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Freitag den 30. April
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Betreffend: Die Aufsicht über das Fasselvieh.
Gießen, am 24. April 1886.
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Die belgische Arbeiterwelt offenbart noch immer einen aufrührerischen Geist. Neuerdings haben in der Fabrikstadt Grammont, Ostflandern, ernste Unruhen stattgefunden. 2000 Arbeiter sperrten die Brücken gegen die Gensd'armerie ab, letztere drang aber trotzdem in die Stadt ein und es entspann stch nun ein förmlicher Kampf, in welchem es auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete gab. Von solchen Vorkommnissen schweigt freilich der osficiöse belgische Telegraph, und nur aus Privat-Meldungen erfährt man eben, wie bedenklich cs in den Arbeiterkreisen Belgiens fortgesetzt gährt. Aufsehen erregt auch die Ausfindung eines großen Packers Dynamit in dem in den jüngsten Unruhen öfters genannten industriellen Orte Gilly bei Charleroi.
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isserei.
VreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. «tt OitayiWfa
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark LS U.
Politifche Ueberficht.
Gießen, 29. April.
Auf dem Felde der inneren Politik herrscht noch vollständige Rahe und nur Vereinzeltes ist zu verzeichnen. Unmittelbar vor dem Feste ist der Unterstaatssecretär im preußischen Handelsministerium und StaatSsecretär für den preußischen Staatsrath, Dr. jur. v. Möller, dahingeschieden und hat ihm Fürst Bismarck, welcher als Handelsminister der directe Vorgesetzte des Verstorbenen war, einen warmen Nachruf gewidmet. Aus Rom wurde noch vom vorigen Freitag das Wiedereintreffen des preußischen Gesandten beim Vatikan gemeldet und hat also Herr v. Schlözer unterwegs keinen längeren Aufenthalt genommen. Unmittelbar nach seiner Ankunft hatte Herr v. Schlözer eine längere Unterredung mit dem Kardinal-Staatssecretär Jacobini, welche sich vermuthlich mit der weiteren „Revision" der Maigesetze beschäftigte, lieber dieses Thema liegen bestimmte Mittheilungen noch nicht vor und es müssen daher auch die mancherlei hierüber umlaufenden Gerüchte nur mit großer Zurückhaltung ausgenommen werden. Speciell was die Nachricht anbelangt, daß die preußische Regierung im Bundesrathe die Aufhebung des sog. Expatriirungs- Gesctzes beantragen wolle, so wird bezüglich derselben versichert, daß von dieser Angelegenheit bis jetzt im Bundesrathe noch keine Rede gewesen sei und man maßgebenden Orts überhaupt nicht beabsichtige, den Reichstag mit der Frage des Expatriirungs'Gesetzes in der bevorstehenden Nachsession zu befassen.
Aus München wird gemeldet, daß auf Befehl König Ludwigs -alle Neubauten in Hohenschwangau eingestellt worden sind. Sämmtliche Jnge- nieure, Arbeiter, Bildhauer u. s. w. wurden entlassen und ein Gleiches geschah auf Herren-Chiemsee. Nach den „Neuesten Nachrichten" hat der Cabinets- ftcretär v. Schneider ein zweites Mal mit dem Conseil-Präsidenten, Herrn v. Lutz, conferirt, doch ist über das Ergebniß dieser Conferenz noch nichts Näheres bekannt. Zwischen dem König und den Prinzen soll in letzter Zeit ein lebhafter Briefwechsel stattgefunden haben und vielleicht hat man als das Resultat desselben die Einstellung der kostspieligen Bauten in Hohenschwangau und aus Herren-Chiemsee zu betrachten.
Seit einigen Tagen kommen aus Galizien beunruhigende Nachrichten über die daselbst grassirende Bauernbewegung. Dieselbe richtet sich gegen den polnischen Adel, da unter den galizischen Bauern das Gerücht ausgestreut morden ist, die „Herrenleute" hätten die Absicht, die Bauern zu überfallen; außerdem wird unter der galizischen Landbevölkerung, welche bekanntlich noch aus einer tiefen geistigen Stufe steht, noch sonst allerhand tolles Zeug verbreitet, unter dem namentlich der für dieses Jahr angekündigte Weltuntergang eine hervorragende Rolle spielt. Die Gährung ist in einzelnen Gegenden, z. B. in Vochnia und Gorlice, eine so bedenkliche, daß Militär zur Aufrechterhaltung der Ruhe und zum Schutze der von den Bauern bedrohten Grundbesitzer nach den Dörfern entsendet werden mußte. Die Meldungen über eine vom Auslands genährte Agitation werden indessen wieder dementirt; mehrere Agitatoren «urden verhaftet.
