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erlangten Unterrichts nach einem näherer Feststellung vorbehaltenden Reglement abzulegende Schlußprüfung eingesührt, welche zwar nicht obligatorisch ist, jedoch für das auswärtige Amt bestimmend sein soll, Ih Zukunft denjenigen Bewerbern für den Dolmetscherdienst, welche diese Prüfung bestanden haben, vor anderen vorzugsweise Berücksichtigung angedeihen zu lasten. (Köln. Ztg.)

Stuttgart, 28. April. Se. König!. Hobeit Prinz Wilhelm von Preußen empfing heute den Ministerpräsidenten v. Mittnacht und nahm sodann das Dejeuner bei der Großfürstin Vera ein. Die Officier-Deputaffon der Gard Husaren, welche den Prinzen begleitet, war von dem Prinzen Wilhelm von Württemberg zum Dejeuner geladen. Nach dem Diner,_ welches beim Prinzen Hermann von Sachsen«Weimar stattfindet, wird der Hof mit seinen Gästen dem veranstalteten Reitersest beiwohnen. Morgen wird der Prinz Wil­helm einer Einladung zum Galadiner bei der Prinzessin Friedrich von Württem­berg Folge leisten. Das Wetter ist prachtvoll; viele Fremde sind zur Therl- nahme an den Festlichkeiten eingetroffen.

Telegraphische Depescherr.

«olff's telegr. «orresporrderrz * Birrran.

Söln, 28. April. DieKöln. Volksztg." meldet, in Folge einer zwischen dem Heiligen Stuhl und der Grobherzoglich hessischen Regierung stattgehabten Verständig­ung sei die Ernennung des Domkapitulars Haffner zum Bischof von Mainz als bevor­stehend anzusehen.

Berlin, 28- April. Der Kronprinz machte heute nach seiner Krankheit die erste ^^"A^^Eichsanzeiger" publicirt das Gesetz über die Verlängerung des Socialistengesetzes, ferner über die Abänderung des Militärgesetzes und des Reichs- beamreiigesetzes. Nw hiesige Zeitungen melden, brannten in den letzten

Tagen in vielen galizischen Dörfern einzelne Häuser ab, so auch in Ianok und Chyrow. Das Dorf Dobrowlany steht seit gestern in Flammen. im Dorfe Bojaniec (Bezirk ^olkiew) sind 49 Bauernwirlhschaften abgebrannt. In Chyrow ist ein der Brand- ftiituna Verdächtiger verhaftet worden.

Brindisi, 28. April. Rach dem letzten Bulletin sind an Cholera hier 2 Per­sonen erkrankt, 1 gestorben, in Ostuni 5 erkrankt, 1 gestorben, in Latiano 2 erkrankt, 1 gestorben, in Oria 1 gestorben. .

London, 28. April. Em Telegramm derDaily News" aus Athen von gestern meldet: Durch einen Erlaß des Königs ist die Entlassung der jüngst ein­berufenen zwei Altersklassen der Reserve angeordnct.

Athen, 28. April. (Telegramm derAgence Havas".) Der Ministerpräsident Delvannis erließ gestern Abend ein Rundschreiben an die Vertreter Griechenlands im Auslande, in welchem es heißt, Griechenland habe dem Rathe Frankreichs entsprechend die Rüsiungspolitik, von welcher geglaubt worden sei, daß sie den Frieden stören könne, in der Hoffnung aufgegebcn, daß Europa einen solchen Entschluß Griechenlands anerkennen werde. Griechenland habe unter Beobachtung der durch die öffentliche Ordnung und militärische Erwägungen gebotenen Rücksichten die Abrüstung vorbereitet, als ihm ein Ultimatum zugegangen sei, welches die Freiheit seiner Action aufhebe. Durch dieses Ultimatum werde die Lage verändert, denn es gewinne durch dasselbe den Anschein, als ob Griechenland nicht mehr aus freier Entschließung, sondern unter dem durch das internationale Geschwader getroffenen Zwange handle. Die Negierung müsse deßhalb die Abrüstung ablehnen, welche große Gefahren herbeiführen könnte. Die Regierung werde jedoch, wenn die Mächte ihr die Freiheit ihrer Action beließen, die Frankreich gegenüber von freien Stücken übernommenen Verpflichtungen loyal er­füllen, wie es die Ehre und die Interessen Griechenlands erheischen.

Athen, 28. April. (Telegramm derAgence Havas".) In einer gestern Abend stattgehabten Versammlung des Clubs der Nationallilur wurde eine Resolution an­genommen, in welcher die Regierung ausgefordert wird, nicht abzurüsten, so lange Griechenland unter dem Drucke des Ultimatums stehe. Dieser Beschluß sollte heute dem Ministerpräsidenten Telyannis mitgetheilt werden. Der Kriegsminister ist aus Thessalien bierber zurückaekebrt.

