- Heute Nachmittag fand unter dem Vorsitze Granville's die Jahresversammlung des liberalen Clubs der Stadt London statt. Granville sprach die lieber; zeuguna aus, das Princip der Gladstone'schen Vorschläge, durch welche die irische Frage nur gelöst werden könne, werde früher oder später vom Parlamente angenommen werden, und erwähnte die zufriedenstellende Art, in welcher „Rosebery auswärtige Schwierigkeiten, besonders die türkische und griechische Frage bezüglich Egyptens, gelost hczbe. Granville schloß: wenn auch die Sachen langsam gingen, so sei doch zweifellos eme Besserung eingetreten. t o r
Amsterdam, 26. Juli. Am Sonntag Abend kam es m einigen Stadtvierteln anläßlich des Verbots des Volksfestes zu Streitigkeiten zwischen dem Pöbel und der Polizei und zu einigen Verwundungen. Die Ruhe war zwar gegen 9 Uhr wieder hergestellt, doch dauerte die Erregung am Montag fort, ohne daß zunächst die Ruhe -gestört wurde. Nm 5 Uhr Nachmittags wiederholten sich die Ruhestörungen, die Aufrührer erbauten Barrikaden, so daß die bereits consignirte Infanterie und Kavallerie erschien und die Menge aufforderte, auseinanderzugehen. Da dre Aufforderung mcht befolgt wurde, gab die Infanterie Feuer, wobei eine Person getödtet und mehrere verwundet wurden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind die abgesandten Truppen verstärkt worden. _ . 3 .... ~ .....
Kopenhagen, 26. Juli. Das Meeting zu Ehren des Folkething-.Prasidenten Berg fand gestern in Marienlyst statt. Dasselbe war von nahezu zehntausend Personen besucht und verlief sehr ruhig, obschon Berg eine heftige Rede gegen das Ministmum hiett. ^le Skupschtina amiullirte auf Antrag des Verifications- Ausschusses sämmtliche beanstandeten Wahlen, ausgenommen zwei, die für giltig erklärt wurden. Der Ministerpräsident verlas hierauf einen königlichen Ukas, wodurch die Session pro 1885 geschlossen wurde, die Skupschtina der Session pro 1886 auf den 15./27. Juli nach Nisch einberufen wurde.
Lokale-.
Gießen, 27. Juli. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den SS. Juli 1886, Nachmittags 4 Uhr.
1. Umbau des Bahnhofs Gießen.
2. Reform der polizeilichen Milchcontrole.
Z. Die Herrichtung eines Militärbadeplatzes.
4. Die Erbauung eines Schlachthauses.
5. Die vorläufige Unterbringung von Geisteskranken.
6. Kaufvertrag zwischen der Stadt Gießen und Anton Petri.
Gießen, 27. Juli. Wir verfehlen nicht, die Leser unseres Blattes noch besonders rauf das Kirchenconcert aufmerksam zu machen, das am nächsten Freitag vom hiesigen evang. Kirchengesangverein ausgeführt wird. Es wird wohl selten ein Programm geboten, das so viele berühmte Kirchenmusiker aller Blüthenperioden der Kirchenmusik in den zur Aufführung kommenden Pidcen vereinigt. Chöre von Palestrma bis herauf zu Mendelssohn und Kiel, Sologesänge von I. S. Bach bis zu Schubert und Hiller, ebenso Orgelvorträge von I. S. Bach bis zu Schumann. Von den Chören möchten mir nur auf den östimmigen von H. Schütz, den Vorgänger I. S. Bach's „Selig sind die Todten" und auf die von Gesangverein und Chorschule gemeinsam zu singende Motette Michael Bach's: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt", als auf ganz wunderbar ergreifende Compositionen aufmerksam machen. Die Namen der Solisten bürgen auch für einen Kunstgenuß nach dieser Seite hin. Simon-Wetzlar, ein Meister des Orgelspiels, Müller-Frankfurt, bei Vielen noch als der Sänger des Baßsolos in der Schüh'schen Passionsmusik in dankbarem Andenken stehend, Fräulein Buff-Gießen, die geschätzte und in den besten Kreisen des kunstliebenden Publikums verehrte Sopransängerin, endlich Herr F. Bauer, dessen Technik im Violinspiel seine zahlreichen Schüler zu beobachten Gelegenheit haben — lauter Namen von bestem Klange. — Möge der Erfolg den Bemühungen des Kirchengesangvereins entsprechen.
