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AK. 30, Samstag den 5 Februar

We Heuer A

1887

nzerger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich L'Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeil.

Betreffend: Drainirung in Flur IV und V der Gemarkung Langsdorf.

Bekanntmachung.

Bei der gemäß unserer Bekanntmachung vom 15. October v. I. am 29. November ejusd. vorgenommenen Abstimmung haben 63 Betheiligte mit einem in den Meliorationsbezirk fallenden Grundbesitz von 141629 □TOtr. und einem Grundsteuerkapital von 396 fl. 38 kr. gegen die rubr. Drainirung gestimmt, während 115 Betheiligte mit einem Grundbesitz von 178333 mMr. und 505 fl. 48 kr. Grundsteuerkapital für das Unternehmen waren. Sowie die Ausführung des Planes beschlossen worden.

Dies wird mit dem Anfügen zur Kenntniß der Bethelligten , gebracht, daß die auf die Abstimmung bezüglichen Aktenstücke 14 Tage lang von der ortsüblichen Verkündigung dieser Bekanntmachung an gerechnet aus dem Bürgermeisterei - Bureau zu Langsdorf zur Ernstcht der Bethelligten offen liegen, und daß eine Anfechtung der Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit der Abstimmung oder des oben angegebenen Resultats derselben bei Meldung des Ausschlusses innerhalb der obigen Frist mittelst Recurses an den Kreisausschuß des Kreises Gießen stattfinden müßte.

Gießen, den 2. Februar 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Betresfend: Die Einsendung der Waisenbüchsengelder für 1886/87. Gießen, am 3. Februar 1887.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grobherzoglichen Bürgermeistereien des Kreisel.

Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 10. Februar 1877 erinnern wir Sie an Einsendung der Waisenbüchsengelder und zwar durch eine

Kosten nicht veranlassende Gelegenheit. m

vr. Boekmann.

Erinnerung an die Großherzoglichen Ortsgerichte.

Nach der Verordnung vom 18. Januar 1882 haben Sie zu den in Zwangsoollstreckungssachen erforderlichen Bescheinigungen, daß die Immobilien unverpfändet oder mit einer Hypothek belastet seien, 20-S, in Stempelmarken zu verwenden und bei Bescheinigungen mehrerer Hypotheken für jede weitere Hypothek noch 10 H mehr zu verwenden. Wir machen Sie auf diese vielfach nicht beachtete Bestimmung mit dem Bemerken aufmerksam, daß wir 6et Mchtwahrunq des Stempels unnachsichtlich die Stempelstrafe eintreten lasten werden.

Gießen, den 3. Februar 1887. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.

Langsdorfs.

stischen Unterrichts ausgesprochen und Abg. Dr. Enneccerur nochmals seine Ansichten oertheidigt, legte auch der Justizminister Dr. Friedberg seine An- schauungen über den in Rede stehenden Gegenstand dar. Der Minister wie» darauf hin, daß er schon seit Langem mit Brochüren und Vorschlägen über die Aenderung des Prüfungs-Verfahrens überschwemmt werde, daß aber all' diese Brochüren lediglich aus den Kreisen der Prosefforen herrührten und keine einzige von einem praktischen Juristen herrühre. Hieran anknüpfend, theilte der Minister mit einem humoristischen Anfluge seine persönlichen Erfahrungen auf dem Ge- biete des Examenwesens mit und gelangte hierbei zu dem Schluffe, daß es weniger aus das Examen, als auf die spätere praktische Durchbildung de« Juristen ankomme. Die weitere Debatte über dieses Thema, an der sich die Abgg. v. Uechtritz-Steinkirch, Windthorst, Dr. Meyer (Breslau) und Enneccerur beteiligten, entwickelte sich in recht animirter Stimmung und spielte auch aus das Gebiet des allgemeinen Universitäts.Studium» hinüber, wobei namentlich der Abg. Meyer (Breslau) der Meinung Ausdruck verlieh, daß die Prosefforen die Schuld daran trügen, wenn aus den Universitäten zu wenig gelernt würde. Der Rest des Justizetats wurde fast debattelos erledigt; am Mittwoch paustrte das Haus-

