Lehrer»Conferenz des Conferenz-Bezirks Gießen:
Mittwoch den 9. November, Vormittags 10 Uhr, in Gießen. — Lieder 4. 6. 185.
Gießen, den 4. November 1887. Büchner, Schulrath.
।
Universität- - Chronik.
Leipzig, 31. October. Heute Mittag fand an unserer Universität unter den üblichen Feierlichkeiten der alljährlich am Reformationsfeste wiederkehrende Rectorats- wechsel statt. Die akademischen Fastes gingen aus den Händen des Prof. Dr. theol. Woldemar Sch midt in die des Hofraths Prof. Dr. phil Otto Nibbeck über. Abends brachte die Studentenschaft beiden Herren einen Fackelzug dar.
Peutschkand.
Darmstadt, 3. November. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 1. d. Mts. den Prinzen Hermann zu Solms - Braunfels, Durchlaucht, zu Hungen zum Major ä la suite der Infanterie zu ernennen geruht. Ä ,
][ Darmstadt, 3 November. Se. Königl. Hoheit Prmz Heinrich von Preußen, der hohe Bräutigam unserer Prinzessin Irene, ist gestern Abend, in Begleitung de» Herrn v Usedom von Baveno kommend, zu Besuch der Großh. Familie hier e igetroffen. Höchstderselbe nimmt heute an der Hub^'tuS' jagd Thetl, welche Se. Königl. Hoheit der Großberzcg im Kranichsteiner Wild» park abtzält. Zu derselben haben Ihre Großh. Hoheiten die Prinzen Alexander unv Heinrich von Hcsftn und eine größere Anzihl von Herren der Hosjagd-Gesellschast Einladungen erholten. Nach Bändigung der Jagd findet im Jagffchloß Kranichstein ein Diner statt. Morgen in der Frühe reisen Ihre Königl. Hoheiten der Grobherzog und der Prinz Heinrich von Preußen zur Teilnahme an der kaiserlichen Hosjagd nach Springe (Hannooer) ab, von wo Prinz Heinrich von Pnußen wieder mit hierher zurückkehrt, um noch einige Zett am hiesigen Hofe zu verweilen. . ,
Berlin, 3. November. Der Kaiser hat Nachts nut einigen Unterbrechungen ziemlich gut geschlafen und keine Schmerzen gehabt.
— Der Kaiser ist Mittags aufgestanden. Um 2 Uhr hört er den Vor- trag Albedyll's und empfängt später den Hosmarschall des Kronprinzen, Grasen Raooltnrki, welcher sich demnächst zum Kronprinzen nach Italien begtebt.
— Der Bundesrath nahm heute die Äusjchuß'Anträge, betr. die Ergänzung der vorläufigen Ausführungs-Bestimmungen zu oem Gesetze über die Besteuerung des Branntweins, an und stimmte dem Ausschußberichte über den Gesetzentwurf, betr. den Verkehr mit Wein nebst den bezüglichen Eingaben, zu.
Hamburg, 3. November. Der hiesige spanische Generalkonsul theilte der Handelskammer mit, daß er von der spanischen Regierung ermächtigt sei, von hmte ab die vorgelegten Atteste über den deutschen Ursprung und die deutsche Herkunft des nach Spanien versandten Sprits zu beglaubigen.
Frankreich.
Paris, 3. November. Der Ministerrath trat gestern Abend zusammen, um Beschlüsse zu {affen über seine Stellung zur Convertirungs- und zur Enquete-Frage. Die Minister unterbreiten morgen Herrn Grövy ihre Resolution. Das „Journal des Döbats" sagt, die Koalition gegen das Ministerium in der Angelegenheit der Konverttrung sei sehr stark.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Corresponderrz- Bureau.
Berlin, 3. November. In der heutigen Sitzung des Landwirthschaftsraths referirte v. Puttkamer-Plauth über die Aufhebung des Identitätsnachweises. Er erhob scharfe Angriffe gegen den Minister Maybach wegen der hohen Getreidefrachten. Der Minister Lucius begrüßte die Versammlung und versicherte, die preußische Negierung, sowie die verbündeten Regierungen schenken den Berathungen die vollste Aufmerksamkeit und Beachtung. Die zum zweiten Male erhöhten Zölle seien nur für den Schutz der Landwirlhschaft, nicht aus fiskalischem Interesse geschaffen worden. Einige 40 Mill. Einnahmen kämen allen Steuerzahlern, auch den landwirtschaftlichen, welche einen bedeutenden Bruchtheil der Bevölkerung bilden, zu Gute. Die Zölle hätten somit auch Gutes gewirkt. Die Regierungen seien bestrebt, der Landwirlhschaft über die Krise hinweg,mhelfen, was nicht mit einem Schlage geschehen könne.
