— Die DeputirLenkammer nahm das Zuckersteuergesetz mit 378 gegen 177 Stimmen an und begann die Generaloiskussion des Militär-Gesetzentwurfs. Der Deputirte Martimprey bezeichnete die Vorlage als zu eilig vorbereitet und behauptete besonders, daß sie in einem schlecht gewählten Zeitpunkte eingebracht sei, da man keine Sicherheit dafür habe, daß eine lange Periode Der Ruhe kommen werde, um da» wieder auszubauen, was man einreißen wolle. Die Berathung soll am nächsten Montag fortgesetzt werden.
Das Gerücht, daß die Regierung beabsichtige, die Deputirtenkammer demnächst zu vertagen, wird für unbegründet erklärt.
Paris, 4. Juni. Der bekannte Bildhauer Carrier-Belleufe ist gestern gestorben.
— Der Polizei-Präfekt hat verschiedenen Theatern, besonders den Bouffes parisiennes und dem Palais Royal, aufgegeben, den Zuschauerraum zwecks größerer Sicherheit umzubauen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz- Bureau.
Berlin, 5. Juni. Se. Majestät der Kaiser hat die für heute beabsichtigte Reise nach Liegnitz zu der Jubiläumsfeier des König-Grenadier-Regtments aufgegeben da die Aerzte demselben wegen der Anstrengungen der letzten Tage Schonung anempfohlen haben.
— Seine Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Prinzen Wilhelm, hierauf den General von Steinäcker, welcher nach Liegnitz reist. Nachmittags wird der Kaiser den General von Albedyll empfangen und speist um 5 Uhr mit der Großherzogin von Baden.
— Wie die „Poft" vernimmt, dürfte der Kaiser diesen Sommer seine Kur und Badereise am 18. d. M. antreten und sich wie alljährlich zunächst nach Ems begeben Später folge dann wieder der gewöhnliche Aufenthalt in Gastein.
Saarhrücken, 5. Juni. In Folge anhaltenden Regens ist die Saar über die Ufer getreten. Mehrere Brücken, Baveanstalten zc. sind vom Hochwasser weggerissen auch sind die Ernten an vielen Stellen des Thales vernichtet. Das Wasser steigt gegenwärtig noch und das Wetter ist noch immer regendrohend.
Rom, 5. Juni. Anläßlich des Nationalfestes ist die Stadt beflaggt Nach einer Parade über die Garnison, bei welcher der König, die Königin und der Kronprinz mit großer Begeisterung von der Volksmenge begrüßt wurde, fand auf dem Bahnhofsplatze die Enthüllung des Denkmals für die bei Saati-Doaali aeiallenen Soldaten statt. Der Bürgermeister hielt dabet eine Ansprache. Neben dem Denkmal standen die in den genannten Kämpfen Verwundeten. Der König unterhielt sich darauf mit dem Capitan Mtchelini, dem einzigen am Leben gebliebenen Officier der am Kampfe bethefltgten Truppen, und mit anderen Verwundeten. Dieselben werden morgen vom Konrge im Garten des Quirinals empfangen werden. b
Halifax, 5. Juni. Der Dampfer „Easpina" der Allan-Linie ist, als er sich von Baltimor aus im Nebel Halifax näherte, dreimal aufgestoßen, wie man glaubt auf em gesunkenes Wrack. Der Kiel ist beschädigt, der Vorderkasten mit Wasser gefüllt Ein Theil der Ladung wird hier gelöscht. Die erforderlichen Reparaturen werden den „Easpina einige Tage hier zuruckhalten.
