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Beilage zu Nr. 76 desEichener Anzeiger

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Tuffstein-Kaminrohre und Wandsteine.

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HolzversteLgerrmg.

2170) Es werden versteigert 1) Donnerstag den 8. April aus den Districten Brauhof la, 2b, 3a, 4b, Brauhofsberg 43, Schiffenberg 30, 32 und RückarS 41: Buchen 26,8 rm Scheiter, 18 rm Knüppel, 34,8 Hdt. W., 85 rm Stöcke; Eschen 29 rm Scheiter, 2,3 Hdt. W., 26,4 rm Stöcke; Eichen 22,3 rm Scheiter, 59,2 rm Knüppel, 11,3 Hdt. W., 40 rm Stöcke: Erle 19,4 rm Scheiter, 8,4 rm Knüppel, 9 Hdt. W., 23,6 rm Stöcke; Nadel 11 Hdt. W. Das Holz aus Abtheilung 2b, 3, 30, 32, 41 und 43 wird nicht vorgezeigt, sondern kommt an der 2. Brauhofsschneise am Brauhofsberg gegen 11 Uhr Vormittags zum Ausgebot. Nähere Auskunft ertheilt Forstwart Schlag zu Baumgarten. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr im Brauhöf an dem Brauhofsweiher.

2) Freitag den 8. April aus den Districten Wüstekopf 14e, Schinderskopf 16a, Rehhecke 18, 19 und Altgehegt 20: Buchen 31,6 rm Scheiter, 8 rm Knüppel, 17,3 Hdt. W-, 27,2 rm Stöcke; Eichen 41,2 rm Scheiter, 19,6 rm Knüppel, 40,7 Hdt. W., 112 rm Stöcke; Nadelholz 28 rm Scheiter, 6 nn Knüppel, 16,1 Hdt. W., 8,6 rm Stöcke. Das Holz aus Abtheilung 18, 19 und 20 wird nicht vorgezeigt, sondern kommt in Ab­theilung 16a, wo früher die Tyrolerhütte stand, Vormittags gegen 11 Uhr zum Ausgebot. Nähere Auskunft ertheilt Forstwart Menges zu Großen-Lmden. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr aus der Kreisstraße von Gießen nach Steinberg an der Sandkautschneise. An den beiden Tagen kommt nur das mit einem Kreuz versehene Buchen- und Eichen-Scheit- und Knüppelholz zum Ausgebot.

Gießen, am 24. März 1886.

Großherzogliche Obersörsterei Schiffenberg.

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Die Arbeiterunruhen in Belgien.

