Lokale-.
Gießen, 5. April. Das Auftreten des Wiener Klavier-, Gesangs- und Decla- mationshumortsten Herrn O. Lamborg in den zwei Concerten hatte ein zahlreiches Publikum angezogen. Die Erwartung des Publikums wurde nicht getäuscht, eine so humorvolle und erheiternde Unterhaltung, wie durch die Vorträge des Herrn Lamborg, wird selten geboten und ist auch wohl emzig in ihrer Art. Herr Lamborg ist ein origineller Künstler, welcher in der etgenthümlichen Mischung von Declamation, Gesang, Elaoierspiel und Mimik eine geistvolle Satire, zündenden Humor und außergewöhnliche musikalische Fertigkeit entfaltet und durch seine parodistischen Productionen die Zuhörer aus dem fröhlichsten Lachen gar nicht herauskommen läßt. Seine urkomische Opern- varodie, in welcher Herr Lamborg sämmtliche Solisten und selbst den Chor darstellte, seine Lieder in österreichischer Mundart, seine Illustration des Liedes vom Häring und der Auster, das musikalische Lachen, die Scherze am Claoier mit geschickter Nachahmung verschiedener Instrumente, die Verarbeitung der aus dem Publikum ihm aufgegebenen zahlreichen Melodien zu einem Potpourri, die Vorführung des Virtuosen der Zukunft, wo Ellenbogen und Füße zur Behandlung des Elaoiers nachhelfen müssen und noch manche auf den stürmischen Beifall des Publikums folgende Zugaben ließen den von dem Künstler selbst genannten Zweck seiner Productionen, seine Zuhörer herzlich lachen zu machen, in jeder Beziehung erreicht erscheinen. Das Publikum folgte mit vielem Vergnügen dem trefflichen Humoristen durch alle Gebiete seiner Vorführungen und nahm jede Nummer mit großer Heiterkeit und lebhaftestem Beifall auf.
Vermischte-.
' △ Mainz, 4. Avril. Wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse oder Be
hinderungen eintreten, wird die feierliche Eröffnung unserer neuen Hafenanlagen nun-
oder seinen persönlichen Verhältnissen nicht angepaßt erscheint oder gegen welche all- aemeine Umstände sprechen.
b Es gibt nun allerdings eine Menge von Beispielen, daß sich junge Leute ganz «eaen den Willen ihrer natürlichen Beschützer und Berather ihren eigenen Lebensweg wählten und trotz aller entgegenstehenden Hindernisse schließlich doch das vorgesteckte Ziel erreichten. Das sind aber immerhin doch nur Ausnahmen gegenüber der großen Mehrzahl derjenigen Jünglinge, die bet einer Berufswahl sich mehr oder weniger nach den aeaebenen Verhältnissen richten müssen und ein verständiges Wort der Eltern vermag da oiel zum Betreten des richtigen Weges zu thun. Aber wird dieses Wort denn immer gesprochen, werden denn immer die richtigen und praktischen Erwägungen «troffen? Leider nein, und es gibt nur zu viel Eltern, die aus ihren Söhnen etwas ganz Anderes und angeblich „Besseres" machen wollen, als es die Väter waren, ohne dock den realen Verhältnissen Rechnung zu tragen.
So ist es eine feststehende Thatsache, daß der Zug zum Erlernen eines ordentlichen Handwerkes in der heutigen Jugend lange nicht mehr in demselben Maße vor- banden ist, wie in früheren Zeiten, ja die angehenden jungen „Herrchen" fühlen sich ordentlich beleidigt, wenn man sie fragt, ob sie nicht Lust hätten, Schuster oder Schneider zu werden! Und die Eltern, anstatt die Herren Söhne über die Nützlichkeit und Nothwendigkeit des Schneider-, Schlosser- u. s. w. Gewerbes aufzuklären, finden, daß dieselben ganz im Rechte sind — der betreffende Herr Filius galt ja schon tn der Schule als ein „offener Kopf", er brachte immer die^schönsten Censuren nut nach Hause — und solch ein keimendes Genie sollte auf dem Schusterschemel oder hinter der Drehbank verkümmern? Nimmermehr!
Der Sohn soll also studiren und wird also — vielleicht nut schweren Opfern — auf ein Gymnasium geschickt oder man gibt ihn in irgend ein kaufmännisches Geschäft in die Lehre oder vielleicht auch auf ein Bureau, damit er sich in die „Verwaltungscarriöre einarbeite" u. s. w., in der sicheren Erwartung, in dem jungen Manne dereinst einen Oberlehrer, Juristen, Verwaltungsbeamten oder auch einen großen Kaufmann u. s. w. begrüßen zu können. r t „ _. r, a .