Erste General-Uerfammlung des Vereins für Reformations- Geschichte in Frankfurt a. M.

(Von unserem Special - Correspondenten.)

E. C. Frankfurt a. M., 28. April.

Heute versammelten sich hier die Mitglieder der vor 3 Jahren gelegentlich des Lutherjubiläums gegründeten und über ganz Deutschland verbreiteten Vereins für Reformalionsgeschichte zur ersten ordentlichen Generalversammlung. Zweck dieses Vereins ist Hebung und Stärkung des evangelischen Bewußtseins durch die Einführung in die Geschichte der Entstehung der evangelischen Kirche, sowie Schilderung der hervor­ragenden Persönlichkeiten und Thatsachen der Reformation und deren Wirkungen auf allen Gebieten des Volkslebens in unsirer an kirchlichen Kämpfen so reichen Zeit. Die von dem Vereine bereits publicirten Schriften 12 an der Zahl enthalten Lebens­bilder bedeutender Männer der Reformation, Märtyrergeschichten und Beschreibungen wichtiger Vorgänge aus jener Zeit, ebenso auch Bilder aus der katholischen Kirche. Diese Schriften halten sich bei aller Wissenschaft doch populär genug, um jeden ge­bildeten Leser zu befriedigen.

Die Generalversammlung, zu welcher gegen 100 Mitglieder und eine größere Anzahl Zuhörer erschienen waren, wurde gestern Abend durch einen Gottesdienst in der Katharinenkircke unter Mitwirkung des evangelischen Kirchengesangvereins eröffnet. Die Predigt hielt Herr General-Superintendent Dr. Baur aus Coblenz.

Die heutigen Verhandlungen begannen früh 9 Uhr in der deutsch-resormirten Kirche. Herr Professor Köstlin aus Halle gab zunächst einen Rückblick auf die bis­herigen Leistungen und Ziele im Allgemeinen unter näherer Darlegung des Programms und that u. A. des erfreulichen Wachsthums des Vereins Erwähnung, der im ersten Jahre seines Bestehens 5500, im zweiten 6000 und im dritten 6273 Mitglieder zählte. Herr Professor Dr. Theodor Schott aus Stuttgart hielt sodann im Anschluß hieran einen Vortrag überFrankfurt am Main als Herberge verfolgter evangelischer Glaubens­genossen in der Reformationszeit".

Schon durch die günstige Verkehrslage von Frankfurt, seine Messen und seinen großen Waarenverkehr, sowie seine bekannte Woblthätigkeit wurde diese Stadt der erste Zufluchtsort der aus den anderen Staaten verjagten protestantischen Glaubensgenossen. Im März 1554 kam die erste Flüchtlingschaar, 24 Köpfe stark, französisch redende Wallonen, vor die Thore der Stadt, hervorragende Familien, wie die von Holzhausen, von Glauburg u. s. w. nahmen sich ihrer an, brachten sie unter und gewährten ihnen alle mögliche Hilfe. Eine solch menschenfreundliche Behandlung blieb draußen nicht unbekannt. Jeden Monat kamen neue Zuzüge und die Colonie vermehrte sich mehr und mehr. Am 19. Mai 1554 fand in der Weißfrauenkirche der erste eigene Gottes­dienst für die bedrängten Glaubensgenossen statt. 1557 zählte die französisch-reformirte Gemeinde schon 199 Familien, 1561 bereits 1131 Personen und die englische ebenso­viel. Innere Streitigkeiten blieben zwar nicht aus, doch der immer inehr um sich greifende Protestantismus außerhalb gab auch den Frankfurter Gemeinden immer wieder einen starken Rückhalt. 1585 kamen neue Zuzüge aus den Niederlanden. Trotz alledem war Frankfurt nur ein Durchzugsort nach anderen sicheren Zufluchtshäfen, wie z. B. Brandenburg; von 1685 bis 1705 gelangten allein 97000 Flüchtlinge hier durch. Redner schilderte dann eingehend die Schicksale und die zahlreichen religiösen Bedrängnisse der einzelnen Confessionen in hiesiger Stadt und was die Stadt durch die zahlreichen Niederlassungen so vieler ausgezeichneter Leute und Familien wie die Passevants, Bernoully's, Souchay's, de Bary's u. s. w. gewann.

Rach diesem lMündigen Vortrage trat dann eine kleine Pause ein.

