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2S2 Donnerstag den 6. Oktober 1^7.
Kießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
-------------- ---------—------- ' ‘ " 7" Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.
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Amtlicher Hheiü
Betreffend: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen. bett 5* ^t0^cx 1887’
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
an die Tchnlvorstärrd- d-S «reifes. , x ,
Wir erinnern diejenigen Schulvorstände, welche unserer Verfügung vom 7. September - Gießener Anzeiger Nr. 210 - noch mcht nachgekommen
Snb, an sofortige Erledigung derselben. «oekmann.
der gepflogenen Erörterungen abzuwarten. Diese Erklärung hat in den maß. gebenden Pariser Kreisen einen. um so günstigeren Eindruck gemacht, al, die deutsche Regierung auch ihr ausrichtigste» Bedauern über den unglücklichen Zwischenfall ausgedrückt hat und al» außerdem gerade jetzt auch die Freilassung des jungen Schnäbele erfolgte. Es bleibt nur noch die Frage zu erörtern übrig, inwieweit bet Soldat Kaufmann schuldig ist, refp. ob die verhängnisvollen Schüsse von ihm abgeseuert wurden, obwohl stch die französtsche Jagdgesellschaft auf heimischem Boden befand, wie bekanntlich die französischen Berichte behaupten. Dieser Punkt, der zuerst der schwerwiegendste schien, bedarf noch der Ausklärung, jedenfall» hat aber der Zwischenfall von Raon l'Etape durch da, Entgegen- kommen Deutfchland» ein ganz andere» Aursehen gewonnen und man darf nun- mehr seiner vollständigen Beilegung mit Bestimmtheit entgegensehen.
Da» große „medicintsche Parlament» (wie man den in Wien tagenden internationalen hygienischen Congreß, der von mehr ats 2000 Personen besucht war, nennen könnte), ist am Sonntag feierlichst geschlossen rooroen. Mehrere Congreßtheilnehmer sprachen dem Kaiser und dem Kronprinzen Rudolf für die dem Congresse zugewendete Huld und Teilnahme ihren Dank au», der Stadt und der Universität Wien dankte der Vorsitzende, Professor Ludwig, für die der Versammlung bewiesene Gastfreundschaft. Zum Sitz des nisten Con- aresses, welcher 1891 stattfinden soll, wurde einstimmig London gewählt. Im Cursalon fand ein Abschiedsbanket statt, bei welchem Proseffor Ludwig auf Kaiser Franz Josef, Geheimrath Köhler (Berlin) auf Kronprinz Rudolf toastete.
Kaiser Franz Joses und Kronprinz Rudolf reisten mit ihren fürst- lichen Jagdgästen, dem König Albert von Sachsen, dem Prinz-Regenten Luitpold oon Bayern, dem Prinzen Wilhelm von Preußen und dem Grobherzog von Toicana, am Sonntag von Wien nach Steiermark ab.
Da» englische Mittelmeer-Geschwader weilt noch immer in den dalmatinischen Gewässern. Am Sonntag machte der Commandant desselben, der Herzog von Edinburg, in Begleitung seiner Gemahlin und des Prmzen Georg von Wale», von Cattaro au» einen Ausflug nach Cettinje, der montenegrinischen Hauptstadt, von ber ^gesehensten unter den eingeborenen Fürsten Indien», dem Ni, am von Heid er ab ad, kundgegebene Entschluß, zu den Kosten der Befestigung der indischen Nordwestgrenze die bedeutende Summe von 400000 Lsirl beizutragen, ist in den Londoner Regierungrkreisen mit großer Besriedi- gung begrüßt worben. Man erblickt in diesem Schritte des Nizams ein erfreu- liche» Symptom für die Consoltdirung der englischen Herrschaft in Indien und die Besriedigung in London ist eine um fo größere, al» vielfach Zeichen von Verstimmung unter der eingeborenen indischen Bevölkerung gegen die Engländer hervorgetreten sein sollten, zu denen der Entschluß de» Nizarn» von Heiderabad allerdings nicht passen würde. Immerhin wird sich aber der Patriotismus und die ausrichtige Loyalität ber Indier erst im Falle eine» ernsten russischen An- griff» aus Indien zu bewähren haben.
An» Samoa sind in London Nachrichten eingelaufen, welche bekunden, daß e» mit der Regierungiherrlichkeit de» König» Malietoa ein rasche» Ende genommen hat. Derselbe ergab sich den Deut chen, oon benen Malieloa an Bord der Kreuzer, „Adler" gebracht wurde, welcher mit dem Gefangenen absegelte. E« scheint also, daß König Malieloa nach Deutschland gebrach werden soll - war aber will man hier mit dem braunen Herrscher ansangen?
Politische Ueberficht.
Gießen, 5. October.
