Ausgabe 
1.9.1887
 
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Mx. 202. Donnerstag den 1. September 1887.

Kichmer Anzeiger

Amts- und Anzcigtblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulftraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Amtlicher Hheil.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinyerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Nr. 34 des Reichs-Gesetzblatt», ausgegeben den 26. d. M., enthält:

(Nr. 1745.) Bekanntmachung, betreffend die Einfuhr bewurzelter Gewächse aus den bei der internationalen Reblaurkonvention nicht betbelliaten glatten. Vom 23. August 1887.

Gießen, am 30. August 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Betreffend: Dekanatssynode. Lang.Gönr, am 30. August 1887. "

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen

an säurmtliche Kirchenvorstände des Dekanats.

Künftigen Montag den S. September wird die DekanatSshnode in Gießen abgehalten. Anfang des Gottesdienstes um 9 Uhr. ©ie Verhandlungen beginnen gleich nach Beendigung des Gottesdienstes im Saale der Realschule.

Strack.

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Beschneiden der Hecken.

Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesitzer die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr- oder Fuß­wegen einsriedigenden Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter Höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden und im Lauf« des Monat» September die neuen Sprößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurückzubinden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Lemtniß gebracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft werden.

Gießen, am 30. August 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

____ _________________________Fresenius.__

Nixe* bei. Auch Nachts versuchten die Torpedo-Boote den Gegner zu beun- ruhigen, der aber selbstverständlich auf seiner Hut war. Am Sonntag hat ir.:- Manöver.Geschwader die Fahrt nach der Nordsee angetreten, um daselbst-in Gemeinschast mit der Panzer-Reserve-Division die Schluß-Uebunaen durchzunehmen.

Die Ostender Fischer-Krawalle scheinen für diesmal endglltig be- setligt zu sein. Wenn in den Blättern vielfach behauptet worden ist, die Aus­schreitungen hätten ihren Grund in dem Unwillen der Ostender Fischerbevölkerung darüber, daß englische Fischer ihren Fang zollfrei nach Belgien einsühren können während England von Fischen nicht englischer Provenienz einen Zoll erhebe, so muß diese Motivirung al; eine recht unzutreffende bezeichnet werden, da ja diese Differenz zwischen den englischen und belgischen Usancen nicht etwa neuesten Datums ist, mithin immer noch die Frage offen laffen würde, weshalb die Ostender Fischer denn erst jetzt so plötzlich ihrer Erbitterung über diesen Stand der Dinge freien Laus gelassen haben. Dagegen wird in Bestätigung unserer Auffaffung derMorning Post" von ihrem Correspondenten in Dover berichtet der wirkliche Grund der stattgehabten Gewallthätigkeiten sei in den schon seit längerer Zeit zwischen englischen und belgischen Fischern aus den Fischereigründen der Nordsee und der Kanals stattgehabten Reibungen und Eifersüchteleien, keines- weg« aber in dem zollfreien Eingänge der englischen Fänger nach Belgien zu erkennen. Denn schon durch lange Jahre verkehrten englische Fischerboote au» Ramsgate, und gelegentlich ein Eildampser, nach Ostende, woselbst sie große Vorräthe von Fischen einsührten und unbeanstandet absetzten, wie sie ihrerseits sich in dem genannten belgischen Hafen mit frischen Provisionen versorgten, so daß beide Theile ihre Rechnung sanden. Und wenn belgische Fischerboote keine englischen Häfen anliefen, so liege dar nicht an der Zollschranke, sondern daran daß den letzteren Booten die Häfen ihre» eigenen Lander in näherem Bereiche gelegen seien. Das aus der Zollsrage abgeleitete Motiv sei daher nur ein Vorwand, aber ketnerwegr die wirkliche Ursache der vorgefallencn Ausschrei­tungen. Die Meldung von dem Rücktritt der belgischen Generals Brialmort beruht aus Erfindung. Der General bleibt an der Spitze der Generalstabs und behält die Leitung der Maasbesestigung-Arbeiten bei.

Die Allarm.Artikel verschiedener deutscher Blätter gegen Dänemark haben kürzlich eine vollständige Desavouirung von osficiöser deutscher Seite erfahren. Die« ist ein neuer Beweis, wie Deutschland bestrebt ist, auch mit seinem kleinen Nachbar im Norden im möglichsten Einvernehmen zu stehen, war aber allerdings an der Thalsache nicht» zu ändern vermag, daß in cen leitenden Kopenhagener Kreisen gerade keine besonderr deutschfreundliche Stirn- mung herrscht. Wenn dem nicht so wäre, so hätte auch der KriegSminister Bahnson seine bekannte Rede aus Laaland, die ja einem förmlichen Schlachiruf gegen Deutschland glich, schwerlich hallen können.

