D flr. ISO Samstag bra k August 1887.
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. <
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: j» «««au: Schulstraß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahm- d-s Montag«. Wd1-Vb-z°g-^
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Amtlicher Hheit.
Betr.: Das Feuerlöschwesen im Kreise Gießen. Gießen, am 2. August 1887.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an di« Trotz herzoglich en Bürgermeistereien des «reise».
Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, werden an Erledigung unserer Verfügung vom 12. Juli l. I. — Anzeiger Nr. 61 — mit M von 8 Tagen erinnert.
Dr. Boekmann.
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Politische Ueberficht.
Wietzen, 5. August.
Abermals ist jener alljährlich sich erneuernde denkwürdige Moment der Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und Kaiser Franz Josefs am Wich bet Bade-Aufenthaltes des Kaisers Wilhelm auf österreichischem Boden hmngenaht. Während in früheren Jahren das Rendez-vous der beiden katser- lichm Freunde wiederholt in Ischl, der Sommer-Villeggiatur der österreichischen Lcisersamilie, stattsand, ist es schon seit einer Reihe von Jahren nach Gastein
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jn Pommern, zu einem selbstständigen apostolischen Vicariate. Die neu- des Domprobstes Dr. Kayser aus Breslau in Berlin wird iljll nL „^^"Selegenheit in Verbindung gebracht. Es ist von der Errichtung '^^o^olllchen Vtcariats in Berlin schon öfters die Rede gewesen, ohne daß 'Aiirl oas Ansangs-Stadtum hinauskam; ob dieser Plan jetzt Aussicht ^wirküchung hat, muß noch dahingestellt bleiben.
ulgarische Frage präsentirt sich augenblicklich der Welt in >.' irjitinh 2°r Widersprüchen. Bald heißt es, die Abreise des Prinzen Fer- iil a JRoburg nach Sofia stehe unmittelbar bevor und sei der Hofstaat
itigen bulgarischen Herrschers schon fix und fertig, bald heißt es, Prinz
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dlegt worden, eine Courtoisie des österreichischen Herrschers, welcher dem grillen deutschen Monarchen hierdurch den beschwerlichen Umweg nach Ischl «Waren will. Auch diesmal begrüßen sich die beiden Herrscher in dem herr- liöm Gastein, woselbst die Ankunft Kaiser Franz Josess, welcher von einem Wiche seiner in dem oberboyerischen Alpen-Kurorte Kreuth weilenden erlauchten Srmhlin kommt, am Samstag, Nachmittags 3 Uhr, eintrifft. Schon am Emntag Abend verläßt der österreichische Kaiser Gastein wieder, um sich nach Ml zu begeben, aber dieses verhältnißmäßig kurze Zusammensein der zwei Ki'llfrr ändert an der Bedeutung des Kaisertages von Gastein nichts. Wenn ic.ii der einen Seite hin dieser längst historisch gewordene Tag die innige per» Freundschaft der beiden Monarchen und hiermit zugleich auch d-e zw^ Mm den Kaisersamilien von Deutschland und Oesterreich obwaltenden herzlichen Ziehungen immer wieder zum klarsten Ausdruck bringt, so springt nach der ruderen Seite hin doch auch stets die politische Bedeutung der Gasteiner Zu- lünnmenfunft in die Augen. Sie ist für die Völker Deutschlands und Oesterretch- llngarns eine Bürgschaft eigenen Gedeihens, für alle Friedensfreunde aber, Mchviel, welcher Nation sie auch angehören mögen, selbst unter den gegenwär« tzm schwierigen internationalen Verhältnissen ein mächtiges Unterpfand für die Wallung des Weltfriedens, denn in der persönlichen Begegnung der beiden Mer erhält ja das deutsch-österreichische Friedens - Bündniß stets aufs Neue ri»e Besiegelung. Mögen sich auch diesmal die Hoffnungen, welche alle frieb» uetienben Elemente auf den Kaifertag von Gastein fetzen, erfüllen I
Kaiser Wilhelm gedenkt nicht am Donnerstag, den 11. August — erst jungst gemeldet wurde — sondern bereits am kommenden Montag ” Gasteiner Badekur zu beenden und noch am genannten Tage die Heimreise a ^treten. Der greise Monarch fühlt sich so außerordentlich gekräftigt, daß ?L- 2« AbküHung feiner Nachkur nichts im Wege stand; schon seit Anfang dieser Mche hatte der Kaiser seine tägliche Badezeit auf 18 Minuten verlängert.