Brüssel, 3. November. Eingelaufenen Nachrichten zufolge legten in Produits sous Lenu 584, in Quaregnon 470 Grubenarbeiter die Arbeit nieder; sie verlangen eine Lobnerhohung.
Baveno, 3. November. Das Kronprinzenpaar hat sich mit den Töchtern heute Morgen nach Arona begeben, um nach San Remo zu reisen.
San Remo, 3. November. Der Kronprinz von Deutschland ist heute Abend 7 Uhr dier etngetroffen.
London, 3. November. Salisbury empfing eine Deputation der Grimsbyer Fischerboolsdesitzer, welche gegen die dem Capitän der „Lady Godioa" Seitens der deutschen Behörden gewordene Behandlung protestirten. Er antwortete, die Regierung werde nach der Beendigung des gesetzlichen Verfahrens die Kronanwälte befragen, ob nach internationalem Recht eine Entschädigung zu verlangen sei. Es handle sich hauptsächlich darum, ob die „Godiva" in deutschen Gewässern beschlagnahmt worden sei oder nicht. Im ersteren Falle könne der Führer des Schiffes keine andere Behandlung beanspruchen, als sie den deutschen Untertanen zu Thetl würde; im zweiten Falle handle es sich darum, ob nach den bestehenden internationalen Gebräuchen verfahren sei. Die deutsche Regierung sei aber gerecht und freundlich und werde sicher Gerechtigkeit walten lassen. Man könne jedoch nicht erwarten, daß dieselbk die Engländer gegenüber den Deutschen bevorzuge.
Belgrad, 3. November. Die Skupschtina ist auf den 27. d. M. nach Belgrad einberufen.
seinen Aufenthalt da zu nehmen, wo er stets ärztliche Hülfe finden könne i m i« Gießen); 3) eine von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz in 'dem Eifenbahndtrection Hannover ertheilten Erlaubniß zur Anlage einer Ueberiahrt bei K Rüsing'schen Wirtschaft betr. Schreiben veranlaßte rebactioneöe Aenderung- 4\ hnl Resultat des Beschlusses der vorigen Sitzung über die Laterne am Eingänge der gasse, mit der Mittheilung, daß Herr Sch mall sich nicht bereit erklärt hat iahri#* 20 Jt für das Weiterbrennen der Laterne zu entrichten und es?sonach, da fnnft Beschluß vorliege, bei dem seitherigen Zustande zu bleiben Habei — Qum i « ™ der Tagesordnung: Gesuch des Herrn Jac. Büttner um Crlaubmß»um schaflsbetrieb 2C. hat Großh. Polizeiamt ein Bedürfniß zum Ausschank von Sranntmri nickt anerkannt; die Commission ist indeß dafür, daß die Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein zu gestatten sei, wenn die Wirthschafts-Concession überhaupt ertbtilt werden würde, womit die Versammlung sich einverstandenerklärt. — DiePrüsunak-- Rechnung des Realgymnasiums vom Jahre 1886/87 hat.eine Beanstandung nirht ergeben, es erfolgt Genehmigung der Rechnung. — Mit dem Anträge der Bauden»- tation, über das Gesuch der Actienbrauerei Gießen um käufliche Ueberlassung städtnch<m Geländes dann weiter zu verhandeln, wenn über die Erbauung der Kreisstrake Leihgestern endgültig beschlossen ist, erklärt sich die Versammlung einoerftanben 1- * Der Uebertragung des s. Z. zwischen der Stadt und der nunmehr verstorbenen Bleichn- Schürtz Wwe. abgeschlossenen Pachtvertrags auf den 'L-ohn der Letzteren wird Ee- nehmigung erteilt. — Infolge Reparatur des Wehres an der Obermühle ist Lerr Bleicher Schürtz lt. Eingabe durch Anfahrung großer Steine und in ierbinhn™ hiermit durch Beschädigung des über die Bleichen führenden Weges geschädigt worb,n- er bittet 1) um Wiederherstellung des Weges und 2) um eine Entschädiguna für ein