Ausgabe 
31.1.1886 Erstes Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Darmstadt, 26. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 1) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Vermächtnisse und Schenkungen an verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten betr.

Ihre Königl. Hoheit die höchstselige Frau Prinzessin Karl von Hessen habe« 1) dem DiakonissenhausElisabethenstift" zu Darmstadt 60.000-CX., 2) den Stadtarmen zu Darmstadt 1000 Jt, 3) den Ortsarmen zu Bessungen 1000 letztwillig zuzuwenden geruht-

Sodann haben anläßlich des Ablebens Ihrer Königl. Hoheit der Frau Prinzessin Karl des Großherzig» Königl. Hoheit in Gemeinschaft mit Ihren Großh. Hoheiten den Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen den nachstehen­den Wohlthätigkeits-Anstalten die beigefttzten Beträge Allergnädigst zuzuwenden geruht: 1) dem Rettungshaus zu Hähnlein 800 «X., 2) dem Rettungshau- zu Jugenheim 200 «X, 3) dem Rettungshaus zu Arnsburg 200 «X, 4) dem Eli- sabethhaus zu Nauheim 300 «X., 5) der Kleinkinderschule zu Bessungen 300 -X., V) der Kleinkinderschule zu Seeheim 200 -X., 7) dem Mathilden-Landkranken- hauS zu Darmstadt 200 «X., 8) dem Alice-Hosp'tal zu Darmstadt 200 X, 9) dem Magdalenenverein zu Darmstadt 200 ^X., 10) dem Süddeutschen Ver­ein für innere Mission zu Darmstadt 200 Jl., 11) dem Verein zur Unter­stützung der aus den Strafanstalten Entlassenen zu Darmstadt 200 -X., 12) der Heidenreich von Siebold-Stiftung zu Darmstadt 200 <X., 13) der Sonntags­schule zu Darmstadt 200 «X., 14) dem Sonntageverein zu Darmstadt 200 «X., 15) der Gustav-Adolf-Stiftung zu Darmstadt 200 -X.

Dieies wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Vergrößerung des Familien-Fideikommiffes der Gräflichen Famllie von Wal- derdor? betreffend.

3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

4. Summarische Uebersicht der Rechnung Großh. Landes-Waisenanstalt zu Darmstadt für 1884/85.

Die Gejammt-Einnahme beträgt 193,154 -X. 36 H. Die Gesammt- AuSgabe beträgt 191,723 -X. 14 H. Verglichen bleibt Rest 1431 -X. 22 welcher in liquidirten Ausständen besteht.

Stand der Waisen Ende März 1885. Am Schluffe des Rechnungsjahres Ende März 1184 blieben in Verpflegung 1856 Kinder. Während 1884/85 wurden ausgenommen: 1) in der Provinz Starkenburg 204 St., 2) in der Prsvinz Oberbeffen 93 St., 3) in der Provinz Rheinhessen 41 St., 4) Waisen, welche während der Lehrzeit Unterstützung erhalten 112 St-, zus. 450 Kinder. Mithin wurden im Rechnungsjahre 1884/85 zus. verpflegt 2306 Kinder. Ent­lasten wurden: 1) in der Provinz Starkenburg 161 St., 2) in der Provinz Ober­hessen 97 St., 3) in der Provinz Rheinhessen 50 St., 4) Waisen, welche während der Lehrzeit Unterstützung erhielten 112 St., zus. 420 Kinder. Am Schluffe des Rechnungsjahres Ende März 1885 blieben mithin in Verpflegung 1886 Kinder.

5. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 25. December 1885 dem Prof. Dr. Kiltler zu Darmstadt die nachgesuchte Er- laubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Könige von Italien verliehenen Osficiers-Kreuzes des Ordens der italienischen Krone, am 11. Januar 1886 dem Oberstkammerherrn, Generallieutenant i la suite v. Grol- man, ^cellenz, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Kronen- Ordens 1. Klaffe zu ertheilen.

6. Namensveränderung.

7. Dienstnachrichten:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 28. November 1885 der Hos-Ehoristin Sophie Roßmann den TitelKammer- Choristin" zu verleihen; am 5. December den Kammerdiener Heinrich Kratz, mit Wirkung vom 1. Januar 1886, zum Hof-Fourier, am 18. December den Musiker Georg Gaubatz zum Hosmusiker zu ernennen.

8. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Eine Lchrerstelle an der evang. Schule zu Neckar-Steinach mit einem Gehalt von 1000 -X.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Gabsheim mit einem Gehalt von 900 <X. Eine mit mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nackenheim mit einem Gehalt von 9001000 eX. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Hilbersheim mit einem Gehalt von 900 -X; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

Darmstadt, 25. Januar. Bei dem auch gegenwärtig immer noch starken Zu­drange zum juristischen Studium dürfte es von Interesse sein, auf Grund der in dieser Richtung stattgehabten statistischen Erhebungen einiges über das gegenwärtig im Großherzogthum herrschende Verhältniß zwischen der Zahl der Assessoren und der­jenigen der vorhandenen mit Juristen zu besetzenden Stellen im Staatsdienste zu erfahren.^ ^cr Universität zu Gießen dem juristischen Studium:

Im Winter-Semester von 188182 von 433 immatrikulirten Hörern 77 Stu- dirende, darunter 67 Hessen, im Sommer-Semester 1882 von 435 immatr. Hörern 70 Stud., dar. 61 Hessen, im Winter - Semester 188283 von 447 immatr. Hörern

63 Stud., darunter 54 Hessen, im Sommer-Semester 1883 von 464 immatr. Hörern 63 Stud., darunter 53 Hessen, im Winter-SemefterE188884 »on 497 immatr. Hörern 62 Stud., darunter 52 Hessen, im Sommer-Semester 1884 von 521 immatr. Hörern 59 Stud., darunter 51 Hessen, im Winter-Semester 188485 von 505 immatr. Hörern 54 Stud., darunter 47 Hessen, im Sommer-Semester 1885 von 539 immatr. Hörern, 65 Stud., darunter 56 Hessen.

Rechtskundige, welche nur die erste (FakultätS-) Prüfung bestanden haben, find dermalen bei den Justiz- und Verwaltungsbehörden des Großherzogthums im Ganzen 78 beschäftigt, die Zahl derer, welche die zweite (Staats-) Prüfung bestanden, mithin die Fähigkeit zur Anstellung tm höheren Justiz- und Verwaltungsdienst des Groß­herzogthums erlangt haben, beträgt im Ganzen 90 und zwar haben sich hiervon dem Justizdienst 77 (Gerichtsassessoren), dem Verwaltungsdienst 13 (Regierungs- assessorcn) gewidmet.

Demgegenüber beläuft sich die Zahl der Stellen im Staatsdienste, welche decret- mäßig mit zum Richteramte oder zum höheren Verwaltungsdienste Befähigten zu be­setzen sind, im Großherzogthum Hessen, abgesehen von den Notarstellen, auf 234, wo­von 179 in das Ressort der Justizverwaltung und 55 in dasjenige der inneren Verwaltung entfallen. Wenn auch nickt unberücksichtigt bleiben darf, daß sich unter der oben genannten Zahl der Assessoren etwa 35 befinden, welche etwa 34 im Justiz- und 1 im verwaltungsfache gegen Remuneration dauernd als Amtsanwälte, Hilfs­gerichtsschreiber, Hilfsarbeiter rc. im Staatsdienste beschäftigt sind, so beweisen big obigen Zahlen doch zur Genüge, daß die Zahl der Assessoren nicht in dem richtigen Verhältniß zu derjenigen der vorhandenen Stellen steht. Denn, abgesehen von den im Vorbereitungsdienste befindlichen Aspiranten, welche die Staatsprüfung noch nicht be­standen haben, verhält sich nach den vorstehenden Ziffern im Justizfache die Zahl der Assessoren zu der Zahl der Stellen wie 0,430:1, im Verwaltungsfache wie 0,236:1 und nach der aus den Jahren 1879 bis 1885 berechneten Durchschnittsziffer beträgt die Zahl der Anstellungen im Justizfache 5, im Verwaltungsfache V/s jährlich.

im Justiz-

Bundesstaat.

dienst.

179

432

4205

295

210

200

1220

Stellen. 0,430: l 0,252:1 0,251:1 0,214:1 0,195:1 0,100:1 0,074:1

fung bestanden haben.

77

109

1056

63

. 41

21

91

Großherzogthum Hessen Königreich Sachsen

Preußen

Württemberg

Großherzogthum Baden Elsaß-Lothringen

Zahl der fähigten Bewerber zur Zahl der

Zahl der Rechts-

Zahl der Stellen kundigen, welche im Justiz- die zweite Prü-

Königreich Bayern

Es ergibt sich aus diesen Zahlen, daß selbst in dem Königreich Sachsen, welches nach Hessen unter den genannten Bundesstaaten die den Aspiranten für den höheren Justizdienst ungünstigste Verhältnißziffer aufweist, die Chancen der letzteren auf baldige Anstellung doch noch nahezu um das Doppelte günstiger sind als in Hessen, indem, wie sich aus der Berechnung ergibt, hier auf kaum mehr als zwei überhaupt vor­handene Stellen, dort aber erst auf etwa vier Stellen ein Assessor kommt.

