hat. Die Rede darf um so mehr als Zeichen betrachtet werben, daß man in den leitenden Pariser Kreisen thatsächlich von friedlichen Bestrebungen erfüllt ist, als ja auch der Ministerpräsident der Republik, Herr Goblet, noch am letzten Tage des alten Jahres das dringende Friedensbedürfniß der franz. Nation verkündigt hat. In die Friedensklänge von der Seine mischen stch solche von der Donau, denn auch der ungarische Ministerpräsident, Herr Tisza, hat beim Neujahrs-Empfang der liberalen Partei in einer Ansprache seine Zuversicht auf die Erhaltung des Friedens geäußert. Bei den officiellen Empfängen anläßlich des Neujahrstages scheinen in den übrigen europäischen Hauptstädten keinerlei politische Anspielungen gefallen zu sein und aus Rom wird sogar eigens gemeldet, daß bei der Gratulations-Cour im Quirtnal jede politische Aeußerung vermieden worden seil
Seitens der Papste« ist Kaiser Wilhelm anläßlich des Jahreswechsels und seines Militär-Jubiläums in einem sehr herzlich abgefaßten Handschreiben beglückwünscht worden. Dem letzteren ist eine Abschrift der Rede beigefügt, mit welcher der Papst die Glückwünsche des Cardinal-Collegiums beantwortete; derartige Abschriften sind auch sämmtlichen päpstlichen Nuntien zugegangen.
Die parlamentarische Weihnachtspause ist nun zu Ende. Am Dienstag nahm das Reichstags-Plenum seine Verhandlungen mit der Fortsetzung der Specialberathung des Etats wieder auf und am Mittwoch folgte die Militär- Commission mit Eröffnung der zweiten Lesung des Septennatsgesetzes. Natürlich concentrirt sich das allgemeine Interesse vorläufig wiederum auf die Beratungen der Militär-Commission, da man aus ihnen zu erfahren hofft, inwieweit die Oppositionsparteien während der Weihnachtspause der Regierungs- Vorlage geneigter geworden sind. Noch vor dem Wiederzusammentritte de» Reichstages waren allerlei Nachrichten über eine Veränderung der Stellung de» Centrums zur Militärfrage im Umlauf und wird man ja nun sehen, inwieweit dieselben begründet find. Von freisinniger Seite wird versichert, daß von der Opposition nicht das Geringste beabsichtigt sei, was die Beschlußfassung verzögern könnte und die endliche Erledigung wenigstens dieser wichtigen Angelegenheit durch den Reichstag ist um so dringender zu wünschen, als der Termin, bis zu welchem spätestens der preußische Landtag verfassungsmäßig zusammentreten muß, immer mehr heranrückt.
Am Montag Mittag lief auf der Werst der .Vulcan" in Stettin das für Rechnung Chinas erbaute Gürtel - Panzerschiff „King Auen" glücklich vom Stapel; der chinesische Gesandte in Berlin, Hsü Ching Cheng, vollzog die Taufe. Hoffentlich wird das stolze Schiff in den fernen Gewässern Ostafiens der deutschen Schiffsbaukunst Ehre machen!
Der böhmische Landtag ist am Dienstag vorläufig ohne die Gegenwart der deutschen Abgeordneten wieder eröffnet worden. Die Deutschen Böhmen» find demnach entschlossen, die Consequenzen, welche für sie der freiwillige Ausschluß ihrer Vertreter von den parlamentarischen Verhandlungen jedenfalls zur Folge haben wird, zu tragen und nach der ganzen Lage der Dinge wird man diesen Entschluß unserer StammeSgenoffen in Böhmen, der freilich eine große Opfer Willigkeit und Selbstverleugnung vsraussetzt, nur billigen können. Im Reichsrathe wird der Exodus der Deutschen aus der Prager Landstube sicherlich zu heftigen Erörterungen führen, doch ob die Deutschliberalen auch im Reichsrathe dem Beispiele der deutschen Minorität des böhmischen Landtages folgen werden, dürfte aus verschiedenen Gründen zu bezweifeln sein. Uebrigens scheint es, daß die Zustände im Lande der Wenzelskrone in Folge der czechischen Ueber- griffe in der That recht nette sind. Die deutsche Minorität des Gemeinderathes der Stadt Pilsen ist ebenfalls ausgetreten, da die czechische Mehrheit die für das czechische Theater bewilligte Erhöhung der Subvention um 600 Gulden dem deutschen Theater verweigerte. Der Herr Bürgermeister selber sprach in leidenschaftlichen Worten gegen die Bewilligung der Subvention auch für das deutsche Theater — der Pilsener Bürgermeister scheint wirklich ein recht passende» Oberhaupt für ein gemischtsprachiges Gemeinwesen zu sein'
Die bulgarische Rundreise-Deputation läßt es sich auf englischem Boden recht wohl sein. Am Montag war sie vom Londoner Oberbürgermeister zum Frühstück in Mansionhouse eingelaven und wird es hierbei an sympathischen Toasten aus die Sache Bulgariens nicht gefehlt haben.
