Ausgabe 
5.6.1887 Erstes Blatt
 
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Ar, 127 ' ' Erstes Blatt. Sonntag dm 5. Juni 1887.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher Theiü

Nr. 15 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. Mai d. I., enthält: (Nr. 1715.) Gesetz, betreffend den Servistarif und die Klaffeneintheilung der Orte. Vom 28. Mai 1887.

Gießen, am 3. Juni 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

vr. Boek mann.

Gefunden: 1 Kinderkragen, 1 Armband, 1 Serviettenring, 1 Bernsteinhalskette, 1 Sonnenschirm, 2 Taschentücher, 1 Notizbuch, 1 Rohrstuhl, 1 Päckchen Flicklappen, 1 Kinderhut, 1 goldene Brosche, mehrere Schlüffel und Hundeblechmarken.

Gießen, am 4. Juni 1887. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 3. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 24. April der Elisabeths Bogel aus Offenbach in Anerkennung ihrer 36jährigen treu geleisteten Dienste bei ein uno derselben Familie die silberne Verdienst-Medaille des Ludewigs-Ordens zu verleihen.

Am 25. Mai l. Js. wurde der Heizer bei den Oberhessischen Eisen­bahnen Otto Müller zum Wagenrevisor bei diesen Bahnen ernannt.

Darmstadt, 1. Juni. Zum Königlich Italienischen General-Consul in Frankfurt a. M., deffen Amtsbezirk sich auch aus das Großherzogthum erstreckt, ist der bisherige Königl. Italienische Vice-Consul Otto v. Neufoille ernannt und demselben Namens des deutschen Reichs das Exequatur ertheilt worven.

Darmstadt, 2. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 28. Mai dem Vortragenden Rath bei der Abtheilung für Bauwesen im Ministerium der Finanzen, Geheimen Oberfinanzrath Adolf Schulz, das Comthurkreuz II. Klaffe des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Berlin, 2. Juni. Es ist höheren Orts Veranlaffung genommen, die Ersatz-Commissionen darauf Hinweisen zu lassen, daß Militärpflichtige, welche in den Terminen vor den Ersatzbehörden nicht pünktlich erscheinen, nach dem zwin­genden Wortlaut des ersten Absatzes des § 27 Nr. 7 der Ersatzordnung, falls nicht die Versäumntß durch Umstände herbeigesühct war, deren Beseitigung nicht in dem Willen des Gestellungspflichtigen lag, stets mit Geldstrafen oder Haft zu bestrafen sind, sofern sie nicht dadurch zugleich eine härtere Strafe verwirkt haben, und zwar ohne Unterschied, ob dieselben hinterher zur Einstellung gelan­gen oder nicht. Die Strafe habe selbstverständlich auch einzutreten, wenn die Betreffenden gar nicht erschienen seien. Die in den Absätzen 2 und 3 des § 24, Nr. 7, a. a. O. den Ersatzbehörden ertheilte fakultative Befugniß, den genannten Militärpflichtigen die Vortheile der Loosung zu entziehen, bezw. die­selben gegebenenfalls als unsichere Heerespflichtige zu behandeln, beziele lediglich Maßregeln, welche für die militärische Controle nothwendig seien. Diese Maß­regeln seien nicht als Strafen in dem Sinns zu betrachten, daß in Folge der­selben die Verhängung der im ersten Absatz erwähnten Geldstrafe oder Hast ausgeschlossen werde. Insbesondere seien die in Gemäßheit dieses ersten Absatzes verhängten Strafen durch Requisition der betr. Truppenthetle auch dann noch zur Vollstreckung zu bringen, wenn bereits die Einstellung der Betreffenden statt­gesunden habe.