Stück während des Wehrbaues zu Bleichzwecken untauglich gewordenen Geländes. Die Versammlung erklärt sich mit dem Anträge der Baudeputation einverstanden, welcher dahingeht, den Weg wieder Herstellen zu lassen und dem Gesuchsteller 10 als Entschädigung auf den Pachtbetrag gutzuschreiben. - Herr Hanstein macht auf die Ausbesserungsbedürftigkeit des östlichen Fußwegs der Ludwigsstraße, in der Nähe des Universitätsgebäudes, aufmerksam, und bittet, da der westliche Fußweg durch das Baugerüst des Laboratoriums gesperrt sei, den östlichen durch Sandauffüllung gangbarer zu machen. Der Vorschlag des Herrn Hanstein soll in Berücksichtigung gezogen werden. — Die einem städtischen Lehrer in Folge seiner Verheirathung zustehende Wohnungsvergütung von 300 JL wird bewillig!. — Die Schlachthaus-Commission hat den Antrag gestellt, den im Schlachthaus bis 1. April sich ergebenden Dünger zum Verkaufe auszuschreiben; die Versammlung ertheilte hierzu die Genehmigung. — Herr Stadtbaumeister Stief hat die Entwürfe zu den Instructionen für die Beamten des Schlachthauses, Verwalter, Maschinist und Taa- lohner, vorgelegt. Unter Billigung der von der Commission beschlossenen Aenderungen werden die betr. Instructionen genehmigt. — Die Fleischbeschau detrefiend, wird mitgetheilt, daß der seitherige stellvertretende Fleischbeschauer, Herr Plank, sich bereit erklärt hatte, sich einer Prüfung hinsichtlich seiner Qualifikation zur mikroscopischen Untersuchung des Fleisches zu unterziehen, auf ärztliches Anrathen jedoch davon abgegangen sei, da er die dazu erforderliche Sehkraft nicht besitze. Mit dem neuen Vorschlag, Fräulein Stoß, Tochter des Herrn Fleischbeschauers Stotz, welche mit der mikroscopischen Untersuchung des Fleisches betraut sei und sich einer Prüfung unterziehen will, zur Unterstützung ihres Vaters zuzulassen, erklärt sich die Versammlung einverstanden, da nach einer in der Gemeinde-Zeitung befindlichen Notiz auch anderwärts, namentlich in Berlin, Damen als Fleischbeschauerinnen angestellt sind.
Gießen, 4. November. Gelegentlich der Plenarsitzung des Königl. Bezirks- Eisenbahnraths Cöln am 2. November ist einem der Herren Theilnehmer auf dessen Anfrage bezüglich der mangelhaften Personenzug - Verbindung auf der Strecke Deutz- Gießen von Seiten eines Mitgliedes der Königl. Eisenbahn-Direction die beruhigende Zusicherung geworden, daß ein neuer, verbesserter Fahrplan, welcher nach jeder Richtung einen Zug mehr als seither enthalte, im Entwurf vorliege und dem Herrn Minister zur Genehmigung unterbreitet werden solle. ES habe in dieser Angelegenheit am 1. November eine technische Conferenz in Gießen stattgefunden und sei zu erwarten, daß demnächst diese Fahrplan - Aenderung Großh. Handelskammer zur Begutachtung vorgelegt werde.
Das Bestreben der Königl. Eisenbahn-Direction, eine über die ihr vorliegenden Anträge hinausgehende Verbesserung der gedachten Zugverbindungen zu bewirken, ist dankend zu oerzelchnen. K.
e. Gießen, 4. November. Die für das hiesige Regiment bestimmten Rekruten trafen gestern und heute hier ein, desgl. die für die auswärtigen Regimenter aus- gehobenen Rekruten, welche im Laufe des Tages nach den betr. Garnisonorten befördert wurden. Den hiesigen Bahnhof passirten in den letzten Tagen größere Rekrutentransporte, welche entweder nach Berlin ober nach Elsaß-Lothringen bestimmt waren.
