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immer Picard. Dann bekam ich einen Brief von Schnäbele. Derselbe lud « zu kommen, um Rücksprache zu nehmen und wir trafen uns in Pont->-^coun Präs.: Schnäbele war Grenzcommtssar in Hagny? Klein. Bousson.

I Bekamen ©le den Brief von Pagny aus? Klein: Von Pagny oder 4-

I - Präs.: Was sagte Ihnen Schnäbele? - »: '/VX u

i fahren sollte wie bisher. Ich brauche aber von nun an nicht m h z

i fahren und nicht mehr zu zeichnen, ich könne in Straßburg bleiben. yar

Präs.: Hat

Deutschland.

Au- dem Großherzogthum Hessen, 4. Juli. Das vor wenigen Tagen verkündigte Gesetz, die Anlegung vormundschaftlicher Gelder, sowie die Aufbewahrung der Werthpapiere und die Verhängung von Ordnungsstrafen bei Vormundschaften und Pflegschaften betreffend, bedarf, bei der großen Zahl der davon allerwärts betroffenen vormundschaftlichen und pflegschaftltchen Verwal­tungen einer gröberen Berücksichtigung, als sie ihm bisher in der Presse zu Theil geworden ist. Folgendes ist der Hauptinhalt: Gelder, welche zu laufen­den oder sonst begründeten Ausgaben nicht erforderlich find, müssen längstens binnen einer (erstreckbaren) Frist von 3 Monaten in der im Gesetz für zulässig erklärten Weise zinsbar angelegt werden. Wird die Anlegung schuldvoll ver­säumt oder verzögert, so sind 5 pCt. der anzulegenden Summe zu vergüten. Gleiche Verzinsungspflicht tritt ein, wenn vormundschaftliche Gelder im eigenen Nutzen verwendet werden, unbeschadet höherer Ersatzansprüche. Die Anlegung der Gelder ist zulässig: aus Hypotheken, welche die vorzuschreibende Sicherheit bieten; in Schuldverschreibungen, welche vom Reich oder von einem Bundesstaat mit gesetzlicher Ermächtigung ausgestellt sind, oder deren Verzinsung vom Reich oder einem Bundesstaat gesetzlich garantirt ist; mit Genehmigung der Vormund­schaftsbehörde in Schuldverschreibungen, welche von deutschen communalen Cor- porationen (Provinzen, Kreisen, Gemeinden:c.), oder von deren Creditanstalten ausgestellt und entweder seitens der Inhaber kündbar sind, oder einer regel­mäßigen Schuldtilgung (Amortisation) unterliegen; in sonstigen vom Ministerium als geeignet zu bezeichnenden Wertpapieren, bei öffentlichen staatlich genehmigten und mit Garantie eines Kreises oder einer Gemeinde versehenen Sparkassen. In anderer Weise darf die Anlage nur mit Genehmigung der Vormunoschatts- behörde geschehen. Die Vormundschastsbehörde kann eine Hinterlegung der Werthyapiere anordnen und muß es, wenn der Vormund erklärt, diese sonst nicht ausbewahren zu können. Die zulässige Ordnungsstrafe darf 300 JL nicht übersteigen.

Ems, 6. Juli. Der Kaiser und Prinz Wilhelm wohnten gestern der Theater-Vorstellung im Kursaale bei. Die Kaiserin kehrte Nachmittags 5 Uhr nach Koblenz zurück.

Politische Uedersscht.

Gießen, 7. Juli.

Wieder zieht ein vor dem Reichsgerichte zu Leipzig spielender HochoerrathSproceß, in welchem Elsässer die Angeklagten sind, die Aufmerksam­keit nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes auf sich. Diesmal handelt es sich um den Reisenden Tobias Klein au» Straßburg, dessen Schwager Fabrikant Martin Grebert aus Schiltighetm und den Wirth I. F. Erhärt aus Straßburg, welche sämmtlich früher bei den Fortifications- »arbeiten bei Hagenau resp. Straßburg beschäftigt waren. Dieselben sind be- fschuldigt, seit 8 Jahren Festungspläne von Metz, Straßburg und Mainz, sowie Wfttge wichtige militärische Nachrichten geheimer Natur nach Frankreich ausge- Wrt zu haben, und zwar an einige Polizei-Commifläre, an deren Spitze sich Lier bekannte Schnäbele befindet, sowie an da» Pariser ^Nachrichten-Bureau", welches unter der Leitung des Obersten Vincent steht. Von den Angeklagten Hat Klein seine Schuld gleich am ersten Verhandlungstage in vollem Umfange Äugestanden und seine Aussagen compromittiren die französische Regierung in Jo&m Grade. Speciell von Schnäbele hat Klein in mehrfachen persönlichen Zusammenkünften den Auftrag erhalten, seine Thätigkeit namentlich aus Straß- iourg zu concentriren und dauerte die Verbindung zwischen Beiden bis zur Ver- tzsstung des Klein fort. Grebert hat nach dem Geständnisse Klein'» um dessen wrrätherische Thätigkeit gewußt und Beihilfe geleistet, während Erhärt weniger belastet erscheint. In Folge der Geständnisse Klein'» vereinfacht sich der Gang xt retchsgerichtltchen Verhandlungen bedeutend und wurde das Urtheil bereit» fiür diesen Donnerstag erwartet. Besonders neue Momente in Bezug auf da» iiianzösische gegen Deutschland angewendete Spionage-System scheint der Landes- verrathsproceß Klein allerdings nicht gezeitigt zu haben, er bestätigt aber doch Ms's Neue in eclatanter Weise die Thatsache, daß dieses splonirende und ver- Äthmsche Treiben sich der Unterstützung der französischen Regierung zu erfreuen ßal und diese Erkenntniß kann die Beziehungen zwischen Berlin und Paris iichwerlich verbessern.