— (Berichtigung.) In der turnerischen Mittheilung in der gestrigen Nummer unseres Blattes muß es statt 15. Preis Dietz von Hungen heißen: 15. Preis Dietz von Gießen, was wir richtig zu stellen bitten.
Verwischte-.
Lich, 26. Juli. In hübscher Weise beging gestern der hiesige Turnverein die Feier seines 26jährigen Bestehens durch ein Wettturnen und Ballfest. Nachdem sich um 3 Uhr ein stattlicher Festzug durch die Straßen unserer Stadt nach der Turnhalle begeben hatte, überreichten daselbst die Jungfrauen von Lich durch Fräulein Heller dem Turnverein eine sehr schön gestickte schwarz-weiß-rothe seidene Fahnenschleife. Bei dieser Gelegenheit berührte der frühere erste Sprecher des hiesigen Turnvereins, Herr Heller, die Veranlassungen zur Gründung des Lahn-Wetter-Gaues und die dem hiesigen Vereine wegen seiner Betheiligung daran von verschiedenen Seiten gemachten Vorwürfe und wies es energisch als eine alberne Verleumdung zurück, wenn man dem neuen Gaue nachsage, er wolle die Geschäfte irgend welcher politischen Partei besorgen. Vielmehr mache es sich der Lahn-Wetter-Gau und ebenso die denselben bildenden Vereine einzig zur Aufgabe, dem Vaterlande kräftige Männer und gute Patrioten zu erziehen in unerschütterlicher Anhänglichkeit an Kaiser und Reich und Landesfürst und engeres Vaterland. Darin liege die Bürgschaft dafür, daß der Verein, der seit 26 Jahren schon so manchen Sturm erlebt, auch die jetzigen Anfeindungen zu Schanden machen werde. Diesen Gedanken führte Herr Raimund von hier noch weiter treffend aus und fügte eine Schilderung des Austrittes des Vereins aus dem Gaue Hessen bei. Nachdem der Verein gegen das Protokoll vom 48. Gauturntage, weil dasselbe in nicht wenigen Punkten erheblich vom wahren Sachverhalte abweiche, beim Gauausschusse Protest erhoben, sei ihm nachher weder die Tagesordnung des Alsfelder Turntages, -noch eine Einladung zum dortigen Gaufeste zugegangen, eine Begründung des Protestes also gänzlich ausgeschlossen gewesen; unter diesen llmständen habe der Verein dem Gaue Hessen seinen Austritt angezeigt. Nachdem Redner noch den Damen den Dank des Vereins für die schöne Schleife ausgesprochen, ließ der Obmann des Kampfgerichtes, Gaurechner Sch er ff von hier, zum Wettturueu antreten. Hieran nahmen 37 Turner der Turnvereine Gießen, Hungen, Lich und Wieseck Theil. Geturnt wurde an Barren,
Pferd und Reck; die volksthümlichen Hebungen waren: Freihochspringen, Freiweitspringen und Stemmen. Die Leistungen waren recht befriedigend, besonders der erst kürzlich gegründete Hungener Turnverein zeichnete sich durch gute Leistungen und zahl- reich- B-th-iligung au8. Von den 18 Preisen, welche zur V-rthcilung gelangten, kam der erst- nach Wieseck, der zweite nach Gießen, der vierte nach Lich, der zwölfte nach Hungen. Abends 9 Uhr begann der Ball mit »er Polonaise, an die sich die Preis- vertheilung anschloß. Recht angenehm berührte ein „Gut Heil" welches aus dem Feuerwehrfest in Butzbach anwesend- Mitglieder des Turnvereins Gießen anf tde= graphischem Wege herübersandten. Gegen Morgen endete mit dem Balle das Fest aemuthlich wie es begonnen. - Unseren Gästen, welche leider schon ruh von uns scheiden mußten, rufen wir zu: „Auf fröhliches Wiedersehen beim Gießener Stiftungsfest^ Pionier-Bataillon Nr. 15 zu Straßburg ist die Genickstarre ausgebrochen. Ein Pionier ist gestorben, zehn Erkrankte, smd^m s Lazareth gebracht worden. Es ist beschlossen worden, das Bataillon in die linksrheinischen Forts zu