Berlin, 5. Januar. Der Kaiser nahm heute Vormittag den Vortrag Wilmowski'» entgegen und empfing darauf den Militärbevollmächtigten in Wien Grasen Wedel. Die Kaiserin empfing gestern den Corpr-Commandeur General Heyduk.
Berlin, 5. Januar. Der »Reichsanzeiger" veröffentlicht Folgendes:
Gu>. Kaiserliche und Königliche Hoheit haben mir heute in der Eigenschaft als rangältester General-Feldmarschall der Armee, umgeben von einer die einzelnen Theile dersiUben repräsentirenden hohen Generalität, Glückwünsche der Armee zu meinem Mjährigen militärischen Dienstjubiläum ausgesprochen. Ich habe Ew. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und den Sie umgebenden Generalen aus warmem, tief bewegtem Herzen gedankt empfinde aber das Bedürfntß, meinen Dank auch an die ganze
Armee werter gehen zu lassen und an dem heutigen Tage auch an diese einige Worte zu richten.
Die Arm« weiß wie nahe sie meinem Herzen immer gestanden hat: sie wird
verstehen, welche Empfindungen mich heute in dem Gedanken bewegen, ihr nun 80 volle Jahre angehört zu haben. Es ist eine lange, wahrlich wechseloolle, ercignißreichc stcit di-heute an meiner Erinnerung vorbcigeht. Beginnend in ernsten Tagen schwerster Prüfung habe leb wohl auch in ihrem weiteren Verlauf mancher Sorge und manches
Tages, wo mir das Herz schwer war, zu gedenken, aber es sind deren doch nur sebr
wenige gewesen im Vergleich zu den vielen des Glücks und der Freude, die mir in "l-ben vergönn war. Mein Blick kann sich nicht in di- V-rg°ngenh-tt richten, ebn"
mein tief bewegtes Herz von Tank für die Gnade d-s allmächtigen Gottes üb-rström-n
1 i OroStä an mir gethan, die mich so lange erhalten, die mir so viel des Glücks gegeben hat. 1
.. . Und welchen Wechsel hat die Armee in diesen 80 Jahren mit mir erlebt! Sie stand, als ich in dieselbe trat, nach dem schwersten Schlag-, der Preußen jemals aetroff-n, zuruckgedrangt an die äußersten Grenzen d-s Reichs, ab-r der Soldatensinn den imine glorreichen Borfahrcn in sic gepflanzt, blieb ungebrochen und trieb bald neue Keime. Das betätigten, die schönste Erinnerung meiner Jugend, die Befreiungs- k«-g-' d°s erhielt sie sich in der treuen Arbeit einer langen Friedenszeit, und Äe Ruhm-sth-ten der Armee in neuester Zeit bezeugen wahrlich, daß dieser Sinn in voller Kraft sich erhalten hat und weiter gediehen ist. Ich habe viele Veränderungen mit der Armee erlebt, in ihrer Süßeren Form, in ihrer Truppenzahl; ich habe die ®7r «intgung mit d-n deutschen Kontingenten sich vollziehen und di-Marine entstehm untfr ™ine" Augen Generationen durch di-Armee gegangen, aber rnnerlich tm Herzen und im Empfinden der Armee gicbt -s keine Veränderuna Sv» Smn für Ehre und für Pflicht über Alles hoch ,u Latten j-derzest b-r-st u s in, Leben dafür ,u lasten, das ist das Band, welche« alle deutschen Stämme ena um fließt, welches Enkel und Urenkel jetzt ebenso fest wie früher di- Vorjahren vereinigt imb welche, meine Regierung mit Stegen geschmückt hat. deren ich heute als der
gebenfc^mb^en fetElten meine§ militärischen Lebens in hochgchobenster Empfindung ,,,r «AW:«* Un- h°h- Freude für mich, am heutigen Tage in solcher Weise »U iu^en,unb u„6cr diese 80 Jahre sagen zu können, daß wir Un° fest zu einander gehört haben, ich mit meinem ganzen Herzen und Dank nnd mJinpe9rmttFD°after ^uc'r £mScbrUn9 und Pflichterfüllung, für welche mein mpinpm 9rt!.?lncrfen?ru"i? tue lebendigste Empfindung meines Herzens bis zu meinem letzten Athemzuge bleiben wird.