Wenn nun auch alljährlich, wie in den übrigen deutschen Bundesstaaten so auch im Großherzogthum Hessen, eine gewisse Anzahl von Gerichtsassessoren zur Rechts­anwaltschaft und in das Notariat übergeht oder durch Eintritt in den Reichs- und Privatdienst aus dem Staatsdienst ausscheidet, so ist doch die Zahl der in dieser Weise ausscheidenden Aspiranten keine so erhebliche, daß dadurch die im Vorstehenden ge­schilderte, den andauernden Andrang zum juristischen Studium keineswegs rechtfertigende Sachlage wesentlich verbessert werden könnte. (D- Z.)

Zur Anstellung von Vergleichen zwischen den im Großherzogthum Hessen be­stehenden Aussichten der Gerichtsassessoren auf Anstellung im Staatsdienste und denjenigen in den größeren übrigen Bundesstaaten dürften schließlich noch die folgenden. Daten Veranlassung geben, welche aus dem von Karl Pfafferoth herausgegebenen Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung" Jahrgang 1886 entnommen sind. Dieselben gründen sich auf den Stand vom 1. Juli 1885 und ergeben speciell für die Anstellung im Justizdienst ungefähr folgende Verhältnisse:

"" Verhältniß' der

- be-

Lokales.

Gießen, 30. Januar. Ter gestern Abend im Volksbildungsverein gehaltene Vortrag des Herrn Gymnasiallehrer Scherer überBlicke in die Werkstätte der Natur" hatte ein zahlreiches Auditorium in dem Saale des Lenz'schen Felscn- kellers versammelt. In klarer, wohldurchdachter und fließender Rede erläuterte der Vortragende einige Vorgänge im Naturleben, speciell über das Arbeiten von Sonne und Luft rc. im Pflanzenreiche. Der Vortrag wurde unterstützt durch Experimente mit dem Scioptikon, welches die Pflanzenpräparate in vielhundertfacher Vergrößerung auf der Leinwand erscheinen ließ. Bei Schluß des sehr interessanten Vorttags wurde Herrn Scherer reicher Beifall von Seiten der Zuhörer zu Theil. Auch der Vorsitzende, Herr Geh. Baurath Prof. Dr. v. Ritgen dankte dem Redner für den gehaltenen Portrag und drückte seine Befriedigung darüber aus, daß ein so zahlreiches Publikum erschienen sei und schloß mit der Mittheilung, daß den nächsten Vortrag jedenfalls Herr Prof. Thiel von Darmstadt halten werde.

Wir verfehlen nicht, nock einmal auf die zur Zeit hier weilende Menagerie des Herrn H. Weidauer aufmerksam zu machen: der ganze Bestand der Menagerie sind nur schöne und wohlgenährte Exemplare. Die Beschreibung der Thiere geschieht in einer knappen, doch deutlichen und zweckentsprechenden Weise, die Dressur mit den beiden jungen Löwen ist eine vorzügliche, nur ein Blick, ein Commandowort des muthigen Jünglings und die Thiere strecken sich ihm willig zu Füßen: wohl aber gchört Ruhe und Ausdauer dazu, ehe man diese wilden Bestien zu dieser schwierigen aber interessanten Dressur bringen kann; ebenso legt der Elephant Gelehrsamkeit dieser Riesen-Dickhäute ab. Da aber besagte Menagerie nur noch einige Tage hier bleibt, so versäumen wir nicht, den sich wirklich lohnenden Besuch dem hiesigen rote auswärtigen. Publikum angelegentlichst zu empfehlen.

Handel nnd Der^ed».

Gießen, 30. Januar. Auf dem heutigen Markt tote Butter per Psurü» jH 0.75-0.82, Hühnereier pr. Stck. 7-1 H, Enteneier St. 0-0 Käse pr. St. 5-8 Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 28 H, Tauben per Paar 0,70 bis 1,00 X Hühner per Stück X 1.201.40, Hahnen pr. Stück JL 1.402.00, Enten per Stück X 2.002.50, Ochsenfleisch per Pfund 6264 Kuh- und Rindfleisch 5456 Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleilch 50-62 H, Kalbfleisch 4850

Kartoffeln per 100 Kilo X 3.500.00, Milch per Liter 1218 H, Zwiebeln per Centnec X 6.50-7.00.