Hamburg, 2. Juni. Se. Maj. der Kaiser traf heute Abend 7 Uhr 15 Mm. auf dem festlich mit Guirlanden, Flaggen und Ehrenpforten geschmück­ten Klosterthor-Bahnhos ein, stieg daselbst aus und nahm die Begrüßung der Deputirten des Senats, der Bürgermeister Dr. Versmann und Hayn und des Senators Hachmann, entgegen. Allerhöchstderselbe reichte den beiden Bürger­meistern die Hand, unterhielt sich längere Zeit mit denselben und schritt sodann die Front der auf dem Bahnhofe ausgestellten Ehren-Compagnie vom 76. Regi­ment ab. Während der Fahrt nach Altona verweilte der Kaiser stehend am Fenster seines Waggons, überall von ununterbrochenen, jubelnden Hochrufen der zu beiden Seiten der Verbindungsbahn angesammelten Menschenmenge begrüßt. Während der kaiserliche Zug die Altonaer Kaserne passirte, wo das Officier- Corps sich aufgestellt hatte, spielte die Regimentsmusik die Nationalhymne. Se. Majestät grüßte dankend und setzte sodann ohne wetteren Aufenthalt gegen 8 Uhr die Reise nach Kiel fort.

Kiel, 3. Juni. Das Festmahl der Provinzialstände auf Bellevue war von 278 Personen besucht. Landtagsmarschall Gras Rantzau brachte den Toast auf den Kaiser aus. Der Kaiser toastete auf die schleswig-holsteinischen Lande und auf das Gedeihen des Kanals. Soeben erfolgte die Abreise Sr. Majestät des Kaisers. (gr. Ztg.)

Kiel, 3. Juni. Der Kaiser fuhr in offenem Wagen nach Holtenau und traf kurz nach 10 Uhr auf dem Festplatze ein, wo er vom Staatssecretär Bötticher und von der Kanal-Commission empfangen wurde. Bötticher verlas in Vertretung des Reichskanzlers die Grundstein-Urkunde, Lerchenfeld-Koesering überreichte dem Kaiser die Kelle, Wedell-Piesdorff den Hammer. Der Kaiser that drei Hammerschläge, dann folgten die Prinzen, Minister, die stimmführen­den Mitglieder des Bundesraths, die Präsidenten des Reichstags und Landtags, die Chefs der Reichsämter rc. Nachdem Hofprediger Koegel die Weiherede ge­

i halten und der Chor Haendel'sHallelujah" gesungen hatte, brachte Bötticher \ das Hoch auf den Kaiser aus, in welches die ganze Versammlung begeistert ! einstimmte. Nach Beendigung der Feier fuhr der Kaiser trotz hohen Seegangs I auf derPommeranta" nach Kiel zurück, wo er bei dem reichgeschmücklen Schuhmacherthor unter jubelnden Zurufen einer dichtgedrängten Menschenmenge landete.

Lübeck, 3. Juni. Der Kaiser passirte aus der Rückfahrt von den Kieler Festlichkeiten um 6 Uhr 30 Min. den hiesigen Bahnhof. Der Senat begrüßte ; während des kurzen Aufenthalts den Kaiser. Die Schulen und zahlreiche Ver­eine mit Fahnen und Musik hatten am Bahnhof Aufstellung genommen. Eine unabsehbare Menschenmenge war anwesend. (Fr. Ztg.)

Karlsruhe, 3. Juni. Die Rench ist bei Oberkirch rapide in Folge des Wolken­bruchs gestiegen; die gestrige Höhe betrug bei starker Hochfluth 2 Meter 20 Centimtr. Der Wolkenbruch im Wolfachthal ist gleichfalls bedeutend. Der Verkehr der Renchthal- bahn war bis heute früh unterbrochen. Es regnet hier beständig. (F. Z.)

Hesterreich.

Budapest, 3. Juni. Aus Szegedin wird berichtet: Die Organe des Com- 'Nunicattons-Mtnisteriums arbeiten planmäßig, um durch einen Ringdamm und Ramm- 1rf die Einbruchstelle zu schließen, was in 23 Tagen gelingen wird. Die Ueber- schwemmung kann jedoch nicht mehr verhindert werden. Die autonomen Organe der Maros- und Theiß-Regulirungs-Gesellschaften haben sich total kopflos und ungenügend erwiesen; die Bevölkerung ist gegen sie sehr erbittert. Tisza ist in Szegedin an­gekommen. (F. Z.)

