Ausgabe 
31.10.1886 Drittes Blatt
 
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Es ist für Sonntagsfeier gesorgt; je nach der Religion ziehen die Kolonisten in den katholischen oder evangelischen Gottesdienst der Nachbargemeinden, deren Geist­lichen die Colonie zugewiesen ist. Diese nehmen sich der Colonisten an und besuchen die Colonie. Auch den Israeliten ist Gelegenheit gegeben, die nächstgelegene Synagoge zu besuchen, so wie auch für deren rituelle Verpflegung gesorgt ist. Mit dem Einüben guter Volkslieder und patriotischer Gesänge, worin der Jnspector von musikkundigen Colonisten unterstützt wird, wird die Liebe zum Vaterlande gekräftigt.

Der Vorstand hat über die Führung der Colonisten, die in auswärtiger Arbeit leihweise stehen, gute Zeugnisse aufzuweisen; auch ein Bruchlheil derjenigen, welche durch die Colonie Stellen erhielten, führt sich gut. Viele unterliegen der Verführung und Versuchung, wenn sie sich frei fühlen, insbesondere verfallen sie wieder der Trunk­sucht, genährt in ausbeutenden Herbergen.

Zum Schlüsse theilen wir den Lesern mit, daß die Generalversammlung des Vereins am 25. d. M. in Frankfurt stattgefunden hat. Die bereits geprüfte Rechnung wurde durch 3 gewählte Revisoren für richtig befunden und Decharge ertheilt. Die Voranschläge für dm Verein, die Colonie und Wirthschafl wurden unverändert ange­nommen. Die 10 ausgetretenen Mitglieder wurden wiedergewählt und der Vorstand durch Neuwahl ergänzt.

Die Versammlung sprach durch Herrn Landesdirector Sartorius dem Ver- waltungsrathe den Dank für die Verwaltung aus; sie betonte die Nothwendigkeit der Errichtung von Naturalverpflegungsstationen für Oberhessen und Hessen-Nassau, Starkenburg und Rheinhessen haben dieselbe auf Provinzial- beziehungsweise Kreis­kosten durchgeführt in der Ueberzeugung, daß die seither schon günstigen Erfolge durch das fertige Netz derselben noch größer zu Tage treten werden. Die General­versammlung spricht die Erwartung aus, daß die Bewohner des Vereinsgebietes in Stadt und Land in Dankbarkeit für die durch die Colonie und die Stationen geleisteten Dienste und Wohlthaten in der Bekämpfung der Vagabondage und in der positiven Fürsorge für Arbeitslose fortfahren werden, der Colonie Unterstützungen zuzuwenden und dem verderblichen Bettel dadurch steuern zu helfen, daß sie die bettelnden Arbeits­losen nicht direct unterstützen, sondern auf die Naturalverpflegungsstationen verweisen, wo gegen Arbeitsleistung Verköstigung und Quartier zu erhalten ist und mit welchen Arbeitsnachweisebureaus verbunden sind, selbstverständlich ebenso auf die Colonie verweisen.

Möge Gottes Segen auf diesen Bestrebungen zur Lösung eines Stücks der socialen Frage weiter ruhen!

Das Dorkommen von Diehseuchen im Großherzogthum Hessen

während des Monats September 1886.

Rotzkr-ankheit. In Osthofen, im Kreise Worms, steht ein Pferd als der Seuche verdächtig unter Stallsperre und 4 Pferde wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung.

In Wolf, im Kreise Büdingen, wurde die über ein Pferd wegen Verdachts der Ansteckung verhängte polizeiliche Beobachtung wieder aufgehoben.

In Gießen steht ein Pferd als der Seuche verdächtig unter Sperre und ein Pferd als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung.

In Vilbel, im Kreise Friedberg, stehen 3 der Ansteckung verdächtige Pferde unter polizeilicher Beobachtung.

Milzbrand wurde festgestellt im Kreise Friedberg in Wölfersheim am 26., in Friedberg am 27. und 29., im Kreise Büdingen in Himbach am 2. und 6., in Echzell am 26., im Kreise Gießen in Obbornhofen am 2. und in Bettenhausen am 27. September bei je einem frepirten Rindviehstücke.

Lungenseuche. In Rendel, im Kreise Friedberg, wurden im Laufedes Monats September 15 der Ansteckung verdächtige Thiere aus drei Gehöften, in denen die Seuche zu Ende des Monats August festgestellt worden war, zum Schlachten aus­geführt. Von Neuem festgestellt wurde die Seuche am 22. September in einem Ge­höfte bet 2 als feuchenkrank getödteten Thieren. In demselben Gehöfte bleiben 5 Stück Rindvieh als der Ansteckung verdächtig unter Sperre. Die Sperre des Ortes Rendel gegen die Ausfuhr von Rindvieh besteht fort.

Der Bläschenausfchlag in Heuchelheim, im Kreise Büdingen, ist erloschen.

Festgestellt wurde die Seuche in Nieder - Klingen, im Kreise Dieburg, am 7. September.

Die Räude ailt noch als vorhanden unter den Schafen in Kirtorf, im Kreise Alsfeld, in Langd, im Kreise Gießen, in Echzell, im Kreise Büdingen, und in Ilbeshausen, im Kreise Lauterbach.

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