Nr. 32 Dienstag din 8 Februar L887
Amts- und Anzkigkblatt für den Kreis Gießen.
Bnrcaur S ch u lstr°ß ° 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Wdi-VVgm^
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Telegraphische Depeschen.
Wolff s tclegr. Correspondenz-Virreau.
Berlin, 6. Februar. Se. Majestät der Kaiser nahm Vormittags die Vorträge Perponcher's, Albedyll's, sowie die Meldung des Commandeurs der 17. Division, Generallieutenants v. Bronsart entgegen. Nachmittags 4 Uhr erscheint Slaatssecretar ®rtt ^ondon/^ §bruar^ Nack einer Meldung aus Suez hat sich Stanley heute “■s.tsa’TÄ ...
Masiovah vom 22. Januar an den Marineminister heißt es: Nassalula lretz den Oberbefehlshaber der italienischen Truppen, General Gens, durch Dermtttelung des in Ketten gefangen gehaltenen Grafen Salimbeni auffordern, bte vorgeschobenen ^orts ju räumen und sich allein auf die Occupation von Massovah zu beranken. Graf Salimbeni bat, dieser Aufforderung nachzukommen, da er mit dem Tode bedroht wurde. General Gen« antwortete, daß er der Aufforderung nicht Folge leisten konnte. Die bezeichneten Forts dienten zum Schutze der Karawanen. Er sei bereit, bte Drohungen der Abessinier zmückzuweisen.
Deutschland.
Berlin, 5. Februar. Die nationalliberale „Strcrßb. Post" roenbet sich in einem längeren Artikel gegen den bekannten Allarmruf der Berliner „Post." Sie schreibt mit besonderer Beziehung auf Elsaß Lothrirgen:
„Was die besonderen Verhältnisse unseres Landes angeht, so war die Veröffentlichung nicht opportun, denn sie hat hier eine große Beunruhigung und, was noch weit schlimmer ist, eine tiefgehende Verbitterung erzeugt, die aus die allgemeine Lage hier ungünstig einwirkt. Gerade hier empfindet man es lebhaft, wie verhängnißvoll eine solche Sprache in einem Organe, wie die „Post werden kann, und wie viel eine derartige Auslastung, die weit über das Maß einer bloßen Warnung hinaurgeht, zur Beängstigung der Gemüther und zur Vermehrung der leider schon vorhandenen Spannung beitragen muß. Wenn ein ähnlicher Artikel in einem großen, osfictöser Beziehungen verdächtigen sranzöst' schen Blatte erschienen wäre, so würde bei uns eine ungeheure Erregung her- vorgerufen worden sein; es kann nicht fehlen, daß der Artikel der „Pest in Frankreich das Gleiche bewirkt. In der Gegenwart und unter den an sich schon mit Zündstoff überladenen politischen Verhältniffen wird das in erhöhtem Grade der Fall sein. Das Schlimmste ist, daß derartige Auslastungen, in denen geradezu ein kriegerischer Geist sich spiegelt, durchaus nicht die Stimmung wiedergeben, in welcher das deutsche Volk sich befindet. Das deutsche Volk kennt keine Furcht; es würde jeden Augenblick bereit fein, für Kaiser und Reich, für die höchsten Güter des Vaterlandes und der staatlichen Selbstständigkeit und Freiheit Alles zu opfern, was ihm lieb und theuer ist. Aber es ist weit entfernt davon, einen Chauvinismus zu nähren, besten Träger ^och immer nur aus einem kleinen Kreise sich zufammensetzen, hier wie dort. Gewiß soll man nicht blind der Gefahr gegenüber fein und es ist ein hohes Verdienst der gemäßigten Preste, wenn sie auf den Ernst der Lage aufmerksam macht, denn gewiß ist es leichtfertig, wenn die Preste des Centrums und der Deutsch-Frei- sinnigen jede Besorgniß mit dem Hinweis auf Wahlmanöver einfach hmwegzu- scherzen sich bemüht. Aber zwischen einer Warnung und einer Beängstigung, wie sie der Artikel „Aus des Mesters Schneide" enthält, ist denn doch ein gewaltiger Unterschied. Gewiß ist richtig, daß die „Post" der in Deutschland sowohl als auch in Frankreich immer weiter um sich greifenden Stimmung Ausdruck giebt, wenn sie die Entwickelung der Dinge mit der Person des Generals Boulanger in engen Zusammenhang bringt. Ganz wohl, aber ob es deshalb auch angebracht ist, jeder Befürchtung — geht doch im furchten wie im Hoffen der Mensch so gern über das zulängliche Maß hinaus! — Ausdruck zu geben, und zwar Ausdruck in solch einer Greifbarkeit, wie es in dem vorliegenden Falle geschehen ist, das ist ein Spiel mit dem Feuer, und das heißt die Leidenschasten, die ja an sich schon nur allzu leicht entfesselt werben, aus- fiacheln und die Gefahr, vor der man angeblich warnen will, heraufbeschwören. Seien vir daher vorsichtig und vergesten wir, bei aller Varberettmlg dahin, daß wir einem Kriege stets wohlgerllstet gegenüberstehen, auch das Bestreben nicht, Alles zu vermeiden, was die Erhaltung des Friedens stören könnte. Noch liegen die Verhältnisse so, daß wir alle Ursache haben, die Gemüther zu beruhigen und der ängstlichen Besorgniß, welche Industrie und Gewerbe, Handel und Wandel aufs Aeußerste bedrückt, entgegenzutreten."