Rußland.

Petersburg, 3. Juni. Em heute veröffentlichter Tagesbefehl des Krtegsministers beruft Reservisten der Infanterie, und zwar die Leute privili- gicter Dtenstklaffen und Freiwillige des Jahrganges 1882 und Leute der nicht- prtvilegirten Dienstklaffen dec Jahrganges 1877 zum 15. resp. 20. Sept. d. Js. auf höchstens 3 Wochen zu den in dem Reglement über die Wehrpflicht vorge- sehenen Uebungen ein.

UniverfitätS- Chronik» u a .

4654 Studirende sind während des laufenden Sommerhallyahrev an oer Berliner Universität immatrikulirt. Es ist längst bekannt, daß dieAlma mater Berolinensis die anderen meistbesuchten deutschen Hochschulen weitaus überflügelt hat, und wenn man prüfen will, ob sie auf ihrer Höhe sich erhallen hat, so darf man

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bnreair«

Berlin, 3. Juni. Der Kaiser ist heute Abend IV/1 Uhr wohlbehalten hier eingetroffen.

Bremen, 3. Juni. Der Nordd. Lloyd theilt mit: Die Post und die Passagiere des DampfersOder" sind vollständig gerettet. Der dritte Officier und drei Mann der Besatzung werden noch vermißt.

London, 3. Juni. Gladstone begab sich gestern von Hawarden nach Swansen woselbst eine Demonstration der Liberalen ftattfinden wird. Auf sämmtlichen Stationen* auf denen der Zug anhielt, wurde Gladstone eine lebhafte Begrüßung seitens der Be­völkerung zu Thetl. Mehrere Städte brachten Geschenke dar, insbesodere Erzeugnisse der heimischen Industrie. Gladstone hielt mehrere Ansprachen unterwegs, wobei er fast immer auf Irland zurückkam, jedoch auch betonte, daß den Bewohnern von Wales eine gleiche Autonomie für ihre eigenen Angelegenheiten zugestanden werden müsse.

Brüffel, 3. Juni. Bezüglich einer nach auswärts telegraphirten Meldung, wonach der Wagen des Königs auf der Laekener Brücke von vier Individuen angehalten worden wäre, ist nach eingezogener Erkundigung Folgendes mttzutheilen: Während der König, von feinen Adjutanten begleitet, in geschlossenem Wagen über die Brücke fuhr, kam ihm aus der anderen Richtung ein Karren mit vier halb betrunkenen Leuten entgegen, wovon einer die Faust in der Richtung auf den königlichen Wagen ballte. Ein in der Nähe befindlicher Polizeibeamter sah diese Bewegung und führte den be­treffenden Mann aufs Polizeidureau, von wo derselbe nach erfolgter Vernehmung fteigelassen wurde. Er erklärte, er habe den König durch eine Handbewegung be­grüßen wollen.

MonS, 3. Juni. In Quaregnon wurde der socialtstische Agitator Fauviaux in dem Augenblicke verhaftet, als er sich zu dem Meeting nach Jemappes begeben wollte. In Folge der Verhaftung sammelten sich in Jemappes vor dem Locale, wo die socialisttschen Führer tagten, Arbeiterhaufen an. Ein Officier der inzwischen ein- getrofienen Mtlttärabtheilung richtete die gesetzlichen Aufforderungen zum Auseinander­gehen an die Menge, worauf das Militär und die Gensdarmen von ihren Waffen Gebrauch machten. Mehrere Personen wurden verwundet.

Athen, 3. Juni. Die Deputtrtenkammcr genehmigte in dritter Lesung die für den Kronprinzen beantragte Dotation. Die Opposition enthielt sich der Ab­stimmung.

Newhort, 3. Juni. Nach einem aus Chihuahua in Mexiko hier einge­troffenen Telegramm enfftand in der dortigen Kathedrale in Folge einer brennenden Altardecke ein Feuerlärm, wobei einige Kinder erdrückt und mehrere Frauen verwundet wurden. -