6 Schweinfurt, 23. Juli. Ein furchtbares Unwetter hat gestern Abend Schweinfurt und Umgegend heimgesucht. Nach einer erdrückenden Hitze zogen Abends gegen 8 Uhr von Würzburg her ein Gewitter heran, welches sich nach kurzer Zeit unter grauenhaftem Getöse, Blitz und Hagelschlag entlud. Em förmlicher Wolkenbruch verwandelte in kurzer ßeit die Straßen in Strome, die Felder m eeen. Ein Wirbelwind faßte die Dächer sämmtlicher höher gelegenen Häuser, stürzte die Schornsteine verschiedener Fabriken um und brachte mehrere Gebäude zum Einsturz. Am schlimmsten hauste der Sturm am Bahnhof Oberndorf > Schweinfurt. Die Emsteighalle wurde vollständig zerstört; die eisernen Träger derselben sind wie Halme zerknickt. Die Wagenremise mit den darin befindlichen Waggons wurde zusammengeworfen; die Aborte, die Dienstwohnungen wurden ihrer Dächer beraubt, welche auf eine weite Strecke weggeführt wurden. In der Stadt ist die Verwüstung nicht minder groß. Die hohen Dampfkamine der Färb- und Gewürzmühle von Carl Wilhelm Geyer, der Dampfgerberei von Gebrüder Bach, der Ziegeleien von Ad. Stütze! und Andreas Menke, des Dampfsögewerks von Göbel it. Mayer, der Maschinenfabrik von C. Joachim u. Sohn und der Brauerei Georg Hartmann, sind umgestürzt. Kein Haus in der ganzen Stadt blieb unbeschädigt. Eine große Halle am Marienbach wurde hingelegt wie ein Kartenhaus, das schwere Holzthor derselben fast 50 Meter weit über den Bach gegen einen Gartenzaun geschleudert und viele und schwere Holzstücke derselben wurden noch viel weiter getragen. Eine große Halle auf dem Belschner'schen Felsenkeller am Theilberge wurde total zertrümmert, von einer zweiten das Dach vollständig abgedeckt und vom Sturme fortgeführt. Die starke eiserne Helmstange mit Wetterhahn auf dem Haupt- thurme von St. Johann wurde krumm gebogen, die ganze Kuppel des Thurmes der Kirche St. Salvator ist abgerissen. Die gesammte Ernte unserer Gegend ist zerstört. Die umliegenden Gemarkungen haben furchtbar gelitten; besonders Sennseld, Markt- steinach, Schonungen, Waldsachsen und Abersfeld. Was der Hagel verschonte, entführten die Fluthen. Alle Obstbäume der Umgegend sind vernichtet; die stärksten Bäume wurden geknickt oder entwurzelt. Der Jammer und der Schrecken der Bevölkerung ist groß. Verluste an Menschenleben sind glücklicher Weise bis jetzt nicht bekannt geworden.
München, 20. Juli. Die Polizeidirection versendet nachfolgendes Dementi: Die jüngst in der Presse aufgetauchte Nachricht, daß die Königin-Mutter die Erbauung einer Capelle an der Unglücksstätte bei Berg angeordnet wie gewünscht habe, entbehrt nach authentischen Mittheilungen jeder Begründung.
— sVacante Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Corps.) Breitenau (Regierungsbezirk Cassel), Corrections- und Landarmenanstalt, Aufseher, 900 «AL Gehalt nebst freier Wohnung. — Brotterode, Communalförster in Klein- Schmalkalden, 800 «AL Gehalt, sowie Brennholz. — Kassel, Direction der Landes- Creditkasse, Hilfsarbeiter im Secretariate, 1200 vH. Gehalt. Daselbst, Polizeidirection, Schutzmann, 1200 «AL Gehalt und Wohnungsgeldzuschuß. — Coburg, Postamt, Stadtpostbote, 720 «AL Gehalt und 144 «AL Wohnungsgeldzuschuß. — Eisenach, Postamt, Postschaffner, 800 «AL Gehalt und 144 «AL Wohnungsgeldzuschuß. — Hilchenbach, Magistrat, Feldhüter^ 300 «AL Gehalt jährlich. — Marburg, Universität, Aufseher (Verwalter) und Speiselieferant bei der chirurgischen Klinik, '600 «AL Gehalt, freie Wohnung, Beleuchtung und Heizung. Daselbst, Portier, 750 «AL Gehalt und freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung. — Wehlheiden, Königliche Strafanstalt, Aufseher, Gehalt 1100 vH. — Wetzlar , Eisenbahn -Jnspection , Bureau-Aspirant, 75 «AL Monatsgehalt, steigend bis zu 115 «AL. — Wiesbaden, Bürgermeisterei, Qbfts banmwärter und Hilfsfeldschütze.