Der Anschluß Baden» an die norddeutsche Branntweinsteuer-Gemeinschast »ird ohne Schwierigkeiten erfolgen, nachdem die zweite Kammer die Brannt- Meinsteuer-Vorlage de» Finanzministers Ekstätter am Montag einstimmig Mehmigt hat.

Staatssecretär v. Bötticher hat seinen Sommer-Urlaub bereit» ange- llreten, obwohl der Bundesrath, dessen Vorsitzender Herr v. Bötticher ist, zur Zeit noch tagt. In Berliner politischen Kreisen findet man diesen beschleunigten Beginn de» Urlaube» überraschend, denn wenngleich der Bundesrath wahrschein- Uch nur noch eine Plenarsitzung abzuhalten haben wird, so erscheint die Abreise der Vorsitzenden, welcher naturgemäß der Leiter aller Geschäfte de» BundeSrathe» f.$, vor der Vertagung der Versammlung auffällig. Man erklärt sich die» dadurch, daß in der bevorstehenden Bundesrathsfitzuvg da» Kunstbuttergesetz mit Wse der preußischen Stimmen angenommen werden wird; da nun aber Herr io. Bötticher im Reichstage wiederholt gegen die Fassung der Kunstbutter-Vorlage nach den Commissions-Beschlüssen gesprochen hat, so bedeutet die signalisirte An­nahme des Gesetzes in der Reichstags-Fassung durch den Bundesrath einen Widersprach zu den Erklärungen de» Staatssecretär» und dieser unangenehmen Stellung wünschte Herr v. Bötticher wahrscheinlich durch den früheren Antritt I nner Urlaubsreise zu entgehen.

Im holländischen Ministerium Heensterk ist ein Portefeuille- mchsel eingetreten, indem der König den früheren Deputirten Bestertan mit der Leitung des Handelsministeriums an Stelle de» zurückgetretenen Handelsminister» Aaudenbergh beauftragte.

Einer der höchsten spanischen O.fficiere, General Primo ä>i Rivera, Generaldirector der Infanterie, ist diese» Posten» wegen seines l$UitreUu» gegen den Krieg-Minister bei den Senats-Verhandlungen über die mllitäcischen Resormoorlagen enthoben worden. Die Maßregelung diese» Gene­ral» kann möglicher Weise den Lu»gang»punkt eine» neuen Pronunciamento» mlben, da Primo di Rivera sich in der spanischen Armee großer Beliebtheit «erfreut und daneben trotz seines Alter» noch als ein ziemlich unruhiger Kopf &U; Rivera hat sich im letzten Carlistenkriege mehrfach ausgezeichnet. Eine nernere Depesche aus Spanien berichtet über ernste Unruhen, welche In Barce- bna und Valencia in Folge der Erhöhung der Octroi-Lbgaben auf Vich statt- Mfundss haben. In letzterer Stadt steckte die erbitterte Menge sogar die Octroi-Hedestellen in Brand.

Die Melvungen über die asghanische Grenzsrage lauten jetzt wieder einmal recht optimistisch. Die Petersburger Verhandlungen sollen sosort nach l>»ir Rückkehr de» Obersten Rtdgeway wieder ausgenommen werden. G» wird ^rnchert, daß alle Aussicht vorhanden sei, daß die englisch-russische Grenz- Commission ihre Ausgabe binnen Kurzem besriedigend lösen werde. Die Nieder- ^gen, welche die aufständischen Ghilzais seitens der Truppen des Emir» von Afghanistan erlitten haben, scheinen das Meiste zu diesm günstigen Meldungen Aier das afghanische Grenzrsgulirungs-Geschäst brigetragen zu haben.

Aus Jaszbereny (Ungarn) kommt die Kunde von einem schweren Un- zAcksfalle. Während des Unterrichtes berittener Pioniere explodirte eine Wynamitpatrone, wodurch dem Vernehmen nach 4 Officiere und 16 Mann ge­ltet, 19 Mann aber schwer verwundet wurden; genau steht jedoch die Zahl M Verunglückten noch nicht fest. Für eine einzelne Dynamitpatrone ist das ^ensalls eine entsetzliche Wirkung!

