Schweden.
Stockholm, 5. Mai. Die Thronrede, mit welcher der König heute den Reichstag eröffnete, hebt hervor, die Zollfrage, deren Behandlung von Seiten des vorigen Reichstages die Auflösung der Zweiten Kammer veranlaßte, sei von so großer Bedeutung für den Handel und die Landwirthschast, daß eine Aenderung des bisherigen Zollsystems nicht eintreten dürfe, ohne daß der Reichstag der allgemeinen Meinung des Landes darüber, ob eine Aenderung des Zollsystems gewünscht werde, bestimmten und zuverlässigen Ausdruck gebe. Ange- kündigt wird die Vorlage eines Handelsvertrags mit Spanien.
ßngtand.
London, 5. Mai. Im Oberhaufe erklärte Croß, den Gerüchten über Afghanistan fei immer zu mißtrauen, wenn sie nicht auf authentischer Basis beruhen, lieber Unruhen am Khyderpaffe fei die Regierung ohne Nachricht, eine daraus bezügliche Anfrage bei Dufferin sei noch nicht beantwortet. Die Bill, betreffend den Eisenbahn- und Kanalverkehr, wurde in dritter Lesung angenommen.
— Das Unterhaus verwarf mit 297 gegen 218 Stimmen den Antrag Lewis', betreffend die Verletzung der Privilegien des Parlaments durch den bekannten „Times"-Artikel, und trat alsdann in die Berathung des Unter- Antrages der Regierung ein, der „Times"-Artikel involvire keine Verletzung der Parlaments-Privilegien. Die Regierung ist bereit, eine Verläumdungs- Anklage gegen die „Times" vor Gericht zu bringen. Gladstone stellte seinen gestern angekündigten Antrag auf Ernennung eines Comitös des Hauses zur Untersuchung der „Times"- Anklage, welche Dillon als Lügner bezeichnete.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondeirz-Bureau.
Berlin, 5. Mai. Der Reichstag genehmigte den Nachtragsetat, soweit derselbe die fortdauernden Ausgaben der Heeresverwaltung betrifft.
Dem Reichstage ging heute die Branntweinsteueroorlage zu. Dieselbe bestimmt außer den bereits bekannten Angaben über eine Verbrauchsabgabe von 50 Ä resp. 70 H von der Gesammtjahresmenge des Branntweins, welche auf Grund von 4% Liter pro Kopf berechnet wird, im Wesentlichen: Vom 1. October 1887 werden 150 JL Zoll für 100 Kilogramm des aus dem Zollauslande eingehenden Branntweins erhoben; ferner werden vom 1. April 1888 ab von dem im Verkehr befindlichen Branntwein pro Liter Alkohol 60 H als Verbrauchsabgabe in Form einer Nachsteuer erhoben.
Ein dem Reichstage zugegangenes Schreiben des Reichskanzlers sucht um die Zustimmung des Reichstags zur strafrechtlichen Verfolgung des reichsländischen Abgeordneten Grad auf den Antrag der Colmarer Staatsanwaltschaft nach.
Paris, 5. Mai. Vor dem Edentbeater erschienen gestern Abend wiederum einige wenig zahlreiche Gruppen, welche schrieen und pfiffen. Die Polizei zerstreute die Menge sofort ohne Schwierigkeit.
. — Der Direktor Edentheatcrs hat mit Rücksicht auf die Vorkommnisse bei
-en ersten Aufführungen des „Lohengrin" eine Wiederholung der Vorstellung bis auf Weiteres verschoben.
. Die Journale veröffentlichen einen Brief von Lamoureux, worin er erklärt, definitiv von wetteren Aufführungen des „Lohengrin" abzustehen. In dem Briefe heißt es: „Es ist nicht meine Sache, die Kundgebungen zu qualificiren, die vorgekommen sind trotz der Aufnahme, welche Presse und Publikum dem Werk bereiteten, das ich auf meine Gefahr aus Interesse zur Kunst auf die französische Bühne brachte. Aus Gründen höherer Art stehe ich jetzt von weiteren Aufführungen in dem Bewußtsein ab, daß ich einzig und allem als Künstler gehandelt und mit der sicheren Ueberzeugung, daß ich den Beifall aller ehrenwerthen Männer finden werde.