— Aus Paris vom 4. Februar wird her „Köln. Ztg." berichtet : Dem Festmahle im Elyföe wohnten gestern sämmtliche Botschafter und Gesandten, darunter ihr deutsche Botschafter Graf Mowter, an. »usda- W «>« glänzender Empfang. - Die Blätter bringen folgende ösfic^e Mlttbetlung. .Ein Morgenblalt spricht von der drohenden Sprache, welche Generalsfictere führen, die zum Krieg-Ministerium gehören,. dolglfch Vertrautt des Gen Boulanger flnd. Er habe durch fie erfahren, daß die Mobilmachung der Reserve nahe bevorstehe. Wir stnd ermächtigt, zu erklären, daß diese Behauptungen vollständig unbegründet stnd.- Die Mehrzahl der Blätter wiederholt bte Erklärung, Frankreich wolle nicht den Krieg, es seien aber Zerwürfntffe zu besurch em Clemenceau's „Justiee" beschuldigt die deutsche Regierung, daß fl IdJ Maßregeln treffe, welche die Empstndlickkeit der Nachbarn ^^n künnten, und daß ste unklugerweise die lügnerischsten Beschuldigungen in käufsichcn au-lan t schen Blättern verbreite, welche ihr bereit- im Jahre 1870^ged ent hatttn. E- iei ein straniofe gewesen, der die Lüge glaubwürdig zu machen geiucyt yave, S rnSÄÄM
Me« Alles könne sich noch verschlimmern: es sei Zeit, Abhutse zu lyaneni Lockrov's Rappel" will noch an den Frieden glauben, fände es ledoch unklug, ni wa?ten' und stch nicht auf Alles vorzuberetten. Die „Autoritö" bringt einen Artikel von Mul Caffagnae, welcher verlangt, daß Boulanger au» Patt °. lismus feine Entlaffung als Krieg-minister nehme. - D°r »Temp- mewett „Gestern ertheilte Flourens. der Minister des Auswärtigen, den ^ieg-gcru» en gegenüber die friedlichsten Versicherungen Laut »nsern Rachrich m ha e Her bette, der französische Botschafter in Bersin, eine "°ue Unterredung mü 8 Herbert Bismarck, der von Neuem versicherte, daß die 70,000 Re ervisten einzig und allein wegen des neuen Gewehres einberufen seien, daß dieselben. ® in den westlichen Provinzen etnberusen feien, sondern im stanzen Ums g Reicher, und daß sie zu fest bestimmtet: Zeit entlaffen und durch 2™™ Reservisten ersetzt werden würden. Folglich keine andere Einberufung i >v>e Unterrebungen Herbette's mit mehreren andern Botschaftern stimi
A Main» 6. Februar. In Folge heftigen Nebels gerietben gestern Abend Passagiere unb Mannschaft des Lokalbootes Kostheim—Mainz in eme keinesw g genehme. Situation, Um 6 Uhr, als rfennen,
sehr geringer Nebel und konnte man ganz bequem bte bc b s 6 ^cbel derart ver- als man jedoch nur wenige Minuten ßerdbnn Ea bas Schiff
I stärkt, baß bas Boot schon an ber „Matnspitze bte Richtung ve (Geräusch
keinen Compaß .nit sich führte, io --rsitchi-der Sttuen,mnn - ^'b'r neuea I von bem Lanbe aus zu ortentiren, was aber so tauschte, oav
Lokale».
