mit ihm schwindet das Interesse, das er rege zu erhalten wußte. Um vor solchen und ähnlichen Mißständen zu bewahren, muß eine Central-Vereinigung, ein Kartellverband, noch im nächsten Semester zu Stande kommen.
verwischte-.
Berlin 24. August. Wie der Polizeibericht meldet, sprang am letzten Freitag hinter dem Strahlauer Thore ein Gymnasiast aus einem Boot in's Master und ertrank lieber den Grund zu diesem Selbstmorde wird uns mitgetherlt: Der Klassenlehrer hatte den erst 15 Jahre zählenden Jungen wiederholt beim Rauchen auf der Straße betroffen und diese Unsitte ernstlich gerügt. Als er trotzdem eines Tages der vorigen Woche denselben abermals bei diesem verbotenen Vergnügen ertappte, glaubte er den Vater aufmerksam machen zu müssen und ließ diesen zu einer Unterredung zu sich bitten. Inzwischen hatte der Sohn allen Weiterungen durch einen Sprung m's Wasser ein für allemal ein Ende gemacht.
— Mit dem Reichspostdampfer nach Asiens Unter den Passagieren, welche sich mit dem Reichspostdampfer „Oder" zu der ersten Fahrt der von Deutschland sub- ventionirten Dampfer nach Asien eingeschifft haben, befindet sich unter zahlreichen anderen Süddeutschen auch ein Würzburger, welcher in der -„N. W. Z." über den Verlauf des ersten Theiles der Fahrt berichtet. Er schreibt u. A.: „Es war doch em erhebendes Gefühl, uns jetzt als „Volldeutsche" zu fühlen und auf den eigenen deutschen Planken, dem ersten Postschiffe nach dem fernen Osten abzudampfen. Und was für ein Schiff, so riesig in seinen Dimensionen, allen den größten englischen und französischen stolz an die Seite zu setzen. Ein riesiges Haus, mit allem Eomfort eingerichtet, wie das beste Hotel ersten Ranges. Elektrische Beleuchtuna in allen Räumen, bei Rächt so hell wie bet Tage, eine eigene Musikcapelle, die dreimal des Tages stundenlang spielt. Eine Besatzung von über 100 Mann. Raum für ca. 300 bis 400 Passagiere 1. und 2. Elaste und wir, vorerst die einzigen drei Passagiere, denen sich noch im letzten Augenblicke fünf 3. Elasse-Passagiere anschlossen, die erst andere Pläne hatten und sich (vielleicht durch den Enthusiasmus gereizt), ohne Passage belegt zu haben, im letzten Augenblick etwas abenteuerlich der Reise anschlossen. Am Mittwoch den 30. Juni. Mittags, dampften wir von Bremen ab und am Donnerstag, um 2 Uhr Mittags, waren wir in Antwerpen. Die Fahrt war ruhig gewesen und nur die einzige Dame' unserer Reisegesellschast, die aus Mainz stammt, Verwandte in Würzburg hat und zu ihrem Manne, der in Dcli (Sumatra) etablirt ist, zurückkehrt, ganz unbedeutend erkrankt. In Antwerpen wurden wir an dein neuen prachtvollen Quai, wie ich einen solchen noch nirgends gesehen, was Breite und Ausdehnung und Bequemlichkeit betrifft, an der ersten gewissermaßen Ehrensteste angelegt. Alles beflaggt, Ehrenbegrüßung, 'Empfänge, Diners und Festlichkeiten mit Reden und Toasten; ich glaube, sünuntliche belgische Minister waren an Bord, wo ein Diner von 74 Personen stattfand. Nachdem die Ladung (was für's erste Mal sehr überraschend) vollständig completirt war und Lwar fast nur für Hongkong und Shanghai, gingen wir Samstag, Mittags 2 Uhr, wieder ab, von Flaggenschwingen, Hurrahrufen und Kanonendonner begleitet. Im Canal oder bester an seinem Ausgang nach dem Atlantischen Ocean drohte uns einer jener perfiden Nebel, ioie sie dort häufig sind. Unser Schiff fährt durchschnittlich dreizehn Knoten und so kam cs, daß wir viel zu früh, wohl um drei Tage zu früh, nach Port Said gekommen wären. Zudem ist in Suez von Cholera etwas gemeldet worden, worauf unser Postschist daselbst nicht anlegte. In Brindisi spukt es auch noch immer mit der Cholera und so wird die von uns aus Triest erwartete neueste Post am 16. bis 17. Juli nicht in Suez — via Alexandrien — sondern in Port Said an Bord genommen, so daß wir volle drei Tage da liegen müssen. . . . Hier im Mittelländischen Meer haben wir schon viel Land gesehen. Erst etwas von Spanien, dann von Afrika (Marokko), Algier, Cap Goletta, Tunis. Heute früh 4 Uhr Insel Pantellaria und heute Mittag werden wir ganr nahe Malta vorüberfahren. Dann werden wir wohl erst wieder die Berberei und Aegypten bei Alexandria und Port Said zu Gesicht bekommen. An Gethieren war unsere beharrliche Aussicht nicht gesegnet. Ein Paar Schweinfische, die man sonst als zu Hunderten sieht, in großer Entfernung, einmal ein Wall und fünf derselben, kurz ehe wir nach Gibraltar kamen drei Haifische, von denen wir auf einen sechs Schuß abgaben, um die er sich aber gar nicht im Mindesten zu kümmern schien, obgleich die Kugeln bei ihm dicht einschlugen. Dampfschiffe haben wir unzählige gesehen, thests fern, theüs nahe; sehr viele haben wir eingeholt und noch jetzt Überholen wir in kurzer Zeit alle die in gleicher Richtung gehenden. Segelschiffe haben wir sehr wenige gesehen, kaum ein Dutzend im Ganzen. Allerdings passirten wir Gibraltar in der Nacht (ca. 11 Uhr), und da werden wohl viele vor der Meerenge wie immer gekreuzt haben, um die Durchfahrt gegen die Strömung zu erzwingen. Von Malta an wurde die Schnelligkeit unseres Dampfers noch verringert auf ca. sechs Knoten (Seemeilen), da wir immer noch zu früh in Port Said eingetroffen wären; wir behielten Malta bis zur stacht in Sicht, scheinbar nicht vom Flecke kommend. . . . Die Verpflegung läßt nichts zu wünschen übrig und die Preise sind gegen französische ober englische Schiffe bedeutend geringer.