, . PtrpHnart, 5. Mai. Der Dampfer der transatlantischen Gesellschaft „Ajaccio", der den Postdienst zwischen Cette und Algier versieht, rannte heute früh um 2 Uhr auf d-r hohe von Barcelona den Dampfer „Aste" der Gesellschaft Fraisfinct-Marseille an. „Aste sank sofort. „Ajaccio nahm die Schiffsmannschaft und einen Theil der Passagiere auf und brachte dieselbe nach Port Vendres. Die Zahl der Verunglückten ist noch unbekannt.
Newqork, 5Mai. Seit dem 3 d. M. finden in den südwestlichen Staaten der Union heftige Erdstoße statt, welche sich bis zur Pactfic-Küste ausdehnen. Von dem Berge Catalina in Arizona lösten sich große Thctle ab unb es bildeten sich große Staubwotken. Aus einem Berge, 20 Meilen oon Benson (Arizona) bildete sich ein gratet-. Auch im Jose-Gebirge (Mexiko) soll ein vulkanischer Ausbruch erfolgt sein. Menschen stnd nicht umgekommen. 01
Lokale-»
, , P 6‘ ^-/Verein hessischer Lehrerinnen zur Gründung eines eigenen
Auf die am Mittwoch den 11. Mai, Nachmittags 3Vr Uhr, im oberen Saale des Rathhauses zu Darmstadt stattfindende Generalversammlung machen wir hierdurch nut dem Hinweis auf die Wichtigkeit der Ergänzungswahlen aufmerksam
Entwurf des Voranschlags der Stadt Gießen für das Etatjahr 1887/88 ist uns soeben zugegangen. Wir entnehmen aus demselben die für unsere Leser am m eressantesten Daten: Der Voranschlag balancirt in Einnahme und ^6abe mit 1024 904.98 A Die Einnahmen setzen sich aus ordentlichen, außerordentlichen und Umlagen.zusammen. Aus den ordentlichen ersehen wir, daß die Stadt ^lin0enr C(L 68 528.20 erzielen kann, die städtischen Jagden ergeben ^340 ^, die Einnahme an Miethe oon Markt- und öffentlichen Plätzen ist mit 3600 JL DCrÄQß '?a§ £ctro* «^-00000 jl gegen 91 200JL im
an Schulgeld rc. ist mit 93 470.30 vorgesehen, an Hundesteuer sind 2610 vor- «esehen; dieser Zufolge befinden sich über 500 Hunde in der Stadt. Von dem städt Gaswerk werd^ Io000 Einnahme erwartet, was uns viel zu niedrig geg ffen
das Wasserwerk ist mit 40M in Einnahme gestellt. Unter den äußert ordentlichen Einnahmen ftgurirt em Kapital von 154 755 welches neu aufaenommen werden soll. An Umlagen sollen 275126 Jh. erhoben werden gegen 295 841 22 Jl. im 2ÖÄ ®ir ^^'Ufolge eine Erniedrigung der Gommunalfteuer« um cim MUKiqi Ju„crnla.rten- Die ordentlichen Einnahmen sind insgesammt vorgesehen mtt /^embentndKti mit 197 146.66 X und die Uml.gen m 296 707.01 ergibt ro.e oben bemerkt 1024 904.98 X Unter den ordentlicken Ausgaben stnden wtr u A. nachstehende Posten aufgeführt: Es sind zür Versin una der Kapttalschuld vorgesehen 122 481.54 gegen 94 716.09^1 im Vorjahre d,e Unter
Ä‘? «-rden mit 24 680.97 X in Ausgabe gesetzt, die'Kosten für PT enjtnb mi "050.03 x gegen 96 622.04 x im Vorjahre vor- aeaen 9o“82®7raJinimU«ari'nf1r19 5°o für.®nff«leitun8«1 und Brunnen 95 822.37 x 24°479 03 Ji 'aeae^ 35 00?ös Unterstützung Hulfsbedürftiger finden wir
°nschlag7zu M 717°°72^ die außc^rdenUichen mtt 157187^8 ^=‘1 WoM 98°^ nerfcafteTÄV»
— Ein junger Mensch von hier, welcher bereits 7 WnuM?