r und Königliche Hoheit wollen diese meine Worte durch die hierfür
berufenen Generale zur Kenntniß der Armee bringen lassen.
Berlin, 1. Januar 1887.
An den General-Feldmarschall, den Kronprinzen des Datschen ^Reiches und Kronprinzen von Preußen, Kaiserliche und Königliche Hoheit.
I?uuar. In der heute in der Commission begonnenen zweiten ^ung der Mtlttarvorlage beantragte v. Huene m Abänderung der Beschlüsse erster Lesung die Erhöhung der Prasenzziffer für 1 Jahr auf 458,400 Mann und erklärte, daß das ^ovlsorischen Bataillone auf 3 Jahre bewilligt haben würde, wenn die 7?1"taroerwaltung ein Entgegenkommen gezeigt hätte. Iticfert beantragte, statt der SS" der ersten Lesung 454,000 zu bewilligen, v. Köller beantragte, die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Darauf wurde dieser Antrag mit 16 gegen 12, « 1 wurden gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. So ist
^.gelehnt. Bei 8 2, der die Kadresformattonen behandelt, erklärt Windthorst, sie ^ndie neuen Kadres nur auf ein Jahr bewilligen, um die Finanzfrage in der Pa,nY .Malten. Die Lasten mußten von den Reicheren getragen werden. Er denke daber nrcht nur an directe Steuern, welche die Sache der Einzelstaaten seien, sondern m?6 * n# £Cr aber °?ders als in der letzten Regierungsvorlage und jedenfalls nicht in Monopolform zu besteuern sei. Richter erklärt, eine Reichs-Ein- kommensteuer sei nach der Verfassung zulässig; auf einem anderen Wege werde man nicht zur Entlastung der ärmeren Dolksklassen kommen. Eonstitutionell sei es gleich, ob man auf em oder drei Jahre bewillige. Jetzt aber zeige sich, daß die Frage viel eine militärische sei. — Der Kriegsminister erklärt, lediglich militärische Erwägungen seren für die Vorlage maßgebend. Er halte an der gebens p&rtöen $en)iaigung fest. Das Hineinziehen der Finanzfrage sei verhängnißvoll. Die Commission bewilligte nach längerer Debatte die Cadres wie in der ersten Lesung, also 15 neue Bataillone dauernd, 16 auf ein Jahr. Das Gesetz entbehrt also in dieser Form nur des S 1, welcher die Präsenzztffer festsetzt. Als der Kriegsminister die Hoffnung aussprach, das Septennat werde doch noch bewilligt werden, erklärte Windt- horft bestimmt, daß das Centrum nicht dafür stimme.
'Kommission lehnte noch die Befreiung der Theologen vom Rcilitärdienst ab und nahm schließlich den so gestalteten Entwurf mit vierzehn gegen zwölf Stimmen an. J 0
Telegraphische Depescherr.
Wolff's telegr. Correspondenz • Brrrea«.
5‘Samiar. r Dem Vernehmen nach soll das Uebereinkommen zwischen Deutschland und Portugal, betreffend die Besitzverhältnisse in Afrika, dem Bundesrathe und dem Reichstage bald zugehen.
Heidelberg, 5. Januar. Der Reichstagsabgeordnete Roßhirt ist gestorben.
, , 5- Januar. Herr Grevy empfing gestern den deutschen Botschafter,
Grafen Munster. '
London, 5. Januar. Der Posten des Kriegsministers ist dem Gouverneur von Canada, dem Marquis of Lansdowne angeboten worden, die Antwort auf die bezügliche Anfrage ist aber noch nicht eingegangen.
« r qT "Daily News" zufolge soll die Conferenz zur Besprechung der Home- Rule-Frage, woran Chamberlain, Morley, Trevelyan, Harcourt und Herschcll tbeil- nehmen werden, morgen hier stattfinden.
