Ausgabe 
28.11.1886 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

8490

en

w "e mit bem

urg. 8501

vorrätigen

irrcEZe

7060 ladt

wlgsstr. _

jedeD pichtestäfiSi' «sfc- Ael kür Mag

Drittes Blatt. Sonntag dm 28. November

Nr. 278. Drittes Blatt. (LoNNlüg om -v. vtuucniurr 1886*

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit «uSnahme M MoniagS.

89ttrt<rtl t Schulstraße 7.

xa

Prei» vierteljährlich 2 Aar! 20 Tf. mit vrinqerU^i. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 P^

reich hat nach dem Feldzüge 1870/71 trotz flerinfliier B-°°Ueruugsstff-r eiu stärkere» Fricdeubbeer als T-uticblaud ausgestellt und daMbe 7/lches 1870 358^0 Mann moQ D(st der Bevölkerung) betrug, 1880 auf 444,477 (1,18 p^l. oer Devoilerung-

i w aebracht Seine Infanterie gliedert sich gegenwärtig (2939 Kompagnien *294,927 Mann), seine Feld-Artillerie in 446 und 851 bespannten DtunitionSwagen.

DteNschonM d^, s^ieg- 1870 in Wuchst.,u Maße v-rm-hrt-Waffe hat auch m den letzten fahren noch eine Steigerung der Miegsbereitschast durch veränderte DiSlo- kation und Vermehrung um 54 bespannteGeschütze ^sK^n, so daß w r auf dlesem Gebiete ru besonderer Aufmerksamkeit genothrgt sind. Ein (vesetzentwurs, wercyer zur ^eit der Beratbung unterliegt bezweckt erweiterte knegsgernaßere Kadresbildung und Znen fe^er/n Zuwachs von u^ 44,000 Dtann. Diese erneute Verstärkung des Heeres fällt aber um so mehr ins Gewicht, als die Marine an Mannschaften bereits 67,336 Mann zählt Rußland hat seit dem letzten orientalischen Knege die Armee vollständig reor^ Vnisirt ^ für seine numerisch Überlegenen Streitkräfte durch Vermehrung des fechtenden Standes und systematischen Ausbau Eisenbahnen -lnch-erttg erhöhte Kriegsbereitschaft und erleichterten Aufmarsch geschallen. Die Fricbensradres der für einen europäischen Krieg zunächst bestimmten regulären Truppen sind um 2ob-. Bataillone, 90 Eskadr.ns uni 35 Batterien gestiegen. Dle gesammtc russffcheJmanlerte DUötSartiÄ Ä b« SL»b'Ä886^ 471811 Ä-aun 1 22 M der Bevölkerung (ausschließlich der Osffji-re uff w.) gebracht, Z «SSL S»*« SL?»» MA-M»

Ausbau 8ber Flotte, welche" einen Mannschastsstanb von 26,272 Kopsen erreicht hat, wirb mit rastlosem Eifer b-tti-ben. Angesichts die,er Verhaltm sc welche um ernster "ns Auge gesaßt werben müssen, als Deutschland m Anbetracht der -rsorb-rUchen B-r-itschast nach mehreren Seiten nicht di- Sireitmittel nur eines -mzeln-n Nachbar- staats in Rechnung ziehen kann, erwächst die ^lothwendigkeit, die Organisation und Stärke des deutschen Heeres der veränderten Situation anzupassen und Abhulssmaß- nahrnen so umfassend und so bald als möglich eintreten zu lassen. Allerdings legt di. erforderliche Vermehrung unserer Streitkräfte dem Reich neue Opfer auf. Aber n a ch - d e m u n e r e N a chbarn sich zu gleichen und größeren Opfern entschlossen haben, um ihre Aar essivmacht u n § gegenuber zu verstärken haben wir nur die Dahl, ob wir die e neuen Op ser auf uns nehmen, oder den Grad b e r <51 d) e r b e 11 Deu t s ch l a n d s vlermindert sehen wollen, welcher auf den bisherigen Verhalt- nUfC®k Ausgaben Deutschlands für feine 1M"«*1««: unb' ä?de'n^^chkn°Le^Ö 397^^M0 JL '1880 766^6,000 verausgabt, d. h. für den Kopf der Bevölkerung 10,33 Jt, 30,^^. 31,-* 3tup- land, welches den Unterhalt der aus Finnland sich ergänzenden Truppen aus Mitteln dieses Landes denieniaen der irregulären Truppen aus einer besonderen Kasse (Kasse b=r ir«Ä 6Äu) Wrt und für wettere militärische B-dürsnff,- Über -m- große Zahl besonderer Fonds (Kasernenfonds u. s. w.) verfugt, hat gleichwohl noch ein ziriegsbudget von 785,906,259 JL. Diese Summe reprasentirt gegen 1870, bezw. 1880 eine Steigerung von 279, bezw. 87 Mill. JL Es durfte von Interesse sein, auch den Procentsatz des Budgets (nach Abzug der Schuldenverzinsung) kennen zu lernen, der in jedem der drei vorgenannten Länder durch die Gesammtkosten, der

