1.SS7
M 1
®reii vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BriMtzerALZ
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? 60 P^
Erscheint täglich mit N«Sn«hme deL Montag-.
Mnosanr Schnkstraßs 7.
Zweites Blatt Samstag den 1. Januar
letz euer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
müßten entschieden bestrebt sein, den Völkern den Frieden zu erhalten. Fast im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser sriedeathmenden Aeußerung tauchte in den französischen Blättern die Nachricht aus, General Boulanger wolle sich anstatt der von ihm für H-ereszwecke geforderten 400 Millionen für dar nächste Mal nur mit — 42 Millionen begnügen! Wie, der revanchelustige Kriegsminister als vollständiger Friedensapostel? Diese angebliche Häutung kam zu plötzlich, um wahr sein zu können und in der That dementrrte eme osficiöse Note in der „Libertä" jene Meldung von der Herabsetzung des 400-Millionen-Credits auf den zehnten Theil in klarster Weise; welchen Werch unter solchen Umständen die „Friedensreden" Boulanger's besitzen, braucht nicht erst besonders auseinandergesetzt zu werden. .
In Sofia sieht man dem Ausgange des gegen eine Anzahl von Zog. lingen der Junkerschule eingeleiteten Processes mit Spannung entgegen. Die Zöglinge der Junkerschule haben bekanntlich in der Mllltar-Verschwörung gegen den Fürsten Alexander eine hervorragende Rolle gespielt, obwohl gerade diese jungen Leute von dem Fürsten mannigfache Beweise besonderer Gunst erfahren baben. Bis jetzt leugnen die Angeklagten trotz der belastenden Zeugenaussagen ihre Schuld und manche führen sich sogar sehr selbstbewußt und trotzig auf, so daß es fast den Anschein gewinnt, als ob die jungen Herrchen sich von einer geheimen Macht beschützt wüßten. Jedenfalls ist den Junkern eine derbe
d-, Ul,«.««» R°»d°-U°.D-p.. tation in London war man in Sofia bis Donnerstag noch m Ungewißheit, wobei die auf den englischen Telegraphenlinien eingetretene Stockung wohl die Hauptschuld trägt. ____
Politische Ueberficht.
Gießen. 31. Deeember.
Mit einer bedeutungsvollen Feier tritt das preußisch- und deutsche Volk in das neue Jahr ein - nut berjenigen d°« achtrigjährigen militärischen Dienstjubiläums des Kaisers. Am 1. Januar 180< war es daß der damals noch nicht zehnjährige Prinz Wilhelm von fernem ;Q Fredrich Wilhelm HL, zum Osficier ernannt und hrermrt in den preußischen Armeeverband ausgenommen wurde, obwohl Prinz Wilhelm erst am nachfolaenden 22 März, seinem zehnten Geburtstage, als Fähnrich in die dama- Anw eintrat Im äußersten Osten der preußischen Monarchie, in Mrsigrberg, vollM sich der historische Aet, mit welchem Kaiser Wilhelm seine so ereianißreiche militärische Laufbahn begann, denn bis dorthin hatte sich die schwer geprüfte preußische Königsfamilie vor den siegreichen Heerschaaren des Franzosenkaisers flüchten müssen. Wohl bilden jene Tage, welche der Katastrophe von Jena folgten, eine der trübsten Epochen der preußsschen und deutschen Geschichte und gerade in diese schwere Zeit hinein fällt der Anfang der rmlltä- rischen Lausbahn unseres Kaisers. Seitdem sind 80 Jahre vorubergerauscht, aber wie ganz anders steht heute Preußen-Deutschland im Vergleiche zu der Zeit da, in der es niedergeschmettert zu den Füßen des korsischen Eroberers laa' Heute