Rivalität hatte die hiesige städtische Verwaltung großes Gewicht auf das Kommen des Dr. Miquel gelegt.
△ Mainz, 1. Juni. Unter großem Andrang des Publikums hatte sich heute die Strafkammer vom Morgen bis zum Abend mit den Verhandlungen über die jüngst erwähnten Eisenbahndiebstähle zu befassen. Die 9 Angeklagten sind sämmtlich frühere Eisenbahnbeamte, die beschuldigt sind, in der Zeit vom Jahre 1885 bis jüngster Tage auf den Strecken Mainz-Worms und Mannheim-Goldstein die Plomben an den Wagen gelöst und darin befindliche Waarenballen und Kisten erbrochen und beraubt zu haben. Nach geschehenem Diebstahl wurden größtentheils die beraubten Kolli wieder sorgfältig zugepackt und auch die Plombe derart an den Wagen befestigt, daß sich von der Beraubung nicht leicht etwas von Außen wahrnehmen ließ. Die Anträge der Staatsanwaltschaft, die in allen Fällen schweren Diebstahl annimmt, lauten gegen den An- geschuldtgien Gefiert auf 2*/r, Klein 1%, Friedrich 21/«, Diehl und Hitter l1/« und Seitheimer 1 Jahr Zuchthaus, gegen Weyll und Nickel je 6 Monat Gefängniß. Das Urtheil wird in 8 Tagen publicirt.
Zabern, 28. Mai. In der Anklagesache gegen die Musterungspflichtigen, welche am Tage der letzten Musterung in Zabern die deutsche Fahne zerstört und beschimpft hatten, hat die Strafkammer des hiesigen Landgerichts heute das Urtheil verkündigt. 16 der Angeklagten wurden zu Strafen von 10 Monaten Gefängniß bis 6 Wochen Haft verurtheilt. 3 Angeklagte wurden freigesprochen.
Aus der Pfalz, 31. Mai. Das König!. Landgericht Landau verurtheilte, der „N. B. L.-Z." zufolge, heute den Weinsteinfabrikanten Emanuel Kern von Edenkoben wegen Betrugs in 7 Fällen und Betrugsversuchs in 6 Fällen, zu einer Gesammt- gefängnißstrafe von 6 Monaten, sowie zu 1000 X Geldstrafe (event. 100 Tage Gefängniß). Kern hatte nämlich verschiedene Firmen unter der Vorspiegelung, ihnen reinen kaufmännischen Weinstein geliefert zu haben, solchen mit Alaun verseht resp. gemischt, geliefert. Ein Herr Pfähler, der vor 3 Jahren von Amerika nach Mannheim übersiedelte, entdeckte den schwindel.
Stuttgart, 1. Juni. Heute Morgen wurde ein 16jähriger Bursche, der Kleidung nach ein Maurerlehrling, in einer Laube auf der Bovferhöhe, halb entkleidet, ermordet ausgefunden. Die Stellung, in welcher der Todte aufgefunden ward, deutet auf ein an ihm begangenes Sittlichkeitsoerbrechen. (F. Z.)
Barmen, 1. Juni. Die „Barmer Zeitung" kann nach genauer Information berichten, daß seit dem Wohnungswechsel am 1. Mai ds. Js. noch über 30 Familien mit weit über 100 Kindern ohne Wohnung sind. Es find dies meist anständige Leute, darunter sogar Geschäftsleute, welche immer pünktlich die Miethe bezahlt haben. Die meisten wurden nur aus dem Grunde, weil sie eine Anzahl Kinder hoben, von den Vermtethern zurückgewiesen. Eine ganze Anzahl dieser Familien bezeichnet das Blatt des Näheren, zugleich auch die zum Theil recht menschenunwürdigen Localitäten (wie Schuppen, Pferdeställe zc. zc.) angebend, in welchen die Wohnungslosen haben Unterkunft suchen müssen. Außer den aufgeführten sind noch verschiedene Familien in umliegende Ortschaften verzogen und vier Familien mit fünfzehn Kindern sind noch immer im Kantons - Gefängniß untergebracht. Das sind doch sehr bedauerliche Zustände.
Bern, 30. Mai. Gegenüber Spiringen im Schächenthal, Eanton Uri, hat gestern Nachmittag halb 4 Uhr ein Bergsturz stattgefunden. Eine circa 250 Meter breite Felsmasse stürzte vorder halben Berghohe herunter; zwei Hütten mit 5Personen sind verschüttet, einzelne Stürze dauern fort.
— sUngalant.j „Ich möchte wissen, warum die Vögel nicht mehr in unfein Garten kommen. Ich habe ihnen doch erst gestern wieder eine ganze Menge Bröckchen von nach meinem eigenen Recept selbstgemachtem Kuchen vorgestreut!" Der Gatte (bei sich): „Darüber wundert sie sich!"