-e Gießen, 4. November. In der gestrigen Sitzung des „Historischen Vereins" erstattete Herr Dr. Klewitz Bericht über die Generalversammlung der deutlchen historischen Vereine in Mainz und im Speziellen über die dort gehaltenen Vorträge, von welchem derjenige über die Mainzer Brücke als für unser engeres Vaterland interessanteste namentlich hervorgehoben zu werden verdient. Die nahezu drei Jahre dauernde Entfernung der alten Strompfeiler hat interessante Aufschlüsse ergeben über das Alter und die Erbauung der Brücke. Aus den in den Strompfeilern Vorgefundenen Werkzeugen, Münzen rc. ist zu schließen, daß diese Brücke nicht in der Zeit Karls des Großen, sondern zur Zeit der Römer von diesen erbaut wurde. So trug ein vorgefundener eichener Schlägel den Stempel der 14. Legion, welche um die Zeit des ersten Jahrhunderts n. Chr. in Mainz gelegen, während durch eine Vorgefundene Münze mit dem Zeichen der 22. Legion darauf hinweist, daß an dem Bau ober bet Wieberherstellung ber Brücke noch lange nachher gearbeitet worden sein mutz. Lange hat übrigens die Brücke nicht gestanden, sie wurde wiederholt zerstört. — Der nun folgende Vortrag des He^.u Prof. Dr. Buchner über die Herkunft der Nephritbeile bot viel des Interessanten und Lehrreichen und wurde das Verständniß für den Vorttag durch Vorlage einer schönen Sammlung von Steinwerkzeugen wesentuch unterstützt. Steinwaffen, welcher sich unsere Vorväter zu allen Zeiten zu den verschiedenartigsten Verrichtungen bedient, ivurden bei allen Völkern der Erde gesunvm und werden von vielen heute noch geführt. Schwarze Kieselschiefer lassen eine vollständige Bearbeitung zu, und sind als die härtesten bekannt. Von diesen testen etctnen hat man die meisten in den Pfahlbauten der Schweiz gefunden, namentlich vleu Nephritbeile. Auch in Deutschland, westlich der Elbe, habe man Nephrit m ktemen Parthien gefunden, von welchen aber zweierlei Arten festgestellt worden, der elgcnMM Nephrit und der Jadeit. Beide lassen sich nur durch allergenamste mikrolcopllA Untersuchungen unterscheiden. Die Thatsache, daß Nephritbeile über ganz DeuWwnv verbreitet find und von unseren Vorfahren sehr viel gebraucht wurden, läßt Die^agc entstehen: Woher haben unsere Urväter das Rohmaterial zu diesen Waffen^ im ganzen großen Rheingebiet noch in seinen Seitenflüssen und Seitenthalern W v eine Spur von Nephrit anstehend gefunden worden, ebensowenig im übrigen Europa, sondern er findet sich im chinesischen Turkestan, woselbst er hochgeschätzt und zu auma Gegenständen verarbeitet wird, ferner in Ostsibirien im Oouoernement Srfutöt unv endlich in Neuseeland, Tasmanien und Neucaledonien. Der kürzlich verstorbene -pro'- Fischer in Freiburg hat in einem von ihm herausgegebenen Buche dargelegt, daß o« Nephrite aus Asien stammen, einerlei wo man sie gefunden, sie seien durch Foriw" in die Pfahlbauten der Schweiz gekommen und durch diese aucbjpäter bezogen woroen- Die hier und da vorgefundenen einzelnen Exemplare dieser Steingattungen ronn« auf dem langen und beschwerlichen Wege verloren gegangen sein. Andererieus avr wird behauptet, daß die z. B. bet Potsdam, Merseburg rc. gefundenen Rephrtte Gletscher an ihre Fundorte geführt worden. In dem Werke Fifcher's wird dle -bya . fache, daß die Nephrite über einen großen Theil Amerikas, vom Ohio bls zu o Grenze Chile's gefunden worden, durch die Völkerwanderung nach Amerika erklärt u sonnt behauptet, daß Amerika von der alten Welt bevölkert wurde. Nun komme a - der gewissenhaft prüfende Meteorologe und finde, daß die z. B. beii Potsdam u. b - < gefundenen Nephrite oder Jadeite in ihren mikroscopisch zu unterfcheidenden Vesta
8 O f <8 l €
Gießen, 4. November. {Sitzung der Stadtverordneten vom 3. Novembers Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Keller, Seitens der Stadtverordneten die Herren Baist, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hanstein, Hoch, Homberger, Jughardt, Kauf, Ad. Noll, Dr. Ploch, Scheel, Simon, Vogt und Wallenfels.
Die gestrige öffentliche Sitzung war, weil über nur wenige Punkte zu verhandeln, von kurzer Dauer. Vor Eintritt in die Tagesordnung bringt Herr Bürgermeister Bramm zur Kenntniß der Versammlung: 1) eine Einladung an das Stadt- verordneten-Collegium Seitens des Gesangvereins Liederkranz zu dessen am 6. und 7. November d. I. stattfindenden 50. Stiftungsfeste; 2) das Urtheil des Provinzial- ausschusfes in Betreff der Reclamation des Herrn Ludwig Hoffmann gegen die Heranziehung des Letzteren zur Communalsteuer der Stadt Gießen (Recurrent wurde demnach abgewiesen und zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 40 in die Provinzialkasse verurtheilt, indem der Provinzialausschuß die Behauptung deö Re- currenten, daß er nicht in Gießen, sondern in Hofgüll seinen Wohnsitz habe, durch die Thatsache widerlegt erachtete, daß Herr Hoffmann in Hofgüll nur ein eingerichtetes Zimmer besitze, während ihm andererseits durch ärztliches Gutachten angeratben worden, I


