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Vereinigung geschieht derart, daß zunächst ein allgemeiner Meliorationsplan aufgestellt wird; darauf erfolgt die Aufnahme des Besitzstandes, die Vermessung und Kartirung, alsdann die Bildung der Ersatzgrundstücke und schließlich die Ausführung der gemein­samen Meliorations-Anlagen unter Leitung des Landes -Cultur -Jnspectors. Art. 15. Innerhalb des Bereinigungsbezirks wird der Grund und Boden abgeschätzt und es sind die Grundstücke eines Besitzers durch andere relativ gleichwertige zu ersetzen. Art. 18. Die in Folge der Bereinigung zu leistenden Ausgleichungen in Geld werden aus der betreffenden Bereinigungskasse und in dieselbe gezahlt. Art. 31. Die Kosten der Prüfung des allgemeinen Meliorationsplaues, sowie die Kosten der nacl^voll- zogener Bereinigung weiter vorzunehmenden Kataster - Arbeiten trägt der Staat. Art. 36. Das Gesetz über die Zusammenlegung der Grundstücke re. vom 18. August 1871 ist aufgehoben.

Hriechenlanv.

Athen, 27. Januar. (Meldung derAgence Havas.") Der Groß­vezier hatte gestern mit dem griechischen Gesandten Conduriotis eine sehr ernste Unterredung, in welcher er die Absendung eines Ultimatums an Griechenland in Aussicht stellte, falls die Gerüchte über den Ausbruch einer Revolution in Kreta sich bestätigen sollten, wozu die Absendung dreier griechischer Panzerschiffe doch nur beitragen könne. DelyanniS beauftragte den griechischen Gesandten in Konstantinopel zu erwidern, daß der griechischen Regie ung von einer Revolution in Kreta nichts bekannt sei.

Reichstag.

E. R. Berlin, 27. Januar 1886.

Der Reichstag beschäftigte sich heute zunächst mit der Bcrathung einiger Etats­titel, welche an die Budgetcommission zur Vorberathung überwiesen waren.

Das Extraordinarium des Etats des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, 11 000 Jk zur Erhöhung der Feuersicherheit im Dienstgebäude wurde debattelos be­willigt, ebenso die zur Förderung der künstlichen Fischzucht im Etat des Reichsamts des Innern ausgeworfene Summe von 20,000 Jk, unter Ablehnung eines Antrages von Massow, die Summe auf 30,000 X zu erhöhen.

Die zweite Berathung des Etats der kaiserlichen Marine wird bei Tit. 2 des Extraordinariums: zum Bau eines Avisos erste Rate 800,000 Jt, dessen Streichung die Commission beantragte, fortgesetzt. Wieder wie gestern blieb die Abstimmung zweifelhaft. Die Auszählung ergab 100 Stimmen für, 105 gegen die Annahme des Etatstitels. Derselbe ist also abgelehnt.

Der Rest des Marineetats wurde ohne Debatte erledigt, ebenso der Etat des allgemeinen Pensionsfonds.

ES folgte der Etat des Reichsinoalidenfonds, der in Einnahme und Ausgabe bewilligt wurde. Zu dem Etat des Jnvalidenfonds waren eine Reihe von Petitionen seitens einiger Magistrate um Ermäßigung des Zinsfußes für Darlehen aus dem Jnvalidenfonds eingegangen. Die Commission hatte sich über einen Antrag bezüglich dieser Petitionen nicht einigen können. Abg. v. Köller schlug Uebergang zur Tages­ordnung vor.

Abg. Rickert legte Protest ein gegen das Verfahren des Reichskanzlers, der auf eine Petition des Bromberger Magistrats den Bescheid ergehen ließ, er, der Reichs­kanzler, stehe zwar aus Billigkeitsgründen der Angelegenheit sympathisch gegenüber, die Haltung des Reichstages in Finanzfragen hindere ihn aber, dem Wunsche des Magistrats zu entsprechen.

Staatssecretär v. Durch ard erläuterte die Stellungnahme des Reichskanzlers dahin, daß dieselbe dem ablehnenden Votum der Petitionscommission entsprochen hätte; außerdem war aber auch im Februar v. I. die Haltung des Reichstages in finanziellen Dingen derart, daß der Reichskanzler zu seinem Ausspruch sehr wohl be­rechtigt war.

Abg. v. Köller warnte davor, bei den Schuldnern des Jnvalidenfonds Hoff» nungen zu erwecken, die sich nicht erfüllen könnten.

