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Drittes Blatt.
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Sonntag den 7 August
Sareaur S ch u l str a ß e 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Wochen - Ueberstcht.
» LerWrlich 2 Mark20Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen viertchahrlich 2 Mark 50 Pf.
Gießen, 6. August. sStadtverordnetensitzung vom 4. Augusts Anwesend: Herr Burgermeifier Bramm, Herr Beigeordneter Gnauth, Seitens der Stadtverordneten die H^ren Barst, Georgi, Hoch, Hornberger, Jughardt, Kauf, Ad. Noll, Aug. Noll Petrr, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon, Bogt und ..Tie von den Herren Vogt und Plank gestellte und von Herrn Demuth geprüfte Jahresrechnung der Lober'schen Stiftung wies im vorigen Jabre an Kavital- vennogennsgesammt auf 49 340.82 Jt, in diesem Jahre nur 49189.39 JL, weniger al o 151.51 v*L Erklärt wird dieser Abgang durch Herabsetzung des Zinsfußes aus- gellehener Kaprlalren und wird, wre bemerkt wurde, demnächst zu erwägen sein, ob bei Vergebung einer neuen Pfründe diese erniedrigt oder eine zur Erledigung gelangende ausfallen solle. — Zur Eingabe des Kommandos der Gießener Freiwtll. Feuerwehr um An-
..^bter Schläuchen, je 1/2 Dutzend Steigerleinen, Signalpfeifen, Karadmerhaken, Beilen, 1 Verbandlasche, sowie um Bewilligung von 100 Jt jährlich zur Besoldung eines Jnventarführers (Zeugwarts), welchem die Ausgabe und Empfang nähme der Ausrustungsgegenstande an bestimmten Tagen, sowie die Eintragung der Ab- und Zugänge an denselben obliegen soll, ertheilt die Versammlung die Genehmigung. — lieber die Aufstellung von Pumpen im städtischen Schlachthause soll Beschluß gefaßt werden, wenn über die Belassung oder Entfernung der beiden am Friedhof befindlichen Pumpen, deren Verwendung im Schlachthausbau man im Auge hat, entschieden ist — Der von dem Herrn Stadlbaumeister über die Anlage eines Dampfkessels für das Schlachthaus angefertigte Bericht nebst Plänen, wie solche dem Kreisamte vorgelegt werden sollen, findet die Genehmigung der Versammlung. — Die Gesuche 1) der Ehefrau des Herrn Ed. Denker, 2) des Herrn Jakob Franz um Erlaubniß zum Betriebe emer Zapfwtrthschast in dem Hause „Zum Stern", bezw. in dem Hause des Herrn Krombach in der Kaplansgasse werden nach Kenntnißnahme der Berichte Großh. Polizeiamts und auf Antrag der Commission befürwortet und zwar auch hinsichtlich der Bedurnißsrage zum Ausschank von Branntwein re. — Das Gesuch des Herrn Otto Schaaf um Erlaubniß zum Verkauf von Spiritus soll ebenfalls befürwortet werden, nachdem die Commission unter Berücksichtigung der Qualität des Geschäfts des Gesuchstellers, dessen Handel mit Spiritus mehr gewerblichen Zwecken diene, einen dahingehenden Antrag gestellt hatte. — Unter „Ausbau der Oslanlage" theilt der Herr Vorsitzende der Versammlung mit, daß Herr Sattlermeisler Senner auf die von ihm wegen Abtretung von Gelände an die Stadt gestellten Bedingungen verzichtet habe und nunmehr die erforderlichen Verträge ausgetauscht werden könnten. — Die zur Herstellung der Wolfstraße erforderlichen Auffüllungsarbeiten werden Herrn Konrad Atzbach zum Satze von 40 Pfg. pr. Cbm.übertragen. — Mittelst Schreiben, unterzeichnet von den Herren Schwan, Heichelheim, Wortmann, Bergen, Silbereisen und Lotz erhält die Versammlung Kenntniß von der Ueberweisung des Betrages von 303 JL, welcher gelegentlich des diesjährigen Realschuljubtläums gesammelt wurde und der Stadt mit dem Anträge zur Verfügung gestellt wird, denselben in Verwaltung zu nehmen, um aus dessen Zinsen ärmeren Schülern der Realschule und des Real- gymnafiums die Theilnahme an der alljährlich stattfindenden Schulfeier zu ermöglichen. Die Versammlung geht auf das Ansuchen ein und beschließt 4procentige Verzinsung dieser Summe, für welche noch weitere Beiträge in Aussicht stehen, zu gewähren. — Zu Punkt 10 der Tagesordnung, Enteignungsoerfahren Seitens der Stadt gegen Herrn Lederhandler Fr. Zöller, beschließt die Versammlung, in die Commission als das zu entsendende Ortsvorstandsmitglied Herrn Hoch zu wählen, während sie sowohl als Herr Zöller bezüglich der von beiden Theilen zu bezeichnenden Sachverständigen es der Commission zu überlassen beschließt, die geeigneten Persönlichkeiten selbst zu ernennen. — Zu Punkt 12 der Tagesordnung: Gesuch der Firma Heyligenstaedt & Comp. um Erlaubniß zur Aufstellung eines Dampfkessels faßt die Versammlung
Gießen, 6. August.
