Nr. 2SS
Mittwoch den S. November
1887.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Bureau r Schulftraße 7.
n. bl- October. Se. Königl. Hoheit der Großhenog, be«
oAlOT>i°0n A^t^ mUlenQnt aBern^er< begaben Sich gestern Vormittag 8 Uhr M Mn. mit der Bahn nach Hetzbach und von da zu Wagen nach Beerselden- our Feier der Einweihung de» neuen Kirchthurme« und de« Geläute« sand fe erltcher Festgottesdienst statt. Nach demselben kehrten Se. Königl. Hoheit wieder hierher zurück. v
n k 7kSe'cnR,öni?~ H°h°it der Prinz Christian von Schleswig-Holstein stnd mit den Prinzesstnnen-Töchtern Victoria und Louise gestern Vormittag von hier nach England zurückgereist. 4
311 October. Ihre Mas. die Kaiserin ist um 4 Uhr 30 Min. oon Baben-Baben in Koblenz eingetroffen. Bi« Karlsruhe begleiteten die Großh. Babifchen Herrschaften die Kaiserin.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Brinaerlobn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Politische Ueberficht.
Gießen, 1. November.
Dem Kaiser scheint der Jagbaurflug nach Wernigerobe doch nicht so günstig bekommen zu jtin, wie sich nach den ursprünglichen Meldungen anneh. men ließ. Wenigsten« sah sich der hohe Herr in Folge einer Erkältung genötigt, «°n der Theilnahme an der Hofjagd in der Schorfhaide am Samstag abiu- lehon und war b-i derselben daher Prinz Wilhelm mit der Vertretung feines kaiserlichen Großvater« beauftragt worden. Die Unpäßlichkeit der Kaisers ist indeffen nur eine leichte, war u. A. darou« erhellt, daß der greise Monarch am Freitag Abend der Vorstellung im königlichen Opernhause beiwohnte -a ^^^^^^'"^"^""^n.nt'nowitsch von Nußland, der fürstliche „Toast-,r von Dünkirchen, traf am Donnerstag, von Paris kommend, m a&enbfiunoe in Berlin ein, auf dem Bahnhofs nur vom russischen
Geschäftsträger, Grafen Murawieff, empfangen. Der Großfürst foupirte im Hüte! Continental und setzte Nachts 11 Uhr 15 Min. bereits die Weiterreise nach Peterrburg fort. Dis russtsche Hoheit scheint sich in der Reichrhaupt- Hobt ziemlich ungemüthlich gefühlt zu haben. W * P
Ue6et den Termin für die Einberufung des Reichrtagsr herrscht an maßgebender Stelle noch immer ein merkwürdige« Stillschweigen, obwohl wir nunmehr in den November eingetreten stnd und es allseitig als gewiß betrachtet wird, daß der Zusammentritt der Parlament« im Laufe diese» Monat« erfolgt Offenbar hängt die Verzögerung in der Bekanntmachung be« Einberufung«. Armin« mit dem Stande der Vorbereitungen zur Fertigstellung der Reich,Haus« halt».Etat« zusammen. Da nun aber endlich mit der Verlheilung der Special, m -- tm Bunderrathe begonnen worden ist, so steht die demnächstige Veröffentlichung des gesammten Etat« zu erwarten und dann muß auch Klarheit in die parlamentarische Lage kommen. Abgesehen vom Etat, wird der Reich,, tag bei Beginn seiner neuen Session freilich nicht« von größeren Vorlagen »orstnden und wird daher die Zeit bi, zur Weihnachtspause mit der Beratbuna de» Etat» und der Erledigung kleinerer Sachen ausgesüllt werden müssen. Man kann also der eigentlichen gesetzgeberischen Thäligkeit der Reichstage» erst nach Neujahr entgegensehen und diesem Stands der Dings gegenüber wäre er viel« I doch besser gewesen, dar Parlament überhaupt erst im neuen Jahre iU. fammentreten zu lassen. v ’ I
V.etrnx ®eflen den Willen der Regierung hat die Kammer dis Einsetzung erfUl^nB^'3Iui,<5uffc6 beschlossen und will die Regierung gar nicht weiter hören. In Deputtrtenkreisen verlautet, Gröoy werde demisstoniren soll» die £S ^em Beschlüsse beharre und hängt diese Ankündigung mit der Angelegenheit de» Schwiegersöhne» des Präsidenten Gröoy, des DeMirtm Affair»' 2B(ll1,on 6at ^4 von der Beschuldigung, mit in die Limousin.