Die Arbeiterunruhen in verschiedenen Theilen Belgiens haben einen hohen Grad erreicht und die Lage wird als sehr gefährlich angesehen. Am schlimmsten geht es gegenwärtig in dem südlichen Industriebezirk, dessen Hauptort Eharleroi ist, zu. Von dort wird eine förmliche Revolution gemeldet. Ein anschaulicher Bericht derKöln. Ztg." aus Eharleroi vom 27. ds. schildert die Vorgänge der letzten Tage wie folgt: Aller Beschreibung spottet der sociale Krieg, der in der volk- und gewerbreichen Gegend von Eharleroi seit zwei Tagen die furchtbarsten Verheerungen angerichtet bat. Wie ein Lauffeuer durchzieht eine Bande von Empörern sengend und brennend dre ganze Um­gegend, die ruhigen Arbeiter unter den fürchterlichsten Drohungen von ihrem Tagewerke reißend, der Militärmacht, wo es derselben gelingt, die Rebellen in den Labyrinthen der Wege, der Dörfer und der Werkstätten zu verfolgen, Trotz bietend, auch wenn sie schon zahlreich genug ist. Es wird erzählt: Als die Bürgerwehr gestern ihre Gewehre lud, traten einige Besessene vor, entblößten ihre Brust und forderten die Kugeln heraus. Die Wehrkräfte, welche von allen Seiten des Landes zusammengezogen werden, genügen nicht, denn jede Fabrik müßte beseht sein, überall befindet sich ein Verworfener, der den schwarzen Zug erwartet, um sich demselben anzuschließen. So übereilt kam die ganze Folge der Ereignisse der letzten 24 Stunden, daß noch nicht alle Truppentheile, welche von Ostende, Antwerpen, Tournay, Apern, aus allen Garnisonsstädten, welche noch nicht zum Schutz der Umgebung Lüttichs entsetzt waren, hier eingetroffen sind. Fünf Eifenbahnzüge brachten Militär und noch wird ein sechster aus Brügge erwartet. Ein Brüsseler Blatt meldete bereits, die Regierung treffe Maßregeln zur Einberufung des Ersatzheeres. Diesen Morgen traf der Generallieutenant Baron van der Smissen, der Commandeur des ersten Militärrcviers hier ein, um den Oberbefehl zu übernehmen. Seine Ankunft wirkt beruhigend; der General ist aus dem mexikanischen Feldzug als ein schneidiger Soldat bekannt. In Eharleroi war man sofort nach den Ereignissen in Lüttich auf etwas gefaßt; die Bürger von Eharleroi, welche bisher ruhig zusehen konnten, wenn alljährlich einzelne Arbeiter streikten, ahnten zwar Böses, doch konnten selbstverständlich die furchtbaren Thaten, die sich abspielten, nicht vorgesehen werden. Dennoch wird in der heutigenGazette de Eharleroi" über die Verzögerung in der Abcommandirüng von Truppen geklagt. Aus Tournay waren gestern nur 78 Ulanen hier, am zweiten Tage der Arbeitseinstellung. Die ganze Wehrkraft von Eharleroi, Militär, Polizei und Bürgerwehr, betrug kaum 600 Mann? Das schrecklichste Ereigniß ist der Brand der weltbekannten Glashütte von Eugen Baudoux in Jumet. Gestern war Baudoux ein wohlhabender Mann, der mit Befriedigung auf die vom Arbeiter an begonnene Laufbahn zurück- und in die Zukunft mit Vertrauen blicken konnte. Es war dem allgemein geachteten Großindustriellen bereits für die nächsten Wahlen ein Sih in der Kammer bestimmt. Heute steht die sieben- bis achthundert Meter lange Fabrik rauchend und verödet da. Nachdem Alles darin verwüstet war, steckte ein ISjähriger Bursche die Fabrik in Brand, dann wurde auch Petroleum über das von Bauooux bewohnte Schloß ergossen und der Besitzer mußte sich mit seiner Familie flüchten, um sein Leben zu retten. Wer gibt ihm, wenn seine Anstalt auch wieder auf- gebaut ist, die verlorene Zeit wieder, wenn einmal der Mitbewerb seine Schöpfungen auf dem Gebiete der Glaserzeugung verwerthet haben wird? Der Schlag war kalt­blütig vorbereitet. Um 3 Uhr Nachmittags kamen die Empörer. Es waren grade 600 Arbeiter um zwei Beckenöfen thätig; sie mußten eiligst flüchten; 30 Ulanen kamen auf die Empörer zu, welche mit Steinen und Stöcken auf die Soldaten warfen und diese schließlich zurücktrieben. Der Lieutenant und mehrere Mann wurden verwundet. "Nun war die Bande vollständig Herr der Anstalt. Erst wurde eine zweite Bande erwartet, dann wurde die Gasleitung nach den Siedebecken abgeschnitten und einige Stunden lang bald wild, bald planmäßig wurde Alles verheert. In den Kellern des Schlosses spielten sich die scheußlichsten Scenen ab, die Möbel, Wagen, Alles wurde aus der Wohnung geschafft, mit Petroleum übergossen und verbrannt. Während das