Zwei Ereignisse sind es, welche diesmal aus den Wachen-Begebenheiten besonders hervorragen und gleichsam deren A und O bilden: Der Tod des Paifflavisten-Häuptlings Kalkow und die Kaiser-Zusammenkunft von Vastetn. Selbe Vorgänge ziehen die Blicke der politischen Welt auf sich, das Meben des berühmten Moskauer Journalisten wegen der eigenartigen Stellung, die er in seinem Vaterlands eingenommen, und der Kaisertag von Gastein, weil ,r immer aus's Neue die innige persönliche Freundschaft zwischen Kaiser Wilhelm Md Kaiser Franz Josef, nicht minder aber auch den unerschlltterten Fortbestand der europäischen Friedens-Bollwerkes, des deutsch-österreichischen Bündnisses bocumentirr. Der Händedruck, welchen die beiden kaiserlichen Freunde an diesem Smitog in Gastein wechseln, besagt gar viel und seine Bedeutung wird allechalben auch ohne eine besondere Commentirung verstanden. Es sind neben hin Bezeugungen persönlicher Freundschaft die erneuten Versicherungen gegen- sicher Bundestreue, welche die Herrscher Deutschlands und Oesterreich-Ungarns io diesen -oagen an den Ufern der schäumenden Ache wiederum austauschen und °>elche demnächst in der Kissinger Zusammenkunft der leitenden Minister der beiden verbündeten Reiche ihren Widerhall finden werden. Diese Verficherungen wer- ™ Herzlichkeit und Aufrichtigkeit gewiß nichts zu wünschen übrig lassen und M mag allen europäischen Friedensfreunde in Würdigung der Machtrwecke mb M-chtmitttel der zwei befreundeten Kaiserreiche nur zur Genuqthuunq ae- mo;,n Ein seltsames Geschick hat es nun gewollt, daß gerade angesichts des deooistehenden Kaiserlages von Gastein einer der grimmigsten und man kann mhl auch sagen, einflußreichsten Gegner der mitteleuropäischen Friedens-Allianz eben nut Katkow aus dem Leben geschieden ist. In seiner „Mosk. Ztg." zog der Berfiorbene alle Register des politischen Haffes gegen Deutschland wie gewn Orftnreich auf und die Töne, die er anschlug, sanden jenseits der Vogesen ein nur ju bezeichnendes Echo. Katkow war die Seele aller deutschfeindlichen Be- »r-duMn im Czarenreiche und es ist daher nur begreiflich, daß der Tod dieses ' Wm 'n bet Presse Frankreichs in einer allerdings hart an das Groteske strnimd-nWeife gefeiert wird. Gewiß, Kalkow war in Anbetracht seiner maß- fiaLfer Brander ein gefährlicher Feind des deutsch- !* Bündnisses und es wäre von uns Deutschen zu viel verlangt, daß ^^ g-o seines Ablebens eine besondere Bewegung an den Tag legen sollten. JMffen, auch ein Katkow hat nicht vermocht, das stolze Gebäude dieses Bünd- rtL5Let^Ük etn1 Unbt En heute die russischen und französischen Bläiter den berlihrnten Tobten in ihrer Weise feiern, so schauen die Völker Deutschlands fiter fi*n9a^äo* l"r rute Z^rsicht u°ch jenem Fleckchen österreichi-
Her Erde, wo sich ptzt Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joses abermals die L^m und sicherlich berechtigt auch die diesmalige Monarchen-Zusammen- äo s nnb Ä??» be-JlffnUm8-?a6 es bem sest-1 Zusammenhalten Deutsch, ie (LnmJ ? österreichischen Verbündeten noch immer gelingen werde, Europa k teä Friedens zu erhalten. In dieser frohen Zuversicht sei auch duimol die Begegnung der beiden Herrscher begrüßt! °
sie 5la*V Loses trifft an diesem Samstag nicht Nachmittags 3 Uhr, EÄS routle' Lonbern SotI Mittags in Gastein ein; im Laufe desselben SemiemaM n Wilhelm von Preußen von seinen Tyroler
“ ®aRreet" Klangen. ES ist wahrscheinlich, daß Kaiser Wilhelm tommenbffl «n * ^fet$ b(e 6e,mre*fe antritt, die in den ersten Tagen der
-'n vomeffliches ; b0$ Pnb£n be< SICifen Monarchen ist fort- be« fi^;nAU™eLbA ®etü(^te waren in den letzten Tagen über das Befinden $10*6 Mi011 6”11 * a n b verbreitet worden. Der 71jährige ernstlich erkrankt sein, welchem Gerüchte jetzt aber osficiöse Mel- versprechen; nur wird er wegen seines Nie- "'mm wieder eine Badekur in Wildungen gebrauchen
-rbeit"ed*!«°"b Emet man jetzt der Frage Der Kinder- und Fabrik- Unter!* " ; 3.r e[' Aufmerksamkeit. Die von der Deputirtenkammer zur «eldier eh-P8» lnh8e,^ e^mmlifton 6ot einen provisorischen Bericht erstattet, ^-formen eufM ,e ä8nr k“" “1* "ichfigen Gebiete einzuführenden der Fabriken befürwortet die Commission Untersuchung
Dettoerunn8 Sachverständige, Vorlegung eines Unfall-
blc .^rbeller. Ernennung von Fabrik-Jnspeetoren rc.
