systematisch und schwunghaft, mit unermüdlicher Energie und vollendetem Rasst- nement. Ihre Operationen stnd genau auf den französischen National«Charakter berechnet. Ihr Appell an den ritterlichen Sinn der Franzosen, den elsaß-lothringischen Brüdern zu Hülse zu eilen, muß in Frankreich umsomehr Eindruck machen, als zu diesen Agitatoren ehemalige Elsaß Lothringer gehören, Elsaß- Lothringer, die ihre Heimath zur Zeit des Krieges verlassen haben und die nun ihr ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet haben, durch einen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich Elsaß * Lothringen wieder vom deutschen Reiche loszureißen, um wieder mit Frankreich vereinigt zu sein. Mit jedem Tage wird bei ihnen der Wunsch dringender, an der Spitze der sranzösischen Armee nach Elsaß - Lothringen zurückzukehren. Dabei versündigen stch diese Männer an der französischen Nation selbst, indem sie die Täuschung Hervorrufen, daß Elsaß-Lothingen den Revanchekrteg wolle. Wenn ich diese Stimmung im Lande richtig beurtheile, so geht sie dahin: lieber als daß Frankreich um Elsaß-Lothringen sich in einen Krieg mit Deutschland stürzt, der unter allen Umständen für Elsaß-Lothringen ein Unglück, für Frankreich eine große Gefahr ist, lieber wollen wir, daß wir bleiben, was wir jetzt sind, d. h. Angehörige des deutschen Reiches. Das, meine Herren, ist die Stimmung, wie ich glaube, der ungeheueren Mehrheit des Landes und ich freue mich, daß mir in diesem Hause nicht widersprochen worden ist. Wenn dies der Fall ist, dann liegt es im Interesse der Erhaltung des Friedens, daß diese Stimmung des Landes zum Ausdruck kommt, und dann, m. H., ist die nächste Reichstagswahl dazu die geeignete Gelegenheit. Meine Herren, wenn das Land Abgeordnete in den Reichstag schickt, die dort laut und entschieden verkünden und darnach ihre Abstimmung emrtchten, daß Elsaß-Lothringen von einem Wunsche nach Krieg nichts wissen will, so wird das in Frankreich Eindruck machen. Sicherlich werden die elsaß- lothringischen Abgeordneten im Reichstage mit größter Entschiedenheit erklären, daß weder sie noch die Franzosen den Krieg wollen. Aber wird damit die Kriegsgefahr beseitigt werden?
lieber die Vorgänge am Rothen Meere liegen jetzt endlich nähere Mittheilungen des italienischen Obercommandirenden in Massauah, General Gens's, vor. Hiernach griff der abyssinische Feldherr Ras Alula die vorgeschobene Stellung der Italiener bei Sati am 25. Januar an, wurde jedoch nach dreistündigem Kampse zurückgemorfen. Am 26. Januar griffen die Abyssinier eine italienische Colonne, welche sich auf dem Wege nach Satt befand, an; der italienische Bericht drückt sich ober über den Ausgang des Kampfes sehr ungenau aus. Jedenfalls scheint es sehr blutig zugegangen zu sein, da 90 Verwundete nach Massauah gebracht wurden und die Verluste der Italiener überhaupt noch nicht festgestellt werden konnten. General ®enö meldet weiter, daß in Folge dieser Vorgänge die italienischen Vorposten aus Sati und Arafali zurückgezogen wurden, während sich Ras Alula wegen feiner großen Verluste „wahrscheinlich" nach Ghinda zurückziehe, um hier den Negus selber zu erwarten.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Corresporrdenr- Bureau.
Berlin, 3. Februar. Se. Majestät der Kaiser nahm Vormittags militärische t Meldungen und hierauf Vorträge des Kriegsminifters und Albedyll's entgegen.
— Das Abgeordnetenhaus erledigte nach unerheblicher Debatte die Extraordinarien der Justiz- und Kriegsverwaltung, der Staatsarchive und der Bauoermallung, sowie den Etat der Staatsschuldenverwallung.
— Die Budget-Commission des Abgeordnetenhauses genehmigte unverändert den Etat der Ansiedelung-Commission. Im Laufe der Debatte erklärte Minister Lucius auf eine Anfrage Magdzinskt's, es sei nicht Grundsatz der Regierung, katholische Bewerber von den Colonistenstellen auszuschließen.