Die französische Probemobtlisirung, welche in dieser Woche be- ginnen soll, leitet sich mit einem tragikomischen Anstriche ein. Bekanntlich haben Pariser Blätter schon verschiedene Details über die Mobilmachung gebracht, was nur aus einer Jnoiscretion beruhen kann und ist man hiervon im Kriegsmini- sterium selbstverständlich peinlich berührt. DerNational" weiß mttzuthetlen, daß die Untersuchung in dieser Affaire in vollem Gange sei und habe dieselbe bereits mit ziemlicher Sicherheit ergeben, daß die Jndtscretion einem Beamten des zum Kriegsministerium gehörigen topographischen Bureaus zur Last zu legen sei. Vielleicht erfahren in Folge dieses Zwischenfalles die Disposttionen für die Probemobtlisirung noch in letzter Stunde eine Abänderung, vielleicht läßt man es aber auch bei den nun bekannt gewordenen Bestimmungen, wonach das.

Politische Ueberficht.

Gießen, 31. August.

Gegenüber den Gerüchten, wonach die Reise des Kaisers nach Königsberg anläßlich der großen Manöver noch unbestimmt sei, wird aus Mliner Hofkreisen versichert, daß in den schon bekannten Reise-Dispositionen Krs Kaisers keinerlei Abänderungen getroffen seien. Da der erlauchte Monarch sch gegenwärtig wieder des besten Wohlbefindens erfreut, so liegt auch kein Wnmd vor, an der Theilnahme des obersten Kriegsherrn an den bevorstehenden ' Kerbstmanövern zu zweifeln. Es widerlegt sich hiermit auch das anderweitige Gerücht, der König von Sachsen werde eventuell die Repräsentattonspflichten des Llaisers übernehmen, von selbst.

In landwirthschaftltchen Kreisen wird die Ankündigung, die Einbringung einer Vorlage in der nächsten Reichstagssession über die Erhöhung der Getreidezölle sei von dem Verlause der Handelsvertrags-Verhandlungen mit Oesterreich abhängig, nicht sonderlich angenehm berühren. Diese Andeutung !vnn nur bedeuten, daß man Oesterreich-Ungarn und demnächst auch den Ver- t:agsstaaten gegenüber unter der Voraussetzung gewisser Zugeständniffe von einer Erhöhung der bestehenden Zollsätze Abstand nehmen will. Die Erhöhung der ELtze würde in diesem Falle nur Rußland, mit dem ja ein Vertrag nicht be- ficht, treffen. Was Nordamerika betrifft, so ist ein Vertrag des deutschen Reiches mich mit diesem Staate nicht abgeschloffen. Aber schon 1835, gelegentlich der Wen Erhöhung des damals noch durch den spanischen Vertrag gebundenen Noggenzolles, ist festgestellt worden, daß auch Nordamerika mit Rücksicht auf die mit einzelnen deutschen Staaten abgeschloffenen Verträge als meistbegünstigte Nation zu behandeln sein würde. Die bezügliche Entscheidung des Bundes- Mhes hat damals freilich eine praktische Wirkung nicht gehabt, da die Roggen- Musel des spanischen Vertrags durch eine Nachtrags - Convention ausgehoben morden ist, ehe die Novelle zum Zolltarif in Kraft getreten war. Unter obwaltenden Verhältnissen würde die Erhöhung der Getreidezölle lediglich 1Mt Kampfmittel gegen die russische Politik sein.

Das Ostsee-Geschwader ist am Sonntag in Kiel nach Beendi- k!Mg seiner Hebungen ausgelöst worden und kehrte der Chef der Admiralität, ^ Caprivi, noch am genannten Tage nach Berlin zurück. Die Uebungen des Mschwaders haben äußerst befriedigende Resultate ergeben. Das Wichtigste ist, kurzer Zeit mit einem, wir möchten sagen, improvisirten Ge- lyvader bereits so schwierige taktische Uebungen machen laffen. Man bemerke achl, das Ostsee-Geschwader ist am 6. August formirt l Dieser Versuch beweist, ^8 Die einfache Vereinigung der Stations-Wachtschiffe und der Stammschiffe ^sofortiges Geschwader ergiebt. Ferner scheinen die Fortschritte bemerkens- v lth, welche die Marine-Artillerie im Minenwesen gemacht hat. Die Eckern- vcroer Sperre bei der geschichtlich so denkwürdigen Stelle angesichts des i hu 8 bßr Norderschanze aus dem Jahre 1849 hat gezeigt, daß die Küsten- ^yeidigung in einigen Stunden schon schwer zu beseitigende Hinderniffe zum v?utze unserer Häsen Herstellen kann. Man kann es nach diesem Versuche als iNreulich bezeichnen, daß die gesammte deutsche Küstenvertheidigung in die Hand «3 Marine gelegt ist. Die Sperre in der Eckernförde hat bei dem Nachtangriffe Mittwoch aus Donnerstag voriger Woche so gut widerstanden, daß der «mheidiger mit seinem einzigen Torpedo-Kreuzer und vier Torpedo-Booten Mn Angriff aus das feindliche Panzergeschwader unternahm, ein Angriff, der ^WlichL wurde durch die größere Geschwindigkeit der vertheidigenden Fahr- W. Der Chef der Admiralität wohnte diesem Anfallgefechte an Bord der