in Anspruch genommen wird. Für Frankreich undRußland M derselbe ziemlich zutreffend berechnen und stellt sich hiernach Frankreich 1880 35P8 pEt., 1886 40,46 pCtt, Rußland (ohne Finnland) 1880 49,47 pCt., 1886 40 pCt. Für Deutsch and laßt sich eine gleiche, auf Genauigkeit Anspruch machende Berechnung um deswillen nicht aus­stellen, weil die Zusammenstellung eines Gesammt-Budgets Nicht nur das Budget des Deutschen Reichs, sondern auch die Budgets sämmtltcher einzelnen Bundesstaaten mtt- berücksichtigen müßte, letztere theilweise nach ganz verschiedenartigen Grundsätzen auf- gestellt sind, unb überdies bte aus b-m System d°r Selbst" f** «ßebmben Ausgaben der Provinzial- und Gemeinde-Verbände nicht mitenthalten. Cinen zum Vergleich geeigneten Anhalt bieten inbessen bie V-rhattniss-b-s größten Bunb-sstaat-s. Werben ben gelammten Staatsausgaben bes preußischen Staates di-I-ntg-n Ausgaben gegenübergestellt, welche bas seitens Preußen allem ouszuftellenbe Mitttäreontingent -rsorbern würbe, Io ergibt sich, baß letztere betrugen: 1875 27 06 pCt., 1880-81 26,05 pCt., 188586 26,04 pCt. Den Voraussetzungen bes Gesetzes vom 6. Mai 188« würde es allerdings entsprochen haben, wenn die Frage der Vermehrung unserer Streit­kräfte erst zum 1. April 1888 der Verwirklichung zugefuhrt worden wäre; aber m it- Rücksicht auf die jenseits unserer Grenzen erngetretenen Verhalt nisse kann eine Verspätung der Entschließung verhängnrßvoll werden Es erscheint daher geboten, mit den entsprechenden Maßregeln nicht bis zum Ablauf, der Dauer des gegenwärtig gütigen Gesetzes zu warten. Allerdings zeigt sich hierbei, daß eine Periode von sieben Jahren nicht unter allen Umstanden für dre Wettes entwickelung unserer Wehrkraft maßgebend sein kann; aber anderersei s laßt sich doch aus der gegenwärtigen Lage kein Grund entnehmen, einer neuen Gesetzesvorlage von Hause aus eine geringere Giltigkeitsfrist zu geben. Denn der Erfolg einer Kden der­artigen Maßregel ist bei unserem Wehrsystem durch eine Reihe von Jahren ungestörter Entwickelung bedingt. Dabei ist eine siebenjährige Periode immerhin ein nicht unge­eigneter Anhalt für umgestaltende Gesetzvorlagen.

Speciell zum $ 1 der Vorlage wird dann in den Motiven noch gesagt, die Zahl von 468,409 Mann entspricht einem Procent der nach der Zählung vorn 1. December 188c> ortsanwesenden Bevölkerung und übersteigt hiernach uicht das bisher maßgebend ge­wesene Verhältniß. Die jährliche Mehreinstellung von 13,000 bis 14,000 Rekruten stoßt auf keine Schwierigkeiten, da, wie die im Juni d. I. vorgelegtenUebersichten der Ergebnisse des Heeres-Ergänzungsgeschafts für das Jahr 188o envesten, der Be­stand derüberzählig" gebliebenen rund 20,000 Kopfe betragt, wobei noch m Betracht kommt, daß ein Theil der Militärpflichtigen nur um deswillen der E^satzreserve erster Klasse überwiesen wird, weil die Ersatzbehörden bei demUeberfluß an tauglichen Mann­schaften in der Lage sind, nur die körperlich Brauchbarsten zur gewöhnlichen Aushebung zu designiren.

