Ausgabe 
28.10.1886 Erstes Blatt
 
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1886

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Preis vierteljährlich Durch die Post bezog.

Erscheint täglich mit SnLnahme de« Montag«.

Schulstraße 7.

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Betreffend: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen.

Gießen, am 25. October 1886.

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Nir. 2SL Erstes Blatt. Donnerstag den 28. October

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

<m die Schulvorstände des Kreises.

Die Schülerverzeichniffe in rubricirtem Betreff werden in den ersten Tagen b. m. an Sie zurückgehen, vr. Boekmann-

Dänemark.

Kopenhagen, 26. October. Die beiden Fraktionen der Linken des Folkethings einigten stch auf Veranlaffung der Fraktion Berg gestern über die Bildung einer Gesammtpartei unter der BezeichnungLinke des Reichstags." Der Beitritt der Linken des Landsthing ist ebenfalls zu erwarten.

England.

London, 26. October. DieTimes" bestreitet Frankreich das Recht, außerhalb des finanziellen Bereichs sich in die egyptifchen Angelegenheiten zu mischen. Sollte Waddington von England die Bestimmung einer Frist für die Räumung Englands verlangen, so werde Lord JddeSleigh hoffentlich klar und bestimmt, wenn auch die französische Empfindlichkeit berücksichtigend, erklären, England müffe in Anbetracht der eigenen und internationalen Jntereffen, welche letzteren durch die Verhältnisse seiner Obhut anvertraut worden seien, selber be- urtheilen, wann die Zeit gekommen sein wird, wo er seine Ausgabe in Egypten als gelöst betrachten könne.

London, 26. October- Rach Meldungen aus Capstadt machte ein Stamm der Pondos einen Einfall in das Gebiet der Xesibes, welches zur Cap- Kolonie gehört. Die Cap-Regierung bildet Freiwilligen-Corps, welche gegen die Pondos marschiren sollen.

Rußland.

Petersburg, 26. October. Heute wird folgender vom 24. October datirter kaiserlicher Tagesbefehl an die Armee und Flotte veröffentlicht: Heute hat in Petersburg die Entbüllungsfeier des Denkmals an den Krieg mit der Türkei im Jahre 187778 stattgesunden. Möge dieses Denkmal für ewige Zeiten erinnern an die Selbstverleugnung und den Heldenmuth der Krieger, welche mit Gottes Hülfe die russischen Fahnen und den russischen Namen mit neuem Ruhm bedeckt haben. An diesem Feiertage wende ich mich an Euch. Heerführer, Admirale, Osficiere, Soldaten, Matrosen der topfern Armee und der heldenmüchigen Flotte, um Euch zu sagen, daß ich Eurer unerschütterlichen Ergebenheit vertraue und stolz bin auf Eure Ruhmesthaten, indem ich gemein» sam mit dem gesammten Rußland dankerfüllten Herzens Eurer hohen Verdienste um den Thron und Vaterland gedenke. Mögen diese Angedenken als Unter­pfand dienen für meine und des ganzen Russenvolkes unveränderliche Ueberzeu- gung, daß in allen Prüfungen, womit Gottes Vorsehung Rußland heimsuchen sollte, die Armee und Flotte stets auf der Höhe kriegerischen Heldenmuthes und unverwelklichen Ruhmes verbleiben werden, welche von unseren Vorfahren erworben, vor unseren Augen würdig behauptet und gefördert worden.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's lelegr.CoreespondenZ-DMeim.

Blankenburg, 26. October. Der Kaiser ist in Begleitung des Prinzen Hein­rich abgereist. Auf dem Bahnhofe sprach er nochmals seinen Dank für den Empfang an den Kreisdirector und Bürgermeister aus. Prinz Albrecht und die übrigen Fürst­lichkeiten reisen Mittags ab.

Berlin, 26. Octoder. Der Kaiser ist kurz vor 2 Uhr von Blankenburg wohl­behalten hierher zurückgekehrt.