Paris, 24. August. Gestern Nachmittag entlud sich plötzlich über Paris und Umgebung ein heftiges Gewitter, das namentlich außerhalb der Stadt großen Schaden anrichtete. Vermischt mit dem strömenden Regen fielen Hagelschloße», die an manchen Orten ein Gewicht bis zu 70 Gramm erreichten und Fruchtbäume wie Gemüsegärten schrecklich verwüsteten. In Montreuil, das wegen seiner schmackhaften Pfirsiche bekannt ist, wurden die noch unreifen Früchte herabgeschlagen und vom Hagel förmlich verschnitten. Nicht minder hart wurden Vincennes, Saint-Mandä und die umliegenden Ortschaften mitgenommen; die Lagelschloßcn verstopften den Abzugscanal von Bagnolet, die Wassermassen drangen in die Häuser ein und überschwemmten die Erdgeschoße. In Saint-Cloud stürzte ein Theil des Ausladungsguais ein; man wollte versuchen, das darauf befindliche Material zu entfernen, mußte aber davon absehen, da der völlige Einsturz jeden Augenblick erwartet wird. In Paris, das im Großen und Ganzen förmlich verschont blieb, ist der Tod eines .Canalarbeiters ni beklagen, der von dem Plötzlich einherstürmenden Wasserschwall mit fortgerissen wurde. Sein Leichnam konnte disher noch nicht ausgcsnnden werden. Die Polizei und Löschmannschaft hatte alle Hände vollauf damit beschäftigt, Delogirungen aus Häusern vorzunehmen, die von dem Regen so unterweicht wurden, daß man deren Einsturz befürchtete. (Fr.Z.)
— sKlas Klassen.j In einer holsteinischen Dorfkirche predigte der Pastor^ über die wunderbare Speisung der fünftausend Mann durch fünf Brode und zween Fische. Im Eifer der Rede verspricht er sich und ruft aus: „Und nun, liebe Christen, frage ich Euch, welcher von uns wäre im Stande, daß er mit fünftausend Broden fünf Mann und zwee Fische speiste?" Klas Klassen erhob sich lächelnd: „Jk, Herr Pastur!" Der Pfarrer, verdutzt über diese Unterbrechung, schließt die Predigt und fragt seinen Küster in der Sakristei, wie Klassen zu dieser Antwort gekommen. Der Küster macht dem Herrn Pastor bemerklich, daß er sich versprochen und statt fünftausend Mann fünftausend Brode gesagt habe. Am folgenden Sonntag beschließt der Herr Pfarrer, das Versehen gut zu machen. Geschickt kommt er am Schluß der Predigt auf das Evangelium des vorigen Sonntags zu sprechen und ruft aus: „So konnten wir uns fragen: wem wohl von uns Menschen wäre es möglich, heut, wie der Herr das damals that, fünftausend Mann zu speisen mit fünf Broden und zween Fischen?" Klas Klassen erhebt sich wieder mit breitem Lächeln: „Jk, Herr Pastur!" Diese Verwegenheit ist dem alten Herrn auf der Kanzel doch zu viel und er fragt entrüstet! „Klassen, wie könnt Ihr Euch das unterstehen?" — „Herr Pastur," antwortete Klassen ruhig und bedeutend, „es muß ja doch wohl von den fünftausend Broden vom vorigen Sonntag noch etwas übrig geblieben sein!" '
Literarische-.