Es könnte noch in Frage kommen, ob die den Endzweck der Vorlage blldende Vermehrung der für den Kriegsdienst vollkommen ausgebildetm Mannschaften nicht dadurch anzustreben wäre, daß unter entsprechend stärkerer Rekruteneinstellung^ innerhalb der bisherigen Friedens-Präsenzstärke eine Verkürzung der Dienstzeit ber ^ußtruppen bei den Fahnen eingeffthrt wird. Aber ganz abgesehen davon, daß diese Dienstzeit bei der Infanterie durchschnittlich überhaupt nur 2 Jahre 41/. Monate betragt und daß

Die neue Militürvorlage.

Berlin, 25. November.

Der Wortlaut des neuen Militärgesetzes ist folgender:

S 1. In Ausführung der Artikel 57, 59 und 60 der Reichsverfaffung wird die 9rriedenspräsenzstäike des Heeres an Mannschaften für die Zeit vom 1. April 1887 bis jum 31. März 1894 auf 468,409 Mann festgesetzt. Die Einjahrig-Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärke nicht in Anrechnung.

S 2. Vom 1. April 1887 ab werden die Infanterie in 534 Bataillone, die Caoallerie in 465 Eskadrons, die Feldartillerie in 364 Batterien, die Fußartillerie in qi hic Moniere in 19 und der Train in 18 Bataillone formirt.

' $. 3 Der Artikel 1 S 1 unb 2 des Gesetzes vom 6. Mai 1880, betreffenb Ei^

günjungen unb Mcnbtrungen bis R-ichsmilitärg-I-tz-s oom 2 Mai 1874 unb bie noch in Ge tuna besinblichen auf bie Zahl ber Truppentheile Bezug habenben 23c. stimmung!n des 8 2 des Reichsmilitärgefetzes vvm 2. Mai 1874 treten mit bem 31. a^r^f kommt in Bayern nach näherer Bestimmung bes

Bünbnißoertrags vom 23. November 1870 unter 3 8 5, in Württemberg nach näherer Bestimmung ber Militärconvention vom 21-/25. November 187OJ^ Motiven

Wie biese Vermehrung ber Armee vertheilt werben soll, wird in den Motiven

1 n f°IöSuer^^rVlDcrrftärfuno soll in erster Linie der Infanterie zu M^^mmen Es deckt sich hierbei in glücklichster Weise bas militärische Erforderniß mit bewBestreben, bie nicht zu umgehenben Geldopfer so niedrig als möglich zu hatten. Nichtsdesto­weniger haben doch auch namhafte Vermehrungen für die! Feldartillerie, die Eisenbahn- truüppen und den Train vorgesehen werden müssen,

haben nur insoweit Berücksichtigung erfahren, als des durch lokale Bedürfnisse be­ziehungsweise die Reorganisation des Mtlitar-Telegraphenwesens geboten ist D Forderungen für die Kavallerie beschranken sich darauf, daß für diese Waffe bte Nekrutenvacanz in Wegfall kommen soll.

ltabe:IC2 ^ioiVion^ftäbeT^3nfanteric=58ri0abeftäbe rmb .t.Eavallerie-Brlgab^ i? piner 3 __ ber 32. unb 33. Division beim 12. (Konigl.

sächsischen) unb 15. Armeecorvs unter gleichzeitigem Fortfall bes sächsischen) Armeecorps bestehenben Eaoallerie-Divislonsstabes- Infanterie Regimen er (4 vreußifche 1 sächsisches), 15 Bataillone (15 preußische); Jager. 1 Bataillon (1 sächsisches); Feld-Artillerie: 21 Abtheilungsstabe (16 preußische, 2 ba?er che, 1 sächsischer 2 württembergische), 24 Batterien (17 preußische, 2 bayrische, 3 sächsische, 2 württembergische). Eisenbahntruppen: 3 Bataillonsstäbe (2 preußische, 1 bayerischer), 9 Compagnien (6 preußische, 1 bayerische 1 sächsische, 1 württembergffche); Pwmere: 1 Compagnie (1 preußische); Train: 14 Compagnien (12 preußische, 1 sächsische, 1 württembergische).

Was von dem Mannschaftszuwachs nicht für die vorbezeichneten Neuformationen benöthigt wird, soll zur Etatsverstärkung bereits vorhandener Truppentheile verwendet werden, welche letztere namentlich für die Infanterie in sehr erheblichem Umfange, m Aussicht genommen ist. Während für die eben bezeichnete Etatsverstarkunsi auch Rück­sichten der Ausbildung maßgebend sind, wird bie Ausstellung ber Reuformatton thells durch bie unzulängliche Zahl ber Friebenscadres (Infanterie unb Felbartillerie), theils burch bie Sicherstellung der ^obi^ma^^ung (®ijenbabntruppcn, bedingt. Die Errichtung der 32. Division begründet sich durch das Anwachsen der Stärkt des 12. (König!, sächsischen Armeecorps), welches forMn 12 Infanterie-Regi­menter unb 3 Jägerbataillone zählen soll, biejemge ber 33. Division durch bte beim 15. Armeecorps bestehenben besonberen Verhältnisse. . neu iu

^ntereffe möglichster Kostenverminberung wirb vorgeschlagen, 15 der neu zu formirenden Infanterie-Bataillone nicht in Regimenter zusammenzufassen, sondern als vierte Bataillone bereits bestehenden Regimentern zu)utheilen.