LK ” troi(fe t 3“ s- n. nur ungenügend zu reinigen vermocht und wird tobe ?ür h,n 3^me. OtUntersuchung,.Ausschuß eingesetzt, so dürfte der- selbe für den Schwiegersohn der Staatsoberhauptes doch unangenehme Dinas ®a?$?inift,rbf!e Stemn0 ®r6?9’8 ®ürbe hierdurch bedenklich erschüttert werden.
R k ,®'ll, um ein weiter!« Votum der Kammer über die Unter. SM*TÄftn' Bcctrauenrfragg stellen, so daß mit der Präsidenten. Kuns gleichzeitig eine Minister-Krtstr droht. Grövy conserirte am Freitaa mit dem C°binet"Che Rouvier und den Präsidenten be, Senat« unb ber Kamm»!
L s„°9«r.Unb ^loquet versicherten, daß viele Depulirte, welche der Dring, fteriu'm b,in,äK 100 o-i6une ■' 3cUr Untersuchung der Scandalosa im Kriegsmim. fnÄ m .6 binzusetzen, zustimmten, die Absicht hätten, bei dem
!in. k» Votum über die Enquete durchau« nicht den Präsidenten (Grövy) in eine schwierige Lage zu bringen.
Die in den Demonstrationen der Londoner Arbeitslosen eingetre. SÄlLr“1®"* Qn?k ßetDä&tt bereits am vergangenen Freitag fand flk» ®,Tre: roiJ?etum eine »roße Ansammlung beschäftigungsloser Abeiter statt, welche eine Deputation zum Ralhe de, Ministerium« des Innern ~b «r liffentüchen Arbeiten mit der dringenden Bitte um Arbeit entsandte. Ar /talh wollte bi, zum gestrigen Montag Antwort ertheilen. Zu irgend, "'lchen Ausschreitungen der Arbeiter kam e, indessen an dem genannten Lage nicht.
|_ Engländern stehl in Südasrika ein neuer Zulukrieg in Ausstcht Die Zulu« stnd wegen verschiedener Maßnahmen der Regierung der Natal-Co onie wieder in GLHrung und steht Dininzulu, der Sohn de« verstör, venen Zulukönigr Cetewayo, an der Spitze der Bewegung. Havelock, der Gou« verneur von Natal, ist mit Truppen nach dem Zululand aufgebrochen. Gleich, znttg sind auch au« Egypten wieder einigermaßen bedrohliche Nachrichten in London eingelaufen. Wadyhalsa, der äußerste, von den Engländern noch be etzte Posten gegen den Sudan, ist von den Aufständischen lebhaft angegriffen worden und wurden bethalb ansehnliche Verstärkungen von Kairo nach Wadyhalsa ent- sendet Die insurrectionelle Bewegung im Sudan besteht also noch immer und unter diesen Umständen werden e» die Engländer mit der beschlossenen aber. Eigen Verringerung ihrer Streitkräfte in Egypten wohl nicht so eilig
Die englische Regierung will, fall« sich die Dinge in Marokko drohender gestalten, die Neutralifirunz der Hasen» und der Gebiete, von Tan« ger beantragen.
Et der allseitig al« so dringlich erkannten Revision der Aurfüh. rung«.Bestimmungen zum Branntweinsteuer.Gesetz will e« noch a° .T2? ÄV ®!e Buvderrathr.Aurschüffe haben sich mit dieser Frage b°Aäftigt und heißt er, dis hierauf bezüglichen Vorarbeiten be. gnahr J* m)LTsnl^klnut« ?lr drlisung und Sichtung be« umfassenden Materials, welches burch bis zahlreich vorltegenben Eingaben aus Interessenten. 4^9?" axtt0eroac^fen ®r^ im Decsmber soll dar Revisionswerk „ernstlich" 3UmQt ba verlautet, daß mehrere Bunder-Regie. rungen nachträglich Bedenken gegen einzelne Punkts der Lussührunas-B-stim. h^ben. Die Nothwendigksit einer vorsichtigen Prüfung wird Niemand bestreiten, trotzdem muß aber doch im Interesse be« allgemeinen wünsch" wer'! beschleunigte Beenbigung des jetzigen Provisoriums ge« ff.v bLr Errichtung einer britten Bürgermeisterstelle
en bro^ zwischen der Gemeinde.Vertretung und dem überwiegen.