'luerdü.^ erreich ische Unterrichts-Minister, v. Gautsch, paßt ^l'-ßano Ezechen^ etwas schärfer auf die Finger. So ist von ihm die Herbet mnf?roßte* czech'schen Mittelschulen angeordnet worden und wenngleich eoefen Rnb Vm'8m & ‘Ä DieIme(|r praktische Gründe maßgebend ge-
kielen bas snn,t bl roe,lc6e ^utjutage die Czechen in Oesterreich
Me nüSt iulr0efien bes JUlmißeiS immerhin bemerkenSwerth. Die czechische ^ ofS^enn über den „Ukas" des Herrn v. Gautsch und kündigt ’ Czechenkreil^.^' ber Minister dürste indessen fester stehen, als man sich es Mer „ßlos" r,fc,l^ul?cn m°8' U-brig-ns hat sich ein czechisch-klerikales Blatt, itnem ton Ä ^„recht nettes Stück geleistet, indem es Deutschland in lliigarns nannte "^llten Artikel den allergrößten Feind Oesterreich-
'"g-sichis des Tage, bon Gaste?n?b^^ ° ° W Öfienel4i^eS 58(011 e-wnbal'ofa’'mipl in be" letzten Wochen durch verschiedene politische
”■ roic b,e noch unerledigten Duellaffairen Ferry-Boulanger-Laur-
?°^ooo und Laur-Delafoffe IN Anspruch genommen. Außerdem machte und T blLm h!1. französischen Regierung angeordnete Schließung der der deutschen Firma Weisbach gehörenden Pappenfabrik in Embermevil,^ De- partement Meurthe et Moselle, von sich reden. Die Maßregel erfolgte ganz plötzlich und anscheinend ohne nähere Begründung und eine solche wäre auch rt9eroe,en' denn die Gebrüder Weisbach, die Inhaber der Firmm hielten sich streng von allen politischen Dingen fern; man hat es demnach mit ®^tcone, 3“ thun. Selbstverständlich erwächst den Gebrüdern ou® b“ P1?»’ Schließung ihrer Fabrik ein großer Schaden, man hofft daher, daß sich bas Berliner auswärtige Amt der Sache annehmen uns den Inhabern der fraglichen Fabrik durch die deutsche Botschaft in Paris eine Entschädigung erwirken werde. Charakteristisch bleibt aber der Vorgang für die wachsende Erbitterung in Frankreich gegen die Deutschen, die zu solchen offenbaren Ungerechtigkeiten verleitet.
, ?(°"°('bnifche Nation stand in dieser Woche noch vollständig unter dem Eindrücke der Trauernachricht von dem Hinscheiden des Ministerpräsidenten Depretis. Das am Donnerstag in Stradella, der Vaterstadt des Verstorbenen, vom Staate veranstaltete Leichenbegängniß Depretis' war ge
radezu großartig und die zahlreichen, hierzu aus allen Gegenden des Landes
eingetroffenen Deputationen legten durch ihr Erscheinen Zeugnlß von der all- gemelnen Landestrauer ab. Auf König Humbert selbst hat das Ableben feines Ministerpräsidenten einen tiefen Eindruck gemacht und hat er einstweilen um bas Andenken Depretis' zu ehren, jede weitere Entschließung über Staats- angelegenheiten verschoben. — Die „Riforma" bementirt bie Nachricht es
wurden D.svosltionen getroffen, um für September Verstärkungen für bas italienische ExpebitionSeorpS nach Maffauah zu entfenben.
Die englische Volksvertretung hat nunmehr ihr irisches Arbeits- programm erlchöpft. In ber Mittwochssitzung nahm das Unterhaus sämmt- u.che noch restirenbe Artikel ber irischen Landbill an, nachdem bie Regierung Die Artikel, durcy welche die irischen Gutsbesitzer ermächtigt werden, die mit der Zahlung der Pachtgelder rückständigen Pächter zur Jnsolvenzerkläruna zu zwingen, fallen gelasien hatte; es ist dies offenbar ein Zugeständniß an die Unionisten. In derselben Sitzung lehnte auch das Unterhaus die von der Regierung selber verworfene Bill, betr. die weiteren Versuche zwecks Baues eines Tunnels unter dem Canal, ab.
e 1887.
Gießener Anzeiger
und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