Aber selbst angenommen, der Bildungsgang des Junglmgs erlitte nach dieser oder jener Richtung hin keine Unterbrechung, so wird er bei der Ueberfülle der Arbeitskräfte, welche gerade in den sogenannten gelehrten Berufsarten vorhanden sind, doch nur unter sehr erschwerten Bedingungen in die Concurrenz cintreten können und gerade die besten Jahre des als Knabe so viel Versprechenden entschwinden nutzlos in diesem Kampfe dahin — natürlich gibt es auch Ausnahmen! Nun ist freilich nicht zu leugnen, daß auch der Handwerkerstand unter der Ungunst der Zeitverhältnisse zu leiden hat, aber seinen goldenen Boden hat das Handwerk doch noch nicht verloren und daß es ein einfacher Handwerker schließlich zu einem Großindustriellen zu bringen vermag, davon liegen ja gerade aus der neueren Zeit zahlreiche Beispiele vor. Nun, es kann nicht jeder einfache Handwerker ein Krupp oder Borsig werden, aber doch ein tüchtiger Handwerksmeister, der längst sein gutes Auskommen hat, wenn oft gleichalterige Jugendgenossen von ihm, die für die gelehrten oder kaufmännischen ^Berufsarten vorbereitet wurden, noch um ihre Existenzbedingungen ringen müssen. So manche Eltern und Vormünder, die mit ihren Kindern und Pflegebefohlenen „höher hinaus" wollen, als nach Lage der Verhältnisse räthlich erscheint, würden gut thun, bie jungen Leute lieber einem Gewerbe zuzuführen — sicherlich würde man dann weniger von fehl- geschlagenen Hoffnungen und vernichteten Existenzen hören, als dies jetzt leider der Fall ist!
wehr bestimmt Mitte Mai stattfindcn. Sämmtliche Arbeiten sind soweit gediehen, baß dis zu diesem Termme eine sichere Vollendung vorausgesetzt werden kann. Die städtische Verwaltung hat die Absicht, mit der Eröffnung eine Feier im großartigsten Styl zu verbinden und mit weitgehendsten Einladungen allen Interessenten Gelegenheit zu geben, sich durch den persönlichen Augenschein von den Bestrebungen und Bemühungen zu überzeugen, die Mainz zur Entwickelung und Wiederbelebung seines Handels verfolgt. Außer den Handelscorporationen, Vertretern der Verwaltungen aller rheinischen Hafen- und Nachbarstädte, ist geplant, die Redactionen der bedeutendsten Zeitungen und illustrirten Journale von dem ganzen Coniinent einzuladen und deren Vertreter während der Festlichkeit als Gäste der Stadt hier aufzunehmen. Se. König!. Hoheit der Großherzog hat schon vor Längerem die Zusage gegeben, der Festlichkeit anzu- wohnen und außerdem ist der städtischen Verwaltung Hoffnung gemacht worden, bei der Gelegenheit auch den Kronprinzen des Deutschen Reichs in Mainz begrüßen zu können. Die eben in Bearbeitung stehende Denkschrift zu dieser Feier ist ein umfangreiches Werk, das mit zahlreichen Illustrationen und vielen Plänen und Karten aus- gestattet wird. Zu der Bearbeitung der Denkschrift haben sich neben der hiesigen Handelskammer die Herren Beigeordneten Dr. Gaßner, Stadtverordneter F. I. Usinger, Landgerichtsrath Dr. Bockenheimer und Stadtbibliothekar Dr. Velke vereinigt.
Darmstadt, 2. April. ^Bestrebungen zur Wiederbelebung des Jnnungs- wesens.^ Nach einer Mittheilung des Herrn Reichskanzlers an Großh. Regierung sind: Ein Jnnungsverband von Maler-, Lackirer-, Anstreicher- und Tüncher-Innungen für den Umfang des Reiches unter dem Namen „Deutscher Maler-Bund", und ein Jnnungsoerband von Schlosser-Innungen für den Umfang des Reiches unter dem Diemen „Verband deutscher Schlosser - Innungen" zusammengetreten und die Statuten dieser Verbände haben die im § 104 c. lit. c. der Gewerbeordnung vorgesehene Genehmigung des Reichskanzlers untcrm 3. refp. 9. März 1887 erhalten.
A Aus Rheinhessen, 4. April. Mit Ermächtigung des Ministeriums und im Einoerständniß mit dem bischöflichen Ordinariat wird in Kastel aus einem Ver- mächtniß in Kurzem ein Hospital gebaut, dessen Verwaltung und Leitung die barmherzigen Schwestern übernehmen werden. Die Grundsteinlegung zu dem Bau soll schon in^ wenigen Wochen stattfinden. Ein anderer Neubau in Kastel, das eben vollendete Stadthaus, drohte am Samstag, noch ehe es bezogen, ein Raub der Flammen zu werden. Durch Ueberheizung von aufgestellten Trockenöfen gericth in einem Saal der Fußboden und die Lambris in Brand und schon schlugen die Flammen aus, als man das sich entfesselnde Element gewahrte und zum Löschen schritt.