Berlin, 4. Juli. Hat schon die Verhandlung gegen Köchlin und Genossm vor dem Reichsgericht ergeben, daß der wahrhaft Schuldige bei den hochverräthertschen Um­trieben Niemand anders als die französische Regierung war, so hat jetzt die Verhand­lung gegen Klein und die Mitangeklagten die ganze Einrichtung und das ganze Gewebe der von der französischen Regierung amtlich betriebenen Verleitung deutscher Unter* Ihanen zum Landesverrat bloßgelegt. Richt etwa hat ein entarteter Sohn Deutsch­lands sich dem Auslande verkauft, um sein Land zu verrathen, sondern die französische Regierung hat ihre Grenzbeamten beauftragt, nach Deutschland zu gehen und dort, wo immer es möglich sei, Leute zum Verbrechen zu überreden, zum Verrath an ihrem Lande zu verführen. Französische Beamte waren die Leiter dieser Verrätherei, sie gaben Rathschläge und Aufträge, vermittelten Briefe und Geld und wiesen ihre Opfer an ihre Bestimmung. Wir wollen zum Beweise der Schuld der französischen Regierung das Wichtigste aus dem Verhör des Hauptangeklagten Klein mittheilen:

Klein: Ich habe es angenommen, solche Arbeiten zu machen, nachdem der französische Grenzcommtssar Fleuriel in Jgny-Avricourt mir einen entsprechenden An­trag gemacht hatte. Ich habe monatlich 200 JL erhalten, einen Plan von Mainz ge­macht und etliche Zeichnungen von Straßburg, wie Sie wissen. Das habe ich der französischen Regierung eingeschickt. Präs.: Wie ist diese Verbindung angeknüpft worden zwischen Ihnen und der französischen Regierung? Klein: Der ftanzösische Grenzcommissar Fleuriel ist da gewesen, hat zu mir geschickt, er wolle mit mir sprechen. Da bin ich htngegangen und er hat mir den Vorschlag gemacht, da er erfahren habe, daß ich an den Forts gearbeitet, solche Nachrichten und Pläne zu machen. Ich habe den Vorschlag nicht gleich angenommen, erst einen Monat später bin ich darauf ein« gegangen. Präs.: Dieser Fleuriel war französischer Polizeicommissar? Klein: Ja, in Französisch-Avricourt. Präs.: Er kam nach Straßburg und forderte Sie mit Rücksicht darauf, daß er erfahren, Sie wären bet Fortifikationsbauten beschäftigt gewesen, auf, in dieser Weise in Dienste der ftanzösischen Regierung zu treten? Ist das so? Klein: Das ist so. Er hat zuerst gesagt, ich solle ganz nach Mainz ziehen, das habe ich aber nicht angenommen, dann sagte er, ich solle nur zeitweise hin­gehen, aber eine Wohnung mtethen und monatlich 14 oder 8 Tage dort wohnen. Da habe ich gemiethet. Präs.: Was sollten Sie dort machen? Klein: Plän« der Festung und der Forts und berichten, was sonst für Neuigkeiten in mMtärischer Beziehung wichtig seien. Fleuriel hat mich wegen weiterer Rücksprache zu Hirschauer nach Paris geschickt. Präs.: Hat Ihnen Fleuriel gesagt, daß Sie monatlich 200 JL bekommen würden? Klein: Ja. - Präs.: Hat er Ihnen die Per­sonen bezeichnet, an welche Sie die Pläne und Berichte einsenden sollten f Klein: Er schickte mich dieserhalb an Hirschauer und ich bin hingereist nach Paris. Präs.: Was war Hirschauer? Klein: Er war Ehef der französischen Grenzcommissäre. Er hatte seine Wohnung aber in Paris am Oftbahnhof. Präs.: Zu diesem reiften Sie? Klein: Der hat mich dann angestellt, mir ausdrücklich gesagt, was^rch thun soll, ganz so wie es der Grenzcommtssar Fleuriel mir erklärt hatte. :

Wann traten Sie mit Schnäbele in Verbindung? Klein: Im Anfang 1885 Präs.: Wie ist das gekommen? Klein: Hirschauer hat mir geschrieben, daß er mit der L-ache nichts mehr zu thun habe. Präs.: Hat er nicht auch gesagt, daß er Sie dem Colonel Vincent empfohlen hätte? Haben Sie den Oberst Vincent ge­kannt? Klein: Ich habe gewußt, daß er Chef des Bureau de rens^ignement in. Präs.: Also ein solches Bureau de renseignement besteht? Klein: J«. wußte, daß das in Parts extstirt unter Leitung des Colonel Vincent. Hirsch schrieb mir, ich solle meine Nachrichten nun an Picard schicken; Schnäbele schr sch

ISS Freitag der. 8. Juli 1887.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.