Berlin, 3. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." entnimmt einer Correspondenz aus Barcellona, daß nach Meldung dortiger Zeitungen französische Abgesandte die dortigen Bergdistricte durchreisen und Pferde und Maulthiere ankaufen.
— Gutem Vernehmen nach verzichtete der Sultan von Zanzibar freiwillig auf die Ansprüche des Kilimandjaro-Gebiets und erklärte sich bereit, seinen Verzicht auch dm Häuptlingen dieses Gebiets amtlich mitzutheilen, so daß nunmehr der ganze Landstrich der deutsch-oftafrikaniscken Gesellschaft offen steht.
Köln, 3. Februar. Der jüngst pensionirte Oberlandesgerichtspräsident Heim- soeth ist gestorben. — Der Reichstagswahl wegen wurden für den Rosenmontag alle öffentlichen Aufzüge (Maskenzüge) verboten.
Paris, 3. Februar. Der „Rep. Franc." ging eine Depesche aus Suez zu mit näheren Angaben über die Niederlage der Italiener bet Massauah. Von 480 Ansiedlern seien nur 50 am Leben geblieben. Alle Kanonen wurden genommen. Die Italiener räumten sämmtliche Außenpositionen. Die Abcssynter griffen Massauah am 27. Januar an und stürmten die ersten Verschanzungen.
London, 3. Februar. Unterhaus. Unterstaatssecretär Gorst erklärte auf Befragen die Nachricht von der Tödtung des Khans, sowie einer Anzahl Kulis in Kala Abdula, bezw. auf der Eisenbahnstrecke Quetta Kojak für gänzlich unbegründet.
— Randolph Churchill ist heute früh nach Paris abgereist. Derselbe verließ England aus Gesundheitsrücksichten und wird auf Anrathen der Aerzte mehrere Wochen im Süden Europas zubringen.
— Der „Standard" bespricht die Stellung Englands im Falle eines europäischen Krieges und meint, wenn Rußland vor oder nach dem Ausbruche eines offenen Conflictes zwischen Deutschland und Frankreich vorrücke, um die Balkanhalbinsel zu erobern und Konstantinopel zu besetzen, könne England nicht den theilnahmlosen Zuschauer spielen. Niemand verdiene den Namen eines Staatsmannes, der nicht anerkenne, daß mächtige, England nahe berührende Fragen in den gegenwärtigen Streitigkeiten der Lösung entgegenreifen; kein noch so glänzender Redner werde das Volk überzeugen können, daß der Augenblick gekommen sei, die Rüstung abzulegen, weil es thöricht sei, für die Beibehaltung derselben neue Steuern zu zahlen; schlimmer als thöricht würde es aber sein, wenn England mit gekreuzten Armen dastünde, während sich Europa auf das Schlimmste vorbereite.
Rom, 3. Februar. Der „Riforma" zufolge wurde der italienischen Expedition nach Salimbeni von Rasalula eine Falle gelegt. Er empfing die Expedition freundlich Bevor jedoch der italienischen Regierung eine Nachricht vom Kampfe bei Sahiti zu- ging, erhielt die Regierung die Meldung, daß die Expedition gefangen sei und in Salimbeni als Geißel von Rasalula zurückgehalten würde.
— In der letzten Nacht wurden in Aquila drei Erdstöße wahrgenommen, wovon zwei mit stark wellenförmiger Bewegung.
Athen, 3. Februar. Oie Thronrede, womit der König heute die Kammer eröffnete, dankt für die anläßlich der Majorennilätsfeier des Kronprinzen ausgesprochenen Gesinnungen. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten seien geordnet und regelmäßig und gestatteten, sich der Aufbesserungen der inneren Verhältnisse zuzuwenden Die Finanzen erforderten umfassende Sorgfalt, um Griechenland die Erreichung seiner nationalen Ziele zu ermöglichen. Die verlangten Opfer überschritten in keiner Weise die produktiven Kräfte des Landes. Die Regelung der Finanzen, welche allen Verpflichtungen Rechnung trage, werde den Credit heben und zur Wiederaufnahme der unterbrochenen Arbeiten für die Entwickelung der Verkehrsstraßen beitragen und die Organisation der Armee und der Marine gestalten. Die Genehmigung der von der Regierung eingebrachten Vorlagen werde das Prestige Griechenlands heben, welches für die Entwickelung des Hellenismus mehr als je nothwendig sei.