Zu Wiederbeginn der Verhandlungen ergriff ein Gast aus der waldensischen Gemeinde, Herr Pastor Heinrich Meille-Catania das Wort zu einem kurzen Bericht

ber die Thätigkeit der Waldenser Gemeinde, die gegenwärtig 43 neue Glaubens- emeinden auf dem Missionsgebiete hat. _

Aus dem sodann von Herrn Dr. Kolbe erstatteten Jahresbericht erhellt, daß ie Zahl derer, welche die Schriften des Vereins lasen, das fünf- bis sechsfache der den angeführten Mitgliederzahl beträgt. Das Redactions-Comit6 dieser Schriften atte selbstverständlich mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, so z. B. die ver- hiedenen Ansichten der Verfasser der eingesandten Artikel, die oft wiederkehrende Be- andlung gleicher Thematas u. s. w. Zahlreiche vortreffliche Eingänge aus Freundes- nd Mitgliederkreisen, die zur Verwendung gelangten, sind zu verzeichnen, viele andere, )ie Arbeiten über Huß, die Waldenser Gemeinde, über die deutsche Bibelübersetzung, ber die Stellung des Papstthums zur Reformation u. s. w. sind bereits zugesagt. Las die Ausbreitung des Vereins anbetrifft, so sind manche Länderstriche noch fast ar nicht dem Vereine näher getreten, so z. B. die Provinz Schlesien und selbst die ieichshauptstadt Berlin. Die meisten Mitglieder entfallen auf Süddeutschland. Auf- abe muß es daher sein, für die weitere Ausbreitung des Vereins besorgt zu sein und amentlich die Lehrerkreise aus höheren und niederen Schulen in erster Linie zu nterejfiren zu suchen.

Nachdem noch Herr General-Superintendent Dr. Baur einige Worte zur Herausgabe der Pereinsschriften und über die volksthümliche Verbreitung der reinen vangelischen, geschichtlichen Wahrheit an die Versammlung gerichtet, sowie Herr Pastor Sell von Darmstadt den Wunsch auf Herausgabe kleinerer Broschüren, Publicirung eeignetcr und guter Reformationswerke ausgesprochen, erstattete der Vereinsschatzmeister )err Niemeyer-Halle den Cassenbericht der letzten drei Jahre. Die Mitglieder­eiträge betrugen in den genannten 3 Jahren JL 17 009.20, JL 15 382.36 und M 23 506.78. Die Ausgaben betrugen im ersten Jahre ohne Druckkosten der Schriften ♦L 4748.14, im zweiten JL 3158.31, im dritten JL 4583.95. Die Herstellungskosten liefen sich auf JL 7602,95, JL 11093.10 und JL 18 756.50. Der Cassenbestand be- rägt JL 6833.24. Dem Schatzmeister wurde Decharge ertheilt.

Hierauf fand die Vorstandswahl statt und wurde der bisherige Vorstand per lcclamation wiedergewählt. Für drei schon wahrend des letzten Jahres zurückgetretene Nitglieder desselben wird sich der Vorstand durch Kooptation ergänzen.

Um V/t Uhr schlossen die Verhandlungen, denen ein gemeinsames Mahl n den Räumen des Saalbaues folgte, das die Theilnehmer noch lange beisarnmen- üelt und bei welchem Tischreden ernsten und heiteren Inhalts in bunter Reihenfolge

Lokale-.

G. Gießen, 29. April. (Sterblichkeit in Gießen.) Tic Sterblichkeit war vährcnd der Woche vom 18. bis 2'4. April eine ungewöhnlich hohe. Es starben im Nanzen 15 Personen, darunter befanden sich allerdings 4 Auswärtige. Die Todesfälle icrtheiltcn sich auf 11 Erwachsene und 4 Kinder. Von 3 Kindern im ersten Lebens- ahre starben 2 an Krämpfen, eins an Stimmrihenkrampf. Ein 2 Jahre altes Kind ins einem benachbarten Dorfe erlag der Diphtherie. Bei den erwachsenen Personen var Todesursache: Lungenschwindsucht viermal, Lungenentzündung, Schlagfluß, Krebs, üeberentzündung, Bauchfellentzündung, Lungenödem, Eitervergiftung je einmal.

Gießen, 29. April.. (Für Touristen.) Einer der lohnendsten Spazier- zänge in die Umgebung von Gießen ist jedenfalls der nach dem eine Viertelstunde von Ruttershausen gelegenen Altenberg. Don Wismar aus erreicht man denselben am Besten auf der nacy Ruttershausen führenden guten Landstraße, von welcher ein Pfad im Waldsaume her auf den Hügel führt. Der Aufstieg ist durchaus nicht beschwerlich and für etwaige Mühen wird man droben durch eine herrliche Fernsicht reichlich ent: schädigt. Zu unseren Füßen liegt das reizende Lahnthal, im Westen sieht man die Berge des Hinterlandes, im Norden einen Theil von Marburg und das Schloß, den Frauenberg und in der Ferne Amöneburg; im Osten das Schloß Friedelhausen, den Staufenberg und Lollar und im Süden Gießen und den Gleiberg.

