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9.1.1887 Zweites Blatt
 
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1687

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Amts- und Anzcigcblatt für den Kreis Gießen.

Nr. 7. Zweites Blatt Sonntag den 9. Januar

Brrreanr Schulstraße 7.

Erscheint tätlich mit Ausnahme des Montags.

Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtiqunq rum einiäbria freimiHinen Di-n» .

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1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüsungs-Cvmmiffion nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Heffeu gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2. Die Berechtigung zum einjährig fteiwilligen Dienst darf nicht vor vollen­detem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Zakrcs nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebens­jahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zu« 1. April des­selben Jahres zu erbringen.

3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briespapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffr angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. GeburtSzeuguiß;

b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters ober Vormundes mit der Er­klärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brtvgerlohn. ^E)^die^Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der 88, 89, SO, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ord. verwiesen. Großherzogliche Prufungs-Tommisston für einjährig Freiwillige.

Der Vorsttzende:

___ Dr. Zeller.

e. nn Unbescholtenhertszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürger­schulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; 1

4. das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu po«. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters ober Vormunbes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen wahrend des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.

Zu Pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reif^eugniffe für die Universität und die dersskben gleichgestellten Hochschulen und Reisezeugniffe für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord., sammtlich nach dem Schema 17 zur Ersgtz-Orduung (I. Theil d« Wehr-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 Reg.-Bl. Rr. 55 von 1875) ausgestellt sein muffen.

Wochen - Ueberfkcht.

_, Gießen, 8. Januar.

Die erste Woche der neuen Jahres, die nun hinter uns liegt, wurde von den Strahlen jenes festlichen Ereigniffes erhellt, das für Deutschland den Uebergang aus dem alten Jahre in das neue Jahr bildete der achtzig­jährigen militärischen Dienstfeier des Kaisers. Dem schlichten Sinne des erlauchten Jubilars entsprechend, vollzog sich diese bedeutsame Erinnerungs- ferer am kaiserlichen Hose allerdings nur im allerersten militärischen Rahmen, aber der innigen Theilnahme, welche das ganze deutsche Volk seinem Heldenkaiser zu dessen Ehrentage entgegenbrachte, vermochte dieser Umstand keinen Abbruch zu thun und die bewegte Ansprache, welche der deutsche Thronfolger an seinen karserlichen Vater beim Empfange der deutschen Corpssührer richtete, hat in MMronen patriotischer Herzen ihren lauten Widerhall gesunden. Den Schluß- thell der Jubiläumsfeier bildete das den commandirenden Generälen und hohen Muitärs am Montag vom Kaiser gegebene Diner, welches seinerseits wiederum durch einen kurzen, aber inhaltsschweren Toast des allerhöchsten Kriegsherrn auf die Armee beschlossen wurde. In demselben sprach der Kaiser die Erwar- tung aus, daß das Heer auch ferner an den drei Grundsäulen seiner Tüchtigkeit festhalten werde, als welche er das Ehrgefühl, die Tapferkeit und den Gehorsam bezelchnete mögen diese echt kaiserlichen Worte im Herzen eines jeden deut­schen Soldaten ein freudiges Echo erwecken!

DerReichs-Anzeiger^ veröffentlicht ein Schreiben des Kaisers an oen Kronprinren, welches den Dank des Kaisers für die ihm zu seinem Dlenstiubiläum dargebrachten Glückwünsche der Armee ausspricht. Das Schreiben nochmals einen kurzen Rückblick auf die Veränderungen und Ereignisse, welche die preußisch-deutsche Armee in den achtzig militärischen Dienstjahren des Kaisers erlebte und spricht am Schlüsse die volle Anerkennung des Monarchen erfüllung cm 21:11166 bewiesene volle Treue, Hingebung und Pflicht- s^s.,^^^^on"Nllndeur des russischen Infanterie-Regimenter £ cJ? hoher Chef unser Kaiser ist, hat derselbe aus die Glückwunsch. Depesche des Regiments ein in sehr herzlichen Ausdrücken gehaltenes Dank- Telegramm zugehen lassen. Das Kaluga-Regiment, welches in Simbirsk garni- wnirt, wurde bekanntlich dem damaligen Prinzen Wilhelm wegen seines muthtgen Verhalten- im Gefecht bei Bar-für-Aube (27. Februar 1814) vom Kaiser Alexander I. verliehen.