Heber die Alters- und Invaliditäts-Versicherung der Arbei- tu m ^tzter Zeit widerspruchsvolle Meldungen durch die Presse gegangen, »i verdient daher constatirt zu werden, daß die bereits zur allgemeinen Kenntniß EoÜ® ^^undzüge zu dem betr. Entwürfe nebst einer Denkschrift am 4. Juli ^sregierungen mit dem Ersuchen zur Begutachtung gelangten, die vorläufig geheim zu halten. Diese gutächtlichen Aeußerungen der ani ^vsten dem Bundesrathe erst nach dem im September zu erwar- y_. m Eiederzusammentritte des Plenums zugehen; man setzt die Zustimmung Eesregierungen zu den Hauptpunkten der Grundzüge voraus. Erst nach ^treffen der Rückäußerungen der Bundesregierungen wird dann an die br-ipr 0 •ng be8 Gesetzentwurfes gegangen werden, die aber vermuthlich in e t Erledigt werden wird. Als eine der ersten Vorlagen, welche dem c-!'^c E oei feinem Wiederzusammentritte gemacht werden sollen, wird der stber die Einführung der ReichSgewerbe-Ordnung in Elsaß-Lothringen 'm \ JeIi« in voriger Session nicht zur Erledigung gelangte. Die Ein- 'M mit einigen, durch die besonderen Verhältnisse der Retchslande ge-
Ev ^"'chEungen erfolgen; insbesondere heißt es, daß die jetzigen Bestim- Ö über die Presse und die Theaterpolizei in Elsaß - Lothringen bis auf Geltung behalten würden.
* maßgebenden Kreisen erörtert man die Erhebung des bisherigen ^bn .?;^r»Bezirkes der Diöcese Breslau, Stadt Berlin mit Branden-
Ferdinand zögere doch noch, die bulgarische Krone definitiv anzunehmen. Auch darüber, ob der bulgarische Minister des Auswärtigen, Natschewitsch, welcher dem Koburger angeblich ein Ultimatum nach Schloß Ebenthal überbringen sollte, daselbst eingetroffen ist, werden die widersprechendsten Meldungen laut. Um den Wirrwarr zu erhöhen, wird jetzt von russischer Seite das Gerücht verbreitet, daß eine Einigung der Mächte über die bulgarischen Angelegenheiten auf Grund russischer Vorschläge bevorstünde; letztere scheinen aber noch ein tiefe- diplomatisches Geheimniß zu sein! Endlich erfährt die anderweitige russische Meldung, der Generaladjutant des Czaren, Fürst Jmeretinski, werde als russischer Commtffar nach Bulgarien gehen, von der „Poltt. Corresp." ein entschiedenes Dementi.
Der viel erörterte Zwist in der serbischen Königsfamilie ist jetzt, wenn er überhaupt bestanden hat, wenigstens äußerlich beigtlegt worden. Di- Königin Natalie, welche bislang in der Sommerfrische Ärangyelooaz weilte, traf am Dienstag in Belgrad ein, um sich von ihrem königlichen Gemahl, welcher nebst dem Kronprinzen Alexander eine Kur in dem südungarischen Bade Schmeckt zu gebrauchen gedenkt, zu verabschieden. Vor der Welt ist hiermit das Einvernehmen der beiden königlichen Gatten wieder hergestellt.