Die 27. allgemeine deutsche Lehrerversammlung,
welche vom 30. Mai bis 2. Juni in Gotha tagte, war nicht so zahlreich besucht, als man nach früheren Versammlungen hätte erwarten dürfen. Daß sich nur gegen 1600 Theilnehmer emgefunden Ratten, mag nicht zum wenigsten darin begründet sein, daß die preußische Regierung ihren Lehrern einen Urlaub zum Besuche dieser Versammlungen darum nicht ertheil , weil rn denselben früher wiederholt freisinnige Anschauungen auf dem Gebiete des Schulwesens zum Ausdrucke kamen, vor deren angeblich schädlicher Einwirkung man die Lehrer deshalb in fürsorglicher Weise zu schützen sucht
^m Empfang und zur Beherbergung der diesmaligen Versammlung hatte sich Sotha m festlichen Flaggenschmuck gekleidet; in der Bahnhofstraße begrüßte eine geschmackvolle Ehrenpfor e mit sinnigen ,Inschriften die Festgäste und eine zweite öffnete ^uen den Weg zum Festplatze am Schutzenberg. Dieser war mit Tannengrün in ein kleines Wä dchen umgezaubert aus dessen Wipfeln die geschmückten Giebel zweier großen Erfrischungshallen und emes Musikpavillons emporragten. Auch in den S“S NL'LL SÄ'* “ w”
, Nachdem in der Vorversammlung, welche Abends 8 Uhr ihren Anfang nahm eb etreu aus Gotha die Festtheilnehmer im Namen des dortigen
Schulvorstandes und der Bürgerschaft herzlich bewillkommnet hatte, begrüßte Herr Oberlehrer M o r l e aus Gera, Geschäftsführer der deutschen Lehrerversammlung, dieselbe ctncr ^eude darüber Ausdruck, daß es der Versammlung vergönnt sei, in Gotha tagen zu können, allwo die bedeutendsten Männer auf dem Gebiete des Schul- hi» Jirt” $n d" darauf folgenden Berathung wurden nach längerer Ver- die Bortrage von Seminar-Oberlehrer Halben in Hamburg Ueber die einh^tliche Grundlage und Organisation des deutschen Volksschulwesens"' und von w’ f »ie Blankenburg „Warum und in welcher Weise hat unsere Volksschule die Bestrebungen des deutschen Sprachvereins zu fördern /" auf die 2aae§orbnunaber CrflCn^TtDCr&mimIyn0 ^setzt und in das Präsidium gewählt die Herren Halben aus Hamburg, Voigt aus Gotha und Mörle aus Gera ? falben
, , , dem Festplatze, wo Musikvorträge der Gothaer Kapellen und ^erpi™ Auzlehungspunkte bildeten, herrschte in den ersten Abendstunden rea?s aünstia 1Cb°$ bie empfindliche Abendkühle längerem Aufenthalt im Freien nicht
Nachdem in der ersten Hauptversammlung Herr Oberlehrer Mörle dieselüe rau'ff’ta' AE^ H^bcu das Präsidium übernommen hatte, wurde dieselbe von foerrn Staatsrath Gebhard ,m Namen Sr. Hoheit des Herzogs von Cobura und von 6egrü6t.O6CrbUr0Crme ft<r $’unersborf mit warmen Worten bewillkommnet und
Hierauf ergreift Herr Halben aus Hamburg das Wort m dem ersten
»eldöer in außerordentlich fesselnder Weise ausgeführt, darin gipfelt daß die Sierbel- Urung einer einheitlichen Gesetzgebung über Beginn, Umfang undDauer der S», ' pfllchtigkelt im ganzen Deutschen Reiche wünschenswerth sei und haft jur (Srfiilhinn dnet sich über 8 Jahre erstreckenden Schulpflichttgkeit di in mindestens 7 & gelben- Volksschule als Musteranstalt betrach d werden Ae
lung, °?f d-«n W-rknun?1^ bot di- zweite Hauptversamm-
treten sollte, weshalb besonders jetzt de? g"cignM?sie vunk?^^ ,»r Kirche zurück- zwischen Schule und Kirche zu suchen, (fr ednn?rt et„nc ^brstandtgung
Diefterweg, beleuchtet in geistvoller Weise die tfriiphimnaK6 Frobel und
empfiehlt den Philosophen Froschbammer angel^gentttchs/der"^ Geisteshelden, daß es in der idealen Wahrheit keinerlei conS und behauptet,
te'ÄÄtÄä
wdl n ,in< 6«nnenbe''3dlka*ÄnÄ'muÄrodd^«e^b^S^oÄu*6Ät ® bS großen Stils hervorrief, war derjenige des Herrn Kabl aus Debatte
zunächst daraus hin, daß di- Früher öffLtlichen AulprüfunL"n°chdn?