Das Aeltesten - Collegium der Berliner Kaufmannschaft hat die Befür­wortung der seitens elsaß-lothringischer und württembergischer Industriellen gemachten Vorschläge, eine Abänderung der Klassification der Baumwollengewebe im Zolltarif Verzollung nach dem Gewicht der Gewebeflächen an Stelle der jetzigen Unterscheidung der Gewebe in dichte und undichte herbeizuführen, nach Verständigung mit den in Berlin vertretenen Branchen abgelehnt.

Mainz, 26. October. In Finthen und Gonsenheim kamen choleraverdächtige Erkrankungen und Todesfälle vor. Die Behörden sind mit Ermittelung des That- bestandes beschäftigt, amtlicherseits sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Löwenberg, 26. October. Bei der Ersatzwahl für Bunzlau-Löwenberg zum Abgeordnetenhause ist Graf Nostiz zu Zobten (kons.) mit 309 Stimmen gewählt. Müller-Bunzlau (freis.) erhielt 31 Stimmen.

Gumbinnen, 26. October. Die Rinderpest in den russischen Gouvernements Kowno und Wilna ist erloschen, daher ist das dieserhalb erlassene Vieheinfuhrverbot wieder aufgehoben. Das Schweineeinfuhrverbot vom 17. September 1884 bleibt weiterbestehen.

Bern, 26. October. Der Chef des Eisenbahn - Departements sucht bei dem Bundesrath die Ermächtigung zur Einleitung von Verstaatlichungs-Unterhandlungen mit verschiedenen Bahnen, zunächst mit der Nordostbahn, nach.

Wien, 26. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 4/1, Pesth 9/10 Personen.

Nisch, 26. October. Der Minister des Aeußeren und der bulgarische Dele- girte Dr. Stransky einigten sich gestern bezüglich der Wiederherstellung freundschaft­licher Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien. Die Ernennung Dr. Stransky's

zum diplomatischen Agenten Bulgariens ist von der serbischen Regierung genehmigt worden.

In der Skupschtina wurde die Mittheilung des Ministerpräsidenten über die Wiederherstellung der freundschaftlichen Beziehungen zu Bulgarien mit lautem Bei­fall ausgenommen.

Liverpool, 26. October. Eine gestern Abend in den Hornsbydocks ausgebrochene Feuersbrunst zerstörte 5600 Ballen Baumwolle und 30,000 Scheffel Getreide.

Der durch das gestrige Feuer in den Hornsbydocks angerichtete Schaden wird auf nahezu 100,000 Pfd. St. veranschlagt.

Selbsthilfe der deutschen Privatbeamten.

Während von den verschiedensten Ständen Vereinigungen gebildet worden sind, welche die Verbesserung der wirthschaftlichen Lage ihrer Mitglieder, Hilfe bei Krank­heiten und Todesfällen rc. bezwecken, war von Seiten der deutschen Prioatbeamten bis vor Kurzem blos Weniges nach dieser Richtung hin geschehen. Diesem Mangel ab­zuhelfen, ist der deutsche Prioatbeamtenverein entstanden. Derselbe hat seinen Sitz in Magdeburg und bezweckt: 1) unverschuldet stellenlos gewordene oder durch Krankheit in der Familie heimgesuchte Mitglieder auch durch Vermittelung ander- weiter Anstellung - zu unterstützen und für dieselben vorschußweise Versicherungs­prämien zu zahlen; 2} bedürftigen Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder Unter­stützungen zukommen zu lassen; 3) die Betheiligung an den von ihm errichteten Wittwen-. Pensions- uud Begräbnißkassen zu fördern.