Zur Ausarbeitung eines neuen serbischen Verfassungs-Entwurfes ist in Belgrad eine aus 16 Mitgliedern bestehende Commission eingesetzt worden, in der alle politischen Parteien vertreten sind. Wohin das Mmi- sterium Ristics mit dieser Verfassung-'Revision zielt, ist noch nicht klar.
Die Londoner internationale Conferenz zur Regelung der Zuckerprämienfrage befindet sich noch immer erst im vorbereitenden Stadium. In der Dienstags-Sitzung des englischen Oberhauses erklärte Lord Salisbury nur, daß Deutschland, Spanien und Belgien bereit seien, unter gewissen Bedingungen die Conferenz zu beschicken, aber bezüglich Frankreich wußte er noch nichts Bestimmtes mitzuthetlen. Auch seitens der österreichischen Regierung scheint noch keine bestimmt zusagende Antwort eingetroffen zu fein.
Der englische Colonialbesitz in Südafrika hat eine Erweiterung erfahren, welche in der Einverleibung des Gebietes von Rode Valley in die Cap-Colonie besteht. fr
London, 4. August. Im Unterhaufe erklärt Ferguffon, bis das Jahr abgeschlossen und die Bilanz eingegangen sei, sei es unmöglich, mit Sicherheit vorauszusagen, welcher Ueberschuß ober welches Defizit im egyptischen Budget vorhanden sei. Ein etwaiges Defizit wäre jedoch nicht durch England zu decken. — Sobald die Markenschutz-Novelle die königliche Sanction erhalten hat, ergeht ein Rundschreiben an die Mächte, welches sie auffordert, den britischen Unter- thanen denselben Schutz gegen Fälschung zu gewähren, den das neue Gesetz den Fremden bietet. — Das jüngste Abkommen mit Rußland betreffs der afghanischen Frage schiebt die russischen Grenzen IP/2 Meilen gegen Herat vor, jedoch hat die Veränderung keine strategische Wichtigkeit. Das von Afghanistan cedirte Gebiet am Kuschk und Kaschar beträgt 825 Quadratmeilen, das an Afghanistan nahe am Oxus jetzt zugestandene Gebiet wird auf 770 Quadratmeilen abgeschätzt, somit beträgt die Differenz 55 Quadratmetlen zu Ungunsten Afghanistans. Der wirkliche Vortheil ist indessen auf Seiten Afghanistans. Alles in Allem ist die Lösung unserer Ansicht nach billig. — Smith erklärt, er wisse nichts von einer Mission Persicos seitens des Papstes nach Irland; Persico reise aus Prioatgründen dorthin; ein Schriftwechsel mit dem Vatikan hätte darüber nicht stattgefunden.
— In der vergangenen Nacht platzten bei den im englischen Kanal stattgehabten Flotten-Manövern an Bord der Kanonenboote „Curlew", „Blackprince", „Nordenselt" mehrere Kanonen. Vier Matrosen wurden dabei entsetzlich verstümmelt, eine Anzahl anderer mehr oder weniger verletzt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenr-Burean.
Bad Gastein, 4. August. Kaiser Wilhelm besuchte gestern Mittag die Gräfin Lamberg In der Solitude und machte dann einen kurzen Spaziergang. Heute sruy machte er nach dem Bade eine Promenade auf dem Kaiserweg. .
Stuttgart, 4. August. Wie der „Staatsanzeiger" vernimmt, wird der ^.anolag auf den 13. September zu kurzer Session einberufen werden.
_ Rom, 4. August. Die „Riforma" dementirt die Meldung, daß Dispostttonen für Truppensendungen nach Afrika im September getroffen seien. ......
c - Durch die Explosion in Ritiro (Messina) wurde eine Person getödtet und sechsundzwanzig verwundet. Der Etgenthümer des Dynamttdepots ist verhaftet worden.