Die italienischen Kolonial-Unternehmungen am Rothen Meere sind von einem schweren Schlage betroffen worden. Nach einem Telegramm des „Neuter'schen Bureaus" aus Aden sind sämmtliche Mitglieder der unter Führung des Grafen Perros Ende März von Zeilah abgegangenen italienischen wissenschastlichen Expedition auf Befehl des Emirs von Harrar — des zwischen Abyssinien und dem Gols von Aden liegenden Gebietes — ermordet worden. Weitere telegraphische Mittheilungen besagen, daß der Emir auch die sämmtlichen in Harrar befindlichen Europäer habe ermorden lassen und daß er sich der Stadt Gildezza, in dessen Nähe die italienische Expedition niederge- Aietzelt wurde, bemächtigte, deren 100 Mann starke englisch-egyptische Garnison er gefangen nahm. Jedenfalls wird die italienische Regierung von dem grausamen Herrscher volle Genugthuung fordern und auch England wird nicht umhin können, den Emir von Harrar wegen der Besetzung Gildezzas zu züchtigen. — Depeschen des italienischen Consuls in Aden bestätigen osficiell diese Nachrichten. Die Ermordung der Mitglieder der Expedition erfolgte, dem Berichte eines der Metzelei entronnenen Soldaten zufolge, zwischen Zeilah und Gildezza, die sämmtlichen Theilnehmer der Expedition wurden mit Ausnahme der aus Eingeborenen bestehenden Eskorte, welch' letztere einfach gefangen genommen wurde, niedergehauen. Dagegen sollen jedoch die in Harrar zurückgebliebenen Europäer nicht ermordet, wie ursprünglich gemeldet, sondern nur gefangen genommen worden sein. Unter ihnen soll sich nur ein Italiener b-efinden.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a» di« Großh. Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn. Allendorf a.b.gba., Alten-Buseck, BerSrod mit Winnerod, Beuern. Daubringen, Geepen, Großen-Buseck, Großen-Linden, Heuchelheim, Klein-Linden. Lang-GönS, Leibgestern, Lollar, Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck.
Kommission zur Besichtigung deS Faffelviehs in Ihren Gemeinden ist von der Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksverems Gießen vom 21. l. M. Heinrich Belten III. von Großen-Linden gewählt worden.
Dr. Boekmaün.
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Amts- und Anzeigeblaü für den Kreis Gießen.
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Darmstadt, 28. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog begab sich heute Nachmittag 4 Uhr 15 Min. in Begleitung des Hofjägermeisters v. Werner zu einem mehrtägigen Jagdaufenthalt nach Romrod und Grebenau in Oberhessen.
Berlin, 26. April. Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf, bett, die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen, zugegangen, welcher (ßutet:
§ 1. Der Reichskanzler wird ermächtigt, mit der königlich preußischen Regierung eine Vereinbarung wegen Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen bei der königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin obzuschließen und in dieser Vereinbarung zu den Kosten des Seminars einen Beitrag in Höhe der Hälfte derselben Namens des Reiches mit der Maßgabe zuzufichern, daß der Beitrag zu den Kosten der ersten Einrichtung 20,000 «X der Beitrag zu den jährlichen Kosten 36,000 <X nicht Überschreiten darf.
§ 2. Die vom Reich auf Grund dieses Gesetzes alljährlich zu verwendenden Beträge sind in den Reichshaushalts-Etat aufzunehmen.
Einer beigegebenen Denkschrift entnehmen wir Folgendes:
Bei der fortschreitenden Entwickelung unserer Beziehungen zu Asien und Afrika hat sich in Deutschland in neuerer Zeit ein vermehrtes Bedürfniß nach Erweiterung der Kenntniß der Sprachen des Orients und Ostasiens, und zwar sowohl im Interesse des Dolmetscherdienstes, als auch für andere Berufszweige dringend fühlbar gemacht. Es ist in Aussicht genommen, dasselbe nach Analogie der in Wien und Paris bestehenden orientalischen Sprachschulen durch eine ähnliche Einrichtung in Deutschland zu befriedigen und zu diesem Zweck bei der hiesigen königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität ein Seminar für orientalische Sprachen in's Leben zu rufen. Die Errichtung des Seminars ist als preußische Einrichtung, jedoch unter Betheiligung des Reichs, beabsichtigt, lieber die zwischen dem Reich und Preußen zu treffenden Vereinbarungen ist eine Reihe von Grundlagen ausgestellt worden. Darnach soll die Ausgabe des Seminars sich auf theoretische Vorträge und praktische Uebungen in den lebenden sechs Haupt- sprachen des Orients und Ostasiens (türkisch, arabisch, persisch, indisch, chinesisch, japanisch) erstrecken. Für jede Sprache wird ein mit den Landesverhältnissen und der Landessprache vertrauter deutscher Lehrer bestellt und ihm ein aus den Eingeborenen des Landes entnommener Assistent beigegeben. Dabei wird, um den Besuch der Seminare zu fördern, die Unentgeltlichkeit der Kurse als Regel ausgestellt und gleichzeitig die Errichtung von Stipendien in Aussicht genommen. Die Einrichtung des Seminars und die Verwaltung desselben soll durch das Königlich preußische Ministerium der geistlichen Angelegenheiten, jedoch unter tändiger Mitwirkung des auswärtigen Amtes, erfolgen. Die Kosten des Seminars werden nach einem sorgfältig geprüften Anschlag im Ordinarium jährlich über den Höchstbetrag von 72,000 «X, im Extraordinarium für die erste Einrichtung über die Summe von 40,000 «X. nicht hinausgehen. Za dieser preußi- chen Einrichtung soll das Reich, bei feinem wesentlichen Interesse an der Sache, einen Beitrag in Höhe der Hälfte mit der Maßgabe leisten, daß derselbe, vorbehaltlich künftiger anderweiter Vereinbarung, im Extraordinarium 20,000 JL, im Ordinarium 36,000 «X nicht überschreiten darf. Bei der vorherrschenden Wichtigkeit der Einrichtung für das Reich erschien es angemessen, zunächst vom Bundesrath und vom Reichstag die Bewilligung des Reichszuschusses zu erbitten und erst darnach dem preußischen Landtag die ausgearbeitete Vorlage wegen Errichtung des Seminars zu machen. Aus der zwischen dem Reich und Preußen abgeschlossenen Vereinbarung geht hervor, daß die Jahres-Stipendien zusammen 9000 <X betragen sollen, welche unbemittelten deutschen Seminaristen zufließen und auf dem Verwaltungswege aus die einzelnen Sprachen vertheilt werden sollen. Für die Besucher des Seminars wird eine über den Erfolg deL
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