Ausgabe 
31.1.1886 Drittes Blatt
 
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Gießen, 29. Januar. [Herberge zur Heimath.j Die Zeichnungen für die Herberge haben bisher einen guten Fortgang genommen. In den letzten Tagen sind mehrfach Beträge von auswärts angemeldet worden, so allein vor Lich (außer der namhaften Zeichnung des fürstlichen Hauses) 2000 JL. Von hiesigen Firmen sind einzelne ansehnliche Summen gezeichnet worden, so außer den früher erwähnten 5000 JL neuerdings von einer Firma 1000 JL. Aus Handwerkskrcisen ist als besonders er­freulich die Betheiligung der Bäckerinnuug hervorzuhebcn. Die verhältnißmäßig größten Zeichnungen sind aus solchen Kreisen der hiesigen Bewohnerschaft erfolgt, die damit ein wirkliches Opfer brachten. Im Ganzen sind bis jetzt ca. 30,000 eingekommen und der Vorstand hat daraus den Muth geschöpft, die Errichtung eines Neubaues be­stimmt in's Äuge zu fassen und wegen Erwerbung eines Bauplatzes in Unterhandlung zu treten. Aber immerhin fehlt noch eine ganz erhebliche Summe an dem zum Bau nöthigen Kapital. Es würde ja nicht schwer werden, das noch fehlende auf Hypothek aufzunehmen. Der Vorstand könnte sich dazu aber nur im äußersten Nothfall ver­stehen, weil dadurch die Sicherheit, welche er seinen übrigen Gläubigern bietet, ver­ringert würde. Es darf ja wohl auch an der Hoffnung festgehalten werden, daß unsere Bürgerschaft das Werk nicht halb thun und die Herberge nicht stecken lassen wird, und daß die, welche bisher noch mit ihren Beiträgen zurückgehalten, und viel­leicht auch die, welche sich bisher ablehnend verhalten haben, zum Theil aus ganz un­zutreffender Auffassung der Sache, sich nun bereit finden lassen werden, zur Auf­bringung des noch fehlenden Betrags behilflich zu sein. Der Vorstand beabsichtigt, dazu unter Darlegung der Sachlage nochmals Gelegenheit zu geben.

Herr Professor A. Epstein, Kaiser!, russischer Hof-Prestidigitateur, einer der renommirlestcn Virtuosen seines Faches, wird am nächsten Donnerstag und Frei­tag im CafL Leib zwei Vorstellungen veranstalten, lieber den Künstler schreibt die Barmer Zeitung" gelegentlich einer von demselben in der GesellschaftConcordia", der vornehmsten der Stadt, veranstalteten Soiree:Die Zauber-Spiritisten-Dorstcllunge» des Herrn Epstein sind wegen der vielen Ueberraschungen, welche der Künstler ohne Appa­rate und oft mitten unter dem Publikum bietet, wirklich deS Besuches werth. Sie unterscheiden sich von allen bis jetzt gesehenen Leistungen durch reichhaltige Abwechslung, Neuheit, Sicherheit, Eleganz und eine ganz andere Methode. Mögen nun die Pro- ductionen auf physischen, chemischen Processen oder auf optischen Täuschungen beruhen, sie unterhalten und amüsiren das Publikum außerordentlich. Professor Epstein ver­einigt mit den unübertroffenen Eigenschaften des gewiegtesten Eskamoteurs einen ge­läufigen Vortrag und schlagfertigen Witz, der ihn nie langweilig werden läßt. Das Publikum läuft feine Gefahr, veraltete Experimente unter irgend einem neuen Namen wieder vorgeführt zu sehen; es zeichnen sich ganz im Gegentheil die Productionen des Herrn Epstein dadurch aus, daß dieselben durchweg Novitäten und viele derselben Original-Experimente sind, davon Erfindungen, welche der Künstler sich selbst zuschreiben darf. Es vereinigen sich bei diesen Schaustellungen, welche auf magischen, chemischen, physikalischen, optischen, spiritistischen und anderen Darstellungen beruhen, alle in­teressanten Details ä la Bosco auf jene Pieren, welchen ernsthafter zu nehmende Ex­perimente auf dem Felde der Physik und Chemie zu Grunde liegen. ES würde zu weit führen, wenn wir die einzelnen Pieren besprechen wollten, genug, ein recht spannender, durch seine wechselvolle Reichhaltigkeit unterhaltender Abend wird durch diese Vorstellung geboten."

Allgemeiner Anzeiger.

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Der Vorstand.

NB. Gesellschaften, welche Gruppen bilden oder sonstige Aufführungen veranstalten wollen, werden ersucht, solches bei Herrn G- Mook anzumelden.

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