Betrug hinter sich hat, wurde gestern Abend wiederum wegen desstlben Ve^attten? sowie Urkundenfälschung in 38 Fallen in Haft genommen H 10 vergehens,
Be » « Lfchtes
Dar m ft a d t, 3. Mai. sPostpersonalnachrichten.j Versetzt ist der Postsecretär. Keller von Darmstadt nach Frankfurt (Main). Gestorben ist der Postsecretär Franz Neuschafer in Darmstadt. u 8
_ ~ Die „Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung" hat die Ausgabe, die
Sr1.! V? i cr im deutschen Volk ruhenden sittlichen, geistigen und culmrellen Anlagen behufs Erringung einer gesegneten Zukunft desselben nach Maßgabe ihrer Kräfte vor- bereite» und fordern zu helfen. Das Statut besagt deshalb in seinem $ 1:
Die Gesellschaft verfolgt den Zweck: „Der Bevölkerung, welcher durch die Elementarschulen im Kindesalter nur die Grundlagen der Bildung zugänglich gemacht werden, dauernd Bildungsstoff und Bildungsmittel zuzuführen, um l n,r<?&crcm Grade Zu befähigen, ihre Aufgabe im Staate, in Gemeinde und Gesellschaft zu verstehen uno zu erfüllen."
Im Jahre 1871, kurz nach dem Schluß des Krieges, von hervorragenden Mannern, wie: Schulze-Delitzsch, Bennigsen, Miquel, Friedrich Kapp, Fritz Kalle u.' A' in-i_0eörunbet, erhielt sie im Jahre 1876 von Sr. Majestät dem Kaiser die Rechte ?erf°n und besteht gegenwärtig aus etwa 200000 Seelen, getheilt in Vereine und über 3000 persönliche (zahlende) Mitglieder. Die Gesellschaft erstreckt sich über das ganze Deutsche Reich und umfaßt gegenwärtig die 11 Unter-Verbände von Rheinland-Westfalen, Nordwest, Regierungs-Bezirk Magdeburg nebst Braunschweig und Anhalt, Mark-Lausitz, Königreich Sachsen, Schlesien, Neumark-Posen, Pommern, Preußen, Mitteldeutschland und Mittelrhein. Der „Nordböhmische Verband der Bildungsvereine" ist mit der Gesellschaft durch Kartellvertrag verbunden und die Ver- bande: Königreich Württemberg und Elsaß-Lothringen sind in der Bildung begriffen. Außer diesen Verbanden zählt die Gesellschaft gegenwärtig 14 „Zweigvereine", welche eine Art engerer Gauverbände, theils innerhalb und 1 theils außerhalb der größeren Unterverbande, darstellen. Gegenwärtig sind es: Ribnitz in Mecklenburg, Crefeld am .Kbcin, Bremen, Osnabrück, Charlottenburg, Görlitz, Zittau, Butzbach und Friedberg V .^berhessen, Wiesbaden, Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Darmstadt und Heidelberg.
Die Gesellschaft hat weder eine politische noch kirchliche Stellung; es sind Manner aller Parteien und Glaubensbekenntnisse in ihr vereinigt. Auf nationalem filulchff'eligiosem Boden stehend, sucht sie die gesunden Triebe des Volkes zu kräftigen, die krankhaften zu bekämpfen, das Gute zu fordern, Opferwilligkeit und Hatkraft zu erwecken, der Pflege des Idealen die praktische Befähigung zu gesellen, den Gemeinsinn zu entwickeln, die Leistungsfähigkeit zu heben und die Liebe zur Selbst- tung uni) zum Pflichtgefühl auszubreiten. So faßt sie ihre Aufgabe von der historischen E>eite auf. Sie beschränkt sich nicht darauf, Wissensstoff allein dem Volke oarzureichen. Sie wünscht dasselbe zu einem menschenwürdigen Streben zu erziehen, ihm statt genüßlicher sittliche Bedürfnisse anzugewöhnen. Sie will ihm, durch Schaffung gemeinnütziger Einrichtungen, die Mittel zur besseren Förderung seines Wohles ge- wahren und es zur Anerkennung der Bedingungen seines culturellen Daseins heran- büden Helsen.
.,. c an , "Macht die Köpfe hell und die Herzen warm",
e v” Wahlspruch, den man als den ihrigen bezeichnen könnte. Von jeher wirkte sie auf die Veredelung der Volksseele und bekämpfte die zerstörenden Einflüsse mit Ausdauer und Erfolg.
QT . Programm getreu hat die Gesellschaft ihr Augenmerk auf dreierlei
Arten der Volksbildung gerichtet.
, Vor A?em bietet sie dem Volke gute Vorträge, befördert die Begründung von Off^tlichen Bibliotheken und Fortbildungsschulen und giebt das nahe an 200 Namen (ü n^c der deutschen Rednerschaft" (jährlich einmal), sowie die Zeit-
riVpt."Pcr § c*Ws'Verein" (monatlich einmal ein Doppelbogen), auch gelegentlich Volksbücher, Broschüren u. s. w. heraus. Die mit der Gesellschaft verbundene „Abegg- stiftung" erleichtert den Mitgliedern die Anschaffung guter Bücher.
