laubenheimer Gemarkungsgrenze verboten ist.
Vom Main, 7. Juli. Die Maincanalisation hat den oberlandischen Holz- grotzhandlungen und Flößereien schon vielfach Anlaß zu Beschwerden über Geschäfts- llorung gegeben und sowohl der bayrischen und preußischen wie hessischen Regierung sind bereits ganze Stoße von Akten mit diesbezüglichen Klagen und Beschwerden zugegangen. Beim Beginn der diesmaligen Floßzeit haben sich die mißlichen Zustände durch Zunahme des Verkehrs in dem Canal begreiflicher Weise noch vergrößert und zwar ™ einer Art, daß die Verluste, welche die Holzhandlungen und Floßgeschäfte an Zeit und Verpflegung der Mannschaften erleiden, nach der Angabe von Fachmännern m>Lint^Od) beziffert, daß der Verdienst in beregten Geschäften auf ein ganz geringes re&uf W- .Mii Rücklicht hierauf ist auf den kommenden Sonntag in Aschaffenburg wiederholt eine Versammlung von Interessenten einberufen, um nochmals
U“)Cn' e no ^n0^e r an Reichsregierung sich mit den Beschwudm eingeladen Dcr *^a“cn' &cr Versammlung sind auch eine Anzahl Reichstagsabgeordnete
's ®LCt „M. I." vernimmt, wird die diesjährige f^cF ^^L^s-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland" im Laufe des October in Mainz abgehalten.
"£;• n 52" Ä hiesigen Polizeiamtes ist bezüglich der ver
schiedenen hier noch bestehenden Privatkrankenkaffen dieser Tage eine Anordnung getrMen worden, welche, wie vielfach behauptet wird, ihren Ursprung in der Verfügung der Staatsregierung auf schärfere Beobachtung der Socialdcmokraten finden soll. Die
angegebenen Krankenvereme müssen nämlich jetzt immer der Polizei vorher anzeigen, wann ste Sitzungen oder Versammlungen abhalten, wobei gleichzeitig die Tagesordnung L^effenden Versammlung vorzulegen ist. Einzelne der Krankenvereine betrachten £ e r11^ ®ln^an0 mit dem hessischen Vereinsgesetz stehend und
beabsichtigen deshalb bet maßgebender Stelle Beschwerde zu erheben °
△ Mainz, 7 Juli Bezüglich der Besetzung der ersidiglen kalh°ttsch-n Pfarreien in Hessen behauptet das „Mainzer Tageblatt" zu wissen, daß als Nachfolger hr/eVhPr beff^ ^Hebung zum Bischof v^'Fulda außer allem
Zweifel stehe, der gegenwärtige Pfarrverwalter in Niederolm Kaplan Goedccker, bestimmt sei. Pfarrer von St. Peter würde Kaplan Heider, Pfarrer von St. Quintin Das""N^tme^Journatt^n>^eE^^^b^ wahrfchelnüch Kaplan Landmann werbet u YJ u? ' ro,cI9c§ hurch feine bekannten Beziehungen zum Bischof und Domkapitel doch wohl am ehesten in der Lage wäre, übe^ieMmtWÄW » theilung zu machen, schweigt bezüglich dieser Ernennungen noch vollständig, woraus man wohl den Schluß ziehen darf, daß man es bei der Nachricht des ,M. Tagbl." mehr mit Combinationen wie mit Thatsachen zu thun hat Man ist zu dem Schluß umsomehr berechtigt, als das „M. Journ." in etnZr Brieskast nnotiz alle der- bSchnet"haff^^"^ Nachrichten als müßige Produtte der ^^sauren Gurkenzeit- , Wetzlar, 7. Juli. Nachdem die kalten Nächte des Mai vorüberaegangen smd^ ohn wenigstens einen größeren Schaden zu verursachen ist es dem Juli vorbehalten geblieben, das äErstorungswerk herbeizuführen. Der in der perflofienen Nacht statt- ©emüfe ^o°gu? wie vernicht^ 3Q^lrJi(ften Strichen unserer Gemarkung nickt nur alles
K-rI°ff«lernl- gänzlich eonÄn hÄX Ä
Nachstun"de's Se?ule>g in\pCr«n0 n'L ln ber Vorstadt noch ein nW«
«ernten Jia* bem "attg-fundkn, bis jetzt sind mehr als 30 8*
für wahrscheinlich^ ®u ad) cn ber Sachverständigen gelten noch weitere EwMN
10 Min °bet°de/ElÄab^ ,B-rlln-Franksurter Tages-Schnellzug Ist hier um W sind nicht verletzt wo!den ° 3Diaucr bc8 Bahnhossgebäudes acfahrew M-nsch Averbe? hat^aestern' tti Ä?!r> Famlllendrama^ Die Fran deS TaglöhnetS Ioh von 8 und 20 iitatztzstt,nden zunächst Ihre beiden Kinder NN 8Uer
arbeitende Mann innh h ?nrb' bann f1^ felbft erhängt. Der gestern in SonnlaaSlänch dsi bereits in Starr^üb.l?'"^ 4 Uhr Nachlniiiags die Leichen vor,
mitiaasstund"n^ verübtKarrn- Die unselige That ist in den erften berkl6en^anmfenh^ mL S?' bic Mutier der Frau 31. bis 12 Uhr Mittag bei all orten“"« unb ariritul* ,b‘.C bwh-rige Untersuchung ergeben bat, ist der Man» war Sie reichte mit ihr 6<tannt' während die Frau nachlässig und ftrciiwdttig btdetbSb iu^^ 2lu«eTniXrt t.4,auB6aItun8ä0clbe >nfl ,,ic "Us und es war schon mehrfach au» am Sampan 9n ?,hfet,1Uhnge,l »wischen ben beiden (Satten gekommm L° bah Ne das rurückiulea-lo, ",ub,'5 bet Mann seiner Frau Vorstellungen darüber gemacht ftinn nbe Skeit a n^ h^^'hJ^ blt Mieihe verbraucht habe, und der h» ent rotinben ini (Befitfit hannn»b 111 Tdätiichkeiten über, wobei der Mann mevrere Kratz Mtbri nadbataa torltt '2Ml>rrnb der Manu nun arglos am öannlag einen arbeit naqging, fchrlii die Frau zu ihrer fchänbllchen That. («■ 3)
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