h?f*Se haLntO6^m1”i,«Er6oIt L-hr-rversammlung-n und Behörden sich mit derselben beschafligl hallen. Er sei Gegner der östentlichen Schulvrüsunaen i r
diese Institution eine altehrwürdige Einrichtung fei sei uir ^efcheit nirüt
W SUr T* p'-EbrÄ des' Mn
Nüssig? 1k & auTntt StaÄe ÄÄ ÄJ’W*“” b-urthcil-n. Eine öffentliche Prüfung sei nur -in- verschämte Rennbahn für Pa?ad^ p^-und -ntwurd-gend ur den L-hr-rftand. Auch für das Verhällniß von Schu - und Haus fei die öffentliche Prüfung ganz ohne Bedeutung, da nur sehr weniä. Eltern daran theilnehmen und die Erschienenen aus Neugierde und Eitelkeit sich ein- S-buler ha ° diese Institution kdmn W-rth, -bms°w-nig s-i die Ansicht, daß die offen, ichen Prüfungen Feste für di-Schüler seien berechtigt Die Prüfung sei namentlich bei Mädchen mehr Kleiderparade als eine ernste R-chenichasts- z°um°Lrilln^ fUr bm VE6rCr i£ien bi-s-'b-n °hn° Bedeutung? st5ver°,7aß!^^ur . . ,-2" .!°"Serer Ausführung begründet Redner dann die thatsächlich- Schädlichkeit
der öffentlichen Prüfungen und behauptet, daß dieselben die Oberflächttchkett des Schu0 Unterrichts begunstig-n, Schul-, Lehrer und Schüler gänzlich alscher Beudb7-?un- S-itens des Publikums aussetzen und sittlich schädigend aus Lehrer und S ,r ,i„8 «rnfei, »rtjalb deren Abschaffung dringmd äu fordern et Durch Zahlreich? humoristische und drastische Belege sucht er seine Behauptung, daß die öff-n lÄn Prüfungen in Dielen Schulen nichts weiter seien, als demoralisirende Spiegelsechterden und tauschende Kunststücke zu unterstützen. ^piegeisecytereien
w-r Vortrag, wiederholt von stürmischem Applaus unterbrochen fand aroüen Zchuldir?-°tor-m " bCr £e[,rit' roEni8er S-i'°ns der °nw°s-nd-7"Schulrät^°und
~ Besonders nahmen in der darauf folgenden langen Debatte einige Directoren aus Sachsen, allwo die öffentlichen Prüfungen gesetzlich vorgeschrieben sind Veran- lassung, dem Referenten entgegenzutreten und die Beibehaltung der öffentlichen Ddttun» zu befürworten Herr Oberschulrath Berthelt aus Dresden war sogar dfr Anückt daß die angeführten Beispiele als eine Blamage des Lehrerstandes beim PubMstm gelten wurden. Wiederholt tritt Referent den Ausführungen seiner Gegner entaeaen und ersucht die Versamnilung, unterstützt von Mörle in Gera, Schubert in AuaL bürg u. a., um Annahme seiner Thesen, wodurch die Lehrerschaft sich selbst, der Sckule und der ganzen Pädagogik einen großen Dienst erweisen werde. Bei der nun folgenden Abstimmung werden zwei Anträge, welche die Thesen des Referenten ab- schmachen sollen, mit großer Majorität abgelehnt, die Versammlung erklärte sich mit Majorität unter Annahme der Thesen mit den Ausführungen bekenn Kahl vollkommen einverstanden. v uu
■Äy'Äjaii ässytsäs JSSSLSÄS** "" “,d“ ««-im»-,,.»Mi.»,»»»«,!
. Am Nachmittag führt- ein Extrazug die Festtheilnehmer nach Friedrichroda im -Muringerwald, von wo ein Thetl sich zu vertchiedencn weiteren Fußpartien an- lOTÜtffetoetCntl bCr anbErE am ,patcn Ab-nd ebenfalls mittelst Extrazügs nach Goth, Ansammlung verbundene Lehrmittelausstellung war beispiellos 7'Äeh rmd hoch interessant und nur die Zeit für deren Besichtigung zu kurz ? Den Festth-ilnehm-rn war der Besuch des Herzoglichen Schlosses, des Museums, der Lcichen Fdt-7"unmtgeMich^gestattet?^^ S-h-nswürdigk-it-n Gothas während der Dauer des
Ieier ;ur Eröffnung des Mainzer Zoll- und Binnenhafen^^
,, So ist denn der Tag herangekommen, zu dem sich^as^b'enssrobe^hdkre Main, schon seit Wochen rüstet, ein Werk mit entsprechender^^F-i-r^^zu ^^krönen ^dessen Voll' Endung man als eine'Wendung in der merkantilen Entwickelung des ehedem goldenen betrachtet. Durch eine Kette von Verhältnissen und politischen Zwischenfällen allmalig auf einen Standpunkt angekommen» von dem man sich selbst sagen mußte' bis hierher und nicht weiter! trat gebieterisch die Pflicht heran, Alles aufzubieten um ändern ifmi auÄ bk ^ütfßanß ^/ines Handels und Wandels zu schützen,