Gießen 7. Februar. Unsere werthvolle Pumpanstalt ist seit Samstag wieder in Thäligkett. Obgleich bas Thauwetter langsam eintrat, ftnb Lahn unb Wieseck boch bebeutenb gestiegen.______—————»ee—
UniverfitätS - Chronik.
— Der Drivatbocent unb Prosector Dr. Altmann in Leipzig ist zum außerorbentltchen Professor in ber mebicinischen Fakultät baselbst ernannt wmden.__
I höchst friedlichem Sinne überein. Unsere Botschafter in Wien unb Petersburg erkunbigten sich bei den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, über die Lage; alle beide erhielten Antworten von befriedigendem Charakter. Jnsbeson- bere versicherte die russische Regierung, die oftmals in letzter Zeit Gelegenheit hatte, mit ber beutschen Regierung zu verkehren, unierm Vertreter, daß Frank- reich keinesw-os in jetziger Stunbe mit einem Angriff bedroht fei. Wir glauben mittheilen zu können, daß bei dem letzten diplomatifchen Empfange Graf Münster dem Minister Flourens über alle in letzter Zeit zur Sprache gekommenen Einzelheiten mündlich Auskünfte gegeben hat, die in vollständiger Uebereinstimmung mit den in Berlin eingetroffenen lauteten. In einer zweiten Unterredung des Grafen Münster hat derselbe zu Flourens zu sagen vermocht, daß alle seine persönlichen Informationen durchaus nicht mit den in den Blättern verbreiteten pessimistischen Nachrichten in Uebereinstimmung wären."
Berlin, 5. Februar. Abgeordnetenhaus. Nach wenig erheblicher Debatte wurden die Einnahmen und dauernden Ausgaben des Eisenbahn-Ekars erledigt. Der Eisenbabn-Minister Maybach wies statistisch den erheblichen Rückgang der Eisenbahn-Unsälle nach und erklärte wiederholt, daß die Regierung unausgesetzt bemüht sei, die Unfälle nach Möglichkeit zu beseitigen. — Dienstag Berathung des Etats des Innern.
— Die Polizei confiscirte in der vergangenen Nacht 400,000 focialoemo* kratische Wahl'Flugblätter, welche heute Abend, resp. morgen Früh durch die sechs Wahlkreise vertheilt werden sollten. M
Hesterreich.
Wien, 5. Februar. Abgeordnetenhaus. In Beantwortung der gestern von dem Abgeordneten Mauthner über die auswärtige Lage eingebrachten Interpellation erklärte der Minister Ziemialkowski, in Vertretung des durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Ministerpräsidenten, die Beziehungen der Monarchie seien zu allen auswärtigen Mächten befriedigende und es sei namentlich in der letzten Zeit keinerlei dem Frieden nachtheilige Aenderungen eingetreten. Trotz der Unsicherheit und des Ernstes der allgemeinen politischen Lage Europas, halte die Regierung an der Hoffnung fest, daß es gelingen werde, den Frieden ausrecht zu erhalten, da dies den wiederholt betonten Wünschen aller Regierungen und namentlich dem der kaiserlichen Regierung entspreche. Wenn nichtsdestoweniger Seitens der militärischen Verwaltungen gewisse Anschaffungen für nöthig befunden wurden, so entspreche dies den Erfordernissen der Vorsicht und Vorsorge für die Sicherheit und Machstellung des Reiches, welche die Regierung als eine ihrer wichtigsten Pflichten ansehe. Es könne hierin ebenso wenig ein kriegerisches Symptom erblickt werden als in der seiner Zeit erfolgten Einholung der verfassungsmäßigen Zustimmung zu jenen als nöthig anerkannten militärischen Vorsichtsmaßregeln.
Italien«
Rom, 5. Februar. Senat. Ministerpräsident Depretis brachte die von der Deputirtenkammer angenommene Vorlage, betr. die Bewilligung eines außerordentlichen Eredits von 5 Millionen, ein. Der Senat beschloß sofortige Berathung und nahm den Gesetzentwurf ohne Debatte einstimmig an.
Amerika.
Newyork, 5. Februar. In der 9tähe von White River Junction im Staate Vermont Hal em Eisenbahnunglück stattgefunden. Bei demselben soll eme größere Anzahl Personen um's Leben gekommen sein.