Nachdem noch der Abg. Dr. Bamberger für Zurückweisung der Petionen, Abg. v. Kardorff für eine wohlwollende Erwägung derselben gesprochen, wurde die Debatte geschlossen.

Ein Beschluß hierüber wird erst in dritter Lesung gefaßt werden.

Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Anträge Junggreen und Ackermann.

Telegraphische Depesche«.

Wolffs telegr. Corresponderrz Brrrearr.

Berlin, 27. Januar. Die Jury zur Entscheidung über die Preisvcrtheilung für Entwürfe zur Wandmalerei für das Treppenhaus des Rathhauses hat den ersten Preis (15,000 <^£) dem Maler Mühlenbruck, den zweiten (10,000 Jk) dem Maler Louis, den dritten (5000 Jk) dem Bildhauer Eberlein, sämmtlich in Berlin, zuerkannt.

Berlin, 27. Januar. Abgeordnetenhaus. Berathung des Antrags Uhlendsrff, betreffend Einführung der geheimen Abstimmung bei den Abgeordneten- und Com- munalwahlen. Eyncrn, Zedlitz-Neukirch und Hammerstein sprechen gegen, Windthorst für den Antrag, Minister Puttkamer erklärte, die Negierung beharre bei dem früheren Standpunkt, die öffentlichen Wahlen für das Abgeordnetenhaus und die Communal- vertretung beizubehalten. Die preußische Negierung habe übrigens keine Schritte ze- than und beabsichtige auch nicht, Schritte zu thun, die geheime Abstimmung bei den Neichstagswahlen abzuschaffen. Bei der namentlichen Abstimmung wurde der Antrag Uhlendorf mit 241 gegen 148 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten das Centruni, die Freisinnigen und die Polen, dagegen die Conservatioen und Nationalliberalcn. Margen um 11 Uhr Antrag Achenbach, betr. die Ausweisungen.

Rsdez (Deport. Aveyron), 27. Januar. Die Grubenarbeiter von Decazeville haben die Arbeit eingestellt, die Zahl der Strikenden wird auf 2000 angegeben. Der Director Watrain wurde von der erregten Menge aus dem Fenster hcrausgeworfen und durch Fußtritte Ketödtet. Zur Herstellung der Ruhe und Ordnung sind 700 Mann Militär nach Decazeville abgegangen.

Madrid, 27. Januar. Der Herzog von Sevilla ist durch Beschluß des Kriegs­raths in der Armee-Rangliste gestrichen worden.

London, 27. Januar. Unterhaus. Im weiteren Verlaufe der Adreßdebatte wurde das Amendement Collings von Goschen und Hartington bekämpft. Der Schatz- kanzler Hicks-Baech erklärte, das Amendement bezwecke den Sturz der Regierung, um die von derselben bezüglich Irlands angekündigte Politik zu vereiteln. Es möchten daher diejenigen, welche auf die legislative Union Englands mit Irland Werth legen, die ernsten Folgen bedenken, welche aus der Annahme des Amendements für das Reich entständen. Das Ainendement wurde trotzdem mit 329 gegen 250 Stimmen ange­nommen. 76 Parnelliten stimmten mit der Majorität, Hartington, Goschen, Courtney, Henry James, Lubbock und Abrington mit der Minorität. HickS-Beach wies nach der Abstimmung auf die Tragweite des Beschlusses hin und beantragte eine Vertagung des Hauses bis Donnerstag, womit das Haus sich einverstanden erklärte.

DieMorning - Post" und derStandard" bezeichnen den Rücktritt des -Cabinets als unmittelbar bevorstehend, denDaily News" zufolge würde Lord Salis­bury von einer Auflösung des Parlaments Abstand nehmen.

London, 27. Januar. Der Kabinetsrath beschloß heute Nachmittag, zu demissioniren. Ein besonderer Courier wurde sofort mit diesem Beschluß an die Königin nach Osborne abgesandt. Nach stattgehabtem Kabinetsrath besuchte Salisbury den Grafen Hatzfeldt.

Belgrad, 27. Januar. Der serbische Delegirte für die Friedensverhandlungen in Bukarest, Mijatovic, erhielt nunmehr Vollmachten und Instructionen.

Athen, 27. Januar. Die Gerüchte von einem Aufstande in Kreta und der Entsendung griechischer Kriegsschiffe nach Kreta werden regierungsseitig als völlig un­begründet bezeichnet. $

Konstantinopel, 27. Januar. Die Pforte verlangte von dem griechischen Gesandten Erklärungen über die Haltung Griechenlands. In Kreta ist eine Anzahl schwerer Geschütze, Tprpedos und Kriegsmunition ausgcschifft.