Die feit Anfang 1883 bestehende Wtttwenkasse will nach einer Karrenzzeit von 5 Jahren ihre Pensionen nach Maßgabe der eingezahlten Jahres-Quoten zahlen, unb zwar für je eine Jahres-Quote von 20 eine Wittwen-Pension von 100150 vM. Der Vermögensbestand der Wittwenkasse betrug am 31. December 1885 15,152 Jt, 42 H. Am 1. September 1886 waren für 976 Quoten 19,520 Jt von den Mit­gliedern gesteuert. Die seit dem 20. September 1884 bestehendePensionskasse der Privatbeamten" will bei einem auf vorläufig 20 JL festgesetzten Jahresbeitrag dem Versicherten von seinem 65. Lebensjahre ab, oder wenn der Betreffende in Folge von Krankheit oder Unfall außer Lage gekommen ist, einem seinen Kenntnissen, seinen Be­fähigungen oder seiner gesellschaftlichen Stellung entsprechenden Erwerbe nachgehen zu können, eine Pension zahlen. Der Vermögensbestand der Privatbeamten-Pensionskasse betrug am 31. Deeember 1885 25,463 X 64 H. Am 1. September 1886 waren 2028 Jahres-Quoten mit 40,560 JL Beiträgen eingezahlt.

Das dritte Unternehmen ist eine Begräbnißkasse, welche die Auszahlung eines Begräbnißgeldes bis 500 JL sowohl für das Mitglied, als auch für dessen Ehefrau gestattet. Die Kasse hatte am 1. September a. c. nach nur dreimonatlichem Be­stehen 573 Mitglieder mit 8200 JL Jahresbeiträgen und 198,600 JL Kapitalversicherung. Von der Errichtung einer eigenen Krankenkasse hat der Verein Abstand genommen, ebenso von der Errichtung einer eigenen Lebensversicherungs-Anstalt.

Läßt sich auch nicht von thatsächlichen Erfolgen berichten, da die verschiedenen Kassen noch keine wesentlichen Leistungen zu erfüllen hatten, so zeigt doch schon Vor­stehendes, wie sehr der Verein bemüht ist, alle Interessen seiner Mitglieder zu wahren. Daß der Verein eine Notwendigkeit ist, lehrt die stetig zunehmende Mitgliederzahl. Während letztere am 31. December 1885 sich auf 3509 in 51 Zweigvereinen belief, ist sie bis 1. September a. o. auf 5215 mit 31,290 JL Mitgliedsbeiträgen gestiegen. Das Vermögen des Vereins betrug am 31. December v. I. 11,497 JL 36 H. Für Unters stützungszwecke wurden im Jahre 1885 4352 JL verwendet. (Nähere Auskunft in Betreff dieses Vereins ertheilt in Gießen Herr Armenkasserechner La über.)

Lokales.

Gießen, 27. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 28. October 1886, Nachmittags 5 Uhr.

1. Klage gegen den Ortsarmenverband Kreuznach.

2. Gesuch der Actienbrauerei Gießen um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.

3. Gesuch des Kaufmanns Georg Emil Möhl um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.

4. Veräußerung von Hospitalgelände.

5. Gesuch des Gastwirths Christian Jungblut um Bauerlaubniß.

6. Desgleichen des Schreinermeisters Georg Franz III.

7. Gesuch des Spenglermeisters Karl August Faber wegen Trottoir- pflasterung.

8. Gesuch des Weißbindermeisters Wilhelm Seipp um Auffüllung.

9. Gesuch der Firma Wilhelm Reiber um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine. y

10. Gesuch derselben um Erlaubniß zur Anlegung eines Wasserbehälters.

11. Gesuch des Kaufmanns C. W. Nowack um Erlaubniß zur Anlegung einer Ueberbrückung. _

12. Gesuch des Fabrikanten Otto Kempf und Consorten um Canalisation.

13. Verschlämmung der Fluthgräben an den Hardthöfen.

14. Straßenbeleuchtung.

15. Anlegung von Triebvierteln zu Wiesen.

16. Kostendecreturen.

Gießen, 27. October. Im Nachstehenden lassen wir die Begründung der Resolution, welche in der Versammlung von Wasserwerks-Interessenten am 25.d.M. Abends imFrankfurter Hof" gefaßt worden, folgen:

Pos. I. 1) Da die Zuleitungen incl. Wassermesser im Besitze der Stadt bleiben, so muß auch das Wasserwerk die Herstellungskosten derselben übernehmen;