Nom, 1. Marz. Die „Agencia Stefans veröffentlicht folgendes Communiquö: Nachdem Depretis das Mandat zur Cabinetsbildung abgelehnt hat, wandte sich der König an Robilant, welcher das Mandat gleichfalls nicht annahm. Der König berief alsdann den Kammerpräsidenten Biancheri und hierauf den Senator Forint. Da auch diese die Uebernahme der Cabinetsbildung ablehnten, behielt sich der König weitere Entschließungen vor." — Mehreren Blättern zufolge finden mit Saracco und Rudtni weitere Besprechungen wegen der Cabinetsbildung statt. Rudini conferirte Kestern mit dem König.
— In Diano-Marina wurde heute ein leichter Erdstoß verspürt.
Rom, 1. März. Der König stellte dem Municipalrathe, welcher zuerst einen Aufruf (in die Italiener zur Unterstützung der von dem jüngsten Erdbeben betroffenen Provinzen erließ, 150,000 Frcs. zur Verfügung.
— Bei den gestrigen Ruhestörungen in Cagliari wurden drei Personen durch Schüsse, ein Hauptmann und zwei Soldaten durch Steinwürfe verwundet. Der Ä^rwaliungsralh der Credit-Sparkasse wurde aufgelöst und ein königlicher Commissar ernannt.
— Einer Depesche aus Massauah zufolge traf dort Salimbent mit einem neuen Schreiben Rusalula's aus Asmara ein.
Bukarest, 1. März. Ein hier verbreitetes Prioattelegramm aus Giurgewo meldet, ouß unter der Garnison von Siltstria Kundgebungen gegen die Regentschaft sraltgefunden haben und daß von Varna und Schumla Truppen dorthin dirigtrt meiden. Eine officielle Bestätigung der Nachricht liegt nicht vor.
Universität- - Chronik.
— Die bisherigen Prioat-Docenten Dr. Wiener und gerichtlicher Physikus Dr. Lesser in Breslau sind zu außerordentlichen Professoren in der medicinischen Facultät der dortigen Universität ernannt worden.
— Aus Heidelberg wird dem „Fr. I." geschrieben, daß Herr Dr. Arth. Kleinschmidt am 17. v. M. zum außerordentlichen Professor ernannt wurde.
Lokales.
Gieße«, 2. März. Samstag den 5. l. Mts., Vormittags 9 Uhr, kommt in öffentlicher Sitzung des Kreisausschusses zur Verhandlung:
Gesuch des Wtlh. Reiber in Gießen um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine.
Gießen, 2. März. Tagesordnung für die Stadtvcrordneten-Sitzung am Donnerstag den 3. März 1887, Nachmittags 4 Uhr.
1. Geschenk für die städtischen Schulen am Kaisers Geburtstag.
2. Die Vergebung der Lony'schen und v. Krug'schcn Stiftung.
3. Einsetzung Plockischer Stistspfründen.
4. Einrichtung von Naturalverpflegungsstationen.
5. Versteigerung von Bauplätzen an der Goethestraße.
6. Versteigerung eines Bauplatzes an der Licher Chaussee.
7. Bekanntmachung der Holzversteigerungen.
8. Düngung der städtischen Wiesen.
9. Die sogen. Wodcstraße.
10. Bestimmung von Abladestellen von Schutt.
11. Bau von Isolierbaracken.
12. Gesuch des Gastwirths Ludwig Pfeil um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.
13. Gesuch desPumpcnmachers Karl Hamel um pachtweiseUeberlassung eines Holzlagerplatzes.
V Gießen, 2. März. Unsere Landsmännin Fräulein M. Langsdorfs gab vm Mittwoch den 23. v. Mts. ein Concerl in Berlin und hat in der Metropole des Deutschen Reiches einen Erfolg errungen, welcher der jungen Sängerin ohne Zweifel eine glückliche Laufbahn eröffnen wird. Von den in allen Blättern günstigen Berichten wollen wir den des Berliner Fremdenblattes hier wiedergeben. Es heißt dort nämlich: Die junge Dame besitzt eine umfangreiche und ausgiebige Altstimme von gleichmäßig schönem Klang und guter Schule; die Intonation ist rein und die Aussprache höchst lolnnswerth. Der Vortrag hält sich fern von allem Anempfundenen und Gekünsteltem Der Vortrag der Bruch scheu Arie aus „Achilleus" und der Lieder von Schubert, Schumann, Müller, Jüngst und Schnell hinterließ einen durchaus günstigen Eindruck.'
Das Erdbeben vom 23. Februar.