9- Ebenen, welche em neues Blühen und Gedeihen ermöglichten. Dieser Pflicht eingedenk, hat man denn die von uns jüngst näher skinirten Unternehmungen begonnen, deren Vollendung wir heute als einen wichtigen und bedeutungsvollen Abschnitt in der Geschichte der Stadt Mainz feiern. Einsichtsvolle jeu-n^W-rken bzu? V-^aun-^-»^E^Ethig ihre Zeit, ihr Wissen und Können jenen -userten zur Verfügung gestellt und ihre geistige Kraft für das Gelinaen des Unternehmens eingesetzt, von welchem man nunmehr erhoffen darf, daß eine erfolg- und segensreiche Epoche für Mainz daraus erstehen kann ' 8
ÄÄÄ 1833' w°hl kein zweites von
r., ^er tzeuttge Tag gilt nur der Vorfeier, die im weihevollen Concert der trefflichen Mainzer Gesangvereine Liedertafel, Damengesangverein, Liederkranz und Mainier Mannergesangverein, sowie unserer beftgeschulten städtischen Kavell/unts.r- Mfunnnnn inilBr^Lr6efÄ Dirigenten Friedrich Luxund Tmil ein7ach ÄS
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■<5trom8unbC\noCrif^^Cnn*^,r0"»AU-ritt fit6s naturgemäß das Hauptleben nach drm r . om, uno fo ist es auch der Rhein, wo es uns zuerst hinzieht. Bietet Mairn mit
unb 1cincn zahlreichen Thürmen schon zu ben gewöhnlichen Zeiten von ber etromjeite her mit bas schönste Stäbtebilb an bem ganten e bas herrliche Panorama noch in einem weit reizenderen Bild. nn°rf! a .unmittelbar an der Weisenauer Gemarkungsgrenze, bis herunter
Mombach ziehen sich auf einer Länge von
/2 Kilometer durch die herrliche mit zwei Reihen saftig grüner Bäume aarnirte ^6ein: ^Sen0 b^beutS Länd^b^ "^^ngene venetianische Masten mU Wimpeln und KrSSSf? ^""ber hin und verleihen so der Landschaft ein heiteres, buntes
Eolorit. Dazwischen ragen, sammtlich reichlich beflaggt, die Stadthalle" sowie die di-?u den tetzt°n JL1n"unLbar-t u'ers aus ver Erde gewachsen sind und worunter in erster Linie das scklotz-
Äuacnblick^den" Rück-n^I'd" 2)Elra^t kommt. Kehrt man der Stadt einen
Augenblick den Rucken und wendet sich nach der Rheinieitc, fo wird das Auae oun einem noch farbenprächtigeren Bild überrascht- Unzählige Fahrzeuge von den moftlm dnmartiaen -i'laa^evlckl 6 r§ fIcinften Kähnen und Lustbootcu beleben mit ihrem
eigenartigen Flaggenfchrnuck malerisch das Stromgebiet vor Mtainz.
die (Srn^nrtinfHt bie wehenden Fahnen der Brückenthürme vollenden
die Großartigkeit des Bildes. In der Stadt selbst ist allenthalben reich geflaggt und alle"dem"Nb?in^^snungsfreudlgier, gehobener Stimmung wogen in den Straßen die Bürger, zunächst der „Stadthalle" zu, wo die Auffahrt langer Reihen ineiJLnr her ?r^enJ^oc.aI: und Jnstrumental-Concertes erinnert, mit
welchem der Reigen der officiellen Festlichkeiten eröffnet wird.
x)ic große Halle war mit ihren weiten Seitengallerieen gedrängt besetzt: außer ^mh^iünPAPn0 tCU(vax ^lr ®Ijte bes hiesigen Publikums, sowie eine große Anzahl Ein zahlreicher Damenflor hatte sich eingefunden, deren geschmack- abf)oben tCn von &en ^warzen Fräcken und dunkeln Uniformen farbenprächtig
welchem ca. 200 Sänger und Sängerinnen, sowie das städtische reizvollen Anblick^Kunden hatten, erhob sich terrassenförmig und bot gleichfalls einen , ?belhoven's wunderbar mächtige Leonore-Ouverture leitete das Eoncert ein und brachte das Auditorium sofort in die richtige weihevolle Stimmung. — Diese, sowie die zweite Orchesterpidce, „Vorspiel zu Lohengrin", wurde von der städtischen Kapelle