— Mehr als ein Dritteljahrhundert hat jetzt das Familien - Journal die rJllustrirte 88elt* (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, vormals Ed. Hallberger) - einen Ehrenplatz unter den deutschen Zeitschriften behauptet, und der neueste Jahrgang, der fünfunddreißigste, dessen beide erste Hefte uns jetzt vorliegen, verspricht nach dem reichhaltigen, außerordentlich sorgfältig gewählten Inhalte derselben die früheren glänzendsten Jahrgänge des beliebten Journals zu übertreffen. Die zwei Romane: „Der Oberförster von Margrabowo" von Adolf Streckfuß und „Nummer 97" von A. Duroy-Warnatz bereiten den Leser auf große Unterhaltungsgenüsse vor. Die kleinen Erzählungen „Miska, der Husar" und „Der grüne Jäger" sind, die erste geradezu reizend, ein kleines, lustiges Kabinetstück österreichisch-ungarischen Lebens, die andere eine originelle, fesselnde Novelle aus dem Schauspieler- und Künstlerleben. Die Schilderung der „Ferien in Amerika" bringt ganz Neues, bisher bei uns völlig Unbekanntes. In dem Artikel „Zahnkrankheiten und deren Verhinderung" gibt der durch seine Bleichsuchtskurcn berühmte Stabsarzt Dr. Dyes Anweisungen über Pflege und Behandlung dieser so wichtigen GesundheitserhaltcrS der Menschen, während das Essay „Der Kuß im RechtSleben", Männlein wie Weiblein in gleicher Weise anregen wird M. Lilie behandelt unterhaltend und geistreich den Federschmuck und die diesen liefernde Vogelwelt. Ungewöhnlich interessant ist auch Bild und Artikel, betreffend die Uebungen an Bord eines deutschen Kriegsschiffes — die Illustrationen nach photographischen Aufnahmen, Spiegelbilder der Wirklichkeit, wie auch ferner Abbildung der berühmten vom Papst an die Königin Christine gespendeten goldenen Rose. Die so willkommen geheißene Arbeitsschule für kleine Mädchen, die Spiele und Denkunterhaltungen für Knaben, den Gartenkalender, die Reeepte, die sehr interessanten kleineren Artikel aus allen Gebieten finden wir wieder in glücklichster Auswahl, wie auch die humoristische Rubrik, reich mit lustigen Sachen versehen. Dem Text entsvricht das Bild. Da haben wir ' Genrebilder, Landschaft, Tagesbegebenheiten, wie die Feier der Schlacht bei Sempach, die Prachtbauten und ein Portrait des unglücklichen Königs Ludwig II., alte Cultur (Aegypten), sowie eilte prächtige farbige Kunstbeilage. Wie man sieht, schwingt sich mit diesen Heften der alte bewährte Freund der Familie, die „Jllustrirte Welt", nach allen Richtungen hin auf eine höhere Stufe, trotzdem aber den seitherigen überaus billigen Preis von nur 30 H pro H<sl beibehaltend.
Zum 2. September!
Wie in den vorderen Jahren, kommen wir auch in diesem Jahre zum bevorstehenden Nationalfest vom 2. September mit der Bitte um Gabe» für die Invaliden und die Hinterbliebenen gefallener Soldaten des Krieges 1870/71. Ueberall, wo man an jenem Tag, in Gotteshäusern oder bei sonstigen Vereinigungen, dieses Fest feiert und sich dessen erinnert, was vor sechszehn Jahren geschah, möge man auch jener Opfer des Krieges dankend gedenken und durch Gaben je nach Vermögen dazu beitragen, daß ihr Loos auch weiterhin verbeffert werde.
Wir bitten insbesondere, wie früher, die evangelischen Pfarrämter und Kirchenvorstände, gemäß der ihnen von Grobherzoglichem Ober-Consistorium ertheilten Erlaubniß, bei den betr. Festgottesdiensten Collecten für jenen Zweck zu erheben.
Unsere Aweigvereine ersuchen wir, wie seither möglichst für Verbreitung dieser Ansprache und Durchführung unserer Idee zu wirken, insbesondere an geeigneten Orten Sammelbüchsen aufzustellen.
Alle, welche uns demnächst die Erträgnisse von Sammlungen zu übermitteln haben, bitten wir, dieselben durch Posteinzahlung an unseren Schatzmeister, Herrn Brandversicherungs-Secretär Hechler dahier, einzusenden.
Darmstadt, am 11. August 1886.
Der Borstand
des Hilssvereins im Großherzogthum Heffen für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde, als Landesverein der Kaiser-Wilhelms-Stiftung für deutsche Invaliden.
A. Weber, Ministerialpräsident,
Vorsitzender.
Allgemeiner
Anzeiger.
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Beide Sorten werden allgemein wegen großer Ergiebigkeit und guter Qualität gern angebaut.
Bei Uebersenden durch die Bahn kosten bei freier Lieferung der Säcke die 200 Pfd. 2 <x mehr (soweit der Vorrath reicht) und bittet man höflichst, den Betrag vorher einzusenden. 6000
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5484 Emil Fischbach*