Bukarest, 3. Februar. Die Kammer bewilligte heute auf Grund des Berichts Cogalniceanu's 5 Millionen zur Vervollständigung der Rüstungen.
Kairo, 3. Februar. Stanley trat heute, von etwa 60 Freiwilligen begieß seine Expedition zur Befreiung Emin Bey's an.
Lokale-.
Gießen, 4. Februar. Die beute zur Ausgabe gelangte Nr. 2 der Verwal- tungsblätler hat folgenden Inhalt:
1. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Sachen betr. die Anzeige gegen den Schulverwalter Höhn zu Lollar wegen Körperverletzung.
2. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Sachen betr. die Privatklage des Valentin Belzer II. zu Ginsheim gegen den Polizeidiener Joh. Balzhäuser und den Gemetndediener Jakob Günther daselbst.
3. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Sachen betr. die Privatklage des Bauunternehmers Nicolaus Hornlehnert zu Mainz gegen den Schutzmann Oefvcrberg daselbst wegen Beleidigung.
4. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Sachen betr. die Privatklage des Heinrich Kappes zu Groß-Karben gegen den Großh. Bürgermeister Lang daselbst wegen Beleidigung.
5. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Sachen betr. die Anklage gegen den Schulverwalter Becker zu Höchst i. O., jetzt zu Wolfskehlen, wegen Körperverletzung.
6. Oeffentltche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 30. December 1886.
Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal.
Gießen, 3. Februar. Herr Rentner L. Bücking läßt der heutigen Stadt- verordncten-Versammlung durch Herrn Stadtverordneten Bai st eröffnen, daß er auf Anregung seines verstorbenen Bruders, des weiland Rentners Herrn Friedr. Bücking, der Stadt Gießen zu einer milden Stiftung mit der Benennung ^Bücking'sche Stiftung" ein Kapital von 40,000 Mark vermacht. Ehre dem ssdlen Geber!
„ Gießen, 4. Februar, [post festum.] Felix Mendelssohn-Bartholdy gehört unter die begabtesten und glücklichsten Componisten. Sein Vater, Sohn des Philosophen Moses M., war der Bankier Abraham M.-B. zu Hamburg, der auf Wunsch eines in Rom verstorbenen Verwandten dessen Namen Bartholdy mit dem seinigen verband; seine Mutter die Tochter eines dortigen Bankiers. Beide hochbegabt und voll Interesse für Kunst und Wissenschaft ließen it-ren Kindern eine ausgezeichnete Erziehung zu Theil werden. Den ersten Clavierunterricht gab die Mutter. Nach dem 1812 erfolgten Ueberzug nach Berlin erhielt Felix den Virtuosen Ludwig Berger, dem er später seine Charakterstücke Op. 7 widmete, als Lehrer im Claoierspiel, den alten Zelter im Contrapunkt; ihm ist sein zweites Quartett Op. 2 zugeeignet. Kaum 9 Jahre alt trat er mit Dussek's concert militaire auf und erregte allgemeine Bewunderung. Sein Composilionstalent entwickelte sich so auffallend, daß Zelter den zwölfjährigen Künstler mit nach Weimar nahm, um ihn seinem Freunde Goethe vorzustellen. Der Altmeister war entzückt und hegte dis zu seinem Tode lebhaftes Interesse für Felix. Das dritte Quartett Op. 3 ist dem Geheunrath, Staatsminister von Goethe gewidmet. In der Singakademie wurde ein Psalm von ihm aufgeführt, und allwöchentlich wurden am musikalischen Abend in seiner Familie kunstsinnigen Freunden seine Werke zu Gehör gebracht. Doch wollte der Vater erst noch das Urtheil eines bedeutenden Musikers hören, ehe er seinen Sohn sich völlig der Kunst widmen ließ, zu der ihn nach allgemeiner Aussage die Natur erschaffen hatte. Er reiste darum 1825 mit Felix nach Paris zu Cherubini, und dieser stellte seinem jungen Collegeu em glänzendes Zeugniß aus. Nach der Rückkehr wurde mit neuem Eifer die musikalische und wissenschaftliche Ausbildung begonnen. Vor allem trieb er alte Sprachen, las die alten Dichter mit hohem Interesse und