nimmt das nach jahrhundertelanger nationaler Schwäche und Zer- riffenhei: wieder einig, groß und mächtig gewordene Deutschland die maßgebendste Stelle im Rathe der Völker Europas ein, daß wir uns aber diese Weltstellung errungen haben, verdanken wir zum Wesentlichen den glänzenden Erfolgen Kaiser Wilhelms in drei Kriegen und noch sehen wir, wie der greise Monarch fort und sort unermüdlich thätig ist, die Schlagfertigkeit de, Heeres und damit unsere Wehrkraft zu stärken und zu verbessern. Mit Stolz und mit Bewunderung schaut daher ganz Deutschland an dem Tage, an welchem sein Heldenkaiser auf eine awS militärische, an Ehren, aber auch an Arbeit reich-- Dienstzei rurückblickt aus den erlauchten Jubilar und aus Aller Lippen schwebt der Wunsch, daß uns die Gnade des Himmels den allgeliebten greisen Monarchen noch lange erhalten möge! Dar achtzigjährige Dienstiubiläum der Kaisers wird sich am 1. Januar, entsprechend dem vorwiegend militärischen Charakter der Feier, mehr im militärischen Rahmen vollziehen. Doch war bis zum Donnerstag über dar Programm noch nichts Speeielleres bekannt, abgesehen davon, daß sämmtliche eommandirende Generäle der deutschen Armee dem obersten Kriegs« sterrn.versönlich ihre Glückwünsche abstatten werden.
* Am Dienstag Nachmittag sand bei den kaiserlichen Mazestäten das übliche Botschafterdiner statt, welche» alljährlich kurz nach Weihnachten die in Berlin beglaubigten Botschafter nebst ihren resp. Gemahlinnen, sowie die den Botschaften beigegebenen Militär-Bevollmächtigten und Mililär-Altachäs an der kaiferliSen Tafel vereinigt. An dem Diner nahmen diesmal außer den Botschaftern u. ß w- noch General-Feldmarschall Graf Moltke, die Chef» de» Civil- und Mililär-CabinetS, Unterstaatsseeretär im auswärtigen Amte, Graf Berchem, und andere angesehene Personen Theil.
Unter den europäischen Tagessragen behauptet stch der Rück tritt des englischen Schatzkanzlers, Lord Churchills, noch immer an erster Stelle. Die Demission dieses so einflußreichen Mitgliedes de» Cabmels Salisbury hat die politische Situation jenseits des Kanals förmlich auf den Kopf gestellt und der Premier Salisbury scheint gar keinen andern Ausweg mehr zu wissen, als die Parlamentr-Auflösung. Wenigstens soll Salisbury entschlossen sein, der Königin diesen Schritt anzurathen, falls seine Verhandungenmttdem Haupte der liberalen Unionisten, Lord Hartington, wegen Eintrittes desselben in bte Regierung zu keinem Resultate fiihren würden. Ob indessen eventuelle Neuwahlen eine Stärkung des jetzigen eonservativen englischen Ministeriums ergeben würden, ist noch recht zweifelhaft. Bezüglich der Motive für den Rücktritt Churchill's taucht jetzt eine neue Lesart auf, der zufolge Lord Churchill die passive Haltung Lord Salisbury'- und Lord Jddesleigh s in StreUfrage rnit Frankreich wegen der Besetzung der Neuen Hebrioen nicht gebilligt haben und deshalb so brüsk von der politischen Bühne abgegangen fern soll.
Am Sonntag Abend herrschte fast überall in England em heftiger Schneesturm, welcher namentlich in London große Verheerungen annchtete. Durch das Unwetter sind auch die Telegraphen-Leitungen in England vielfach unterbrochen, so daß auch über die politischen Vorgänge jenseits des Kanals nur büchst mangelhafte Berichte einlaufen. , w . ...