OJ- r« — Das immer häufiger werdende Auftreten heftiger Gewitter schreibt Professor Jxecldm m Leipzig dem vermehrten Eisenbahnbau zu. Wenn die Oberfläche der Erde stch von Jahr zu Jahr mit vielen Tausend Kilometern Eisenbahnschienen bedeckt, so konnte wohl, muthmaßt jener Gelehrte, dies auf die in der Luft befindliche Electricität etnwirken. Ob diese Voraussetzung richtig ist, mag dahingestellt bleiben; eine Abhülfe dagegen wurde sich schwer schaffen lassen. 0 v '
cv t 28. SJUt. Man findet bei den Tobten der Komischen Oper viele Juwelen, Uhren, Geld und andere Werthsachen. Bei dem Banquier Dessauer aus N miVclner Srau umkam, sollen sich mehrere Tausend Frcs. befunden haben. Die
. r m i gefunden worden. Viele Engländer, u. A. vier Schwestern, und viele Provinzgaste sind unter den Tobten. Die Vorstellung war überhaupt auch von Pariser freunden der Oper „Mignon" sehr besucht. Die Aufräumungsarbeiten werden sortgesetzt. Man findet noch immer viele Todte. Sieben Arbeiter, welche Juwelen gestohlen hatten, wurden verhaftet. Es werden viele Wohlthätigkeitsvorstellungen in den LHeatern veranstaltet werden. Lamoureux gibt am Montag ein Concert im Eden- theater. Die erste Liste des „Figaro" weist 7265 Franken aus. Alle in den Trümmern gefundenen Uhren sind 9 Uhr 15 Min. ober 9 Uhr 20 Min. stehen geblieben. 17 Künstler und Angestellte des Theaters wurden Montag auf Staatskosten begraben. In der Notre-Dame-Kirche fand ein Trauergottesdienst statt. (K. Z.)
— Ein Beamter des Wiener Postamtes hat 20 Geldbriefe mit einem Geldbeträge von ungefähr 150 000 Gulden unterschlagen und ist flüchtig geworden. Es waren zumeist Briefe Wiener Banken an Clienten in der Provinz. Der flüchtige Beamte heißt Zalewski. Sein Bruder, der mit ihm einverstanden gewesen sein soll, wurde verhaftet.
— Jeder deutsche Soldat, der künftig in's Feld zieht, bekommt ein Verbandpäckchen, damit er bei Verwundungen den ersten Verband sich selbst anlegen kann. Das wird zur Folge haben, daß nicht mehr so viel Soldaten den Verletzungen erliegen wie bisher, wo die Wunde ost nicht an sich, sondern weil sie stundenlang unverbunden blieb, sich entzündete und gefährlich wurde. Das Berliner Geschäft, dem die Anfertigung übertragen ist, fertigt täglich 15,000 Stück.
Handel und Verkehr.
Limburg, 1. Juni. Rother Weizen X 17.70, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10 95, Gerste X 8.90, Hafer X 5.59, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.
Frankfurt, 1. Juni. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Malter X 4.80—5.50, das Gescheid 6—10 Eier das Hundert X 3.80—5.50, das St. 5—6 Butter im Großen X 00.00—00 00, im Detail das Pfund X 1.20 bis 1.40, Weißkraut per Stück 20—25 H, Rothkraut per Stück 30—40 H, Kohlrabi per Stück 00—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—70 H, Kalbfleisch 40—60 H, Schweinefleisch 65—75 Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn X 0.70—1.80, 1 Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente X 2.00—3.50, Gans Pfund 00—00 1 Taube 35-60 Welsche X 12.00—00.00.
Wärmegrade der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen am 2. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 12 Grad, Luft 18 Grad.
L. Ehr. Rübsamen.
Gottesdienst der israelitischen ReligionsgeseUschsst.
Freitag Abend 720 Uhr, Samstag Vormittag 8 Uhr, Samstag Nachmittag 4 Uhr, Samstag Abend 9 Uhr.
Bekanntmachung.
Dem Familienältesten unter den Nachkommen des Pfarrers Johann Peter Riegelmann und des Amtsschultheißen Johann Leonhard Follenius zu Oberohmen kommt stiftungsgemäß das Recht zu, die Präsentation zu dem von G l o e ck - ner'schen Famllien-Stipendium auszuüben.