Die Kriegsgefahr ist das Thema, welches die gesammte Bevöl- kerung Deutschlands beschäftigt. Auch in .den Einzel.Parlamenten spielt dieser Gegenstand bereite eine Hauptrolle, so sind z. B. im Landeeausschuffe von Elsaß-Lothringen in den letzten Tagen Reden gehalten worden, die ausschließlich die Kriegs- unv Friedenssrage behandeln- Eine dieser Reden, welche uns em ganz besonderes Interesse zu bieten scheint, ist des Staatssekretärs v. Hoffmann, aus der wir unfern Lesern die Hauptstellen mittheilen wollen. Nach der Me^ nuna dieses Staatsministers hängt die ganze Frage davon ab, ob Frankreich Deutschland angreifen werde. Ich höre, sagt der Minister, daß hier tm Lande, in Elsaß-Lothringen und ich glaube auch hier im Hause bte Meinung verbreitet ist, in Frankreich wolle wie in Deutschland auch Niemand etwas vom Kriege wissen. Ich glaube, daß allerdings die große Mehrzahl der französtschen Be- völkerung - ich rechne dazu Alle, die von ihrer Hände Arbeit leben, für deren Geschäfte der Friede eine Rothwendigkeit ist, daß diese den Krieg fürchten und nicht wünschen. Aber auf der anderen Seite darf man sich nicht verhehlen, daß die Franzosen im Allgemeinen - ich glaube, die Mehrzahl - dar Gefühl der Niederlage des Jahres 1870 noch nicht verschmerzt haben und daß in ehr vielen Franzosen der Wunsch lebendig ist, den kriegerischen Ruhm der Nation Deutschland gegenüber wieder hergestellt zu sehen. Das sind also zwei Str - mungen, wie es ganz in der Natur der Sache liegt, die eine Lieblich, die andere kriegerisch. Welche dieser beiden Strömungen in einem gegebenen Moment die Oberhand gewinnen wird, wer vermöchte das zu sagen? Aber die Gefahr, d ß die kriegerische Strömung die Oberhand gewinnt, wird sehr wesentlich bestärkt durch einen Umstand, auf welchen ich die Aufmerkiamkell des f lenken will. Es giebt in Frankreich eine mcht geringe von Mannern e sich als Lebensberus erwählt haben: ine Aufgabe, Frankreich in den R^ mh rieg mit Deutschland hineinzustürzen. Diese Männer betreiben da- <se,qa,t

Politische Uebersicht.

Gießen, 4. Februar.

Nach einem Telegramm des in London erscheinendenStandard", welcher in Berlin einen Correspondenten besitzt, sagte Se. Mas. der Kaiser gelegentlich der am Donnerstag verfloflener Woche abgehaltenen Abendcour zu den Generalen: Meine Herren! Die Reserven werden eingezogen, um in« struirt zu werden tm Gebrauch bei Repetirgewehrei. Dies wird neue Kriegsgerüchte verursachen, aber ich kann Ihnen sagen, es wird keinen Krieg geben." - Diese Worte, aus so erhabe- nem Munde gesprochen, werden gewiß dazu, beitragen, daß die ausgeregte öffent­liche Meinung sich beruhigen wird. ,

Ueber die so viel besprochene Maßregel der Einziehung von Reservisten- und Di-positions-Urlaubern im Februar in Höhe von 7o,000 Mann wird osficiöserseits geschrieben:Diese Maßregel kommt nur bei deniemgen Armee-Corps zur Anwendung, welche bereits mit dem Repetirgewehr vollzählig ausgerüstet sind, also vorzugsweise bei den Armee-Corps der westlichen Pro- vinzen. Es ist demnach beadsichligt, die Einziehung der Reservisten zu dem in Rede stehenden Zwecke nicht jahrgangSweisc vorzunehmen, sondern armeekorpsweise, und wenn man die Zahl der Armee-CorpS welche tnit bem Rrpe rgewehr b waffnet sind, in die 75,000 divibirt, so ergiebt sich, baß »st«« auf kurze Z mäbrnib 12 Taae einen unverhältmßmaßig hohen Mannschastsstand aus weism werden, der^sogar die Kriegsstärke teilweise übertrifft. E ne Wle er- holung bieser Maßregel ist dann bevorstehenb, wenn wiederum eine Anzahl Armee-CorpS mit der neuen Waffe versehen sem werden Es 'st in dieser Darstellung nichts enthalten, was den früheren beruhigens Erklärungen über Charakter und Zweck dieser Einziehungen widersprechen konnte Sie stellen sich als eine Makreael des regulären militärischen DrensteS dar und wenn ste diesmal früher als in anderen Jahren erfolgen, so muß hierbei eben berück ich- tiat werden daß di- Einübung der Reservisten und beurlaubten Mannschaften im Lauche der neuen WaSe mit thunlichster 8=^*5 * 5 Uebrigens ist das 12. Armee CorpS (Königreich Sachsen) mit dem Jiepetir gewehre ebenfalls schon nahezu vollständig ausgerüstet. grfiftpnrbnßtßn* der Dienstags-Sitzung des preußischen Abgeorvneren- baus es führte die Fortsetzung der am vorhergegangenen Tage abgebrochenen BäÄä -ÄS«

Mängel des heutigen Prüsungs. Verfahrens bet den Juristen hervor und °e,ur «ortete et die Einführung eines Zwischen-ExamenS und schließlich di Einführung einer Enquete über die ganze Frage. ^^"ugs'Comm ss

seiner Entgegnung aus die Widersprüche zwi chen den Theoretikern h n, die fcyon in dieser Frage hervorgetreten seien und hielt rm Adrigen den Z P nidit aeeianet mit einer Revision auf dem beregten Gebiete vorzugehen. Nach