. Der Wiederzusammentritt deslReichstages nach Ablauf der parlam^tarifchen Wechnachtspause bildete das hervorstechendste Ereigniß der rif mUL n,lerrp0 1 ^cm Gebiete. Mit dem Wiederbeginne der parlamenta- (frnfh* Verhandlungen ist die Milttärsrage im Reichstage nahe vor ihre endgtltig- Entjcheldung gerückt worden, wie aber dieselbe ausfallen wird, läßt sich auch La ft ," trotz der am Mittwoch begonnenen und vollendeten zweiten Lesung . _ ®eP^nnat«0efe6e« in der Commission mit Bestimmtheit sagen. Die bemer- enswerthesten Beschlüsse dieser -weiten Commissions-Lesung sind die Ablehnung lowohl de- neuen freisinnigen Antrages aus Bewilligung von 454,000 Mann

für drei Jahre, als auch des neuen Centrums-AntrageS, wonach die volle Friedens-Präsenzstärke auf ebenfalls drei Jahre bewilligt werden soll, und endlich die schließliche Ablehnung des gesummten § 1 der Vorlage. Es verbleibt dem­nach vorläufig bei den Beschlüssen erster Lesung, wonach die Friedens-Präsenz­stärke für drei Jahre 441,200 Mann beträgt und aus ein Jahr auf 450,000 Mann erhöht werden kann. Dagegen genehmigte die Commission § 2 der Vor­lage (Neuformationen) in der Fassung der ersten Lesung gegen die Stimmen der Conservativen und Nationalliberalen und ebenso die §§ 3 und 5, während § 4 Antrag Huene aus Befreiung der Theologen vom Militärdienste- abgelehnt wurde- Die erwähnten neuen Anträge der Freisinnigen und der Centrumspartei bedeuten eine Annäherung der Oppositionsparteien an die Regie­rungs-Vorlage, aber da die Regierung augenscheinlich auf allen ihren principiellen Forderungen besteht, so kann die Ablehnung der erweiterten Anträge der Oppo­sition den Absichten der Regierung nur entsprechen. Die zweite Lesung der Militär-Vorlage in der Commission hat demnach ebenso wie die erste Lesung ein zum Theil negatives Resultat zur Folge gehabt und es fragt sich nur noch, ob auch die Fraktionen der Oppositionsparteien die Beschlüsse ihrer Commissions- Vertreter billigen. Ist dies der Fall, dann muß auch die Ablehnung der Regie­rungs-Vorlage im Plenum als selbstverständlich erscheinen und es besteht kaum ein Zweifel, daß alsdann die Auflösung des Reichstages erfolgen wird. Aber noch darf man hoffen, daß die Regierung nicht nöthig haben wird, zu dieser ultima ratio zu greifen, denn wie schon früher bei wichtigen Entscheidungen im Reichstage ein Theil der oppositionellen Abgeordneten schließlich noch zur Regie­rung abgeschwenkt ist, so ist ein gleicher Vorgang auch diesmal nicht ausge­schlossen und kann man deshalb noch immer erwarten, daß die Mllitärfrage denjenigen Ausgang nimmt, den sicher die Mehrheit der Nation wünscht.

Der preußische Landtag ist aus den 15. Januar einberufen worden.

Zur Weltlage brachte die erste Woche des neuen Jahres durch die be­kannten Neujahrs-Ansprachen des Präsidenten der französischen Republik und des ungarischen Ministerpräsidenten zwei erfreuliche Kundgebungen im Sinne der Erhaltung des Friedens und e» ist seitdem nichts geschehen, was den Werth dieser Auslassungen beeinträchtigen könnte. Der Charakter der internationalen Lage entwickelt sich demnach vertrauenswürdiger, als dies man noch vor Kurzem annehmen durste und somit ist es wohl gestattet, für die nächste Zukunst etwas optimistischeren Auffassungen Raum zu geben. Vielleicht ist in den Kreis der beruhigenden Kundgebungen zur europäischen Lage auch der Artikel einzubeziehen, der sich imJournal de St. Petersbourg" anläßlich der Gerüchte über eine geplante Rückkehr des Fürsten Alexander nach Bul­garien vorfindet. Das Blatt wendet sich zunächst gegen die Versuche eng­lischer Blätter, für diese Rückkehr Propaganda zu machen und erklärt, daß ein derartiges Ereigniß den europäischen Conflict nur verschärfen würde. Hoffent­lich, meint das Regierungsorgan, würde es auch außerhalb Rußlands Niemand wagen, diesen gefährlichen Gedanten im Ernste aufzunehmen und wenn es am Schluffe des erwähnten Artikels die Ansicht ausspricht, daß es in gewissen