Will man von den Strapazen des Weges ausruhen, so findet man auf dem Hügel eine tiefe Mulde, sowie einen Steinbruck, in welchem man geschützt gegen jede Zugluft lagern und durch einen mitgebrachten Imbiß sich zum Rückwege stärken kann. Durch das am Fuße des Hügels gelegene Wäldchen erreicht man in einer Viertelstunde Ruttershausen und Kirchberg, von wo man in wenigen Minuten auf den Staufenberg gelangt. Für rüstige Fußgänger ist ein Gang nach dem Staufenberg sehr zu em­pfehlen, da man von dort einige vom Altenberg aus nicht sichtbare Punkte des. Labn- thals überschauen kann. Der ganze reizende Spaziergang erfordert nur einen Nach­mittag und wer die Eisenbahn von Lollar aus benutzen will, kann bereits um 8 Uhr wieder in Gießen eintreffen.

Gießen, 29. April. Gestern Nachmittag fand die Ueberführ ung der Munitions­und Bagagewagen des hiesigen Regiments nach der bereits ferliggestellten Wagenhalle in dem neuen Kasernement statt.

Gestern Nachmittag 3 Ubr brannten in Ruppertenrod, durch einen Blitz­strahl entzündet, ein Haus nebst Scheune ab.

Verwischte-.

Mainz, 24. April. Die Delegirten-Versammlung der Metallarbeiter-Genossen­schaften Deutschlands nahm heute hier ihren Anfang und waren zu den Berathungen, welche etwa 6 Tage andauern werden, ca. 200 Delegirte aus allen Theilen Deutsch­lands erschienen. Den Verhandlungen wohnt ständig ein Polizeibeamter bei.

Mainz, 27. April. Der Kreisausschuß des mittelrheinischen Turnkreises Hal folgende Mittheilungen an die Turnvereine des Kreises ergehen lassen:Ein zu dem Mittelrheinkreis gehörender Turnverein zu Trier erließ eine Einladung zu einem inter­nationalen Preisturnen, wobei goldene und silberne Medaillen, sowie Werthpreise er­rungen werden könnten. Die Genehmigung zu einer solchen Veranstaltung hängt von dem Ausschüsse des Mittelrheinkreises ab, welcher jedoch in Anbetracht der von den Turntagen gefaßten Beschlüsse, daß derartiger Medaillenschwindel bei der Turnerei ver­pönt sei, das Gesuch abschlug. Den Turnern des Kreises wurde gleichzeitig befonni gegeben, daß diejenigen, welcke das Fest besuchen, die Strafe der Ausschließung von Gau- und Kreisfesten nach sich ziehe.

Wiesbaden, 26. April. Zu Gunsten des Abt-Denkmals sind bis jetzt 20,000 JC gezeichnet worden. Die Kosten sind auf 30,000 JL berechnet.

(Ehrentafel.) Die Fabrikbesitzer Gebrüder Gauhe in Eitorf haben dieser Gemeinde 25,000 Mark zum Bau eines Krankenhauses geschenkt. Vor einen Jahre schenkte Herr Julius Gauhe und dessen Gemahlin bereits 20,000 Mark zun selben Zweck.

Schiff-nachrichten.

Bremen, 28. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampstr Hohenstaufen, Capt. F. Keßler, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher an 14. April von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angc kommen.

Bremen, 28. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfu Main, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher an 17. April von Bremen abgegangen war, ist heute 1 Uhr Morgens wohlbehalten il Newyork angekommen.

Geschichts-Kalender-

30. April.

1133. Lothar II. wird vom Papste Jnocenz II., welchen er gegen seinen Gegner Anaclet II. geschützt hatte, in Rom zum Kaiser gekrönt und vergleicht siö mit ihm wegen der zur Mathildischen Erbschaft gehörigen Länder, die er vcl dem Päpstlichen Stuhl zu Lehen nahm und seinem Eidam Heinrich ocit Bayern übergab.

1777. Johann Karl Friedrich Gauß, berühmter Mathematiker, zu Braunschweig geboren.

1799. Die Oesterreicher schlagen die Franzosen bei Nauders.

1848. Die Russen siegen bei Miloslaw über die polnischen Insurgenten unter Mieroslawski.

1803. Albert von Noon, preußischer Kriegsminister und Reorganisator des preuß,schar Heeres, zu Pleushagen bei Kolberg geboren.

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