Lokale-.

Gießen, 28. Januar. Die hiesige Nudergesellschäft arrangirt zur Feier ihres neunjährigen Bestehens nächsten Sonnabend imHotel zum Einhorn" einen Ball und Festessen; die Subscriptionsliste circulirt bereits bei den Mitgliedern, liegt aber außerdem bei dem Vorstandsmitgliede Herrn Ernst Balser zur gefälligen Ein­zeichnung offen.

Vermischte

Friedberg. Der von hier aus verfolgte Falschmünzer machte in Frankfurt beim Transport einen Fluchtversuch und setzte auf dem Wege zur Constablerwache dem escortirenden Schutzmanne heftigen Widerstand entgegen. Bei seiner Visitirung fanden sich ca. 300 Jt falsches Geld vor; namentlich Ein- und Zwei-Markstücke sehr mangel­hafter Imitation. Er gab an, diese Falsificate in Friedberg von einem ihm un­bekannten Manne, dem er geklagt habe, daß er sich in Roth befinde, geschenkt erhalten zu haben. Der Verhaftete führte einen Bündel von neuen Kleidungsstücken, Shawls u. s. w. bei sich, welche er wahrscheinlich in der Absicht, die falschen Geldstücke untcr- zubringen, auf den Dörfern zum Verkaufe ausgeboten hat. Einen Hausirschein besaß der Mann nicht, lieber seine Persönlichkeit verweigert er bis jetzt jede Auskunft. (O. A.)

Darmstadt, 26. Januar. Es ist nunmehr auch der Name des zweiten (noch gesuchten) Attentäters im Fach'schen Raubmord bekannt. Er heißt Ollendorf und ist aus Wersau.

Biebrich, 25. Januar. Heute Morgen fand man den Rentner Christian Schneider von hier ermordet in seinem Bette vor. Der oder die Mörder hatten ihn durch einen Schlag auf die rechte Schläfe, wo sich eine tiefe Wunde befand, gelödtet. Die Schubladen der Commoden waren erbrochen und der Inhalt war zum größten Theile entwendet. Doch müssen die Thäter gestört worden sein, da man noch einiges Geld offen liegend vorfand. Der Ermordete wohnte ganz allein in dein Hause, erst sein Monatmädchen entdeckte heute früh die That. Ein der That verdächtiges Individuum sitzt bereits hinter Schloß und Riegel. Den Fang machte die Polizei in Castel, welche gestern Nachmittag in einer Backsteinhütte in der Näho des Fort Peters­berg ein Individuum auftrieb und verhaftete, welches sich insofern verdächtig machte, als cs Kleidungsstücke des ermordeten Schneider bei sich trug. Der. Verhaftete wurde der Polizei in Wiesbaden eingeliefert.

Darmstadt, 27. Januar. Durch die hiesige Schutzmannschaft wurden gestern Abend zwei Individuen verhaftet, welche dringend verdächtig sind, den am 25./26. d. M. stattgehabten Raubmord zu Biebrich verübt zu haben.

Biebrich-Mosbach, 27. Januar. Wie bereits gemeldet, wurde vorgestern Nachmittag in einer Backsteinh'ütle zwischen hier und (Saftet, in der Nähe des Forts Petersberg, durch die Mainzer Polizei ein Mensch verhaftet, der im Besitze von Kleidungsstücken sich befand, welche dem ermordeten Chr. Schneider von hier gehört haben. Der Mensch heißt Franz Albrecht, ist ungefähr 30 Jahre alt, oft vorbe­straft und hat vor der Kgl. Staatsanwaltschaft in Wiesbaden Erklärung dahin abge­geben, ihm seien die bei ihm gefundenen Gegenstände in der Nacht überbracht worden von drei Männern. Einen derselben will er dem Namen nach kennen und hat diesen Namen auch angegeben, dagegen behauptet er, die beiden anderen dem Namen nach nicht zu kennen. Bis jetzt sind Anhaltspunkte dafür, daß Albrecht an dem Morde selbst beteiligt ist, nicht erbracht. Dagegen ist es gelungen, gestern Abend in Darm­stadt zwei Menschen festzunehmen, welche der That verdächtig sind. Dieselben werden im Laufe des heutigen Tages in Wiesbaden, wohin sie getrennt überbracht werden, cingeliefert und dem Herrn Staatsanwalt vorgeführt werden. Jedenfalls ist durch die Festnahme Albrechts ein Schritt zur Aufklärung des Dunkels geschehen, welches über der Blutthat schivebt.