Schloß aufflammte, begaben sich einige Beamte der Staatsanwallschaft, welche vergebest in Lodelinsart auf militärische Bedeckung gewartet hatten, nach Jumet, mußten abch- bald umkehren. Als das Werk der Zerstörung vollendet war, begaben sich die Rebellen nach der Glashütte Mondron, um auch dorthinein das verheerende Feuer zu tragen. Glücklicherweise kam ein Zug Ulanen zur Entsetzung der Familie Mondron, welche schon schwer bedroht war; auf die Fensterläden waren mehrere Revolverschüsse abge­feuert worden. Bet Mondron befand sich auch Staatsministcr Pirniez. Die Vorgänge in der Baudoux'schen Anstalt verdienen besondere Beachtung. Weshalb roar<n diesmal die Glasbläser, die doch sonst sich als die Aristokraten unter den Arbeitern gebärden und sich bei den früheren Streiken sehr ruhig verhielten, diesmal an der Spitze der Zerstörer? Es ist die Anwendung des socialistischen Einwandes gegen den Gebrauch der Maschinen, um mich kurz zu fassen. Baudoux hatte die schwierige, bekanntlich viel Gewandtheit erfordernde Bläserei aus dem Ofen durch die Anwendung großer Becken ersetzt. Der jedesmalige Einguß ist bedeutend, der Rohstoff dafür kostet 1200 Frs. und um jedes Becken sind 300 Arbeiter mit den Muffeln beschäftigt. Die Masse löst sich leichter als aus dem Ofen los und auch weniger geschulte Arbeiter werden der Hand­habe gerecht. Baudoux hatte vier Becken, mithin 1200 Arbeiter. Er erzeugte jährlich für 3 Millionen Franken; über die Hälfte davon wurde an Lohn gezahlt. Die gleichsam zunftmäßigen Glasbläser schürten seit langer Zeit den Haß gegen diese Neuerung und bei dieser Gelegenheit brach er los, zum Verderben des Lohnherrn und zum eigenen. Was wird aus der Bevölkerung werden, welche die Quelle des eigenen Wohlstandes verstopfte?

Vermischtes.

Der 14. deutsche Aerztetag wird am 28. Juni in Eisenach abgehalten. Vorläufig sind folgende Punkte auf die Tagesordnung gesetzt:

1) Stellung der Aerzte zum Krankenkassengesetz. 2) Stellung der Aerzte zu den Unfall-Berufs-Genossenschaften. 3) Wahlmodus des Geschäfts-Ausschusses. 4) Ver­trag über die Bestrebungen desdeutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Ge­tränke". Referent: Sanitätsrath Dr. Baer-Berlin.

Der 1. April steht vor der Thür, nicht allein der Tag des Umzuges, sondern auch der der sogenannten Aprilscherze. Er hat nun einmal sich das Recht erworben, als Tummelfeld für alle jene Glücklichen zu dienen, welchen es ihre Zeit erlaubt, über Scherze zu sinnen, die darauf hinausgehen, Andere hineinfallen zu lassen. So lange die Sache harmlos ist, läßt sich dagegen nichts einwenden. Aber die Grenzen der Harmlosigkeit darf sie eben nicht überschreiten. Wir haben schon allzu viel von jenen Witzen gehört, die im gewöhnlichen Leben unvorhergesehenes und unbeabsichtigtes Un­glück herbeiführen. Aus Wien wurde vor einigen Tagen ein solcher Scherz gemeldet: Eine junge Frau erhielt ein Telegramm, wenn sie ihren in der Vorstadt wohnenden Vater noch einmal sehen wollte, müsse sie sich beeilen. Der Schreck wirft die junge Frau auf das Krankenlager, von dem sie nach dem Friedhöfe hinausgebracht wurde. In Wahrheit hatte ein guter Freund die Frau hinauscitiren wollen, weil ihr Vater auf den Maskenball ging und sie ihn im Kostüm sehen sollte. Jetzt sind nun neue Aprilscherze in den Handel gebracht, die in treffender Nachahmung von allerlei amt­lichen Dokumenten und anderen Schriftstücken die Adressaten einen Augenblick irre führen imd ihnen dann doch gleich Aufklärung über den Scherz geben sollen. In dieser Sammlung finden sich auch schwarzberänderte Trailerbriefe. Wer Gemüthsruhe genug besitzt, um einen solchen Brief bis zu Ende zu lesen, wird das Geschreibsel in den Papierkorb werfen. Wie unendlich viele Leute aber gibt es, die bei dem Em­pfange eines Trauerbriefes von jähem Schreck befallen werden, besonders wenn Krank­heit in der Familie das Eintreffen solcher Botschaft als möglich erscheinen läßt. Hier hört der Witz und die Harmlosigkeit auf, und solche Aprilscherze müssen ganz entschieden unterbleiben. Das ist kein Scherz mehr, sondern Unfug.

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