Nervi, 24. Februar. Die Nächte vom 22. auf den 23. und vom 23. auf den 24. Februar erinnerten den Besucher der Riviera lebhaft an die schlimmen Zeiten des Jahres 1854, als die heftigen Erderschütterungen in der Schweiz, welche das berüchtigte Erdbeben zu Visp herbeiführten, den geängstigten Fremden die Nachtruhe raubten Man campute jetzt dahier, wie damals dorten, im Freien oder in den untersten Räumlichkeiten der Gasthöfe, um sobald als nöthig und möglich in's Freie zu gelangen Die in größerer Zahl auf einander folgenden Erschütterungen, welche am 23. Februar unb zwar früh zwischen 6 und 10 Uhr sich in Form heftiger undulatorischer Schwingungen und Stöße auch hier bemerkbar machten, riefen eine solche Beängstigung hervor, daß Keiner ruhig dem folgenden Tage und der nächsten Nacht entgegenzusehen wagte. Diese Erschütterungen zählen wohl zu den bedeutendsten Erdbeben, welche in den zung'ten Jahrzehnten statt hatten. Das Centrum der Erdbewegungen dürfte wohl nach der Gegend zwischen Savona und Nizza zu verlegen sein, von wo aus sie sich nach verschiedenen Seiten der Riviera verbreitet zu haben scheinen. Wie es nach Wenen (in Bordlghera, San Remo, Mentone, Nizza) zugegangen, wird durch den D-leqravhen ui Deutschland wohl schon bekannt sein, im Momente, da ich diese teilen niede, schreibe Hier in Nervi, einem am Meere gelegenen Landstädtchen, wo eine große Zahl deutscher Familien ^hre Winterquartiere aufgeschlagen, hat keinerlei Un- gluckssall sich zugetrvgen. Die ersten Erdstöße wurden indessen am 23. Februar trotzdem in sehr heftiger Weise verspürt; mit Rccht verließ ein Jeder Bett und Haus «m de„ Folgen einer möglichen zweiten, vielleicht heftigeren und gefährlicheren Er- jchutterung zu entgehen Wie berechtigt diese Angst war, ging aus den im Laufe des der Nachbarschaft eingelaufenen schlimmen
Nachrichten über eine zweite Erderschütterung hervor. Bis zur Nachmittagssiunde, nachdem ich Ihnen mein Telegramm übersandt hatte, waren schon gegen 40 Todesfälle und über 150 theils leichte, theils schwere Verwundungen von der Riviera di Ponente bekannt, welche die Einwohner der zwischen Mentone und Genua liegenden Städte betroffen haben. Kaum irgend einer der dortigen Orte dürfte verschont geblieben sein. Von Mentone, aus dem Hotel des Ambassadeurs kam soeben ein Veiwundeter^hier an. Die Einwohner aller Ortschaften an der Riviera di Levante kamen mit dem Schrecken davon; bis jetzt ist, abgesehen von einigen leichten Häuserbcschädigungen, kein Unglückssall gemeldet worden. In der vergangenen Dtncbt (23. zum 24. Februar), welche ebenfalls einige leichtere Erschütterungen brachte, flüchtete eine große Zahl von Genuesern und Fremden aus genuesischen Gasthäusern zu uns herüber. Hier waren in Folge dessen beute früh alle Gasthäuser überfüllt, jetzt aber, nachdem wieder einige Beruhigung Platz gegriffen, kehren die genuesischen Kaufleute nach ihrer benachbarten Heimath zurück, um ihre Geschäfte zu ordnen, jedoch mit der Absicht, in dieser Nacht wieder nach hier sich zu begeben, woselbst die Erschütterungen beider vorangegangener Nächte wett weniger empfunden worden sind, als in dem zwölf Kilometer ven hier entfernten Genua. Viele Gebäude in der prächtigen Terrassenstadt, insbesondere solche, die in der Nähe des Meeres liegen, erhielten bedeutende Risse. Der erste Stoß am 23. Februar (um 6 Uhr 25 Min. Morgens) fand in dem berühmten Teatro Carlo Felice die letzten Gäste eines Carnevalsfestcs. Die noch anwesenden Besucher flohen noch dem ersten, etwa 10 bis 15 Sekunden dauernden Stoße. Hätte das Erdbeben zwei Slunden früher stattgefunden, großes Unglück infolge der Flucht der Tausenden von Fcstgästen wäre wohl unvermeidlich gewesen. Die elektrischen Lampen verlöschten unter eigenthümlichcn Klängen, indem die prächtigen Krystalle des Kronleuchters klirrend aneinander schlugen. Einige Festbesucher wurden denn auch von herabfallenden Krystallstücken getroffen und verletzt. Auf den Straßen begegneten die Fliehenden einer stets anwachsenden Menschenmenge in den verschiedensten Nachtcostümen. Von einem, dem Theater gegenüber liegenden Gasthause, Hotel de Genes, war eine große, den Giebel' des Daches zierende Marmorvase auf die Straße gestürzt, glücklicherweise ohne Jemanden zu verletzen. — Die Erdstöße wiederholten sich an der ganzen Riviera bis 10 Uhr Morgens: der dritte Stoß (um 8 Uhr 55 Min.) war für die meisten Orte der verderbenbringende gewesen. Um 10 Uhr fand eine vierte, aber leichtere Erschütterung statt. Obwohl die Apparate I des Observatoriums zu Genua im Laufe des Nachmittags absolute Rübe zeigten und ' die dortigen Tagesblätter eine ungestörte Nacht prophezeiten, traten, wie schon oben angedeutet, die in der verflossenen Nacht (vom 23. auf den 24. Februai) bemerkten Störungen auf; um halb drei Uhr Morgens waren die gesammte Einwohnerschaft, sowie die Insassen des von dem Referenten bewohnten Gasthauses — vcrmrtthlich auch diejenigen aller übrigen Hotels — wieder auf den Beinen, um in den Hotelgärten den Morgen zu erwarten. Erst nach sechs Uhr, als der Tag graute, beruhigte man sich und gegen sieben Uhr suchte Jeder wieder die ihm zugelheilten Wohnräume auf. (Fr. Z.)