.. *&$**%***! 5- Januar. Das „Journal de St. Petersbourg" äußert sich über
die Gerüchte über die angebliche Rückkehr Alexander von Battenberg's nach Bulgarien Derselbe, so wird gesagt, habe nicht die mindeste Aussicht. Im Falle einer Wiederwahl durch die Pseudosobranje wurde er nicht von sämmtlichen Mächten anerkannt werden; daher wurde seine Rückkehr höchstens eine Handlung größter Willkür, geradezu eine Provokation sein und die bereits bestehenden Conflicte um einen neuen vermehren. Möglich, daß dies gewissen Combmationen entspräche; indessen die allgemeine Ruhe dadurch ernstlich bedroht werden. Deßhalb werde auch außerhalb Rußlands der gefährliche Gedanke allgemein ungünstig ausgenommen. Niemand wage die Verantwortlichkeit für die Begünstigung desselben zu übernehmen. Man dürfe daher annehmen, es werde auch kein Versuch stattfinden, den Gedanken zu verwirklichen Aller- dmgs gäbe es in gewissen politischen Kreisen einige Verwegene, welche entschlossen seien alles zu versuchen, um den Frieden zu stören. '
£ .,Petersburg,^. Januar. Dem Commandeur des Kaluga'schen Regiments ging auf seine Gluckwunsch-Depesche an Kaiser Wilhelm folgende Drahtantwort iti* B 8 . . »rSQ touf§tc mich nicht in der Erwartung, daß mein getreues Kaluga'sches Regiment des achtzigsten Jahrestags meines Armee-Eintritts gedenken werde. Mit $er; gnugen empfing ich die anläßlich des seltenen Jubiläums und des Neujahrs aus- gedruckten Wunsche und danke Ihnen mit der Versicherung, daß ich bis zur letzten Lebensminute dem Regimenle meine Anhänglichkeit bewahren werde.
»«karest, 5. Januar Der des Attentats gegen Bratiano^angÄ'te Stoicu Alexandrescu wurde zu 20jahriger Zwangsarbeit verurtheilt.
Lokale-.
2.
3.
4.
au .Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Ä Öt malX Quartal.1 * * * ** 3lbonnenten letzteren Blattes zum
, J°nuar. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 1 der Dermal-
tungsblatter hat folgenden Inhalt:
L L^?°ltungsgerichtshofs in Sachen tetr, die Anzeige
^b^-lehrer Gebhard von Spr-ndling-n wegen Körperverletzung.
Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Sachen betr. die Anzeige gegen den Lehrer Lorenz Kaiser zu Wimpfen a. B. wegen Körper- Verletzung.
in Sachen betr. den Recurs des Karl Merz I. in Offenbach als Vertreter der Erben des Christian Ebenen Sriftian'Ä L ^^-'«-lsteu-rpflicht de« Nachlasses des ver- be8 Provinzial.uSschusses der Provinz Oberhesten vom ■iv. xjcccmocr loöo.
,?ln Hypnotiseur ist ein Mensch, der es versteht, andere Personen in -inen schlafähnlichen Zustand zu versetzen und sie sodann seinem Willen blindlinos unt^ajzumacken. Wir haben gestern daraus'^hingewiefin,'^d-ß^dstHerren Direetor Böllert und Redaeieur Krause morgen (Freitag) im Cas« Leib hier eine Soirä- auf dem von der Wissenschaft nunmehr aufaetlärten Gebiete der Hypnos- veranstalten werden, und da dürste es intereffiren, über Den Gegenstand etwas Näheres zu erfahren SÄtei '»»“■ln d". .£ »
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^?rtcn' ^em normalen Zustande wiederzugeben und
Stadium gesteigerter hypnotischer Empfänglichkeit — auch wieder in willenlose Maschinen zu verwandeln Vermochte, in starre, stierblickende, seelenlose Wesen ^Elchen die einfachsten körperlichen und geistigen Funktionen versaaen n* auf's Wunderlichste verkehren, die Sinneseindrücke a7shL" so daß 7 D f^ald Reaction gegen Erregung von Schmerzgefühl eintritt - oder sich auf's Toll^ve^ wandeln, so daß das kaum Genießbare mit wahrer Begierde als Leckerbissen verspeist wird — bis barm wieder von Seiten des Hypnotiseurs ein leichtes Anhauchen, der