Einen schrecklichen Lohn fand am Freitag bei Benneckenstein ein Thier- quäler. Derselbe, ein Fuhrwerksbesitzer Becker aus Ellrich, fuhr mit einem mit zwei Pferden bespannten und mit Bauholz schwer beladenen Wagen durch erstere Stadt; trotz der Schwere des Wagens und trotz des schlechten Weges fuhr er ohne Vorspann die ziemlich steile Anhöhe hinauf, wobei er minder Peitsche mehrfach unbarmherzig auf seine Pferde einhieb. Er hatte die steilste Stelle bereits zurückgelegt und befand sich in der Nähe der königl. Försterei, wo die Pferde ruhen wollten; Becker ließ dies nicht zu, er drehte vielmehr die Peitsche herum und hieb mit dem Stiele auf das Sattelpferd noch tüchtig ein. Hierbei schlug das letztere hinten auS und traf den B. so unglücklich vor den Kopf, daß er in Folge eines Schädelbruchs sofort todt zu Boden fiel.

Die Sächsische Vieh-Versicherungs-Bauk in Dresden hat wieder einen derartig glänzenden Jahresabschluß vorzulegen, wie ihn diese Branche noch niemals erzielt hat. Dieser staunenerregende Erfolg verdankt das solide und mit Fach- kenntniß geleitete Muster-Institut seit Jahren das größte im Deutschen Reiche seiner loyalen Handlungsweise und bewährten veschäfts-Einrichtungen. Der Zugang an neuen Versicherungen und Prämien war gegen das Vorjahr ein weit höherer und erfolgte durch das beträchtliche Anwachsen der Prämienreserve ein diesen Posten er­heblich übersteigender Ankauf von Staatspapieren. Alle Viehverluste wurden wieder auf das Prompteste in voller statutarischer Höhe ausgezahlt und ist die Finanzlage der Bank nach allen Richtungen hin eine geordnete und vorzügliche. Das feste Vertrauen zu diesem gemeinnützigen Institut und der wvhlbegründete Ruf, den sich dasselbe erworben, hat daher jetzt wieder eine erfreuliche Bestätigung erfahren. Versichert waren bis ult. 1885 97 309 727 Jk und bezahlte Schäden 1 751 384,51 Jk (Siehe heutiges Agenten- bez. Jnspectoren-Gesuch.)

Handel und Verkehr.

Limburg, 27. Januar. Rother Weizen Jk 13.85, weißer Weizen 13.70, Kvrn Jk 1010, Gerste Jk 8.05, Hafer Jk 6.40, Kartoffeln ä 100 Pfund Jk 0.0s, Erbsen ä 100 Pfund Jk 00.00.

Frankfurt, 27. Januar. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter Jk 4.505.40, Eier das Hundert Jk 6.508.00, Butter per Pfund Jk 1.10 bis 1.30, Weißkraut per Stück 1520 H, Rothkraut per Stück 2030 H, Kohlrabi per Stück 35 X Ochsenfleisch per Pfund 5570 H, Kuh- u. Rindfleisch 5060 ^5>, Kalbfleisch 4565 H, Schweinefleisch 6570 H, Hammelfleisch 5570 1 Hahn

Jk 0.70-1.80, 1 Huhn Jk 1.002.50, 1 Ente Jk 2.003.50, 1 Gans Jk 6.008.50, 1 Taube 40-50 H, Welsche Jk 5.00-10.00.

Statistik des Großherzoglichen Standesamts Gießen pro 1885.

Es kamen 637 Geburten vor; 73 mehr gegen das Vorjahr. Hiervon waren 330 männlich, 307 weiblich. Diese verthcilcn sich auf eheliche uneheliche

männlich weiblich männlich weiblich

225 223 105 84.

Die Sterbfälle betrugen 490; 46 mehr gegen das Vorjahr. Davon entfallen auf: männlich 302, weiblich 188. Von diesen waren 306 ledig, 128 verheirathet, 56 verwittwet.

Ehen wurden geschlossen: 121; 6 weniger gegen das Vorjahr und zwar:

104 zwischen ledigen Personen,

8 Wittwern und ledigen Personen,

8 Wittwen

1 Wittwer und Witlwe.

Hiervon fanden statt:

56 zwischen Hessen,

39

und Preußen,

3 1,

Sachsen,

2

Bayern,

1

Badenser,

1

Böhme,

17 ,,

Preußen,

1

und Bayern,

1

Mecklenburg-Schwerin.