Die deutsch-böhmischen Abgeordneten haben! ihren Austritt aus dem böhmischen Landtag durch ein an das deutsche Volk Böhmens gerichtetes Manifest gerechtfertigt. Die in würdiger Sprache gehaltene Kundgebung ist von sämmtlichen 74 deutschen Mitgliedern des Landtages unter^rchnet und fordert am Schluffe zur Einigkeit auf und daß die Deutschen Böhmens diesem Appell entsprechen werden, beweist schon die einmüthige Zustimmung, welche sie dem Auszuge ihrer parlamentarischen Vertreter ertheilen. In Regierungskreisen bat der bedeutungsvolle Schritt der deutsch-böhmischen Abgeordneten große Be- Üünunq erregt und sind der Statthalter und der Oberst-Landmarschall von Böhmen in Wien eingetroffen, um über die Lage Bericht zu erstatten.
$ Der französische Kriegsminister, General Boulanger, läßt eine Friedenstaube nach der andern aufflattern. Die iwtßjle derselben wird durchs die bekannte Rede repräsentirt, welche Boulanger neulich m Pans bei der Preisvertheilung an die Rettungsgesellschaften vom Stapel ließund in welcher er mit schier verblüffender Offenheit verkündete, die Regierungen
Bad Nauheim, 27. December. sApotheke.1 Nach der Ministerialbekanvt- machuna vom 15. Mai 1885 kann die Verleihung der Eoncession für eine neu zu errichtende Avotheke und die Wiederverleihung einer heimgefallenen sogen. geschenkt! u Avotheken-Concession nach ministeriellem Ermessen auch an eme Gemeinde oder einen Kreis verliehen werden Der Concessionsträger hat die Apotheke dann an euren avvrobirten Apotheker zu verpachten und sind für die Bewerbung und für die Auswahl des bestberechtigten Bewerbers um die Pachtung bte in der Bekanntmachung vom 9. Februar 1881 enthaltenen Vorschriften maßgebend. Das Ministerium und der Justiz erlaßt ein Eoncurrenzausschreiben und setzt die Bedingungen der Verpachtung mit dem Eoncessionsträger fest. Der Bewerber mußim Besitz der burger- licken Ehrenrechte und während der letzten fünf Jahre wenigstens drei Jahre in einer Avo?beke bMA gt gewesen sein. Ein Bewerber, der sich im Besitz emer Apotheke befindet oder befunden Hal, kann bei Eoncurrenz mit andern geeigneten Bewerbern blos unter der Voraussetzung berücksichtigt werden, daß jener Besitz wenigstens zehn Lb-sseud-u «or^g btE sÄÄ benttoie?bet,,”wUe6nnnnid)f1m einzelnen Falte
derhiesigen Apotheke ist nun einem Apotheker Kram schenkungsweise zu einer Zeit verliehen worden, als die L-tadt noch kurhessisch ^^nnretfion ist mit dem Ableben des Besitzers dem hessischen Staate anheim- gefallen und diefelbe in Gemäßheit des allegirten Ausschr-ibens, vom MinisteriMi der darum nachfuchenden Gemeind- Bad Nauheim mit Wirkung: vom, 1. Aprst^ 1887 an verliehen worden. Die Pachtsumme, die vom Ministerium aus lahrltch 4^00 Kl aeiebt wurde stießt in die hiesige Gemeindekasse. Da der Ankauf des Gebäudes blos 000 31 kostete so macht die Gemeinde ein recht gutes Geschäft; es ist ihr eine dauernde^Rente von gegen 2500 gesichert. Die lleberlassung der Concession an die oauernvco4el4cvvi hb beifällige Aufnahme gefunden und ist man um so
^tIDeUbi^Siab^ÄUJlä6’i8e/cOnlnlunaleu
in ftolae des Bades nickt unbeträchtliche Ausgaben dauernd zu bestreiten hat. Die
Umsatz "der hiesigen Apotheke besonders bei eigener Verwaltung sich noch steigern wird, daß bi°r die Schne-calamitat zum Lauten der Sturmglocke führte Zah? Schneeschaufler
Zuflucht solgenden Artikel: „Einst.igen
MKWUWZ
MWUMWW
Sendung sich zusammengehaust hatte, zurecht zu sinden. -von g z v