Zwischen Mombach und Budenheim wurde gestern die Leiche einer etwa dreißigjährigen, gutgekleideten Frauensperson geländcl. Während man noch an 20 X an baarem Geld und Werthgegenständen bei der Leiche fand, trug dieselbe nichts bei sich, woraus sich die Identität ihrer Person feststellen ließ.
Handel «rrö Verkehr.
Gießen, 5. April. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 0.90—1.00, Hühnereier per St. 5—6 Enteneier St. 6—0 H, Käse vr. St. 4—8 Kasematte 3—0 Erbsen pr. Liter 17 Linsen 30 H, Tauben per Paar 50 bis
0,90 Hühner per Stück X 0.85—1.00, Hahnen pr. Stück «X 1.70—2.00, Enten per Stück X 1.70—2.20, Gänse per Pfund 00—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 62 bis 64 4, Kuh- und Rindfleisch 54-56 SchweineMch 56—60H, Hammelfleisch 50 bis
64 H, Kalbfleisch 44-50 H, Kartoffeln per 100 M, X 4.50—5.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner X 6.00—0.00.
Frankfurt, 4. April. (Getreide-Preise.) Weizen eff. bicsiger u. Wetterauer X 17,75-18,00, fremder X 17,50-20,00, Roggen eff. hies. X 13,25-14,00, fremder X 13,25—13,75, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,00—17,50, fremde X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. X 12,25—12,75, fremder X 00,00-00,00.
Frankfurt, 4. April. Der heutige Diehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 447 Ochsen, ca. 20 Bullen, ca. 575 Kühe und Rinder, ca. 302 Kalber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 58—60, 2. Qual. X 50—54, Kühe und Rinder 1. Qual. X 50-52, 2. Qual. X 45-48 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qua!. 60—65 H, 2. Qual. 55—58 H per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in der Stadt Gießen- 13. Woche. Vom 27. März bis 2. April 1887.
Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 13,7’/m« Kinder
Es starben an:
Zusammen:
Erwachsene:
im
1. Lebensjahr:
vom
2.-15. Jahr:
Lungenschwindsucht
2 (1)
2 (1)
—
—
Lungenblutschlag
1
1
—
—
Harnruhr
1 (1)
1 (1)
—
—
Lebensschwäche
1
—
1
—
Summa: 5
4
1
—
An m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Allgemeiner Anzeiger.
Mittwoch den 13. I. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Nathhause versteigert werden:
Maurerarbeit, veranschl. zu 144.— v4L Steinhauerarbeit, , „ 63.44 „
Schreinerarbeit, „ „ 103.— „
Pflasterarbeit, „ „ 127.74 „
Räumen von
Fluthgräben, „ „ 800.— u
Aufschlagen von
Schutzgeländern „ „ 48.— „
sodann verschiedene Straßen-Handarbeiten.
Gießen, den 5. April 1887.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 2616
Mittwoch den 6. April,
Nachmittags 2 Ubr, versteigere ich gegen Baarzahlung:
Sopha's, Kommoden, Kleiderschränke, Glasschränke, Spiegel, Bilder, Tische, 1 Regulator, Wand- u. Taschenuhren, 1 vollständiges Bett, 1 Ladeneinrichtung, ca. 2 Wagen voll Heu, 20 Rmtr. Brennholz, 1 Kuh und 3 Schafe.
Zusammenkunft auf meinem Bureau.
2571 Gerichtsvollzieher.
2598 Einige große Oleander u. dgl., ' sowie eine Garnitur eleganter eiserner | Äarterrmövel. Ostanlage, Wiesenstr. L |
2612] Die Versteigerung im Ä>. Mahler'schen Hause, Wallthorgraße 41, werd Mittwoch den 6. April Nachmittags 2 Uhr fortgesetzt.
Aeilgeöotenes.
la. Dänischen Saathafer Saatwicken u. -Erbsen offerirt 2594
Joseph Herz, Neuen Baue 25.
2617] Lebendfrische Schellfische «. Cavliair, div. ftzluß- und Seefische, zartes frischgeschlachtetes Mastge- ftügel.
A. Koch
Hamb. Fisch- u. Delicatessenhandlung.
Für Confirmanden
empfehle billigst
Kragen, Manschetten, Shlipse, Hosenträger, Kragen- und Manschetten- knöpfe re.
J. H. Fuhr, 2601 Sonnenftraße 25.
Frankfurter Hof. «
Münchener Bock Im Anstich.
2615
X Träger, Säulen, Abtrittsrohre, Kamin- fchieber, Pfuhlpumpeu und sonstige Bau-Artikel, Gement und G-ypa, Gartenmöbel, Gartengeräthe, als: Spaten, Schippen, Hacken, Rechen rc-, Kleesamen, weißen, rothen und ewigen, Grassamen.
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