Heber bie burch biese Heeresvermehrung entstehenben Kosten wird in der ^e- grünbu^^^genbe^nutget^ gegenwärtige Gesetzesvorlage vorgeschl^ verstärkuna find veranschlagt: 1) fortdauernde Ausgabe (ausschlieblichPensionsfonds). »reK 17 820 000 T Sachsen 2,350,000 JL, Württemberg 630,000 £, Summa 20 800 000 Jt, dazu für Bayern 2.202,072 JL, also rund 23,000,000. 2) Einmalige Ausgaben im Ganzen rund 24,200,000 JL Unter den einmaligen Ausgaben sind diejenigen welche durch eine entsprechende Erweiterung der Casermrung, sowie durch eSge9 &aa$inbauten und Unterkunftsräume für Material erforderlich werden, nicht mit veranschlagt. y r _ f

Die allaemeine Begründung der Vorlage besagt folgendes . .

Di- Fricdcns-Präsm,stärke des deuffchen 5x-«s ist zuletzt durch Gesetz °°m 6. Mai 1880 geregelt und hierbei für die Zeit vom 1. April 1881 bis 31. Marz 1888 auf 427 274 Mann, b. h. auf IpCt. ber nach ber letztoorber gegangener Volkszählung (1. D-ccmb-r 1875) oris-inw-scndm Bevölkerung s-stg-st-M worden- Gegiert ist das Heer in 483 Jnsanterie-Bataillone, 20 Jager-Bataillon-, 465 Eskadrons, 340 Batt-rien mit 1404 bespannten Geschützen, 31 SuB;2lrttaerie=»(i alHone, 19

2 Eisenbabn-Bataillone, 18 Train-Bataillone. Treu seiner Bestimmung bildet dies-z Heer bie Bilbungsschule bes beutschen Volkes für ben Krieg, ^me Kriegstuchtigkelt bietet bie hauptsächlichste Gewähr für bie Sicherheit unb Machtstellung des Reichs. Eine schwere Täuschung würbe es aber fein, wenn bas Bewußtsein, ebie ftarfe unb kriegsbereite Armee zu besitzen, bie Gefahren unterschätzen ^^be, welche Deutfchlanb aus seiner von allen weiten einem Angriff ausgesetzten Lage erwachsen, benn nur der Vergleich mit ber Kriegsmacht der benachbarten Grotzstaaten Sibt nnen Anhalt für das Maß ber eigenen Stärke. Kaum hat es eine Zett gegeben, m welcher ble Bestrebungen, die Wehrkraft nachhattig zu festigen unb zu steigern, so allgemein hervorgttreten Vnb, als bie jüngst verflossene unb bie gegenwärtige. Freilich ist bie beutsche Kriegsmacht unter dem zwingcnben Druck ber äußeren Verhältnisse ötttchfalls gewachsen, das Heer Erstarkte sich von 378,069 (1870) im Jahre 1871 auf Ml,059 und seit 1881 auf 427,274 Mann; bie Marine in ben gleichen Jahren von 5744 auf ^0,451 (1880) bezw. 13 892 (1886) Köpfe, aber trotz bieser Vermehrung kann es keinem Zweifel unterliegen, baß bie militärische Lage mehr unb mehr zu unseren Ungrinsten sich verschiebt. Hiermit läuft bas als Frucht eines glorreichen Krieges neu erftanbene deutsche Reich für eure absehbare Zukunft Gefahr, bei einem brohenben europäischen Eonflict nicht mehr ferne ber Erhaltungbeä allgemeinen Friedens dienende Politik nachdrucksvoll fuhren zu können; es sst sogar, wenn auch für un§ ber Krieg unvermeiblich werben sollte, die """" ÄSSlße8U^^9^uMererr mit berieni0en unterer

Nachbarstaaten bebarf es daher mehr als je, und kein sein Vaterland hebenber Deutscher wird die danach für und sich ergebenden Nothwendigketten verkennen können. Fr n -