feinem Verständniß; ja feine veröffentlichte Ueber- setzung der „Andria" des Terenz fand nicht nur die Anerkennung der Presse, sondern sogar der Fachgelehrten. Auch mit neuen Sprachen beschäftigte er sich eingehend; er sprach und schrieb Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch. 1827 ward er immatrikulirt, hörte Geschichte und Philosophie und zeigte namentlich für diese hohe Befähigung. Daneben stählte er seinen Körper durch alle ritterlichen Künste. Als Mitglied der Singakademie, war er es im Verein mit seinem Freunde Eduard Deorrent, der Bach's Matthäuspassion fast hundertjähriger Vergessenheit entriß. 1829 finden wir ihn in London, von Moscheles eingeladen, wo er als Virtuose, Componift und Dirigent gleiche Triumphe erntete. Von hier aus durchstreifte er Schottland und Irland und kehrte dann nach Berlin zurück. Doch blieb er nicht lange hier, sondern wanderte, vielleicht verletzt durch Opposition gegen eine feiner Opern, nach Italien, um hier seine allgemeine künstlerische Ausbildung zu vervollkommnen. Sein Reichthum, die hohe Stellung seiner Familie und seine Talente öffneten ihm alle Thore. Er verkehrte in den ersten Kreisen und genoß den Umgang der damaligen Berühmtheiten Roms, wie des Cornelius, Vernet, Schadow, Thorwaldsen, Hildebrand, Liszt und Berlioz. Die Schätze altitalienischer Musik in den reichen Bibliotheken durchstöberte und studirte er mit großem Eifer. 1831 kehrte er zurück, spielte in München, dann in Paris, wo er von der Cholera befallen, aber gerettet wurde, und eilte nach London zu neuen Triumphen. Im Jahre 1833 finden wir ihn als Dirigenten des rheinischen Musikfestes in Düsseldorf, und nach dessen glänzendem Verlauf wurde eigens für ihn dre Stelle eines städtischen Musikdirectors geschaffen, in der er, abgesehen von seinem im Verein mit Jmmermann unternommenen Versuch, die Oper durch eine ,Musterbühne" zu heben, große Erfolge errang. Das Jahr 1835 rief ihn als Director der Gewandhausconcerte nach Leipzig. Seine bedeutendste That war hier die 1843 erfolgte Gründung des Conseroatoriums. Was er Alles für Leipzig gethan, bleibt unvergessen; er schuf die Musikstadt Leipzig. Die Wintermonate dirigirte er die Gewandhausconcerte, den Sommer war er in Frankfurt a. M., woher seine Frau stammte, im Taunus oder auf Kunstreisen. Sein Ruhm wuchs von Tag zu Tag mehr. Die Universität Leipzig verlieh ihm die Doctorwürde, Friedrich Wilhelm IV. versuchte zweimal, ihn nach seinem Berlin zu ziehen; doch er blieb in der ihm lieb gewordenen neuen Heimath. Am 9. October 1847 verschied er, allgemein betrauert.
Kan del und Verkehr.
Limburg, 3. Februar. Rother Weizen, JL '14-90, weißer Weizen 14.70. Korn JL 10.30, Gerste JL 8 40, Hafer JL 5.80, Kartoffeln ä 100 Pfund Jü 0.00 Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00. *
MrMicke Anzeigen der Greften.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sonntag Septuagesimä, 6. Februar.
Vormittags 9V2 Uhr; Pfarrer Dingeldey.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Montag, den 7. Februar, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder- schule. Markus Kap. 6, Jesu Verwerfung in Nazareth; Aussendung der Zwölfe. Pfarrer Dr. Naumann. ° 1 *
Am Sonntag den 13. Februar, Beichte und heiliges Abendmahl im Vormrttagsgottesdrenft.
Die Pfarrgefchäfte in der Woche vom 6. bis 12. Februar besorgt
Pfarrer Drngeldey. 1 H
Katholische G/meinde.
m rr Sonntag Septuagesima.
Von 7 Uhr an Beichte.
Um 8 Uhr: Frühmesse und Austhellung der hl. Communion.
„ VglO Uhr: Hochamt und Predigt.
Die Nachmittags-Andacht fällt aus.
Gottesdienst in der Synagoge.
~ Fr-itag Abend 4» uhr, Samstag Morgen 8-«- Uhr. Samstag Mittag 3 Uhr. Samstag Abend 550 Uhr. u v e