.. . ffbrner wirkt die Gesellschaft auf jedem ihr offenstehenden Wege für die Be- grunduug von Pfennigsparkassen, Arbeitercolonien, Verpflegungsstationen, Arbeiter- ^usern, Kinderheimen Feriencolonien, Kinderheilstätten,' Volksbädern, Koch- und Wirthschaftsschulen, Volkskaffeeschänken, Körperpflegevereinen u. s. w. u. s. w., erworben au^ diesen Gebieten schon wesentliche Verdienste um die Volkswohlfahrt - Endlich tragt sie nach Kräften zur Hebung der wirthschaftlichen Fähigkeiten des b ®l.e, sorgt für fachliche Fortbildung, Ausbildung beider Geschlechter in ^nchffihpung, Zeichnen, Wirthschaftstechnik u. f. w. und sie wirkt auf das Verftändniß dev Volkes für das wirthschastliche Gedeihen der arbeitenden Stände ein.
,.,t D>ie Gesellschaft hat sich somit die Kräftigung des Mittelstandes und die Fort- bildung der arbeitenden Klassen in Stadt und Land zum Ziele genommen und führt dres durch die freie und ungebundene Thätigkeit ihrer Diitglieder aus. Die zu ihr gehörenden Vereine arbeiten vollkommen selbstständig, desgleichen die Zweigvereine und die Verbände; sie verwenden ihre Gelder nach eigenem Gutdünken, verwalten sich nach eigenem Ermessen, wählen selbstständig ihre Beamten und es steht ihnen eine lebendige ™ Arbeiten der Centralstelle zu. Die letztere hat ihren Sitz in Berlin (W. ^teglitzerstraße 40); sie besitzt ein durch Schenkungen zusammengebrachtes vermögen und bezieht von den Verbänden eine billige Entschädigung für die denselben Unterftutzung. Der Mitgliedsbeitrag wird nach Selbsteinschätzung geleistet und betragt für Vereine wie persönliche Mitglieder gleichermaßen jährlich mindestens . Die Gesellschaft unterhalt aus ihre Kosten reifende Redner, deren Vorträge den feinen für ein Geringes (mindestens 15 J4) zur Verfügung stehen. Außerdem wird das „Adreßbuch der deutschen Rednerschaft" jährlich einmal im Sommer, unb bte Zeitschrift „Der Bilbungs-Verein" monatlich einmal kosten- unb portofrei 0le^ena2öeifeC e ert cr^aIten bie persönlichen Mitglieber in ber
Die Gesellschaft ist somit eine gemeinnützige Einrichtung im besten Sinne des Wortes und darf der Unterstützung aller wohlgesinnten Mitbürger sicher sein.
Dr- Paul Wislicenus, Gencralfecretär.
»irchUche Anzeigender Stadt «ietzen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
, Sonntag Cantate, den 8. Mai.
Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
, Abends 6 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Klnberkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
c ,, Katechismuslehre für die neuconfirmirten Gymnasiasten und Stadt- schul' vormittags 11 Uhr in ber Kleinkinberschule, Pfarrer Dr. Naumann.
«r Katechismuslehre für die neuconfirmirten Realgymnasiaften und Real- schuler Nachmittags 2 Uhr in ber Kirche, Pfarrer Schlosser. '
schule Markus o' n^at^ Bibelstunde in ber Kleinkinber-
Dr Naumann § an, die Heilung eines besessenen Knaben, Pfarrer
n i. <^ar Sonrstag, den 15. Mai, findet die Feier des heiligen Abendmahls Angehörige der hiesigen Garnison, die Beichte wird in $cr= ^be^mahl unmittelbar vor demselben'gehalten werden
Pfarre? vr. j ber äßc*e 0081 8' biä Mai besorgt
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Am Mittwoch
Kathalische Gemeinde.
4. Sonntag nach Ostern.
(Cantate.)
Uhr an Beichte.
E.' ?r^meJfc und Austhellung ber hl. Sommunton.
Uhr. Hochamt und Predigt.
Uhr: Maiandacht.
und Freitag um 6 Uhr Maiandacht.
GMerdienst in der Kynagoge.
SamSlag Ab-nd's'k uhn"^' ®am§taa W<,V6m 8 U6t- Samstag Mittag 4 Uhr.