VeArrrischteS.
△ Mainz, 1. März. Unter den Fuhrunternehmern und Landwirthen von Kästet und der jenseitigen Provinzen circulirt eben eine Petition an das Ministerium um Ermäßigung des Brückengeldes für die Fuhrwerke auf der Straßenbrücke zwischen hier und Kastel. Motioirt ist die Petition im Wesentlichen mit denselben Gründen, die seiner Zeit von dem Abgeordneten Wasserburg in der zweiten Kammer um vollständige Aufhebung des Brückengeldes geltend gemacht wurden. Der genannte Abgeordnete hat bekanntlich den Standpunkt vertreten, daß die Brücke als einfache Staatsstraße zu betrachten und daß deshalb ebensowenig wie auf diesen Letzteren die Erhebung einer Uebergangsgebühr zulässig erscheine.
A Vom Rhein, 1. März. Der Verwalter der Mumm'schen Gutsbesitzung zu Johannisberg, Herr Merten, hat sich verflossene Nacht erschossen. Wie verlautet, soll Herr v. Mumm durch ein anonymes Schreiben auf verschiedene Unregelmäßigkeiten seines Verwalters aufmerksam gemacht und in Folge dessen gestern unverhofft in Johannisberg erschienen sein. Herr Merten, der schon lange Jahre das Gut verwaltet, genoß bei der Familie Mumm ein unbegrenztes Vertrauen.
,r Heute Vormittag wurde in Weisenau (oberhalb Mainz) die Leiche eines gutgekleideten Mannes in mittlerem Alter geländet. Bei der Leiche sand man keinerlei Papiere, die über die Person des Gelandeten Auskunft geben konnten.
™ m brcf°nntt herrliche Besitzung des verstorbenen Rentners Jakob Dietrich in Eltville ist letzter Tage um den geringen Preis von 97,000 JL in den Besitz eines H^rn l^arl Schwarz von Coblenz übergegangcn. Die mit vielen Weinbergen nm- SeS^erofM8 ,Tu6mn ®ef’Set °>°hl das Doppel,- des Heu,- gezahlten
In die ^aklltmasse eines vor einigen Wochen in Falliment gerathenen Mainzer Kaufmannes wurden vorgestern durch einen latholischen Pfarrer JL 1800 als der Masse weitere Aufklärung a? ^Ucr|ld,t au^ ba$ Beichtgeheimnis lehnte der Geistliche jcbe
Rohseidene Bastkleider (ganz Seide) Mk. 16.80
p. Staff zur kompl. Robe, sowie Mk. 22.80.28—, 34.—, 42.-, 47,50 nabelfertig.
seid, bedruckte Foulards Mk. 1.90 p Met. bis 6.25 üerfenbet in einzelnen Roben zollfrei in's Haus das Seidenfabrik - Depbt Henneberg (K. und S Hoflief) Zürich. Muster umgchend
Briese kosten 20 Pf. Porto. 1515
emige Mrmen zur Aufgabe gemacht haben, dem Publikum ui bikliaeuL
8SWKÄÄÄ KSSft.- ««.”»»■ »SÄ
Gebr. Stamm.
1317
Tie neuen Damen-Regeumantel und -^aquettes sowie Kleiderstoffe sind ein- getroffen bei
Kleinkinder Bewahranstalt.
. Von nächster Woche an werden die Beiträge für unsere Anstalt Mr Sn« 1. Vierteljahr I., mit denen zugleich der (&m^ ^lablt
»erben fann, erhoben werden durch unsere Vereinsdienerin Glise Sterner
Indem wir dies den Wohllhätern und ftreunben her *'
richten wir an biefelben die herzliche Sitte un«
lichste Unterstützung gewähren zu wollin ' * " blcfem 3^rc Ü-und-
XJW*"'a*“ >»m Gießen, den 26. Februar 1887.
Der Vorstand der Kleinkinder-Bewabranstalt.
Dr. Raumann.
^DOGGG'GG'TGGGTMDOGGVGGGGMK
8 Konrad Hamel G
D empfiehlt sich zur Anlage von q
8 Wasserleitungen, G
G Bade- und Closet Girrrichtuugen $
K u"ter d-r Zusicherung, daß ich nur Prima echtes Rohr ver- X
• Versicherung gegen Wasserleitungs- K
X schaden säst gänzlich unnöthig ist. ®
J Sachgemäße Ausführung. Billige preise. @
•y*1ew@8
Hotel Kaltwasser, Wetzlar.
8on Jeute ab stets im Anstich , 3 acherlbräu " von
in München. 1236*