l ber Bevölkerung der bayerischen Hauptstadt m einem Conflicte zu führen. Das Gemsinbe.Collegium lehnle mit 31 gegen 20 Stimmen den gegen die Ernennung eines dritten Bürgermeister« erhobenen Protest der Bürger, ^rsamm ung ab und beschloß mit 32 gegen 18 Stimmen, dis dritte Bürger, meisterstelle nicht auszuschreiben, sondern dieselbe dem Recht,rach Ruppert, einem ^klerikalen Partei, zu übertragen. In den liberalen Kreisen der ® Münchens erregt dieser Beschluß de« Stadtverordneten-Collegium«
große Mißstimmung und dürfte dieselbe bei den bevorstehenden Neuwahlen zum I Gemeinderathe in prägnanter Weise zum Ausdruck gelangen.
, . ®er, vorläufige Statur der verkrachten Leipziger Dirconto.Ge. I '/Mast ergiebt eine llnterbillanz von 2'/a Millionen M. Das Actien- Kapttai ist vollständig verschwunden und sür die Gläubiger liegen in der Masse tSügS 65 illustrirt dies in deutlicher Weiss den Umfang dieser
In Oesterreich ist dis Reichsraths.Session durch die Session der ■»elegationen abgelöst worden. Der Reichsrath wird erst im Januar wieder I Wsmmmtreten, nachdem dar Abgeordnetenhaus am Freitag seins letzte Sitzung «or d» Vertagung abgehalten hatte, deren Tagerordnung in ziemlich summari- l?et Weise erledigt wurde. War den Conflict zwischen oer Regierung und den !n “nbetrifft- fo >st derselbe einstweilen vertagt worden; die Regierung hat «e czechischen Forderungen in der Mittelschulfrage entschieden zurückgewiesen wird dar Cabinet hierbei ersichtlich von der Krone gestützt. Da die Czechen mn.$o(ep; keine Unterstützung sanden, so ersuchten sie selbst die Regierung Vertagung der Antwort auf die bekannte Interpellation in Sachen de« Nk - ,7?"k'Erlafle«. Hiermit haben die Czechen bereite eingelenkt und wahr. ftMnlich werden sie auch noch weiter Wasser in ihren Wein thun.
Am politischen Horizont Frankreichs steigen bedrohliche Wolken amh* &cr Kammer scheint eine Action gegen das Ministerium Rouvier im I ^ene 8U sein, wozu die Scandal-Affairen im Küegsmittisterium den äußerlichen | 1
Telegraphische Depeschen.
SÖolfP$ telegr. Co^esvondenz - Bureau«
October. Offictelle Meldung: Rheumatische Kreuzschmerzen im
Sb 8efltißen3:a8eä b°-'ntrSch,ig.e einige
». Derlicb bem H°sth°°t-r-Jn,endanNn
Wien, 31. October. Wie die „Polit. Corr." aus Bukarest meldet aiü in dortigen ""^rEchteten Kreisen als wahrscheinlich, daß die unterbrochenen Unterhänd- E^^ch-Ungarn betreffs des Abschlusses des Handelsvertrags und der werben n °n tm £aufe bc§ Monats November in Wien wieder ausgenommen m N^tionalrathswahlen sind 103 bekannt. Eine rnffiR c U «eslchert. Durch die Wahl zweier liberaler Stände-
tß bCt fe Cn§ Solothurns ist eine liberale Mehrheit auch im Ständerath bekannten 144 Nationalrathswahlen entfallen 98 aus die demokratische Partei, 5 auf das liberal-conservattve Centrum, 41 aus die con- seroatro-ultramontane Partei.
October. Es wird nun officiell gemeldet, daß Lord Lytton zum Botschafter in Paris ernannt worden ist.
~ Das Obergericht in Mulltnger (Irland) bestätigt das' Urtheil, wodurch oer ^ogeoronete Hayden wegen Aufreizungen zu Storungen der Ordnung gelegentlich