Der bisherige Inhaber dieses Seniorats, Herr General-Lieutenant und General-Adjutant Adolf von Grol- man in Darmstadt ist gestorben. Wer nunmehr auf das Seniorat Anspruch zu haben glaubt, wolle sich binnen 6 Wochen unter Vorlegung der Ver- wandtschaftsnachweise bei der unterzeichneten Großherzoglichen Landes- Universität melden, indem dieselbe das älteste sich bis dahin meldende und beziehungsweise legitimirende Familienmitglied als den zeitigen Senior anerkennen wird.
Gießen, 17. Mai 1887.
Großherzogliche Landes-Universität.
Dr. Katt enbusch. 4025
Versteigerung.
Montag den 6. d. MtS., von Vormittags 9 Uhr an, sollen auf hiesiger Bürgermeisterei die für 1887/88 vorgesehenen Weißbinderund Pflasterarbeiten, veranschlagt zu 650 «X., sowie die Planir- und Chaussirarbeit eines Feldwegs und die Herstellung eines Canals, veranschlagt zu 1767 <x 76 öffentlich versteigert werden.
Beuern, den 1. Juni 1887.
Großh. Bürgermeisterei Beuern.
Otto. 4214
Plakatfahrpläne, Reichskursbuch, Taschenfahrpläne rc.
o empfiehlt H. Kühn.
Allgemeiner Anzeiger.
Eigentliche Impfung.
Die diesjährige Impfung wird DienStag den 7. Juni d I., Nachmittags 3 Ubr, und die Nachschau, zu welcher die geimpften Kinder nochmals erscheinen müffen, Dienstag den 14. Juni d. I. zu derselben Stunde im alten Rathhause abgehalten werden; auch können in diesem letzten Termine noch Kinder geimpft werden.
Jmpfpflichtig im laufenden Jahre sind die im Jahre 1886 geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Es dürfen jedoch auch Kinder, die erst in 1887 geboren sind, zur Impfung gebracht werden, und auch Erwachsene werden aus ihren Wunsch geimpft.
GS kommt nur Kälberlymphe aus dem Landes-Jmpf- institut zur Verwendung.
Wir laden die hiesigen Einwohner zur Benutzung dieser Termine ein, mit dem Bemerken, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen für den einzelnen unentgeldlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß auf eigene Kosten die Impfung vornehmen lassen. Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfarzt vorgestellt werden.
Gießen, den 1. Juni 1887.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Keller, Beigeordneter. 4230
Montag und Dienstag, den 6, und 7. Juni, von Nachmittags 2 Uhr an, werden die Mobllien aus dem Nachlaß der Frau Christian Wallenfels Wittwe, Marktplatz 17 II., versteigert. Es kommen zum Ausgebot: 1 schöner Seeretär, Silberschrank, Kleider- und Weißzeugschrank, mehrere SophaS mit Stühle, eomplette Betten mit Roßhaarmatratzen, 1 Trümeau-Spiegel mit Goldrahwe, verschiedene Seffel, 1 Regulator u. and. Uhren, Bilder, 1 Tisch mit Marmorplatte, Küchenmobiliar, Küchengeräthe, Porzellan, Nippsachen und sonstiges Hausgeräthe.
Die Möbel können Montag Vormittag von 9 Uhr an besichtigt werden.
Im Auftrag:
Louis Rothenberger,
4134 Taxator.
Neuester Plakat-FafirjiläiR aller in Gießen ankommenden und abgehenden Eisenbahnziige in der Expedition des „Gießener Anzeiger", sowie bei den Zeitungsträgern zu haben. Preis 20 Pfg.
der Kurport-Cie. für [1562 gX^CFllZl// Deutschen Cognac, Köln «. Hh., bei gleicher Güte bedeutend billiger als französischer.
Ueberall vorräthig. Verkehr nur mit Wiederverkäufern, welche Muster gratis erhalten
Bekanntmachung.
Samstag den 4. ds Mts, Nachmittags 3 Uhr,
soll die diesjährige Klee- u. Grasnutzung von den zu den Kliniksbauten angekauften Grundstücken an der Warthe an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 2. Juni 1887.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Keller, Beigeordneter. 2433
Freitag den 15. Mi i>. I., Nachmittags 3 Uhr,
sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Philipp Pfeiffer Eheleuten gehörigen Immobilien
Flur I Nr. 364 — 75 Meter Hofraithe im kalten Loch,
,, I Nr. 366 - 38 Meter Hofraithe daselbst,
„ I Nr. 451 — 44 Meter Hofraithe in der Kühgasse, öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 2. Juni 1887.
Großh. Ortsgericht Gießen.
Lüdeking. 4239
Ieisgröotenes.
4236] Lebendfrifche Schellfische tu Seezungen (Eispackung), Hechte, leb. Karpfen, ächten Rheinfalm, Suppen- und Tafelkrebfe, Geflügel empfiehlt heute und die nächsten Tage eintreffend
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