Da, Tageiereigniß in der europäischen Politik bildet selbstverständlich der Besuch der italienischen Ministerpräsidenten ®ri»pi beiJ? Fürsten Bismarck in Friedrichsruhe, welche,^Besuch >?rus°üen über Nach erfolgt ist. Die Vorgeschichte der Friedrichsruher Reise der italienischen Staats- wanne, erscheint noch einigermaßen in den Schleier der Gehetmntffer gehüllt, man weiß nur, wenigstens nach den Mitthetlungen italienischer Blätter, daß Herrn Crirpi eine Einladung der leitenden deutschen Staatsmannes behufs einer intimen Meinungsaurtaufcher über verschiedene europäische Fragen zu Thetl mürbe und daß Crirpi unverzüglich die weile Reife nachdem lauenburgischen Turculum de» Reichskanzlers antrat, nachdem er zuvor noch mitKöckg Humbert ri Monza conferirt hatte. Indessen, auf die Emleitung des Besuches CrlspiS in Friedrichsruhe kommt es schließlich auch weniger an, die Hauptsache bleibt, daß derselbe inzwischen zu einer Thalsache geworden ist, deren hohe pol ssche Bedeutung allseitig zugegeben wird. Die Einzelheiten der Unterredung zwischen dem Fürsten Bismarck und Crirpi dürsten der Welt einstweilen noch ebenso> ver- borgen bleiben, als dies bi» jetzt hinsichtlich der lüngsten Zusammenkunft de» Kanzler» mit dem Grafen Kalnoky der Fall gewesen ist. Ein» aber documentirt die Friedrichsruher Reise der römischen Cabinetschef» deutlich aller Welt, dar ist der Fortbestand der deutsch-österreichisch-italienischen Tripelallianz, womit non selbst die Aufrechterhaltung des europäischen Frieden» gegeben ist. In dieser Beziehung repräsentirt die Reise ganz entschieden eine markante Ergänzung de» Besuche» de» österreichischen Minister» beim Reichskanzler und es bedarf somit die Entieoue des letzteren mit dem Leiter der italienischen Politik wohl kaum noch eine» besonderen CommentarS. Nach wie vor steht die wit^leuropäische Friedensallianz unerschütterlich da und dieser Thatsache werden auch die Chau- vinisten an der Seine und der Moskawa, wenngleich nur mit süßsaurer Miene Rechnung tragen müssen. Der Besuch Crirpi» in Friedrichsruhe dürfte s de». falls auch einer eingehenden Erörterung der bulgarischen Frage gegotter, haben, in welcher Italien einen etwas anderen Standpunkt einmmmt, als z. ö- dvemiey- land, welcher vor Allem dar europäische Vertragsrecht betont. Er batf anj^ nommen werden, daß die Besprechungen Bismarcks mit Crirpi einen^Ausgleich zwischen der italienischen und der deutschen Auffassung der bulgarischen Frage herdeigesührt haben. War die Meldungen Pariser Blätter anbelangt, wonach Mischen den beiden Staatsmännern auch die valicanifche Frage zur Besprechung gelangen sollte, so bementirt die „Rtsorma" die bezüglichen Meldungen Wenn Crirpi den Fürsten Bismarck besuche — erklärt da» Organ Crispl» so geschehe dies sicherlich zu Zwecken, mit welchen die ganze italienische Nation nur z^ffteden sein könne und zu denen die Freunde des europäischen Friedens sich nut beglückwünschen könnten. In keinem einzigen Italiener werde der Verdacht aussteigen, daß die Entrevue mit den Rechten Italien» und dessen freundschaftlichen Beüebunaen w allen Staaten Europa» nicht in Uebereinstimmung siehe. — llibrlgen» entbehrt die Zusammenkunft de» Fürsten Bismarck mit Herrn Crisp auch nicht eine» speziellen interessanten Momente». Noch vor gar ni^t langer Seit gaU 6en eriepi ®enn nicht als ein Vorkämpfer der romanischen Raffen- Verbrüderung, so doch als ein warmer Freund Drankreichs und bte Berliner Dffictöfßit gaben beim Eintritte Erispis in das Eabinet Depretis ihrem Wist" Lnta Sie Wieb des römischen Cabinets ziemlich offenen Aus. druck. Nun, heute weilte dieser angebliche Franzosenfreund, dieser i alieni che »Fortschrittümann von altem Schrot und Korn , als welchen mehrere 931011« Herrn Crispi feiern, in Friedrichsruhe als Gast des deutsche Kanzlers und wenn man in diesem Factum etwa eine Aenderung in den politischen Gesinnungen des nunmehrigen leitenden Staatsmannes Italiens erblicken könnte, so würde hierin nur ein Zeugniß für den weiten Blick Crispis liegen, den er in der Auffassung der europäischen Verhältnisse bekundet.
Die deutfch-franzöfif che Grenzaffaire von Raon lEtape - oder auch V.xlneourt - haf eine entschieden beruhigende Wendung genommen, feit deutscherseits tu Paris die Erklärung abgegeben ist, der Wittwe des erschoffenen Brignon eine entsprechende Entschädigung zu gewähren, ohne erst das Resultat
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. «Korrespondenz-Birrearr.
Baden-Baden, 4. October. Se. Majestät der Kaiser n^mnn^cu^f^b7rmÄ militärisch- Meldungen entgegen und machte bieraus einen Spazi^ang aus d 1 menade. Nach dem Dejeuner sand eine Spazierfahrt statt. Nachmmags , Prinz Ludwig von Bayern mit Sohn und ^^nz Hermann von^^ach^^^ meI^e vom Großherzog am Bahnhofe empfangen. Der Kaiser sta d i ' mp|inß deren „Englischen Hofe" abgestiegen waren, sofort einen ™ ab uno w 0 Gegenbesuch. Dieselben wurden nebst mehreren heroorragenoen -pc i geladem
--Bekanntmachung.
_r . r unh Anträae find bei unseren Gerichtsschreibereien an allen Wochentagen, Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr,