Handel und Verkehr.
Gießen, 27. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 0.85—090, Hühnereier pr. St. 5—00 4, Enteneier ©t 5—6 4, Käse pt. St. 4—9 4, Käsematte 3—0 4, Erbsen pr. Liter 22 4, Linsen 32 4, Tauben per Paar 0,50 bis 0,80 4, Hühner per Stück «AL 0.80—1.10, Hahnen pr. Stück «AL 0.60-0.90, Enten per Stück «AL 1.50—2.00, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 4, Kuh- und Rindfleisch 52-56 4, Schweinefleisch 54-60 4, Hammelfleisch 50-66 4, Kalbfleisch 46-50 4, Kartoffeln per 100 Kilo «AL 3.50—6.00, Milch per Liter 12—18 4, Zwiebeln per Centner AL 6.00-7.00, Kirschen per Pfund 12-16 4.
Frankfurt, 26. Juli. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer «AL 18,25—18,50, fremder «AL 17,50—19,25, Roggen eff. hies. «AL 14,25—14,50, fremder «AL 14,25-14,50, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer «AL 13,50—14,50, fremde «AL 00,00—00,00, Hafer eff. hies. «AL 14,00—14,50, fremder «AL 00,00—00,00.
Frankfurt. 26. Juli. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 352 Ochsen, ca. 32 Bullen, ca. 500 Kühe und Rinder, ca. 227 Kälber. Die Preise stellten sich: -Ochsen 1. Qual X 63—65, 2. Qual. AL 56—58, Kühe und Rinder 1. Qual. «AL 50—52, 2. Qual. «AL 40—45 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qua!. 55—60 4, 2. Qual. 45—50 4 per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Temperatur der Lahn.
Am 27. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16», Luft 13«/? R. im Schatten.
L. Chr. Rübsamen.
Zllgrmriner Anzeiger.
Wegen vorgerückter Saison verkaufen von heute an:
baumw. Strümpfe, Socken und Sommer-Handschuhe
zu bedeutend herabgesetzten Preisen.
A. Holterhoff Söhsie9
5405 Mäusburg
von «AL 400 an, mit Panzer-Stimmstock 1,26 Mtr. hoch, äußerst kräftig gebaut, kreuzseitig, ganz in Metall-Rahmen per Gaffe zu AL 450 bis «AL 800. 4941
4 Qctao, 2 Register, in Comodform «AL 110. IllVlIllllllVf Gebrauchte gut hergerichtete Instrumente von AL 50 an jederzeit auf Lager. — Ausgedehnte Clavier-Berleih-Anftalt.
Siegen. Hernmam ILoos.
2^.Ä?e(rl^?9',b i"l|tv 5287 Ein „cbranchtcs V-locip.d W* Heb, RLhÄ-'s -Brauerei. billig abzng-b-n bei Fr. Krogmann.
Die besten und billigsten Schuhe und Stiefel kauft man nur direct in der 5416
Mech. Schuhfabrik
von
K. Grünebaum.
2A
2.»
5»
■$>
.Mein Wohnhaus1 Sem Mm-Kartoffeln Nr. 13 in der Wolkengasse, nebst ! vorfugstcher Qualität, großem Garten auf dem Hamm, i letzterer mit der Ernte, bin ich Willens zu verkaufen.
4854 M. Schirmer.
Frische Butter
h Md. 70 4 bei Abnahme von 10 Pfd. bei
4030 Julius Wallach.
per (Str. AL 5.— , zu verkaufen, auch werden dieselben in kleineren Quantitäten abgegeben. Näheres Gartcnstratze 20 (Stein's Garten).5127 Neues GrünKem billigst bei 5254
I. M. Schulhof.


